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Donezbecken

Geographie. Bearbeiten. Das Donezbecken wird im Nordostteil vom namensgebenden Siwerskyj Donez (russisch Sewerski Donez, auch kurz Donez) durchflossen. Der …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Raum und Bedeutung
  2. 2. Geologie, Kohle und Bergbau
  3. 3. Historische Entwicklung
  4. 4. Krieg seit 2014
  5. 5. Wirtschaft, Bevölkerung und Politik

Raum und Bedeutung

Das Donezbecken, kurz Donbass, ist ein großes Steinkohle- und Industriegebiet beiderseits der ukrainisch-russischen Grenze. Sein Zentrum ist Donezk, die fünftgrößte Stadt der Ukraine. Zum ukrainischen Teil gehören der nördliche und mittlere Teil der Oblast Donezk, der südliche Teil der Oblast Luhansk und der äußerste Osten der Oblast Dnipropetrowsk; auf russischer Seite zählt der westliche Teil der Oblast Rostow dazu. Weitere größere Städte mit über 100.000 Einwohnern sind Luhansk, Makijiwka, Horliwka, Kramatorsk, Slowjansk, Altschewsk, Sjewjerodonezk und Lyssytschansk.

Der Siwerskyj Donez durchfließt den Nordosten der Region und entwässert über den Don in das Asowsche Meer. Trotz seines Namens ist das Donezbecken kein geomorphologisches, also durch seine Geländeform bestimmtes Becken. Es umfasst mit dem Donezrücken sogar Landschaften mit Mittelgebirgscharakter. Namengebend ist vielmehr das unterirdische kohleführende Sedimentbecken, auf dem das Bergbau- und Industrierevier entstand.

Im Jahr 2025 herrschte akuter Wassermangel. Die frühere sowjetische Wasserversorgung des Steppengebietes, zu der auch der Oskilsker Stausee in der Region Charkiw gehörte, war zerstört. Nach Darstellung des Artikels ist das Wasserproblem ohne die Ukraine kaum zu lösen.

Geologie, Kohle und Bergbau

Geologisch gehört das Donezbecken zu einem etwa 1600 Kilometer langen paläozoischen Grabenbruch. Vermutlich handelt es sich um einen Aulakogen: einen innerhalb eines Kontinents liegenden Grabenbruch, der als passiver Arm eines Tripelpunkts entstand, ohne dass sich ozeanische Kruste bildete. Das im Devon abgesunkene Paläorift wird je nach Fachautor Pripyat-Donez-Aulakogen oder Pripyat-Dniepr-Donez(-Karpinsky)-Becken genannt. Es trennt den sarmatischen Kraton in den Ukrainischen Schild im Südwesten und das Woronesch-Massiv im Nordosten. Seine Sedimentfüllung ist insgesamt über 20 Kilometer mächtig; das geologische (Dnjepr-)Donez-Becken selbst ist etwa 60 bis 70 Kilometer breit und reicht bis nach Russland.

Sekundäre Faltungen brachten die Sedimentschichten und Kohleflöze in eine gefaltete, teilweise steile Lage. Das Alter dieser Faltungen ist umstritten und wird je nach Autor zwischen Perm und Kreide eingeordnet. Die kohleführenden Sedimente entstanden im Karbon und erreichen bis zu 14 Kilometer Mächtigkeit. In den meisten Gebieten gibt es zwischen 10–14 und 30–40 abbauwürdige Flöze. Ein Flöz ist eine zusammenhängende Schicht eines nutzbaren Rohstoffs. Die Flöze sind meist nur 60 Zentimeter bis einen Meter mächtig und nur ausnahmsweise über zwei Meter, erstrecken sich aber weit. Sie liegen in regelmäßigen Wechseln festländischer und mariner Sedimente, sogenannten Zyklothemen. Diese gehen vermutlich auf Meeresspiegelschwankungen während der permokarbonischen Vereisung zurück. Gefördert wird überwiegend hochwertige Anthrazitkohle; geringerwertige bituminöse Steinkohle liegt vor allem am Nord- und Westrand.

Das erste Bergwerk wurde 1796 in Lyssytschansk eröffnet. Im ukrainischen Teil sank die Zahl der Bergwerke von 202 im Jahr 1991 auf 161 im Jahr 2002. Die Förderung fiel von 164,8 Millionen Tonnen im Jahr 1990 auf 71,7 Millionen Tonnen 1996 und stieg bis 2002 wieder auf 83,4 Millionen Tonnen. Im russischen Teil ging die Zahl der Bergwerke auf 18 zurück; dort wurden 2002 noch 5,4 Millionen Tonnen gefördert. Ursache war nicht die Erschöpfung der auf 60 Milliarden Tonnen geschätzten Vorräte, von denen etwa zehn Prozent in Russland liegen, sondern der Zusammenbruch der verbrauchenden Industrie nach dem Ende der Sowjetunion.

Der Abbau findet durchschnittlich in etwa 720 Metern, maximal in 1200 Metern Tiefe statt. Fast 40 Prozent der Bergwerke fördern seit Mitte des 20. Jahrhunderts oder länger. Geringe Investitionen und aufgeschobene Wartung machten sie besonders gefährlich: Von 1991 bis 2000 starben 3458 Bergleute bei Grubenunglücken. Nach der Abtrennung von Teilen des Donbass 2014 wurden Anlagen zerlegt und verkauft; 2017 beschloss die selbsternannte „Volksrepublik Donezk“, die Wasserhaltung mehrerer Bergwerke einzustellen und sie damit aufzugeben. Weitere Rohstoffe sind Lithium, Kobalt, Titan und Seltene Erden. Das ukrainische Lithiumvorkommen wird auf etwa 500.000 Tonnen geschätzt und wäre damit eines der größten weltweit; diese Bodenschätze werden als möglicher Aspekt des russischen Angriffskrieges ab 2022 vermutet.

Historische Entwicklung

Vor der Bezeichnung Donbass war die Region nach der Festung Bachmut als Provinz Bachmut bekannt. Ob die Festung 1701 auf Befehl Peters I. errichtet wurde oder bereits seit 1571 ein Wachposten namens Bakhmutska bestand, ist umstritten. Bachmut wurde von August 2022 bis Mai 2023 durch Angriffe russischer Truppen völlig zerstört. Auch Slowjansk, früher Tor genannt, besitzt eine ältere Geschichte und wurde in den späten 1630er Jahren häufig erwähnt. 1707–08 erhoben sich unter dem Kosakenführer Kondraty Bulawin entlaufene Leibeigene, Deserteure und eingezogene Arbeiter gegen Herrschaftsträger, Steuereintreiber und die Amtskirche.

Die Region liegt am Schnittpunkt der historischen und kulturellen Gebiete Slobozhanshchyna, Zaporizhzhia und Pryazovia. 1786 entstand unter Katharina II. die russische Verwaltungseinheit „Land der Donkosaken“. Kohlevorkommen waren seit Anfang des 18. Jahrhunderts bekannt und wurden seit 1770 abgebaut. Sie ermöglichten gegen Ende des 19. Jahrhunderts den Ausbau des russischen Eisenbahnnetzes. Donezk wurde 1869 vom walisischen Eisenfabrikanten John Hughes gegründet, Luhansk 1795 vom schottischen Industriellen Charles Gascoigne.

Unter Stalin wurden mehrere Städte nach Revolutionären und Parteiführern umbenannt: Jusowka, das heutige Donezk, hieß ab 1924 Stalino; Bachmut wurde Artemiwsk, Luhansk 1935 Woroschylowgrad, Mariupol 1948 Schdanow und Torezk 1938 Dserschynsk. Seit den frühen 1930er Jahren arbeiteten Hunderte während der Weltwirtschaftskrise arbeitslos gewordene Bergleute aus dem Ruhrgebiet im Donbass. Fast alle, die nicht bis 1935/36 nach Deutschland zurückgekehrt waren, wurden Opfer der Stalinschen Säuberungen.

Nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion wurden große Industriebetriebe und Facharbeiter nach Westsibirien in das Kusbass verlegt. Wegen der Kohle war der Donbass ein wichtiges Ziel des Unternehmens Barbarossa. Die Wehrmacht besetzte und beutete das Gebiet ab Frühherbst 1941 aus und setzte Zwangsarbeit mit grausamen Methoden durch. Die Rote Armee eroberte es in der Donezbecken-Operation vom 16. August bis 22. September 1943 zurück. Ab 1944 mussten schätzungsweise 200.000 deutsche Kriegsgefangene sowie deportierte Rumänien-, Ungarn- und Jugoslawiendeutsche in der Region Zwangsarbeit leisten; viele starben an Unfällen, Unterernährung und Krankheiten.

Nach der Unabhängigkeit der Ukraine wurde ein großer Teil der Modernisierung im Donbass versäumt. Die politisch einflussreiche Großindustrie hielt die Region produktiv, zugleich erhielt sie Subventionen. Der Niedergang förderte Sowjetnostalgie. Bergarbeiter erzwangen 1994 vorgezogene Wahlen, bei denen Leonid Kutschma Präsident Leonid Krawtschuk ablöste. Nach der Orangen Revolution 2004 begann das Putin-Regime laut Artikel, den russischsprachigen Südosten gegen die übrige Ukraine auszuspielen. Während des Euromaidan ab 2013 blieb die Bevölkerung überwiegend passiv. Erst nach der Flucht Wiktor Janukowytschs entstanden größere Mobilisierungen; einige aus mehreren Tausend Aktivisten bestehende Gruppen wurden laut Andreas Kappeler von Russland gesteuert.

Krieg seit 2014

Durch das Eingreifen paramilitärischer russischer Truppen brachten bewaffnete Kräfte bis zum 13. April 2014 mehrere Stadtverwaltungen unter ihre Kontrolle. Der Kommandeur Igor Girkin erklärte später, er habe den Krieg im Donbass ausgelöst; ohne das Überschreiten der Grenze durch seine Einheit wären die Ereignisse wie in Charkiw und Odessa folgenlos geblieben. Am 14. April begann die Ukraine mit dem Erlass № 405/2014 eine militärische Anti-Terror-Operation gegen die „Autonomisten“ im Donbass, auf der Krim und in Sewastopol.

Am 28. Juli 2014 berichtete das UNHCHR vom völligen Zusammenbruch von Recht und Ordnung in den Gebieten der selbsternannten „Volksrepubliken“ Lugansk und Donezk. Bewaffnete Gruppen hätten eine Terrorherrschaft mit Freiheitsberaubungen, Entführungen, Folterungen und Exekutionen ausgeübt. Die Ukraine drängte die Milizen zunächst zurück; das Eingreifen russischer Truppen beendete diesen Vormarsch und erzwang den Waffenstillstand von Minsk.

Die Ukraine hielt an ihrer staatlichen Souveränität über die besetzten Gebiete und deren Wiedereingliederung fest. Dies zeigte sich in ihren Militärstrategien von 2015, 2020 und 2021 sowie in weiterbestehenden Kontakten und Rentenzahlungen. 2017 wurden die wirtschaftlichen Verbindungen zur Ukraine durch die Verstaatlichung der Unternehmen in den „Volksrepubliken“ beziehungsweise deren Zusammenfassung unter einer Firma in Südossetien gekappt. Das ukrainische Gesetz vom 18. Januar 2018 regelte Sicherheitszonen an der Kontaktlinie.

Für Rentenzahlungen und andere Zwecke überquerten durchschnittlich eine Million Menschen pro Monat die Kontaktlinie, wie eine UNO-Stelle im Januar 2019 angab. Im Gebiet Donezk sank die Zahl der Übergänge von 7.690.000 zwischen Januar und September 2019 auf 28.000 im gleichen Zeitraum 2021. Eigentum geflüchteter Bewohner wurde von den „Volksrepubliken“ eingezogen.

Am 21. Februar 2022 erkannte Russlands Präsident Wladimir Putin die „Volksrepubliken“ als unabhängige Staaten an; am folgenden Tag ratifizierte die Staatsduma die Anerkennung. Am 24. Februar begann der völkerrechtswidrige russische Überfall auf die Ukraine. Das Donezbecken ist für Russland auch als Teil einer Landverbindung zur Krim strategisch bedeutsam. Am 30. September 2022 erklärte die russische Regierung einseitig Teile der Region zu Bestandteilen der Russischen Föderation.

Wirtschaft, Bevölkerung und Politik

Das Donbass ist für die ukrainische Schwerindustrie ähnlich wichtig wie die Eisenerzvorkommen des Krywbass westlich des Dnepr. 1999 wurden im Donezgebiet jährlich 36 Millionen Tonnen Kohle gefördert, auf russischer Seite rund 10 Millionen Tonnen. Bergwerke und Stahlwerke waren wegen fehlender Wartung und Investitionen zunehmend veraltet. Im ersten Quartal 2014 lagen die Verluste der Unternehmen nach Angaben des ukrainischen statistischen Amts 37 Prozent über dem Landesdurchschnitt. Sie betrugen umgerechnet 1,8 Milliarden Euro und damit etwa 50 Prozent mehr als im gesamten Jahr 2013; die Industrieproduktion sank gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 13 Prozent. Zum 1. Oktober 2021 wurden die Grenz- und Zollkontrollen zwischen den selbsternannten „Volksrepubliken“ Donezk und Luhansk abgeschafft, die eine wirtschaftliche Integration ankündigten.

In den großen Städten der Oblaste Donezk und Luhansk dominiert Russisch als Muttersprache. Dies hängt mit der Zuwanderung vieler Russen während der Industrialisierung zusammen. Die Folgen erzwungener Abwanderung der ländlichen ukrainischen Bevölkerung und des Holodomor sind Gegenstand fortdauernder Forschungskontroversen; in diesen beiden Oblasten werden entsprechende Zusammenhänge meist vollständig bestritten. Während der deutschen Besetzung wurde fast die gesamte nicht geflohene jüdische Bevölkerung ermordet.

Russische Muttersprache und russische ethnische Zugehörigkeit sind nicht dasselbe. Bei der Volkszählung 2001 bezeichneten 74,9 Prozent der Bevölkerung in Donezk und 68,8 Prozent in Luhansk Russisch als Muttersprache. Ethnische Russen stellten jedoch nur 38,2 Prozent in Donezk und 39 Prozent in Luhansk; ethnische Ukrainer bildeten in beiden Regionen mit fast 60 Prozent die Mehrheit.

Bis zum Kriegsausbruch 2014 war die gewöhnlich als „prorussisch“ bezeichnete Partei der Regionen mit mehr als 50 Prozent der Stimmen die stärkste politische Kraft. An der Parlamentswahl 2014 nahm sie nicht mehr teil. Die sprachliche oder ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung darf daher nicht automatisch mit einer einheitlichen politischen Orientierung gleichgesetzt werden.

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