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Bretton-Woods-System
Als Bretton-Woods-System wird die nach dem Zweiten Weltkrieg neu geschaffene internationale Währungsordnung mit Wechselkursbandbreiten bezeichnet, …
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Grundidee und Ziele
Das Bretton-Woods-System war die nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffene internationale Währungsordnung. Es beruhte auf festen, aber begrenzt anpassbaren Wechselkursen und dem US-Dollar als Ankerwährung. Damit sollte es die Vorteile fester und flexibler Wechselkurse verbinden: stabile Wechselkurse für Handel und Investitionen, aber die Möglichkeit begrenzter Anpassungen bei wirtschaftlichen Ungleichgewichten.
Auf der Konferenz vom 1. bis zum 22. Juli 1944 im Mount Washington Hotel in Bretton Woods, New Hampshire, verhandelten Vertreter von 44 Staaten. Sie wollten die Folgen des wirtschaftlichen Nationalismus, des Zusammenbruchs des internationalen Handels- und Finanzsystems während der Weltwirtschaftskrise sowie den Aufstieg des Faschismus verhindern. Besonders wichtig war die wirtschaftliche Wiederherstellung Europas als Handelspartner der USA. Ein Abwertungswettlauf wie in der Zwischenkriegszeit sollte vermieden werden.
Die Vorgeschichte war durch die wirtschaftliche Schwächung Europas und den Aufstieg der USA zur dominierenden Weltmacht geprägt. Waffenverkäufe und Rüstungskredite machten die USA zum größten Gläubiger; 70 Prozent der Goldreserven lagerten dort. Großbritannien war dagegen vom früheren Gläubiger- zum Schuldnerland geworden. Die Sowjetunion war zunächst als vollwertige Partnerin vorgesehen.
Die Bundesrepublik Deutschland trat 1949 bei und ratifizierte das Abkommen am 28. Juli 1952. Anfang der 1970er Jahre wurde das Abkommen aufgegeben; Weltbank und Internationaler Währungsfonds (IWF) bestehen jedoch mit teilweise veränderten Aufgaben fort.
Planung, Vertrag und Funktionsweise
Die entscheidenden Entwürfe stammten von John Maynard Keynes für Großbritannien und Harry Dexter White für die USA. Keynes schlug eine internationale Verrechnungsstelle, die International Clearing Union, und ein künstliches Zahlungsmittel namens Bancor vor. Die Währungen sollten gegenüber dem Bancor festgelegt werden; Leistungsbilanzungleichgewichte sollten ausgeglichen werden. Sein Plan erlaubte außerdem eher Wechselkursänderungen sowie Handels- und Devisenbeschränkungen, um Vollbeschäftigung und Zahlungsbilanz miteinander zu vereinbaren. White schlug dagegen einen Fonds vor, in den die Mitgliedsländer feste Quoten einzahlten und aus dem Kredite vergeben wurden. Dieser Plan setzte stärker auf feste Wechselkurse und begrenzte die Ziehungsrechte auf 5 Milliarden Dollar; die Verpflichtungen der USA sollten höchstens 2 Milliarden Dollar betragen.
Durchgesetzt wurde im Wesentlichen der White-Plan. Der Dollar erhielt eine feste Goldparität: Eine Feinunze Gold mit 31,104 Gramm entsprach 35 US-Dollar. Die Federal Reserve Bank of New York verpflichtete sich, Gold zu diesem Preis unbegrenzt zu kaufen oder zu verkaufen. Die Mitgliedstaaten legten ihre Währungen gegenüber dem Dollar beziehungsweise einer in Gold konvertierbaren Währung fest. Der Wechselkurs durfte höchstens 1 Prozent nach oben oder unten vom festgelegten Mittelwert abweichen.
Die Zentralbanken mussten an den Devisenmärkten intervenieren, also ihre eigene Währung gegen Dollar kaufen oder verkaufen, sobald der Wechselkurs die erlaubte Bandbreite zu verlassen drohte. Devisenbewirtschaftung und Kontrollen des internationalen Kapitalverkehrs konnten zunächst beibehalten werden. Das Ergebnis wurde deshalb als feste, aber flexible Wechselkursordnung oder Stufenflexibilität bezeichnet.
Der IWF sollte das System überwachen und Ländern mit vorübergehenden Zahlungsbilanzproblemen Kredite aus den Beiträgen der Mitgliedstaaten gewähren. Diese Kredite waren mit Spar- und Stabilisierungsauflagen verbunden. Die Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (IBRD, Weltbank) und der IWF sollten die Durchführung unterstützen. Heute vergeben beide Institutionen vor allem Kredite an Entwicklungsländer und währungsschwache Länder.
Gold-Dollar-Standard und Auswirkungen
Das System war kein klassischer Goldstandard, sondern ein Gold-Dollar-Standard. Die Teilnehmer banden ihre Währungen an den Dollar, und die US-Notenbank versprach, Dollarbestände ausländischer Zentralbanken für 35 Dollar je Feinunze in Gold umzutauschen. Anders als beim Goldstandard gab es keine Vorschriften, die den Geldumlauf an die Goldreserven banden. Dadurch konnten Staaten grundsätzlich eine eigenständige Geldpolitik betreiben.
In den ersten Nachkriegsjahren war Europa auf Investitionsgüter, Nahrungsmittel und andere Waren angewiesen, konnte aber nur begrenzt exportieren. Das europäische Handelsdefizit betrug 1947 beispielsweise 7,5 Milliarden Dollar. Die USA stellten im Marshallplan zwischen 1948 und 1951 etwa 13 Milliarden Dollar staatliche Hilfe bereit. Das war mehr als das Sechsfache der maximalen Verpflichtung nach dem Abkommen und mehr als das Vierfache der für Europa vorgesehenen Ziehungsrechte. Dadurch wurde deutlich, dass die im Vertrag vorgesehenen Finanzierungsmechanismen für den Wiederaufbau nicht ausreichten.
In den 1950er und 1960er Jahren erlebte Europa ein Wirtschaftswunder. Das System trug zur Stabilisierung des internationalen Handels und Kapitalverkehrs bei; während seiner Laufzeit war die Zahl der Bankenkrisen auffällig niedrig. Die festen Wechselkurse hatten jedoch auch Nachteile. Das währungspolitische Trilemma besagt, dass drei Ziele nicht gleichzeitig vollständig erreichbar sind: autonome Geldpolitik, fester Wechselkurs und freier internationaler Kapitalverkehr. Mit festen Wechselkursen und zunehmender Liberalisierung des Kapitalverkehrs verloren die Mitgliedstaaten daher Handlungsspielraum.
Ein Beispiel war Westdeutschland: Die Bundesbank musste die Aufwertungstendenz der D-Mark durch Dollarkäufe bremsen. Dies führte zu importierter Inflation, die sie zwar bekämpfen, aber nicht vollständig verhindern konnte. Im März 1973 endeten die Interventionen. Irland, Großbritannien und Italien ließen ihre Währungen frei floaten; Westdeutschland, Frankreich, Dänemark und die Benelux-Staaten bildeten zunächst die „Währungsschlange“.
Mängel und Zusammenbruch
Zu den grundlegenden Schwächen gehörten fehlende Mechanismen zur Anpassung von Zahlungsbilanzungleichgewichten, die Dominanz des Dollars, unterschiedliche wirtschaftliche Entwicklungen und die Probleme fester Wechselkurse. Weil keine Deckungsvorschriften für den Geldumlauf bestanden, konnten Staaten zur Bekämpfung von Beschäftigungsproblemen eine expansive Geldpolitik betreiben, ohne ausreichend Rücksicht auf ihre Währungsreserven zu nehmen. Zahlungsbilanzdefizite und Inflation nahmen dadurch zu. Bei dauerhaften Defiziten wurden Währungen eigenständig abgewertet, während Überschussländer unter Aufwertungsdruck gerieten.
Ein zentraler Konstruktionsfehler war das Triffin-Dilemma. Der wachsende Welthandel erforderte mehr Dollarreserven. Diese konnten nur entstehen, wenn die USA ständig Leistungsbilanzdefizite gegenüber dem Ausland aufwiesen. Dadurch wuchsen die ausländischen Dollarbestände, während das Vertrauen in die Möglichkeit ihrer Einlösung in Gold abnahm. Ende der 1950er Jahre überstiegen die bei ausländischen Zentralbanken gehaltenen Dollarbestände die US-Goldreserven deutlich. Ein gleichzeitiger Umtausch aller Dollarreserven hätte die USA überfordert.
Im Oktober 1961 gründeten die großen Notenbanken einen Goldpool, um den freien Goldpreis bei 35 Dollar je Feinunze zu halten. 1966 forderte der französische Staatspräsident Charles de Gaulle die USA auf, französische Dollarreserven in Gold umzutauschen. 1968 wurde die Goldeinlösepflicht auf die Zentralbanken der Mitgliedstaaten beschränkt. Am 15. August 1971 beendete US-Präsident Richard Nixon die nominale Goldbindung des Dollars („Nixon-Schock“).
Zusätzlich erhöhten die US-Militärausgaben für den Vietnamkrieg, die Inflation und die Leistungsbilanzdefizite den Druck auf den Dollar. Die D-Mark war gegenüber dem Dollar zunächst stark unterbewertet. 1969 wurde sie um 8,5 Prozent aufgewertet; der Dollarkurs sank von 4 D-Mark auf 3,66 D-Mark. 1970 wurden Kapitalverkehrskontrollen in den USA, Kanada, der Bundesrepublik Deutschland und der Schweiz endgültig aufgegeben. Im Mai 1971 gab die Bundesregierung den DM-Wechselkurs frei; der Dollar fiel um 9,3 Prozent auf 3,32 D-Mark.
Nach einer weiteren Dollarentwertung von 10 Prozent im Februar 1973 lösten sich Japan und die EWR-Länder von der Dollarbindung. Vom 2. bis 19. März 1973 wurden europäische Devisenbörsen teilweise geschlossen. Zwischen dem 11. und 14. März beschlossen mehrere europäische Länder den endgültigen Ausstieg aus festen Wechselkursen. 1973 wurde das Bretton-Woods-System offiziell außer Kraft gesetzt; in den meisten Ländern wurden die Wechselkurse freigegeben.
Reformdebatte und Folgen
Befürworter flexibler Wechselkurse argumentierten, diese stärkten die geldpolitische Autonomie, beseitigten die Asymmetrien des alten Systems und könnten fundamentale Zahlungsbilanzungleichgewichte verringern. Kritiker befürchteten dagegen destabilisierende Spekulation, Nachteile für Außenhandel und internationale Investitionen sowie eine weniger disziplinierte Geld- und Fiskalpolitik. Die Erfahrungen mit flexiblen Wechselkursen bestätigten keine der beiden Seiten vollständig. Als zentrale Schlussfolgerung gilt im Artikel, dass kein Wechselkurssystem ohne internationale wirtschaftspolitische Zusammenarbeit dauerhaft gut funktioniert.
Nach dem Zusammenbruch kam es zu starken Wechselkursschwankungen und zur Entstehung verschiedener regionaler Systeme. Die Europäische Gemeinschaft bildete 1972 den Europäischen Wechselkursverbund und 1979 das Europäische Währungssystem, das Schwankungen zwischen den Mitgliedswährungen innerhalb bestimmter Bandbreiten begrenzte. Die heutige Weltwährungsordnung ist heterogener: Neben festen oder eng gebundenen Wechselkursen gibt es flexible Kurse, bei denen sich Währungen an den internationalen Devisenmärkten nach Angebot und Nachfrage bewegen.
Auch bei formal flexiblen Wechselkursen greifen Zentralbanken manchmal ein, um Schwankungen oder längerfristige Trends zu beeinflussen. Dieses „schmutzige“ oder „gemanagte“ Floaten liegt zwischen vollständig festen und völlig freien Wechselkursen. Gold spielt als internationales Zahlungsmittel heute kaum noch eine Rolle. Der IWF und die Weltbank bestehen weiterhin.