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Rhetorisches Stilmittel
Während die meisten Stilmittel absichtlich in Reden oder Schriftwerke eingebaut werden, sind einige alltäglich, zum Beispiel die Ellipse. Das antike …
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Begriff und Bedeutung
Ein rhetorisches Stilmittel – auch rhetorische Figur, Stilfigur, Redefigur oder Sprachfigur genannt – ist ein sprachliches Gestaltungsmittel. Aus rhetorischer Sicht dient es bei der Produktion von Texten im Rahmen der elocutio dem Redeschmuck und soll bei der Erfüllung der officia oratoris helfen. Aus literaturwissenschaftlicher Sicht ist es ein sprachliches Gestaltphänomen der Oberflächen- und Tiefenstruktur eines Textes, das vom eigentlichen Ausdruck abweicht.
Die Wirkung besteht meistens in einer besonderen Betonung, die Leser oder Zuhörer häufig unbewusst aufnehmen. Die meisten Stilmittel werden absichtlich in Reden oder schriftlichen Werken verwendet; manche kommen jedoch auch im Alltag vor, zum Beispiel die Ellipse.
Das antike Rhetoriksystem formuliert Regeln für den angemessenen Gebrauch. Dazu gehören latinitas, also sinngemäß Sprachrichtigkeit, perspicuitas (Deutlichkeit), aptum (Angemessenheit) und teilweise brevitas (Knappheit). Cicero befürwortet einen regen Gebrauch der Stilmittel, weil dadurch der Geist des Hörers herausgefordert werde. John Locke wendet sich dagegen mit der Forderung nach einem scientific style gegen jede Figuration, die lediglich zur obscuritas, also zur Verschleierung des Sinnes, führe.
Entstehung und unterschiedliche Begriffsverwendung
Die heute in Rhetorik, Poetik und Sprachwissenschaft gebräuchlichen Stilmittel stammen vor allem aus der antiken Rhetorik und Poetik. Bereits die Antike entwickelte mehrere ausgearbeitete Systeme. Die Bezeichnungen kommen daher meist aus dem Griechischen oder Lateinischen, in Ausnahmefällen auch aus dem Französischen oder anderen neuzeitlichen Sprachen; daneben sind deutsche Namen verbreitet.
Die Definitionen sind nicht einheitlich. Manche Bezeichnungen gelten je nach System als Synonyme, etwa Pleonasmus und Tautologie. Umgekehrt kann derselbe Name in verschiedenen Systemen unterschiedliche Stilmittel bezeichnen, beispielsweise Katachrese. Auch die Abgrenzung ähnlicher Mittel ist oft sehr fein und hängt von der jeweiligen Definition ab. Das betrifft etwa Metapher, Metonymie und Synekdoche sowie Hypallage und Enallage oder Syllepse und Zeugma.
Nicht jedes Stilmittel ist in jeder Sprache gleichermaßen möglich. Altgriechisch und Deutsch erlauben durch ihre Möglichkeiten der Wortzusammensetzung relativ beliebige Neubildungen und eignen sich dadurch besonders für Neologismen. Im Altgriechischen, Lateinischen und Deutschen ist außerdem die Wortstellung, besonders in poetischer Sprache, vergleichsweise frei. Das begünstigt Stellungsfiguren wie Hyperbaton, Anapher und Chiasmus.
Klassifikation nach Quintilian
Quintilian unterscheidet drei Gruppen. Grammatische Figuren entstehen durch eine Abweichung von der Korrektheitsnorm der Sprache. Sie sind gewissermaßen „erlaubte“ Sprachfehler, die einem höheren Ausdruckszweck dienen. Beispiele sind Ernst Blochs Formulierung „gang und gäbene Zauberei“ und der geläufige Ausdruck „noch und nöcher“.
Rhetorische Figuren sind Wortstellungsvarianten, die über die Ebene der Grammatikalität hinausgehen. Ein Beispiel ist der Chiasmus.
Die Tropen ordnet Quintilian als dritte Art unter der Bezeichnung Gedankenfiguren, lateinisch figurae sententiarum, ein. Sie entstehen auf gedanklicher Ebene und können sprachlich unterschiedlich formuliert werden. Zu ihnen zählen unter anderem Metapher, Paradoxon und Antithese.
Klassifikation nach den Änderungskategorien
Die in der Rhetorik überwiegende Einteilung nach vier Änderungskategorien stammt ebenfalls aus der Antike. Sie beruht auf der Deviationstheorie: Ausgangspunkt ist ein zugrundeliegender eigentlicher Ausdruck, das verbum proprium. Durch eine Änderung entsteht der uneigentliche oder figurative Ausdruck, das verbum translatum.
Figurae per adiectionem erweitern den sprachlichen Ausdruck durch Zugabe. Beispiele sind Geminatio, Hendiadyoin und Pleonasmus.
Figurae per detractionem verkürzen den Ausdruck durch Auslassung. Dazu gehören Ellipse und Brachylogie.
Figurae per transmutationem verändern die Abfolge des sprachlichen Ausdrucks durch Vertauschung. Beispiele sind Hyperbaton und Hysteron-Proteron.
Figurae per immutationem ersetzen den sprachlichen Ausdruck an seiner Stelle. Beispiele sind Metapher, Metonymie und Ironie. Die ersten drei Kategorien umfassen Figuren; die vierte Kategorie bezeichnet die Tropen.
Neuere Einteilung aus der Interpretationsperspektive
Neuere Klassifikationen gehen meist vom interpretatorischen Standpunkt aus. Sie unterscheiden detaillierter, sind aber häufig weniger systematisch. Eine Gruppe bilden die bildhaften Figuren. Dazu gehören Tropen, bei denen anstelle der eigentlichen Bezeichnung eine Ersatzbezeichnung verwendet wird, sowie Sprachbilder, die eine anschauliche Darstellung ermöglichen, etwa Gleichnis und Vergleich.
Satz- und Wortfiguren zeichnen sich entweder durch eine besondere syntaktische Stellung als Satzfigur oder durch eine originelle Verbindung ihrer Einzelglieder als Wortfigur aus. Als Beispiel wird die Klimax genannt; auch die wiederholenden Figuren gehören in diesen Bereich.
Klangfiguren erzeugen einen besonderen Effekt durch den Klang der Wortverbindung. Beispiele sind Alliteration und Assonanz. Daneben gibt es sonstige Stilfiguren, zu denen etwa die Stichomythie zählt.
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