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Kriegsführung
Der Begriff ist vielschichtig und umfasst sowohl Strategie und Mittel der Kriegsführung als auch die Frage der im Krieg erlaubten und unerlaubten Handlungen.
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Begriff und Ebenen
Kriegsführung, auch Kriegführung oder Kriegswesen, bezeichnet die Art und Weise, wie Kriege geführt werden. Sie umfasst Strategie und Mittel der Kriegsführung ebenso wie die Frage, welche Handlungen im Krieg erlaubt oder unerlaubt sind. Das praktische Wissen und die Anwendung solcher Methoden aus Sicht von Soldaten und Kämpfenden heißen Kriegshandwerk.
Davon ist die Kampfführung abzugrenzen: Sie betrifft nur die Durchführung einzelner militärischer Operationen, Gefechte oder Auseinandersetzungen. Strategische Kriegsführung richtet den Krieg insgesamt aus; taktische Kriegsführung plant und lenkt das konkrete Vorgehen.
Entwicklung bis zum 19. Jahrhundert
Schon im alten Ägypten sind Kriegsführung und Schlachten überliefert. Ramses II. führte im 13. Jahrhundert v. Chr. gegen die Hethiter die Schlacht bei Kadesch, deren Ablauf als erster historisch rekonstruiert werden konnte. Eingesetzt wurden Fußsoldaten und Streitwagen; nach ägyptischen Berichten wurde der Gegner üblicherweise vor einem Angriff benachrichtigt. Neben Feldschlachten gab es Belagerungen.
Im 1. Jahrtausend v. Chr. entstand mit der Seefahrt der Seekrieg. Phönizier und Griechen bauten Kriegsmarinen auf. 480 v. Chr. besiegten die Griechen bei Salamis mit Trieren die zahlenmäßig überlegene persische Flotte und stoppten deren Vormarsch auf Griechenland. Alexander der Große eroberte mit schnellen Feldzügen innerhalb weniger Jahre ein Reich von Griechenland und Ägypten bis nach Indien.
Das Römische Heer war streng organisiert. Fußsoldaten bildeten die Hauptstreitmacht, Reiterei sicherte die Flanken. In den Punischen Kriegen besiegte Rom Karthago; die Marine setzte dabei den Corvus ein, eine Enterbrücke, mit der Fußsoldaten gegnerische Schiffe enterten und einnahmen. Ein beträchtlicher Teil der Legionen bestand später aus Nichtrömern. Der als römischer Offizier ausgebildete Cheruskerfürst Arminius lockte die Legionen XVII, XVIII und XIX unter Publius Quinctilius Varus bei Kalkriese in einen Hinterhalt und besiegte sie mit vereinigten Germanenstämmen. Hunnen und Awaren nutzten als Reitervölker schnelle Eroberungszüge und das Überraschungsmoment.
Im Mittelalter prägten Belagerungen und Feldzüge die Kriege; sie konnten sehr lange dauern, etwa der Hundertjährige Krieg. Kreuzzüge verbanden religiöse und oft auch Eroberungsmotive. Ritterheere, unterstützt durch Bogenschützen, bestimmten den Landkrieg. Die Zivilbevölkerung litt unter Kämpfen und der Versorgung der Truppen; der Seekrieg bestand häufig aus Kaperfahrten. Im Mongolenreich führte Dschingis Khan eine besondere Art der Kriegsführung ein.
Im Dreißigjährigen Krieg zogen vagabundierende Söldnertruppen ohne klare Fronten durch Mitteleuropa, beschlagnahmten Versorgungsgüter und brandschatzten Unverwertbares. Manche Landstriche verloren durch direkte oder indirekte Kriegseinwirkung mehr als 50 Prozent ihrer Bevölkerung. Schusswaffen wurden zunehmend wichtig, während die Ritterzeit endete. Im 18. Jahrhundert entstanden stehende Heere, etwa in Preußen, Frankreich und England, mit straffer Organisation, Drill und festgelegter Schlachtaufstellung. Zugleich begann der gezielte Aufbau von Logistik zur Versorgung, besonders mit Munition.
Im 19. Jahrhundert überwogen Bewegungskriege, ergänzt durch Belagerungen; Seeblockaden sollten Gegner im Landkrieg schwächen. Eisenbahnen und weitreichendere, schwerere Artillerie veränderten das Kriegswesen und machten neuzeitliche Festungen und Stadtbefestigungen obsolet. Als erster moderner Krieg nach heutigen Maßstäben gilt der Sezessionskrieg von 1861–1865.
Weltkriege und technische Kriegführung
Im Ersten Weltkrieg entstand an der Westfront Deutschlands ein Stellungskrieg. Gräben, Stacheldraht und Minen machten die Front nahezu unpassierbar; bei Sturmangriffen starben Soldaten oft schon auf wenigen hundert Metern im Feindesland. Im Seekrieg prägten Schlachtschiffe die technische Rüstung; die Seeschlacht am Skagerrak endete de facto unentschieden. Gegen die englische Seeblockade setzte Deutschland zunehmend U-Boote auch gegen Handelsschiffe ein. Der Angriff auf den Passagierdampfer Lusitania, auf dem US-Amerikaner waren, führte zum Kriegseintritt der Vereinigten Staaten.
Der Luftkrieg begann zunächst mit Aufklärung, später mit ersten Bombardements. Außerdem wurden erstmals in großem Umfang chemische Kampfstoffe eingesetzt. Wegen der damit verbundenen Qualen und ihrer schlechten Kontrollierbarkeit wurden diese Waffen nach Kriegsende weitgehend geächtet.
Der Zweite Weltkrieg begann als Bewegungskrieg mit Überraschungseffekten und massivem Panzereinsatz. Nach dem Scheitern des Russlandfeldzuges und der alliierten Invasion folgten Rückzugsgefechte und wieder Stellungskrieg; wegen materieller Übergewichte durchbrachen die Alliierten die Stellungen. Verbessertes Nachrichtenwesen ermöglichte die enge Koordination verschiedener Waffengattungen im sogenannten Blitzkrieg: Bombardierung aus der Luft, Jagdflugzeuge und Bodentruppen handelten nach einem genauen Plan.
Logistik wurde noch wichtiger: Eisenbahn, LKW und zunehmend Flugzeuge dienten der Versorgung. Die Alliierten unterstützten England und die UdSSR mit großen Geleitzugfahrten; Deutschland, Japan und die USA setzten U-Boote ein. Sonar verringerte deren Wirksamkeit, während der Flugzeugträger im Pazifik das Schlachtschiff als wichtigste Waffe ablöste.
Flächenbombardements schufen neue Dimensionen des Leids für Zivilpersonen. Deutschland setzte diese Strategie zunächst im Spanischen Bürgerkrieg und später unter anderem gegen Coventry, Hamar und Narvik ein; V1 und V2 dienten vor allem zur Bombardierung Londons. Die Alliierten bombardierten unter anderem Hamburg, Köln und Berlin, wobei Feuerstürme und sehr hohe zivile Opferzahlen entstanden. Der militärische Effekt war meist gering, und die beabsichtigte Zermürbung der Bevölkerung trat kaum ein. Die Luftangriffe auf Dresden und Würzburg gelten als militärisch besonders unsinnig, weil die Städte 1945 keine militärische Bedeutung hatten und voll von Flüchtlingen waren.
Kalter Krieg und Gegenwart
Nach dem Zweiten Weltkrieg teilte die Erklärung von Jalta 1945 Deutschland und faktisch die Welt in zwei Machtblöcke unter Führung der USA beziehungsweise der Sowjetunion. NATO und Warschauer Pakt standen für diesen Systemgegensatz. Im Mittelpunkt standen Kernwaffen und strategische Abschreckung, also die Verhinderung eines Angriffs durch die Drohung eines vernichtenden Gegenschlags. Die USA planten dabei auch weltraumgestützte Raketenabwehrsysteme (SDI). Nach herrschender Ansicht bewahrte wohl nur mutual assured destruction, das Gleichgewicht der Atommächte, die Welt vor einem Atomkrieg mit wahrscheinlich zerstörerischen Folgen für die menschliche Zivilisation und ihre Grundlagen.
Der größte Teil der Budgets des ab etwa 1950 einsetzenden Wettrüstens floss dennoch in konventionelle Waffensysteme. Direkte Kämpfe der Supermächte blieben aus, aber Stellvertreterkriege dienten der Sicherung oder Ausweitung von Einflussbereichen, etwa USA gegen Nordvietnam oder Sowjetunion gegen Aufstandsbewegung in Afghanistan. Länder der dritten Welt wurden dabei wiederholt zum Spielball; die USA installierten beispielsweise in Mittel- und Südamerika mehrere Marionettenregierungen.
Für das 21. Jahrhundert nennt der Artikel den Drohnenkrieg.
Bevölkerungsarme Räume und Taktik
In bevölkerungsmäßig schwachen Regionen zielte Kriegsführung meist nicht auf die zahlenmäßige Schwächung oder Vernichtung gegnerischer Streitkräfte, sondern auf die Gefangennahme möglichst vieler potenzieller Arbeitskräfte und streitfähiger Männer. Auch Zivilpersonen wurden geschont, soweit sie als Arbeitskräfte infrage kamen. Als Beispiele nennt der Artikel Auseinandersetzungen zwischen nordamerikanischen Indianern und in Südostasien.
Zur taktischen Kriegsführung gehören die Detailplanung, Versorgung und Transport, Positionsbezug, Aufklärung, Kampfdisposition beziehungsweise Schlachtenlenkung sowie das Nachrichtenwesen.