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S

Historisch haben sich verschiedene Zeichen zur Darstellung des s und seiner Kombinationen entwickelt (S, ſ, s, ß, ẞ). Zu den Buchstaben Langes s („ſ“), Schluss- …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundlagen und Formen
  2. 2. Bezeichnungen der Zeichenformen
  3. 3. Aussprache im Deutschen
  4. 4. Entwicklung der Laute und des Buchstabens
  5. 5. Digitale und statistische Darstellung

Grundlagen und Formen

S und s, gesprochen [ʔɛs], ist der 18. Buchstabe des klassischen und der 19. Buchstabe des modernen lateinischen Alphabets. Es handelt sich um einen Konsonanten. In deutschen Texten beträgt seine durchschnittliche Häufigkeit 7,27 %. Damit ist S der vierthäufigste Buchstabe und der zweithäufigste Konsonant.

Historisch entstanden mehrere Zeichen für den Buchstaben und seine Verbindungen: das große S, das runde kleine s, das lange s ſ, das scharfe s ß und das große Eszett ẞ. In gebrochenen Schriften unterscheidet die deutsche Rechtschreibung weiterhin zwischen langem und rundem s. Das lange ſ steht dabei vor allem am Anfang von Wörtern, Silben und Wortstämmen sowie meist im Wortinneren; das runde s erscheint hauptsächlich am Ende eines Wortes oder Teilwortes. In Antiquaschriften kam das lange s außer Gebrauch, hinterließ aber eine Spur im ß, das auf eine Ligatur, also die Verbindung zweier Buchstaben, aus ſ und z oder s zurückgeht. Die genaue Herkunft des Eszett ist ungeklärt.

Im Fingeralphabet wird S durch eine geschlossene, vom Körper weg zeigende Faust dargestellt, bei der der Daumen vor den Fingern liegt.

Bezeichnungen der Zeichenformen

Die Namen der S-Formen hängen teilweise von der jeweiligen Schriftart ab, etwa lateinischer Kursivhandschrift, Antiqua, Fraktur oder deutscher Kurrentschrift. Deshalb lässt sich die Bedeutung mancher Bezeichnungen erst aus ihren Gegenbegriffen im jeweiligen Text erkennen.

Gebräuchliche Gegenüberstellungen sind „großes S“ und „kleines s“, „langes s“ und „rundes s“, „Anlaut-s“ und „Auslaut-s“ sowie „Silbenanfang-s“ und „Schluss-s“. Für ß werden unter anderem „scharfes s“, „Scharf-S“, „SZ“ und „Eszett“ verwendet. Daneben existieren regionale, historische oder formbezogene Namen wie Pastoren-s, Straßen-s, Schleifen-s, Schaft-s, Schlängel-s, Buckel-s, Rucksack-s, Stangen-s, Ringel-s und Dreierles-s. In der Schweiz kann „Doppel-s“ das ß bezeichnen, ist aber gegenüber der Buchstabenfolge ss uneindeutig.

„Scharfes s“ kann sowohl das Zeichen ß als auch eine Aussprache meinen, die dem „weichen“ oder „milden“ s gegenübersteht. Dieser scharfe Laut kann auch durch ss beziehungsweise früher durch ſſ wiedergegeben werden. Auch „kurzes s“ wird als Bezeichnung einer Ausspracheart verwendet.

Aussprache im Deutschen

Buchstaben und Laute müssen auseinandergehalten werden: s und z sind Schriftzeichen, [s] und [z] Zeichen der Lautschrift. So wird „Siebzig“ [ˈziːpt͡sɪç], „nass“ dagegen [nas] ausgesprochen. Ein einzelnes s vor einem Vokal am Wortanfang oder zwischen Vokalen bezeichnet im Normalfall den stimmhaften Lenis-Laut [z], etwa in „See“, „Rose“ und „Gänse“. Lenis bezeichnet hier den weniger kräftig gebildeten, in der Standardsprache stimmhaften Laut. Ihm steht der stimmlose Fortis-Laut [s] gegenüber.

Die Aussprache hängt vor allem von der Stellung in der Sprechsilbe ab:

• Am Silbenende wird s als stimmloses [s] gesprochen, etwa in „Kasten“, „Kosmos“, „Haus“ und „das“.

• Vor anderen Konsonanten wird s ebenfalls stimmlos gesprochen, beispielsweise in „Skat“, „Ast“, „Erbse“, „Slalom“, „Smaragd“ und „Swinemünde“.

• Am Silbenanfang wird s als Lenis-Phonem gesprochen, sofern weder davor noch danach ein Fortis-Laut steht. Ein Phonem ist ein Laut, der Wörter unterscheiden kann. In der Standardsprache ist dieses s stimmhaft; im südlichen Deutsch wird es häufig stimmlos gesprochen und lässt sich dann nicht immer klar von ß unterscheiden.

• ss bezeichnet nicht den Lenis-Laut, sondern den Fortis-Laut. Es dient als Kürzezeichen beziehungsweise zur Darstellung eines Silbengelenks, etwa in „küssen“ und „lässt“.

• st und sp werden am Silbenanfang als /ʃt/ („sch+t“) beziehungsweise /ʃp/ („sch+p“) gesprochen, etwa in „Stadt“ und „Gespenst“.

• Der Trigraph sch, also eine Folge von drei Buchstaben für einen Laut, bezeichnet den Zischlaut /ʃ/, beispielsweise in „schon“ und „Asche“.

Nach l, n, m oder ng kann vor /s/ ein zusätzlicher Sprosskonsonant eingeschoben werden. Deshalb können nst und nzt wie in „Kunst – grunzt“, mst und mpst wie in „rummst – plumpst“ sowie ngst und nkst wie in „singst – sinkst“ gleich klingen.

Entwicklung der Laute und des Buchstabens

Die protosinaitische Urform des Buchstabens stellte einen Bogen dar. Im phönizischen Alphabet wurde sie geometrischer und hieß Schin; ihr Lautwert war [ʃ]. Weil das Griechische diesen Laut nicht kannte, erhielt das übernommene Zeichen den Wert [s]. Die Griechen drehten es um 90 Grad entgegen dem Uhrzeigersinn und spiegelten es später beim Wechsel zur Schreibrichtung von links nach rechts. So entstand die Form des Sigma. Die Etrusker übernahmen eine gedrehte, noch nicht gespiegelte Variante. Daraus entwickelten die Römer eine fließendere Form; bei Etruskern und Römern blieb der Lautwert [s]. Aus der römischen Kapitalschrift gingen später das runde s und wahrscheinlich über eine zügige Schreibschrift das lange ſ hervor.

Im Althochdeutschen und Mittelhochdeutschen bestanden drei verschiedene s-Laute; später kam der sch-Laut hinzu. Das ererbte germanische s blieb vor Konsonanten, am Wortende und als ss ein stimmloser, zurückgezogener apiko-alveolarer Frikativ [s̠̺], der eine Tendenz zum sch-Laut hatte. Vor Vokalen wurde ein kurzes s zum stimmhaften [z̠̺]. Beispiele sind mittelhochdeutsch „stein“ und „kuss“ mit stimmlosem sowie „sunne“ und „kirse“ mit stimmhaftem Laut.

Das durch die 2. Lautverschiebung aus kurzem t entstandene z oder zz wurde als lamino-dentaler Frikativ [s̪̻] gesprochen, ähnlich dem heutigen ß, beispielsweise in mittelhochdeutsch „ezzen“, „daz“, „groz“ und „hirz“. Dieser Laut ist nicht mit der ebenfalls z geschriebenen Affrikate /ts/ zu verwechseln. Eine Affrikate ist eine enge Verbindung aus Verschluss- und Reibelaut.

Im Spätmittelhochdeutschen fielen das stimmlose s und dieses z zusammen. Daraus entstand der heutige s-Laut, der je nach Sprecher lamino-dental [s̪̻], lamino-alveolar [s̻] oder seltener apiko-alveolar [s̺] ausgesprochen wird. Entsprechende Varianten bestehen beim stimmhaften s als [z̪̻], [z̻] oder [z̺].

Das heutige sch geht meistens auf ursprüngliches sk [s̠̺k] zurück, das sich über [s̠̺x] und [s̠̺ç] zu [ʃ] entwickelte. Am Wortanfang vor l, m, n und w, etwa in „Schnee“ und „Schwein“, stammt sch dagegen von einem älteren s. Vor t und p bleibt dieser Ursprung in der heutigen Schreibung sichtbar, etwa in „Stein“ und „Spinne“. Davon zu unterscheiden ist die spätere Palatalisierung hinter r in „Kirsche“ aus mittelhochdeutsch „kirse“ und „Hirsch“ aus „hirz“.

Digitale und statistische Darstellung

Im internationalen Zeichenkodierungsstandard Unicode besitzen die wichtigsten Formen eigene Codepunkte: S steht an U+0053 als LATIN CAPITAL LETTER S, s an U+0073 als LATIN SMALL LETTER S, ſ an U+017F als LATIN SMALL LETTER LONG S, ß an U+00DF als LATIN SMALL LETTER SHARP S und ẞ an U+1E9E als LATIN CAPITAL LETTER SHARP S.

In statistischen Tabellen hatte ein einer Zahl nachgestelltes kleines s nach der seit April 2020 zurückgezogenen Norm DIN 55301 die Bedeutung „geschätzte Zahl“. Es war ein wertergänzendes Zeichen beziehungsweise Qualitätsanzeiger und ersetzte den Wert nicht. In Tabellen der amtlichen Statistik wird das Zeichen ebenso verwendet.

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