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Liste der IPA-Zeichen
Alle IPA-Zeichen sind mit einer Beschreibung und Beispielen versehen. Als Beispielsprachen bevorzugt werden neben Deutsch die gängigen modernen Schulsprachen, …
Inhalt5 Abschnitte
Zweck und Aufbau der Liste
Die Liste ordnet Zeichen des Internationalen Phonetischen Alphabets (IPA) danach, wie ähnlich sie Buchstaben des lateinischen Alphabets oder deren Lautwerten sind. IPA-Zeichen dienen dazu, die tatsächliche Aussprache von Wörtern möglichst genau zu notieren, unabhängig von der jeweiligen Rechtschreibung.
Zu jedem Zeichen nennt die Liste die Lautart, eine Umschreibung für Deutschsprachige und Beispiele, vor allem aus Deutsch sowie Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und Russisch. Die Beispiele beanspruchen nicht, immer standardsprachlich, überregional oder die einzig mögliche Aussprache zu zeigen. Auch die Übersetzungen geben jeweils nur eine mögliche Bedeutung eines oft mehrdeutigen Wortes an.
Griechische und daraus abgeleitete Zeichen werden bei den ähnlich verwendeten lateinischen Buchstaben eingeordnet. Gedrehte Zeichen erscheinen zusätzlich als Verweis, wenn ihre Lautbedeutung stark vom ungedrehten Zeichen abweicht.
Vokale: Lage, Öffnung und Rundung
Vokale werden unter anderem danach beschrieben, wo die Zunge im Mund liegt: vorn, zentral oder hinten; außerdem nach der Mundöffnung, etwa geschlossen, halbgeschlossen, halboffen oder offen, und danach, ob die Lippen gerundet sind. So ist [i] ein ungerundeter geschlossener Vorderzungenvokal wie in deutsch Miete [ˈmiːtʰə], [u] ein gerundeter geschlossener Hinterzungenvokal wie in Stuhl [ʃtuːl] und [y] ein gerundeter geschlossener Vorderzungenvokal wie in Güte [ˈgyːtʰə].
Wichtige deutsche Vokalwerte sind [e] als geschlossenes e, [ɛ] als offenes e beziehungsweise häufig ä, [ə] als unbetontes e (Schwa), [o] als geschlossenes o, [ɔ] als offenes o, [ø] als geschlossenes ö, [œ] als offenes ö, [ʊ] als kurzes u und [ʏ] als kurzes ü. Das Zeichen [a] bezeichnet einen ungerundeten offenen Vorderzungenvokal, kommt laut Liste jedoch im Deutschen nicht vor; für die deutsche Standardaussprache von a wird es oft vereinfachend für den ungerundeten offenen Zentralvokal verwendet.
Weitere wichtige Unterschiede zeigen etwa [ɑ], ein ungerundetes offenes Hinterzungen-a, [æ], ein fast offenes Vorderzungen-a, [ɐ], einen fast offenen Zentralvokal wie in besser [ˈbɛsɐ], und [ɜ], einen halboffenen Zentralvokal zwischen ä in hätte und ö in möchte. [ɨ] und [ɯ] sind ungerundete geschlossene zentrale beziehungsweise hintere Vokale; [ɤ] ist ein ungerundetes halbgeschlossenes o.
Ein Tildezeichen kennzeichnet nasal gesprochene Vokale, zum Beispiel [ɑ̃] in französisch chant [ʃɑ̃], [ɛ̃] in main [mɛ̃], [ɔ̃] in montagne [mɔ̃ˈtaɲ] und [ũ] in portugiesisch um [ũ].
Konsonanten: Artikulationsart und Artikulationsort
Konsonanten werden durch Artikulationsart und Artikulationsort unterschieden. Plosive entstehen durch einen Verschluss und dessen Öffnung: [p b] sind bilabial (mit beiden Lippen), [t d] alveolar (am Zahndamm), [k ɡ] velar (am Gaumensegel), [c ɟ] palatal und [q ɢ] uvular (am Zäpfchenbereich). Beispiele sind [b] in Ball [bal], [d] in dann [dan], [k] in kalt [kʰalt] und [ɡ] in Gott [ɡɔt(ʰ)].
Frikative sind Reibelaute. Dazu gehören [f] wie deutsch f, [v] wie deutsch w, [s] wie ss oder ß, [z] wie stimmhaftes s, [ʃ] wie sch und [ʒ] wie das j in Jalousie. [ç] ist das ch in ich; [x] und [χ] werden beide als Ach-Laut beschrieben. Der Artikel weist aber ausdrücklich darauf hin, dass hier wichtige Informationen fehlen: Die Behauptung zum stimmlosen velaren Frikativ [x] müsse noch geklärt werden, weil auch [χ], der stimmlose uvulare Frikativ, als deutscher Ach-Laut angegeben wird. Die dentalen Frikative [θ] und [ð] sind die stimmlosen beziehungsweise stimmhaften englischen th-Laute, etwa in theft [θɛft] und there [ðɛə̯].
Nasale leiten Luft durch die Nase: [m], [n], [ŋ] wie in Hang [haŋ], [ɲ] wie in italienisch gnocchi [ˈɲɔkːi] sowie retroflexes [ɳ] und uvulares [ɴ]. Laterale werden an den Zungenseiten gebildet, etwa [l], dunkles [ɫ], stimmloses [ɬ] und palatales [ʎ]. Approximanten entstehen durch Annäherung ohne hörbare Reibung, etwa [j], englisches [w], [ɹ] und [ʋ].
Vibranten und Flaps sind r-Laute: [r] ist ein gerolltes alveolares r mit mehreren Zungenschlägen, [ɾ] ein einzelner Zungenschlag, [ʀ] ein gerolltes Zäpfchen-r und [ʁ] ein geriebenes Zäpfchen-r. [r], [ʀ] und [ʁ] sind im Deutschen freie Allophone, also verschiedene Lautvarianten ohne Bedeutungsunterschied.
Besondere Konsonantenverbindungen und weitere Laute
Affrikaten verbinden einen Verschlusslaut unmittelbar mit einem Reibelaut. Beispiele sind [t͡s] wie deutsch z in Ziel [t͡siːl], [t͡ʃ] wie tsch in Tschüss [t͡ʃʏs], [p͡f] wie pf in Pflicht [p͡flɪçt(ʰ)], [d͡z] und [d͡ʒ] wie dsch in Dschungel [ˈd͡ʒʊŋəl]. Die Ligatur markiert, dass die beiden Teile als Einheit artikuliert werden.
Implosive wie [ɓ], [ɗ], [ɠ], [ʛ] und [ʄ] haben einen nach innen gerichteten Luftstrom. Der nötige Unterdruck entsteht, indem die Artikulation mit geschlossenem Kehlkopf beginnt. Ejektive werden dagegen mit dem Zeichen [ʼ] markiert und nicht pulmonal, sondern durch Kehlkopfbewegung erzeugt.
Retroflexe Laute wie [ʈ], [ɖ], [ʂ], [ʐ], [ɳ], [ɭ] oder [ɽ] werden mit hinter die Alveolen zurückgebogener oder angenäherter Zunge gebildet. Daneben führt die Liste glottale, pharyngale und epiglottale Laute auf: [ʔ] ist der durch Verschluss der Stimmritze erzeugte Knacklaut, im Deutschen etwa vor anlautenden Vokalen; [ʕ] ist ein stimmhafter pharyngaler Frikativ.
Klicklaute gehören ebenfalls zu den sonstigen Zeichen: [ʘ] ist bilabial und ähnelt einem Luftkuss, [ǀ] dental, [ǂ] palatoalveolar, [ǁ] lateral alveolar und [ǃ] postalveolar. Sie werden unter anderem mit Beispielen aus ǃXóõ und IsiXhosa gezeigt.
Diakritika und Suprasegmentalia
Diakritika und Suprasegmentalia sind keine selbstständigen Laute. Sie ergänzen Lautzeichen oder beschreiben Eigenschaften von Lautfolgen; „◌“ steht dabei als Platzhalter für ein Lautzeichen. [ˈ] markiert die folgende Hauptbetonung, [ˌ] die Nebenbetonung. [ː] bedeutet, dass der vorhergehende Laut lang ist, [ˑ] halblang und [◌̆] besonders kurz. Der Punkt [.] zeigt eine Silbengrenze an; | und || kennzeichnen unter- beziehungsweise übergeordnete Intonationsgruppen.
Weitere häufige Zusätze sind [ʰ] für Aspiration, also einen hörbaren Lufthauch, [ʲ] für Palatalisierung und [ʷ] für Labialisierung, also Lippenrundung. [◌̥] macht einen Laut stimmlos, [◌̬] stimmhaft; [◌̃] bedeutet nasal gesprochen. [◌̩] kennzeichnet einen meist konsonantischen Silbenkern, [◌̯] einen meist vokalischen Laut, der nicht Silbenkern ist. [◌˞] steht für rhotische Aussprache, [ˠ] für Velarisierung und [ˤ] für Pharyngalisierung.
Zeichen können auch die genaue Artikulation verändern: [◌̹] und [◌̜] bedeuten stärkere beziehungsweise schwächere Lippenrundung, [◌̟] und [◌̠] eine weiter vorn beziehungsweise hinten liegende Artikulation, [◌̈] Zentralisierung sowie [◌̝] und [◌̞] angehobene beziehungsweise gesenkte Zunge. [◌̚] zeigt an, dass keine hörbare Plosion folgt; [◌ᷠ] und [◌ᷝ] markieren nasale beziehungsweise laterale Plosion.
Tonsprachen und Intonation werden durch Tonzeichen beschrieben: besonders hoch bis besonders niedrig können als Akzente oder als [˥ ˦ ˧ ˨ ˩] erscheinen; [◌̌] steht für steigenden, [◌̂] für fallenden Ton. [ꜜ] ist Downstep, [ꜛ] Upstep; [↗] und [↘] bezeichnen einen globalen Tonanstieg beziehungsweise Tonabfall. Der Liaisonbogen [◌‿◌] zeigt einen fließenden Übergang zwischen Wörtern, etwa französisch mon amie /mɔ̃n‿ami / [mɔ̃naˈmi].