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Digraph (Linguistik)
Digraph bezeichnet in der Graphematik zwei Buchstaben, die für eine Lautung stehen. Für mehr als zwei Buchstaben verwendet man andere griechische Zahlwörter …
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Grundbegriff
Ein Digraph ist in der Graphematik eine Verbindung aus zwei Buchstaben, die zusammen für eine Lautung stehen. Graphematik beschreibt dabei die Schriftseite einer Sprache: also Buchstaben, Grapheme und ihre Regeln. Ein Graphem ist die kleinste bedeutungsunterscheidende Einheit eines Schriftsystems; ein Phonem ist die kleinste bedeutungsunterscheidende Lauteinheit einer Sprache.
Im weiteren Sinn besteht ein Digraph aus zwei Graphemen, die einem Phonem zugeordnet werden können. Ein Beispiel ist ch im Deutschen, das für die Phoneme /χ/ oder /ç/ stehen kann. Ebenfalls als Digraph gilt eine Buchstabenkombination, die einer Phonemkombination entspricht, wenn man die einzelnen Buchstaben nicht sinnvoll einzeln den einzelnen Lauten zuordnen kann. So steht ch im Englischen für /tʃ/; es wäre dabei nicht sinnvoll, c dem /t/ und h dem /ʃ/ zuzuordnen.
Engere und weitere Verwendung
Der Begriff wird nicht immer nur lautbezogen verwendet. In einem phonemunabhängigen graphematischen Ansatz kann ein Graphem auch aus mehreren Buchstaben, also Graphen oder Glyphen, bestehen. Dann können zum Beispiel ch und qu jeweils als ein Graphem gelten, ohne dass damit schon festgelegt ist, welchen Phonemen sie entsprechen.
Im engeren Sinn bezeichnet Digraph Buchstabenpaare, die in einer Sprache so eng zusammengehören, dass sie zum Beispiel bei der alphabetischen Sortierung wie ein einzelner Buchstabe behandelt werden. Dieser Gebrauch muss nicht mit der lautbezogenen Definition übereinstimmen. Dass eine Kombination einen eigenen Platz in der alphabetischen Sortierung hat, beweist noch nicht, dass ihre Lautung ein einzelnes Phonem oder eine besondere Phonemkombination ist.
Ein Streitfall ist dž im Kroatischen. Ob es im ersten Sinn ein Digraph ist, hängt von der zugrunde gelegten Phonemdefinition ab. Wenn /dʒ/ im Kroatischen als zwei Phoneme gewertet wird, lassen sich d und ž eindeutig den Lauten /d/ und /ʒ/ zuordnen; dann wäre dž nach dieser Definition kein Digraph, ähnlich wie dr.
Mehr als zwei Buchstaben
Für Kombinationen aus mehr als zwei Buchstaben werden entsprechende griechische Zahlwörter als Präfixe verwendet. Ein Trigraph ist eine Verbindung aus drei Buchstaben. Beispiele sind sch im Deutschen in Schach und im Schwedischen in schack für das Phonem /ʃ/ sowie ieh im Deutschen für /iː/.
Die Reihe kann fortgesetzt werden: Ein Tetragraph besteht aus vier Buchstaben, etwa ough im Englischen für /ɔː/ in brought oder zsch für /tʃ/ in Eigennamen wie Zschopau. Ein Pentagraph besteht aus fünf Buchstaben, zum Beispiel tzsch für /tʃ/ in Eigennamen wie Nietzsche.
Als Heptagraph kann schtsch zur Transkription des russischen Graphems „щ“ bezeichnet werden, wenn man annimmt, dass dieses Graphem im modernen Russisch als ein Phonem /ʃʲː/ gesprochen wird. Früher wurde dafür /ʃʲtʃʲ/ angegeben.
Umschrift und Ersatzzeichen
Digraphen und längere Buchstabenkombinationen werden auch in der Transliteration und Transkription anderer Sprachen verwendet. Transliteration bedeutet die möglichst buchstabengetreue Übertragung eines Schriftsystems in ein anderes; Transkription gibt stärker die Aussprache wieder. Im Englischen werden zum Beispiel zh und sh für die „sch“-Laute, also die Frikative /ʒ/ und /ʃ/, verwendet.
Solche Kombinationen dienen außerdem oft dazu, diakritische Zeichen zu ersetzen. Diakritische Zeichen sind Zusatzzeichen an Buchstaben, zum Beispiel Häkchen oder Akzente. Wenn solche Zeichen technisch nicht verfügbar sind, können Buchstabenkombinationen sie darstellen, etwa im Vergleich von tschechisch č, ř mit polnisch cz, rz.
Typische Arten und Beispiele
Die Beispiele im Artikel unterscheiden mehrere Arten von Mehrgraphen und besonderen Buchstabenverbindungen. Erstens gibt es Mehrgraphe für einen Laut, deren Aussprache sich synchron, also im gegenwärtigen Sprachzustand, nicht oder nur teilweise aus den Einzelbuchstaben erklären lässt. Zweitens gibt es Mehrgraphe für einen Laut, deren Aussprache einer allgemeinen Ausspracheregel der jeweiligen Sprache folgt. Drittens gibt es Mehrgraphe und andere Buchstabenverbindungen für Lautkombinationen, etwa für Diphthonge, Affrikaten und andere Verbindungen, deren Aussprache nicht aus einer allgemeinen Regel der Einzelbuchstaben hervorgeht.
Im Deutschen nennt der Artikel unter anderem ch, sch, ph, ng, ie und ou. Außerdem erscheinen Ersatzschreibungen wie ae, oe, ue, ss oder sz für ä, ö, ü und ß beziehungsweise in Eigennamen. Weitere deutsche Beispiele sind bb, dd, ff, ck, tz, dt, aa, ee, oo sowie Verbindungen wie äu, ei, eu, chs, dsch und in Eigennamen zsch und tzsch.
Auch andere Sprachen nutzen solche Verbindungen: Albanisch hat zum Beispiel dh, gj, ll, nj, rr, sh, th, xh, zh; Kroatisch, Serbisch und Bosnisch in lateinischer Schrift haben dž, lj, nj; Polnisch hat unter anderem ch, cz, sz, rz, dz, dż, dź; Tschechisch nennt ch; Ungarisch nennt unter anderem gy, ly, ny, ty, sz, zs und cs. Im Spanischen wurden ch und ll 2010 aus dem Alphabet entfernt.
Kodierung in Unicode
Unicode weist aus Kompatibilitätsgründen einigen wenigen lateinischen Digraphen eigene Codes im Unicodeblock Lateinisch, erweitert-B zu. Ihre Verwendung wird jedoch nicht empfohlen.
Genannt werden DŽ, Dž, dž mit den Positionen U+01C4 bis U+01C6, LJ, Lj, lj ebenfalls mit U+01C4 bis U+01C6, NJ, Nj, nj mit U+01C7 bis U+01C9 sowie DZ, Dz, dz mit U+01F1 bis U+01F3.