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Sprachmanipulation
Sprachmanipulation ist die bewusste Veränderung von Sprache durch bestimmte Interessengruppen, die ihre Denkweisen oder Ideologie forcieren (fördern, …
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Begriff und Funktionsweise
Sprachmanipulation ist die bewusste Veränderung von Sprache durch Interessengruppen, die ihre Denkweisen oder Ideologie fördern, verbreiten oder durchsetzen wollen. Sie arbeitet mit emotionalen, wertenden oder interpretierenden Bestandteilen der Sprache. Daher umfasst sie sowohl die „Manipulation der Sprache“ als auch die „Manipulation durch Sprache“: Einerseits kann das gemeinschaftlich verwendete Sprachsystem verändert werden, andererseits kann die gezielte Art des Sprechens oder Schreibens die Wahrnehmung und das Urteil der Adressaten beeinflussen.
Ausgangspunkt sind häufig Multiplikatoren, also Gruppen mit besonderer öffentlicher Reichweite. Dazu gehören Parteien, Politiker, Journalisten, Interessenverbände und Werbetreibende. Sie können bestimmte Sprachregelungen fördern, die ihren Interessen dienen. Werden die gewünschten Wörter zum allgemeinen Sprachgut, können sie selbst eine politisch oder ideologisch organisierende Funktion erhalten. Langfristig tragen auch einzelne Sprachteilhaber zur Veränderung der Sprache bei, wenn sie manipulative Elemente unbewusst und unkritisch übernehmen und weiterverwenden.
Mittel auf der Wortebene
Auf der Wortebene nutzt Sprachmanipulation unter anderem den Unterschied zwischen Denotation und Konnotation. Der denotative Bedeutungskern eines Wortes ist deskriptiv, informativ und nichtwertend. Die konnotative Hülle umfasst dagegen emotionale und wertende Vorstellungen. Manipulativ wirken können besonders Wörter mit schwachem denotativem Kern und stark ausgeprägter konnotativer Hülle.
Weitere Mittel sind:
- Etablierte Wörter werden in einer mehr oder weniger willkürlich veränderten oder neu geschaffenen Bedeutung verwendet.
- Schlagwörter verdichten komplizierte Sachverhalte zu einprägsamen Ausdrücken.
- Euphemismen beschönigen einen Sachverhalt, während Dysphemismen und Pejorationen ihn abwertend darstellen.
- Neologismen, also neu geschaffene Wörter, führen neue Bezeichnungen und damit mögliche neue Sichtweisen ein.
- Mehrdeutige Ausdrücke und rhetorische Mittel lassen verschiedene Deutungen zu oder verstärken eine gewünschte Wirkung.
- Der pluralis auctoris, beispielsweise „wir“, bezieht die Angesprochenen ein und kann sie zugleich vereinnahmen.
- Framing ordnet einen Sachverhalt in einen bestimmten Deutungsrahmen ein.
Sätze, Rede und Kontext
Auf der Satzebene zeigt sich Sprachmanipulation vor allem in der jeweiligen Rede, also im konkreten Gebrauch des Sprachsystems. Typische Mittel sind Gemeinplätze, Floskeln und Slogans, die zusammenfassend als „Phrasen“ bezeichnet werden. Hinzu kommen die Aufwertung der eigenen Gruppe und die Abwertung von „Gegnern“. Diese Eigen- und Fremdgruppenpolarisierung stellt die Seiten beispielsweise als „gut“ und „böse“ gegenüber.
Weitere Verfahren sollen Wahrnehmung und Urteilsbildung in die gewünschte Richtung lenken. Dazu gehören Zitate vermeintlicher „Autoritäten“, der sogenannte Autoritätstopos, sowie Stereotype im sozialwissenschaftlichen Sinn. Ebenfalls verwendet werden Leerformeln. Ernst Topitsch definiert sie als „Scheinaussagen mit extrem allgemeiner Bedeutung“.
Die Unterscheidung zwischen Wort- und Satzebene entspricht begrifflich der Trennung zwischen Manipulation durch Sprache und Manipulation durch Rede beziehungsweise Sprachgebrauch. Wörter gehören zum Sprachsystem einer Gemeinschaft. Werden sie verändert, wird die Sprache selbst manipuliert. Sätze gehören dagegen zur jeweiligen Rede; ihr manipulativer Einsatz kann innerhalb der üblichen Verwendung des bestehenden Sprachsystems bleiben.
Auch der semantische und situative Kontext einer Äußerung ist wichtig. Sowohl die Auswahl als auch die Kombination von Informationen kann manipulativ wirken. Dabei spielen rhetorische Argumentationstechniken eine Rolle. Entscheidend ist somit nicht nur, welche Wörter und Sätze vorkommen, sondern auch, welche Informationen ausgewählt, miteinander verbunden und in welcher Situation präsentiert werden.
Ziele und Auswirkungen
Sprachmanipulation soll verbreitete Einstellungen und Meinungen herstellen oder verändern. Sie kann darüber hinaus darauf zielen, ein Sprachverhalten oder anderes Verhalten zu sanktionieren, wenn es von einer vorgegebenen Linie abweicht. Sprachmanipulation und Sprachregulierung können Unterschiede zwischen individuellem und veröffentlichtem Sprachgebrauch hervorrufen, erhalten und vergrößern.
Ihre Folgen sind vielschichtig und ergeben sich erst aus dem jeweiligen Gebrauchskontext. In der Werbung dienen manipulative sprachliche Mechanismen dazu, das Kaufinteresse zu steuern. Der Artikel bewertet dies als legitime Beeinflussung des Marktes, die Werbetreibenden zur Sicherung ihrer wirtschaftlichen Existenz dient. Bedenklich können solche Verfahren jedoch in der Kinder- und Jugendwerbung sein, weil diese Zielgruppe sprachmanipulativen Techniken noch ohne Vorbehalte begegnet.
In der politischen Rhetorik tritt Sprachmanipulation als persuasive Kommunikation oder strategische Kommunikation auf. Persuasive Kommunikation ist auf Überzeugung und Beeinflussung ausgerichtet. Wenn Bürger die eingesetzten Sprachstrategien nicht erkennen, kann ihre politische Meinung leicht durch sprachliche Überzeugungsverfahren beeinflusst werden.
Strategische Kommunikation wird besonders in Kriegs- und Krisenzeiten eingesetzt. Sie dient dann dazu, kriegsbezogene politische Handlungen gegenüber der Öffentlichkeit zu legitimieren. Eine extrem manipulative Variante in diesem Zusammenhang ist die Propaganda beziehungsweise Propagandasprache.