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Great Depression
Als Great Depression, deutsch Große Depression, bezeichnet man die schwere Wirtschaftskrise in den USA, die am 24. Oktober 1929 mit dem „Schwarzen …
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Überblick und Vorgeschichte
Die Great Depression (deutsch: Große Depression) war eine schwere Wirtschaftskrise in den USA. Sie begann am 24. Oktober 1929, dem „Schwarzen Donnerstag“, und prägte die 1930er Jahre. Sie war Teil beziehungsweise Ausgangspunkt der Weltwirtschaftskrise; im Englischen wird der Ausdruck teils auch gleichbedeutend mit dieser weltweiten Krise verwendet. Für die USA umfasst die hier beschriebene politische, soziale und kulturelle Entwicklung die Jahre 1929 bis 1941.
Die Voraussetzungen entstanden in den wirtschaftlich erfolgreichen 1920er Jahren. Unter dem republikanischen Präsidenten Calvin Coolidge prägten unregulierter Kapitalismus, Selbstregulierung und Laissez-faire die Politik. Laissez-faire bedeutet, dass der Staat möglichst nicht in die Wirtschaft eingreift. Herbert Hoover gewann die Wahl 1928 mit dem Versprechen, diese Politik fortzuführen und damit die „prosperity“, also den Wohlstand, zu erhalten.
Krise und wirtschaftliche Abwärtsspirale
In den 1920er Jahren stiegen die Produktion von Konsumgütern und landwirtschaftlichen Erzeugnissen deutlich. Zugleich war das Vermögen sehr ungleich verteilt. Der größte Teil der Bevölkerung hatte zu wenig eigene Mittel, um einen ausreichend großen Absatzmarkt zu bilden. Viele Menschen finanzierten ihren Konsum deshalb auf Kredit. Die Konsumkredite stiegen von 100 Millionen $ im Jahr 1919 auf über 7 Milliarden $ im Jahr 1929.
Als unmittelbarer Auslöser gilt allgemein der Börsencrash im Oktober 1929. Ungezügelte Spekulationen hatten eine Spekulationsblase entstehen lassen. Hinzu kamen Betrügereien wie Bilanzfälschungen und Kettengeschäfte. Nach dem Crash sank das Vertrauen in die Wirtschaft: Banken vergaben Kredite vorsichtiger, Konsumenten gaben weniger aus, Unternehmen drosselten die Produktion und entließen Arbeiter. Die Federal Reserve erhöhte die Zinsen.
Viele Banken gingen insolvent, weil sie Kredite zuvor zu unvorsichtig vergeben hatten. Bank Runs, also massenhafte Abhebungen von Einlagen, destabilisierten das Bankensystem zusätzlich. Weil Kredite für Unternehmen und Konsumenten immer schwerer zu erhalten waren, verstärkte sich die wirtschaftliche Abwärtsspirale bis zur Depression.
Auch Deutschland wurde durch den Abzug kurzfristigen amerikanischen Kapitals in seiner Zahlungsfähigkeit stark beeinträchtigt. Die Folge war eine weltweite Rezession. Erst während des Zweiten Weltkriegs erreichte die Weltwirtschaft bei Industrieproduktion, Aktienpreisen und weltweitem Bruttosozialprodukt wieder den Stand von 1929.
Politischer Wandel und New Deal
Herbert Hoover galt vielen Menschen als zu schwach und zu wenig entschlussfreudig gegenüber den wirtschaftlichen und sozialen Problemen. Deshalb gewann der Demokrat Franklin D. Roosevelt die Präsidentschaftswahl 1932. Bis zu seinem Tod 1945 wurde er dreimal wiedergewählt. Zur Bekämpfung der Krise verabschiedete seine Regierung zwei Programme, die als New Deal bezeichnet werden.
Da viele Menschen Börsenspekulation und ungezügelten Kapitalismus für die Krise verantwortlich machten, wuchs das Misstrauen gegenüber Großkonzernen. Das soziale Elend führte außerdem zu einer Radikalisierung der Gesellschaft. Alternative Gesellschaftsvorstellungen und Massenbewegungen erhielten großen Zuspruch. Die Kommunistische Partei der USA erreichte ihre größte Popularität; zugleich bestanden einflussreiche rechtsextreme und faschistische Organisationen wie die Union Party des Father Coughlin. Insgesamt prägte jedoch ein „Linksruck“ die Gesellschaft: Er zeigte sich in sozial orientierter Regierungspolitik und in Bewegungen der Popular Front.
Arbeitslosigkeit und soziale Reformen
Der wirtschaftliche Zusammenbruch führte 1932 zu etwa 25 % Arbeitslosen unter den US-Amerikanern, rund 15 Millionen Menschen. Vor der Krise hatte die Arbeitslosigkeit bei 9 % gelegen. Viele Menschen arbeiteten in schlecht bezahlten und prekären Beschäftigungen, um sich und ihre Familien zu versorgen. Die Durchschnittslöhne sanken um 60 %, das landwirtschaftliche Einkommen um 50 %.
Im New Deal setzte Roosevelt rasch Sozialreformen durch, die in Europa zwar schon länger bestanden, in den USA aber als revolutionär galten. Kernstück war der Social Security Act von 1935. Er führte eine Alters-, Arbeitslosen- und Unfallversicherung ein, die Arbeitnehmer und Arbeitgeber bezahlten.
Der Kongress verabschiedete 1933 den Agricultural Adjustment Act (AAA), um Farmer zu unterstützen, deren Lage sich bereits in den 1920er Jahren verschlechtert hatte. Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen liefen im Ersten New Deal zunächst über die Civil Works Administration (CWA) und im Zweiten New Deal über die Works Progress Administration (WPA). Die WPA sollte besonders Arbeitslose aus der staatlichen Sozialhilfe herausführen. Sie förderte den Bau öffentlicher Gebäude, Brücken, Flughäfen und Straßen sowie kulturelle Vorhaben wie das Federal Theatre Project, das Federal Art Project und das Federal Writers’ Project.
Linke Kritiker beanstandeten, viele Reformen seien halbherzig und gingen nicht weit genug. Laut Artikel gibt es in den USA bis heute kein soziales Netz, das europäischen Standards entspricht.
Kultur zwischen Kritik und Ablenkung
Die Krise brachte eine stark sozialkritische und politisierte Kultur hervor. Sie zeigte sich in Literatur, Fotografie, Film, Theater, Malerei und Musik. John Steinbecks Roman „Früchte des Zorns“ („The Grapes of Wrath“, 1939; 1940 verfilmt) gilt als Sinnbild der Zeit. Wegen seiner Sozialkritik wurde er damals stark angegriffen und in Kalifornien zeitweise verboten. Woody Guthrie wurde mit seinen Liedern zu einer nationalen Legende.
Ein Fotodokumentationsprojekt der Farm Security Administration, das Roy Stryker begann, zeigte das Elend von Arbeitslosen und Binnenmigranten aus der Dust Bowl. Besonders die Fotografien von Dorothea Lange, Arthur Rothstein, Walker Evans, Ben Shahn und weiteren Fotografen machten diese Lage sichtbar.
Die Massenunterhaltung setzte zugleich auf Ablenkung von der Not. Shirley Temple wurde 1932 im Alter von vier Jahren zum Filmstar und prägte das Jahrzehnt. Musicals waren ebenfalls sehr beliebt, enthielten aber oft versteckte sozialkritische Anspielungen. Das Stück „Brother, Can You Spare a Dime?“ aus dem Musical „Americana“ thematisierte die Great Depression ausdrücklich.
Kulturschaffende aus dem linken politischen Spektrum der 1930er und 1940er Jahre wurden in den 1950er Jahren teils Opfer der „Kommunistenhatz“. Wegen vermuteter Verbindungen zur Kommunistischen Partei wurden sie verhört und erhielten teils direkte, teils indirekte Berufsverbote, etwa durch Boykotte der Filmindustrie.