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Blitzkrieg
Erstmals operierte die Wehrmacht beim Polenfeldzug (1. · Unternehmen Weserübung – die Invasion der Wehrmacht in Norwegen und Dänemark am 9. · der Westfeldzug ( …
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Grundidee und Funktionsweise
Blitzkrieg bezeichnet eine militärische Strategie, die einen schnellen operativen Sieg anstrebt. Ihr Hauptziel ist, größere gegnerische Truppenverbände einzukesseln und dadurch bewegungs- und führungsunfähig zu machen. Verlustreiche Materialschlachten und langwierige Stellungskriege wie im Ersten Weltkrieg sollen vermieden werden. Unerwartete, schnelle Vorstöße sollen dem Gegner möglichst keine Zeit lassen, eine stabile Verteidigung aufzubauen.
Strategisch stoßen große, motorisierte Truppenteile weitgehend eigenständig und teilweise ohne Flankenschutz vor. Truppen werden nicht unbedingt dort verstärkt, wo sie auf starken Widerstand treffen. Stattdessen nutzt man schwächer verteidigte Stellen, um schnell in die Tiefe des gegnerischen Raumes vorzudringen und den Gegner von hinten zu umfassen. Dadurch sollen eigene Soldaten größeren Kampfhandlungen möglichst entzogen werden.
Taktisch ist die operative Eigenständigkeit wichtig. Kommandeure vor Ort dürfen relativ weitreichende Entscheidungen selbst treffen, damit sie schnell und flexibel handeln können. Außerdem gehört zum Blitzkrieg das Gefecht der verbundenen Waffen, also der koordinierte und gleichzeitige Einsatz mehrerer Teilstreitkräfte. Panzerverbände werden beispielsweise von Erdkampfflugzeugen unterstützt, während motorisierte Infanterie folgt und verbliebene gegnerische Truppen bekämpft.
Technische Voraussetzungen sind ein hoher Motorisierungsgrad und ein leistungsfähiges Fernmeldewesen. Nur so können große Einheiten schnell vorrücken und verschiedene Teilstreitkräfte aktuelle, präzise Informationen austauschen. Das Konzept ist jedoch riskant: Die eigene Front wird vorübergehend aufgesplittert und destabilisiert. Scheitert die Einkesselung, können vorstoßende Verbände isoliert und vernichtet werden. Die teilweise Aufhebung der streng hierarchischen Befehlskette erhöht dabei sowohl die Beweglichkeit als auch das Risiko.
Entstehung und Wandel des Begriffs
Das Blitzkriegskonzept entstand in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts aus dem Versuch, den Stellungskrieg des Ersten Weltkriegs zu überwinden. Es war keine nationalsozialistische Erfindung. Teile der Methode wurden bereits ab dem Frühjahr 1916 bei deutschen Sturmbataillonen eingesetzt. Gegen Ende des Ersten Weltkriegs wurde sie für die letztlich gescheiterte Operation Michael weiterentwickelt und in den 1920er Jahren ausgebaut. Als möglicher erster erfolgreicher Blitzkrieg gilt heute manchmal die Zwölfte Isonzoschlacht, auch Schlacht von Karfreit, im Oktober 1917.
Der Begriff wurde erstmals 1935 in einem Artikel der Militärzeitschrift Deutsche Wehr verwendet. Dort wurde gefordert, ernährungsschwache und rohstoffarme Staaten sollten einen Krieg „schlagartig erledigen“, indem sie gleich zu Beginn ihre „totale Kampfkraft“ rücksichtslos einsetzten, um eine Entscheidung zu erzwingen. In der deutschen Militärpublizistik war das Wort schon vor 1939 gebräuchlich; 1938 wurde Blitzkrieg als strategischer Überfall mit Panzerwaffe, Luftwaffe und Luftlandetruppen beschrieben. Die Annahme, der Begriff sei erst nach den schnellen Erfolgen von 1939/1940 entstanden, ist daher offenbar falsch.
Bekannt wurde das Wort weltweit vor allem durch den unerwartet kurzen Polenfeldzug 1939 und die schnellen Erfolge des Westfeldzugs 1940. In der NS-Propaganda wurde es nach dem Westfeldzug besonders häufig gebraucht. In der militärischen Fachsprache ist es dagegen nicht üblich. Karl-Heinz Frieser wies darauf hin, dass Blitzkrieg kein militärisches, sondern ein propagandistisches Schlagwort sei. Man kann zwischen Blitzkrieg als operativem militärischem Phänomen und als strategischem Konzept der gesamten Kriegführung unterscheiden. Bernhard R. Kroener definierte die Blitzkriegstrategie im modernen Verständnis als „optimale Kombination militärischer Führungsprinzipien mit den entsprechenden ökonomischen und gesellschaftlichen Faktoren“, die bei einem von vornherein kalkulierten Zeitansatz zum gewünschten gesamtstrategischen Ziel führen.
Der Westfeldzug beendete den seit der Kriegserklärung Frankreichs an Deutschland am 3. September 1939 bestehenden Sitzkrieg, auch Witzkrieg oder drôle de guerre genannt. Der operative Durchbruch bei Sedan nach wenigen Tagen verstärkte die Blitzkrieg-Legende. Hitler distanzierte sich im November 1941 von dem Begriff und erklärte, er habe ihn „noch nie“ verwendet, weil er ein „ganz blödsinniges Wort“ sei.
In der Nachkriegszeit verlagerte sich die Bedeutung von einem vor allem operativ-taktischen Verständnis hin zu einer umfassenden Kombination militärischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Faktoren. Zusätzlich steht Blitzkrieg für mobile Kriegführung mit schnellen Panzerspitzen anstelle von Front- und Grabenschlachten. Seit 1945 entstanden unter dem Eindruck neuer Waffentechnik verschiedene Varianten solcher Konzepte.
Frühe historische Beispiele
Der Deutsch-Französische Krieg von 1870/1871 könnte im weiteren Sinne als Blitzkrieg bezeichnet werden. Die deutsche Mobilmachung erfolgte deutlich schneller als die französische, und die beweglichere, vom preußischen Generalstab unter Helmuth von Moltke dem Älteren koordinierte Führung manövrierte die französische Armee aus. Frankreich verlor in kurzer Folge die Schlachten bei Weißenburg am 4. August 1870 sowie bei Wörth und Spichern am 6. August.
Die stählernen Hinterlader-Geschütze von Alfred Krupp hatten mit über vier Kilometer mehr als die doppelte Reichweite der französischen Artillerie. Das neueste Geschütz, C/64/67, besaß mehrere Vorteile. Französische Armeen wurden häufig umfasst und zu überstürzten Rückzügen oder Teilkapitulationen gezwungen. Nach Mars-la-Tour am 16. August verwehrte Preußen der französischen Rheinarmee den Rückzug nach Verdun, stellte sie am 18. August 1870 bei Gravelotte und besiegte sie. Es folgten die Belagerung von Metz ab dem 20. August und die Schlacht bei Sedan am 1. September 1870, die zum politischen Zusammenbruch des französischen Kaiserreiches führte.
Bei Sedan zeigte sich die Wirkung hoher Feuerkraft besonders deutlich: Die Geschütze konnten bis zu zehn Schuss pro Minute abgeben; das Kaliber 8 cm erreichte maximal 3.450 m. Diese Merkmale machten den Krieg jedoch noch nicht zu einem Blitzkrieg im modernen technischen Sinn.
Im Ersten Weltkrieg wurden wichtige Grundlagen späterer Blitzkriegführung entwickelt. Dazu gehörten insbesondere Panzer, Schlachtflieger und beweglichere Einsatzformen der Infanterie. Die spezialisierten deutschen Sturmbataillone setzten ab dem Frühjahr 1916 relativ eigenständige Entscheidungen im Gefecht um. Die Operation Michael im März und April 1918 scheiterte letztlich.
Blitzkrieg im Zweiten Weltkrieg
Im Zweiten Weltkrieg wurde der Begriff vor allem mit den erfolgreichen Feldzügen der ersten zwei Kriegsjahre verbunden. Auf deutscher Seite überarbeitete Generalleutnant Erich von Manstein die veralteten Angriffspläne gegen Frankreich. Sein später als Sichelschnittplan bezeichneter Entwurf sah einen schnellen Vorstoß schwerer Panzerdivisionen durch die Ardennen vor, die eigentlich als ungeeignet für solche Truppen galten. Der Plan wurde im Westfeldzug im Mai 1940 umgesetzt.
Die Panzer erhielten artilleristische Unterstützung durch Stukas, weil die meist noch von Pferden gezogene Feldartillerie nicht schnell genug folgen konnte. Im Gegensatz zu den Gegnern war jeder deutsche Panzer mit einem Funkgerät ausgestattet. Dadurch konnten die Verbände koordiniert geführt werden. Panzer stießen an mehreren Stellen konzentriert vor, umgingen starke Hauptstellungen und durchbrachen schwächere Abschnitte. Strategische Bombardements wirkten weit hinter den feindlichen Linien. Luftlandetruppen und eingeschleuste Sonderkommandos konnten wichtige Brücken, Stellungen oder Festungen einnehmen, etwa beim Fort Eben-Emael.
Die Panzer teilten gegnerische Truppen auf, vereinigten sich hinter deren Rücken und bildeten Kessel. Ein Teil der Panzerverbände hielt die Durchbrüche für die nachrückende schwere Infanterie offen. Diese vernichtete die eingekesselten Truppen, während viele Panzer weiter vorrückten, um neue Kessel zu bilden. Angestrebt wurde vor allem die Lähmung der gegnerischen Kommandostruktur, nicht die vollständige physische Vernichtung aller feindlichen Soldaten. Gelang dies, kam es zu hohen Gefangenenzahlen; misslang es, konnten durchgebrochene Verbände isoliert und vernichtet werden.
Zu den wichtigsten Feldzügen gehörten der Polenfeldzug vom 1. September bis 6. Oktober 1939, das Unternehmen Weserübung gegen Norwegen und Dänemark am 9. April 1940, der Westfeldzug gegen Belgien, die Niederlande, Luxemburg und Frankreich im Mai und Juni 1940 sowie der Balkanfeldzug 1941. Dänemark war am Abend des 9. April vollständig besetzt; dabei fielen 17 dänische und 203 deutsche Soldaten. In Norwegen gab es nur kurzen und örtlich begrenzten Widerstand. Bei Dünkirchen evakuierten die Engländer während der Operation Dynamo über 330.000 Soldaten. Jugoslawien kapitulierte am 17. April 1941. In Griechenland wurden bis zum 30. April im Rahmen der Operation Demon rund 50.000 alliierte Soldaten nach Kreta und Ägypten evakuiert, allerdings ohne schwere Waffen und Gerät.
Voraussetzungen, Wirkung und Grenzen
Der Blitzkrieg koordinierte erstmals in größerem Maßstab die zwischen den Weltkriegen weiterentwickelten Waffensysteme Panzer, taktische Luftangriffe und Luftlandetruppen. Dadurch verlor die Infanterie als Hauptinstrument der damals vorherrschenden Militärdoktrin an Bedeutung. Bedeutende Führer im Zusammenhang mit dieser Kriegführung waren auf deutscher Seite Heinz Guderian und Erwin Rommel sowie auf US-amerikanischer Seite George S. Patton.
Die deutsche Kriegswirtschaft besaß keine ausreichende Tiefenrüstung, also keine ausreichende Fähigkeit, einen langen Abnutzungskrieg mit großen Reserven durchzuhalten. Deshalb war die Wehrmacht auf schnelle Kriegführung angewiesen. Kurzzeitig war sie dank ausreichender Breitenrüstung erfolgreich. Für schnelle Vorstöße wurden zwischen 1936 und 1940 insgesamt 140 neue Nahrungsmittel entwickelt, darunter Pemmikan-Landjäger und Vitamin-C-Drops, um Transportraum zu sparen und den Nachschub zu erleichtern.
Beim Polenfeldzug 1939 und beim Westfeldzug 1940 arbeitete die deutsche Führung noch mit einem lediglich groben Zeitbegriff ohne ungefähr festgelegten Endpunkt. Im Krieg gegen die Sowjetunion wurde eine genaue Zeitplanung entscheidend. Beim Unternehmen Barbarossa scheiterte diese Planung; insbesondere wurde die sogenannte AA-Linie östlich von Moskau bis zum Frühherbst 1941 nicht erreicht. Bei räumlich und kräftemäßig begrenzten Feldzügen wie in Norwegen, auf dem Balkan und in Afrika konnte eine präzise Zeitplanung eher zurücktreten.
Der deutsche Sieg in Polen, Frankreich, den Niederlanden und Belgien überraschte auch die deutsche Heeresführung und Hitler. Nach dem Sieg bei Sedan am 19. Mai 1940 rief Hitler: „Es ist ein Wunder!“ Gegen die Rote Armee scheiterte die Blitzkriegtaktik vor allem, weil ein umfassender Feldzugplan fehlte, mit dem das Gros der sowjetischen Streitkräfte ausgeschaltet und ein Frieden erzwungen werden sollte. Weitere Fehlentscheidungen, darunter der Angriff auf Stalingrad ohne Aufgabe des Ziels Moskau, waren diesem Grundproblem nachgeordnet.
Letztlich endete diese Form der Ressourcennutzung mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht im Mai 1945. Das Deutsche Reich hatte zu viele industriell hochentwickelte Gegner. Die zeitweilige Wirksamkeit beruhte auf örtlicher Überlegenheit durch Mobilität und Schwerpunktbildung sowie auf mehreren für Deutschland günstigen, unkalkulierbaren Umständen. Alfred Jodl erklärte im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess, das Ausbleiben einer Niederlage bereits 1939 habe auch daran gelegen, dass während des Polenfeldzugs schätzungsweise 110 französische und britische Divisionen im Westen gegenüber 23 deutschen Divisionen vollständig inaktiv geblieben seien.