Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Staatsverschuldung der Vereinigten Staaten

Die Staatsverschuldung ist seit den 1980ern bis auf eine kurze Phase in den späten 1990ern kontinuierlich gewachsen, nach der Jahrtausendwende besonders, …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Bedeutung
  2. 2. Entwicklung seit der Staatsgründung
  3. 3. Berechnung und einbezogene Verbindlichkeiten
  4. 4. Schuldenobergrenze und Haushaltskrisen
  5. 5. Gläubiger und Zinslast

Begriff und Bedeutung

Die Staatsverschuldung der Vereinigten Staaten ist die Gesamtmenge aller Schulden auf Bundesebene. Gemeint sind die Gesamtforderungen der Gläubiger gegenüber der Bundesregierung. Sie wuchs seit den 1980er Jahren – mit einer kurzen Ausnahme in den späten 1990er Jahren – fast kontinuierlich. Nach der Jahrtausendwende beschleunigte sich der Anstieg vor allem durch die Kriege im Irak und in Afghanistan, die Folgen der Weltfinanzkrise 2007–2008 sowie die COVID-19-Pandemie.

Für die Bewertung ist nicht nur die absolute Schuldenhöhe wichtig, sondern besonders das Verhältnis von Schulden zur Wirtschaftsleistung, gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP). Die Wirtschaft wächst ebenfalls. Die USA haben daher zwar die höchste nominale Verschuldung, aber im Vergleich mit anderen großen Volkswirtschaften nicht die höchste Schuldenlast im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung. Am 18. August 2026 wurde für die Bundesebene ein neuer Rekordwert von 40,047 Billionen US-Dollar berichtet; 2026 lag die Staatsverschuldung insgesamt bei über 40 Billionen US-Dollar.

Entwicklung seit der Staatsgründung

Die Staatsverschuldung stieg historisch häufig im Zusammenhang mit Kriegen. Bei der Gründung der USA 1776 bestanden bereits Schulden aus dem Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg und aus der Zeit der Konföderationsartikel. Der erste dokumentierte Schuldenstand vom 1. Januar 1791 betrug 75.463.476,52 US-Dollar. Zwischen 1796 und 1811 gab es 14 Haushaltsüberschüsse und zwei Haushaltsdefizite. Im Britisch-Amerikanischen Krieg 1812–1815 stiegen die Schulden; in 18 der folgenden 20 Jahre entstanden Überschüsse, sodass Schulden abgetragen wurden.

Im Sezessionskrieg nahm die Verschuldung stark zu: von 65 Millionen US-Dollar im Jahr 1860 auf über eine Milliarde 1863 und 2,7 Milliarden nach Kriegsende. In den folgenden 47 Jahren gab es 36 Jahre mit Haushaltsüberschüssen und elf Jahre mit Defiziten; 55 % der Staatsverschuldung wurden abgetragen. Nach dem Eintritt in den Ersten Weltkrieg 1917 erreichte die Verschuldung am Kriegsende, dem 11. November 1918, 25,5 Milliarden US-Dollar. In den folgenden elf Jahren gab es Haushaltsüberschüsse, und 36 % der Schulden wurden zurückgezahlt.

Erstmals deutlich außerhalb eines Krieges stiegen die Schulden während der Weltwirtschaftskrise. Präsident Franklin D. Roosevelt bekämpfte die Große Depression mit dem New Deal, zu dem insbesondere die Einführung einer Rentenversicherung und einer Arbeitslosenversicherung 1935 gehörte. Der Schuldenstand lag 1933 bei etwa 20 Milliarden US-Dollar, ungefähr 20 % des BIP, und 1936 bei 33,7 Milliarden US-Dollar, ungefähr 40 % des BIP. Nach dem Eintritt in den Zweiten Weltkrieg infolge des Angriffs auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 stiegen die Schulden weiter; 1950 betrugen sie 260 Milliarden US-Dollar, etwa 94 % des BIP. Auch während des Koreakrieges nahmen sie zu.

Von 1944 bis 1973, während des Bretton-Woods-Systems, sanken die inflationsbereinigten Realschulden. Nach der Aufhebung der nominalen Goldbindung des US-Dollar durch Präsident Nixon im August 1971 und den Ölpreiskrisen 1973/74 und 1979/80 verschärften sich wirtschaftliche Probleme und Inflationsbelastungen. Unter Ronald Reagan und George Bush vervierfachte sich der Schuldenstand im Zusammenhang mit Steuersenkungen der Reaganomics und erreichte 1992 5,39 Billionen US-Dollar. Bis zur Jahrtausendwende stieg er um weitere 19 % auf 6,42 Billionen US-Dollar. Wegen des Wirtschaftswachstums sank die Schuldenquote in den 1990er Jahren jedoch von 64 % auf 56,4 % des BIP. Zwischen 1960 und 1999 gab es nur 1969 einen Haushaltsüberschuss.

Das Congressional Budget Office prognostizierte 2001 jährliche Haushaltsüberschüsse von 850 Milliarden US-Dollar bis mindestens 2012. Die Gesamtverschuldung hätte danach innerhalb von etwa acht Jahren vollständig abgetragen werden können. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 begann jedoch der kostspielige Krieg gegen den Terror. Bis 2009 entstand durchschnittlich eine Netto-Neuverschuldung von 1,2 Billionen US-Dollar pro Jahr. Nach einer Analyse der New York Times entfielen davon 37 % auf schlechter als erwartete Wirtschaftsleistung und Steuerausfälle, 33 % auf unter George W. Bush beschlossene Maßnahmen, 20 % auf unter Barack Obama fortgeführte Maßnahmen und 10 % auf neue Maßnahmen Obamas. Hinzu kamen die Kriege in Afghanistan und im Irak sowie Maßnahmen gegen die Finanzkrise ab 2007.

Unter George W. Bush stieg die Verschuldung von 2001 bis 2009 um 67 % auf 10,71 Billionen US-Dollar, etwa 84,2 % der Wirtschaftsleistung. Unter Barack Obama nahm sie durch weitere Maßnahmen gegen die Wirtschaftsflaute zunächst zu; bis zum Ende seiner zweiten Amtszeit 2016 sank das jährliche Defizit jedoch auf 585 Milliarden US-Dollar. Unter Donald Trump stieg das Defizit im Fiskaljahr 2018/19 auf 984 Milliarden US-Dollar, nach 779 Milliarden im Vorjahr. Als Ursachen werden unter anderem Steuersenkungen, höhere Militärausgaben sowie steigende Ausgaben für Soziales, Verteidigung und Schuldendienst genannt. Die Staatsschulden betrugen im Oktober 2019 rund 16,8 Billionen US-Dollar und Ende 2024 35,25 Billionen US-Dollar.

Im Mai 2025 stufte Moody’s die Kreditwürdigkeit der USA von Aaa auf Aa1 herab. Als Gründe wurden steigende Schulden, anhaltende Haushaltsdefizite und fehlende politische Einigkeit genannt; das Weiße Haus bezeichnete die Entscheidung als politisch motiviert. Die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen stiegen, während der US-Dollar-Index unter 100,50 fiel. Moody’s prognostizierte für 2035 eine Bundesschuld von etwa 134 % des BIP. Nach einer Schätzung des Committee for a Responsible Federal Budget erhöht das Gesetz „One Big Beautiful Bill“ vom 4. Juli 2025 die Schuldenlast in den nächsten zehn Jahren um 3,4 Billionen Dollar; die Schuldenquote steige dadurch von 124 auf 143 % der Wirtschaftsleistung.

Berechnung und einbezogene Verbindlichkeiten

Die offiziellen Angaben unterscheiden zwischen Schulden, die von Dritten gehalten werden, und internen Schulden innerhalb des Bundes. Interne Schulden entstehen beispielsweise, wenn staatliche Institutionen Staatsanleihen als Anlage für Überschüsse der Rentenversicherung halten. Im Februar 2011 entfielen von insgesamt 14,2 Billionen US-Dollar etwa 9,6 Billionen auf Dritte und 4,6 Billionen auf bundeseigene Institutionen.

Die internen Schulden stiegen seit 1957 stetig. Einen großen Anteil bilden Überschüsse der Sozialversicherungen, die für andere Zwecke verwendet wurden. Als Ausgleich erhalten die Versicherungssysteme Schuldverschreibungen des Bundes; deren Rückzahlung muss später aus Haushaltsmitteln finanziert werden. Außerdem wird zwischen marktfähigen und nicht-marktfähigen Schuldverschreibungen unterschieden. Im Februar 2011 standen 9 Billionen US-Dollar marktfähigen Schuldtiteln 5,2 Billionen US-Dollar nicht-marktfähiger Schulden gegenüber. Zu den marktfähigen Titeln gehören vor allem Wertpapiere des Finanzministeriums. Zu den nicht-marktfähigen Schulden zählen insbesondere die Konten der staatlichen Rentenversicherung, die 2010 2,5 Billionen US-Dollar ausmachten.

Die Verbindlichkeiten der staatlichen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac werden traditionell nicht vollständig zur Staatsverschuldung gezählt, weil beide als eigenständige Institutionen gegründet wurden. Nach der Finanzkrise wurde jedoch eine politische Garantie für diese Verbindlichkeiten ausgesprochen; deshalb werden sie teilweise einbezogen. 2008 betrugen sie zusammen etwa 5 Billionen US-Dollar.

Zahlungsgarantien für private Unternehmen, Banken und Investmentfonds, die nach der Finanzkrise ab 2007 vergeben wurden, werden dagegen nicht zur Staatsverschuldung gerechnet – unabhängig von der tatsächlichen Ausfallwahrscheinlichkeit. Direkte staatliche Investitionen in Finanzinstitutionen, etwa im Rahmen des Troubled Asset Relief Program, werden berücksichtigt.

Zusätzlich bestehen zukünftige Verpflichtungen aus Sozialversicherungen, vor allem Rentenzahlungen an nahezu alle derzeitigen amerikanischen Arbeitnehmer. Im Umlageverfahren werden laufende Leistungen aus den gleichzeitig erhobenen Abgaben finanziert. Nach Projektionen des Government Accountability Office werden die zukünftigen Zahlungen in den kommenden 75 Jahren die Beitragseinnahmen übersteigen; deshalb wären Zuschüsse aus anderen Haushaltsmitteln erforderlich. Der Wert der 2009 nicht durch Abgaben gedeckten zukünftigen Verpflichtungen betrug 45,8 Billionen US-Dollar für Zahlungen bis 2084. Davon entfielen 7,7 Billionen auf die Rentenversicherung und 38,2 Billionen auf Krankenversicherungen. Würden diese Verpflichtungen einbezogen, ergäbe sich ein Gesamtschuldenstand von 62 Billionen US-Dollar, also das 4,4-Fache des BIP.

Schuldenobergrenze und Haushaltskrisen

Nach der Verfassung von 1787 besitzt der Kongress die Kompetenz, Kreditaufnahmen gesetzlich zu beschließen. Bis zum Ersten Weltkrieg musste jede einzelne Kreditaufnahme vom Kongress genehmigt werden. Für eine flexiblere Finanzierung der Kriegsbeteiligung erhielt die Bundesregierung später das Recht, bis zu einer festgelegten Grenze selbstständig Kredite aufzunehmen. Die Regelungen wurden 1939 und 1941 verallgemeinert. Seitdem kann die Bundesregierung entscheiden, wann sie Kredite zur Finanzierung von Ausgaben aufnimmt, die in den jährlichen Haushaltsgesetzen vorgesehen sind.

Gleichzeitig besteht eine gesetzliche Schuldenobergrenze. Sie kann nur durch ein Gesetz geändert werden. Die Weigerung des Kongresses, die Grenze 2011 anzuheben, führte zu einer politischen Haushaltskrise. Im Herbst 2022 lag die Obergrenze bei 31,4 Billionen US-Dollar, entsprechend 30,9 Billionen Euro. 2011 betrug die damalige Grenze 14,2 Billionen US-Dollar; sie wurde anschließend auf 16,39 Billionen US-Dollar angehoben. Ende 2012 erreichten die USA diese Höhe, etwa 102 % des BIP. Anfang Februar 2013 wurde die Schuldenobergrenze bis zum 19. Mai 2013 ausgesetzt. Bis dahin aufgenommene Schulden wurden danach bei der Festsetzung der neuen Obergrenze berücksichtigt.

Gläubiger und Zinslast

US-Bundesanleihen werden weltweit von Personen, Fonds, Staaten und staatlichen Institutionen gehalten. Nach Schätzungen des Finanzministeriums entfielen im September 2008 47 % der Anleihen auf bundeseigene Institutionen, vor allem die Federal Reserve Bank, 28 % auf ausländische Investoren und andere Staaten, 5 % auf Bundesstaaten und deren Untergliederungen, 6 % auf Investmentfonds und 4 % auf Rentenfonds.

Im Dezember 2022 waren die größten ausländischen Gläubiger laut US-Finanzministerium Japan mit 1.076,3 Milliarden US-Dollar, die Volksrepublik China mit 867,1 Milliarden US-Dollar und das Vereinigte Königreich mit 654,5 Milliarden US-Dollar. Danach folgten Belgien und Luxemburg.

Die Zinskosten belasten den Bundeshaushalt zusätzlich. 2019 lagen sie bei fast 600 Milliarden US-Dollar pro Jahr beziehungsweise knapp 2,5 % des BIP. 2025 betrugen die jährlichen Aufwendungen für den Schuldendienst annähernd 1 Billion US-Dollar; im selben Jahr wandten die USA täglich etwa 3 Milliarden als Zinsaufwand für bestehende Staatsverbindlichkeiten auf.

Weiterlesen

Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten ; Amtssprache · Englisch ; Hauptstadt · Washington, D.C. ; Staats- und Regierungsform · föderale präsidentielle konstitutionelle Republik. Bundesregierung (Vereinigte Staaten) Durch ein System der Gewaltenteilung (Checks and Balances) hat jeder dieser Zweige die Möglichkeit und Aufgabe, eigenständig zu arbeiten und auf die anderen … Staatsverschuldung Als Staatsverschuldung bezeichnet man die zusammengefassten Schulden eines Staates, also die Verbindlichkeiten des Staates gegenüber Dritten. Weltfinanzkrise 2007–2008 Die Weltfinanzkrise (oder globale Finanzkrise) war eine globale Banken- und Finanzkrise als Teil der Weltwirtschaftskrise in den Jahren 2007 bis 2009. Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten Diese transatlantische, weltanschauliche Whig-Kultur bildete den „ideologischen Nährboden für die Amerikanische Revolution“. Die Trennung von … Amerikanischer Unabhängigkeitskrieg Amerikanische Unabhängigkeitskrieg (englisch American Revolutionary War oder American War of Independence) fand von 1775 bis 1783 zwischen den Dreizehn Kolonien Erster Weltkrieg Der Erste Weltkrieg war ein bewaffneter Konflikt, der von 1914 bis 1918 in Europa, Vorderasien, Afrika, Ostasien und auf den Ozeanen geführt wurde. Weltwirtschaftskrise Die Weltwirtschaftskrise zum Ende der 1920er und im Verlauf der 1930er Jahre begann mit dem New Yorker Börsencrash im Oktober 1929. Great Depression Als Great Depression, deutsch Große Depression, bezeichnet man die schwere Wirtschaftskrise in den USA, die am 24. Oktober 1929 mit dem „Schwarzen … New Deal Die Marktwirtschaft wurde gerettet, indem vor allem durch Regulierung des Bankensystems und des Wertpapierhandels eine stabilere Wirtschaftsordnung geschaffen … Arbeitslosenversicherung Eine Arbeitslosenversicherung (AV, in der Schweiz ALV) ist eine der Sozialversicherungen, die das vorrangige Ziel hat, arbeitssuchenden Personen während … Bretton-Woods-System Als Bretton-Woods-System wird die nach dem Zweiten Weltkrieg neu geschaffene internationale Währungsordnung mit Wechselkursbandbreiten bezeichnet, …