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Sprachbau der Interlingua

Interlingua ist eine internationale Plansprache, deren Sprachbau von den romanischen Sprachen sowie Englisch, Deutsch und Russisch abgeleitet wurde.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundlagen des Sprachbaus
  2. 2. Schreibung und Aussprache
  3. 3. Satzbau, Artikel und Pronomen
  4. 4. Substantive, Adjektive und Adverbien
  5. 5. Verben und Zeitformen
  6. 6. Zahlwörter

Grundlagen des Sprachbaus

Interlingua ist eine internationale Plansprache. Ihr Sprachbau wurde aus den romanischen Sprachen sowie aus Englisch, Deutsch und Russisch abgeleitet und beruht auf der 1951 von Alexander Gode und Hugh E. Blair vorgelegten Grammatik. Die Flexion, also die Veränderung von Wörtern nach grammatischen Merkmalen, ist mit wenigen Ausnahmen regelmäßig. Grammatische Genera gibt es grundsätzlich nicht.

Wortarten besitzen keine einheitlichen Kennzeichen: Nicht jedes Substantiv endet etwa auf -o, und Adjektive haben keine durchgehend vorgeschriebene Endung wie -i, -ik oder -a.

Schreibung und Aussprache

Interlingua verwendet die 26 Buchstaben des lateinischen Alphabets ohne zusätzliche Zeichen. Hinzu kommen die Digraphen, also Buchstabenverbindungen, ch, sh und qu. Eigennamen und Satzanfänge werden großgeschrieben. Neu aufgenommene Wörter behalten grundsätzlich ihre Buchstaben und ihre Aussprache; diakritische Zeichen entfallen, beispielsweise wird französisch défaite zu defaite. Beeinflussen sie die Aussprache, bleiben sie jedoch erhalten, etwa in kümmel.

Die Vokale a, e, i, o und u werden wie im Italienischen oder Spanischen ausgesprochen. In einer unbetonten Silbe klingt y wie /j/, vor einem Vokal wie /i/. In Doppellauten sind beide Vokale hörbar; ai wird beispielsweise /ai̯/ gesprochen.

Bei mehreren Konsonanten hängt die Aussprache von der Umgebung ab. c lautet vor e, i und y weich /ts/ oder /s/, sonst hart /k/. g wird vor a, o, u und Konsonanten als /g/ gesprochen, vor e, i und y sowie im Suffix -age dagegen weich /ʒ/. h kann wie im Deutschen /h/ lauten oder stumm sein; nach r und t ist es in Wörtern griechischen Ursprungs stumm. ch lautet in griechischstämmigen Wörtern und im Plural von Wörtern auf -c wie /k/, in romanischen Wörtern wie /ʃ/. q erscheint überwiegend in qu: Dieses wird meist /kw/ gesprochen, aber que lautet /ke/ und qui /ki/. In arabischstämmigen Wörtern wie Qatar und quffa wird q als /k/ gesprochen. ti wird vor Vokalen als /tsi/ ausgesprochen. Weitere wichtige Lautwerte sind j = /ʒ/, x = /ks/ oder /gz/ und z = /z/.

Satzbau, Artikel und Pronomen

Die gewöhnliche Wortstellung ist Subjekt–Verb–Objekt. Ist das Objekt ein Pronomen, ist auch Subjekt–Objekt–Verb möglich: Io inviava un message a ille bedeutet „Ich habe ihm eine Nachricht geschickt“; mit einem pronominalen Objekt sind Io lo inviava a ille und Io inviava lo a ille möglich. Relativsätze können mit qui, que, le qual oder cuje beginnen.

Es gibt zwei unveränderliche Artikel: den definiten Artikel le und den indefiniten Artikel un. Nach den Präpositionen a und de verschmilzt le mit ihnen zu al beziehungsweise del.

Zu den Personalpronomen gehören io „ich“, tu „du“, nos „wir“ und vos „ihr/Sie“. In der dritten Person stehen ille, illa und illo im Singular sowie illes, illas und illos im Plural. Die direkten Objektformen lauten unter anderem le, la, lo sowie les, las, los. Reflexiv wird se verwendet. Possessivformen sind mi, tu, su, nostre, vostre und lor; selbstständige Formen mit Artikel lauten beispielsweise le mie, le tue, le sue und le lore.

Das Indefinitpronomen on entspricht dem deutschen „man“. Das Expletivpronomen il hat keine konkrete Bedeutung und steht etwa in Il nive „Es schneit“ oder Il ha un can in le casa „Es gibt einen Hund im Haus“. Demonstrativpronomen sind iste „dieser“ und aquelle „jener“; sie werden nach Genus und Numerus verändert, etwa isto, ista und istos. Wichtige Fragepronomen und Fragewörter sind que „was“, qui „wer“, qual „welcher“, cuje „wessen“, proque „warum“, quando „wann“ und ubi „wo“.

Substantive, Adjektive und Adverbien

Substantive haben keine einheitliche Grundform und grundsätzlich kein grammatisches Genus. Bei Bezeichnungen für Wesen kann jedoch -o ein männliches und -a ein weibliches Wesen kennzeichnen, etwa asino/asina „Esel/weiblicher Esel“ und oca/oco „Gans/Gänserich“.

Der Plural wird normalerweise regelmäßig gebildet. Nach einem Vokal steht -s: tabula → tabulas, homine → homines. Nach einem Konsonanten steht -es: uxor → uxores und generation → generationes. Bei Endung auf -c wird c außerdem zu ch: roc → roches. Lehnwörter können den Plural ihrer Ursprungssprache bewahren, etwa test → tests, lied → lieder und addendum → addenda. Zusammensetzungen, deren zweiter Bestandteil bereits im Plural steht, können unverändert bleiben, beispielsweise guardacostas und rumpenuces.

Adjektive werden weder nach Kasus und Numerus noch nach Genus dekliniert: rubie bleibt in rubie tabula, rubie lampa und rubie camisa unverändert. Sie stehen normalerweise nach dem Substantiv. Vorangestellt werden sie unter anderem, wenn sie besonders wichtig oder kurz sind, dem Rhythmus dienen oder als Zahlwort gebraucht werden.

Der Komparativ entsteht mit plus „mehr“ oder minus „weniger“, der Superlativ zusätzlich mit dem definiten Artikel: bon, plus bon, le plus bon beziehungsweise bon, minus bon, le minus bon. Ein absoluter Superlativ wird durch ein Adverb wie multo oder das Suffix -issime gebildet. Adjektive können substantivisch beziehungsweise pronominal verwendet und dabei auch pluralisiert werden. Manche besitzen feste Substantivformen, zum Beispiel bon „gut“, le bon „der Gute“ und bono „Gute; Zeugnis; Gutschein“.

Neben selbstständigen Adverbien wie nunc, minus und plus gibt es von Adjektiven abgeleitete Formen. Dazu wird -mente angehängt, bei Adjektiven auf c dagegen -amente: natural → naturalmente, remarcabile → remarcabilemente und austriac → austriacamente. Komparativ und Superlativ folgen denselben Regeln wie bei Adjektiven. Der absolute Superlativ endet bei Adverbien auf -issimo, beispielsweise ben → benissimo. Adverbien stehen vor dem Wort, auf das sie sich beziehen.

Verben und Zeitformen

Verben enden im Infinitiv auf -ar, -er oder -ir und werden nicht nach Personen konjugiert. Die Verben esser „sein“, haber „haben“ und vader „gehen“ haben jedoch die unregelmäßigen Präsensformen es, ha und va.

Ausgehend von crear, vider und abolir werden die wichtigsten Formen regelmäßig gebildet:

• Präsens und Imperativ verwenden die Stammform ohne zusätzliche Endung: crea, vide, aboli. • Das Imperfekt beziehungsweise Präteritum endet auf -va: creava, videva, aboliva. • Das Futur endet auf -ra: creara, videra, abolira. • Das Partizip Präsens endet auf -[e]nte: creante, vidente, aboliente. • Das Partizip Perfekt endet auf -te: create, vidite, abolite. • Der Konditional endet auf -rea: crearea, viderea, abolirea.

Zusammengesetzte Perfektformen bestehen aus einer Form von haber und dem Partizip Perfekt: ha create bezeichnet das Perfekt, habeva create das Plusquamperfekt. Das Futur kann entweder durch die Futurform oder durch eine Form von vader mit dem Infinitiv ausgedrückt werden. Eine Verlaufsform verbindet esser mit dem Partizip Präsens, etwa Johannes es ambulante a su casa für eine gerade ablaufende Handlung.

Partizipien können wie Adjektive gebraucht werden, beispielsweise le baby plorante „das weinende Baby“ und le statua fabricate „die produzierte Statue“. Der Infinitiv kann als Prädikatsnomen dienen: Vider es creder „Sehen ist Glauben“.

Die einfache Vergangenheitsform beschreibt ein Ereignis zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Vergangenheit. Das Präsensperfekt bezeichnet ein bereits abgeschlossenes Ereignis mit Bezug auf Gegenwart oder Zukunft: Io ha arrivate „Ich bin angekommen“. Das Plusquamperfekt kennzeichnet ein Ereignis, das vor einem anderen vergangenen Ereignis abgeschlossen war: Quando io arrivava al cinema, le film jam habeva comenciate. Der Konditional beschreibt angenommene Ereignisse, etwa Si io habeva un million dollars, io comprarea te un nove casa e automobile.

Zahlwörter

Die Kardinalzahlen werden aus 31 Atomzahlwörtern, also grundlegenden Zahlwörtern, zusammengesetzt: zehn für 0 bis 9, zehn für 10 bis 100 und elf für 1.000, 1.000.000 und weitere große Stufen.

Die Einer heißen zero, un, duo, tres, quatro, cinque, sex, septe, octo und nove. Die Zehner sind dece, vinti, trenta, quaranta, cinquanta, sexanta, septanta, octanta und novanta. Mehrere Zehnerformen entstehen durch das Suffix -anta.

Zahlbestandteile werden entweder multipliziert oder addiert. Bei der Multiplikation steht das einstellige Zahlwort vor dem vervielfachten Grundwort; dieses erhält den normalen Substantivplural: duo centos = 200, octo milles = 8.000 und dece milliardos = 10.000.000.000. Bei der Addition steht der größte Bestandteil zuerst. Zweistellige Zahlen erhalten einen Bindestrich: quaranta-duo = 42 und novanta-nove = 99. Weitere Beispiele sind mille un = 1.001 und octo milles tres centos quaranta-septe = 8.347.

Die großen Grundzahlen sind cento = 10², mille = 10³, million = 10⁶, milliardo = 10⁹, billion = 10¹², billiardo = 10¹⁵, trillion = 10¹⁸, trilliardo = 10²¹, quatrillion = 10²⁴, quatrilliardo = 10²⁷, quintillion = 10³⁰ und quintilliardo = 10³³. Die entsprechenden Reihen werden mit den Suffixen -ion und -iardo gebildet.

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