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Sparverein

Im Sparverein wurden Gebühren und Aufwand für ein eigenes Konto oder Sparbuch gemeinsam getragen. Gleichzeitig war der Sparverein eine gesellige Einrichtung …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Grundidee
  2. 2. Entwicklung und Rolle in Deutschland
  3. 3. Sparschrank und Ablauf des Sparens
  4. 4. Blütezeit, DDR und Entwicklung nach 1948
  5. 5. Aktuelle Lage und internationale Formen

Bedeutung und Grundidee

Sparvereine, auch Sparclubs oder Spargemeinschaften genannt, sind Zusammenschlüsse zum gemeinsamen Kleinsparen. Sie gehören zur Vereinskultur im deutschsprachigen Raum und entstanden Mitte des 19. Jahrhunderts. Neben dem Sparen ist das gesellige Zusammensein ein wichtiges Ziel. Die Mitgliedschaft dient nach einer Einschätzung der Wochenzeitschrift Die Zeit daher meist eher dem gemeinsamen Vereinsleben als dem langfristigen Vermögensaufbau.

Eine einheitliche Rechtsform gibt es nicht. Meist handelt es sich um nicht eingetragene Vereine, deren Regeln und Aktivitäten in einer Satzung festgelegt sind. Die Mitglieder zahlen regelmäßig kleine Beträge ein. Das gemeinsame Geld wird bei einer Bank verzinst angelegt und am Ende des Sparjahres wieder ausgezahlt. Häufig wird die Auszahlung mit einer Feier oder einem gemeinsamen Ausflug verbunden.

Sparvereine ermöglichten Sparanlagen, die unterhalb der Angebote genossenschaftlicher Sparkassen lagen. Gebühren und Verwaltungsaufwand für ein eigenes Konto oder Sparbuch wurden von der Gemeinschaft getragen. Dadurch konnten auch Menschen mit geringem Einkommen sparen. Zugleich konnten Sparvereine als Vorfeldorganisationen bei der Gründung genossenschaftlicher Bau-, Produktions-, Handels- oder Bankinstitute wirken.

Entwicklung und Rolle in Deutschland

Erste Gemeinschaften von Kleinsparern sind in Deutschland ab 1847 belegt. In Norddeutschland verbreitete sich die Idee zunächst als „Weihnachtssparen“. Die ab 1878 von Seeleuten und Hafenarbeitern betriebenen Hamburger Sparclubs dienten zusätzlich der gegenseitigen Unterstützung in Notfällen. Ihre Statuten verlangten unter anderem einen unbescholtenen Charakter der Neumitglieder, eine Ersteinlage und monatliche Zahlungen. Um 1879 entstanden zahlreiche Vereine im sächsischen Umfeld, unter anderem in Leipzig, Chemnitz und den Industriedörfern des Erzgebirges.

Gottlieb Samuel Liedke hatte 1845 sogenannte Zwecksparvereine vorgeschlagen. Bedürftige sollten dadurch gemeinsam und in großen Mengen preiswerte Haushalts- und Lebensmittel kaufen können. Diese Vereine waren zugleich Sparvereine und Einkaufsgenossenschaften. Durchgesetzt hat sich jedoch die Trennung von Sparverein und Konsumgenossenschaft. Auch die von Hermann Schulze-Delitzsch gegründeten Spar- und Konsumvereine sowie die von Friedrich Wilhelm Raiffeisen initiierten landwirtschaftlichen Einkaufsgenossenschaften boten weniger vermögenden Menschen gemeinschaftliche Spar- und Finanzmöglichkeiten. Ab Mitte des 20. Jahrhunderts schlossen sich die Schulze-Delitzsch-Organisationen in Deutschland mit den Raiffeisenbanken zusammen.

Sparvereine waren außerdem Vorläufer oder Ausgangspunkte von Bankinstituten im Arbeitnehmerbereich. Ähnliche Entwicklungen gab es bei Handwerkern, Beamten und Landwirten. Teilweise wurden Vereine durch Betriebe, Verbände oder Regionalverwaltungen etwa von Bahn und Post organisiert. Auch nach der Gründung von Sparkassen bestanden Sparvereine weiter. In Amberg, wo bereits 1824 eine Sparkasse gegründet worden war, gab es bis 1880 unter anderem einen Privat-Spar-Verein, eine PrivatSpar-Gesellschaft, den Sparverein der Gewehrfabrikarbeiter und den Sparverein der Arbeiter der Gebr. Baumann’schen Blechwaarenfabrik. Diese Namen zeigen eine soziale Differenzierung der Vereine.

Nach der Aufhebung der Sozialistengesetze und den erleichterten Haftungsvorgaben um 1890 wurde die Gründung von Genossenschaften erleichtert. Bei manchen Baugenossenschaften ist die Herkunft aus Sparvereinen noch im Namen erkennbar, etwa beim Gemeinnützige eG Bau- und Sparverein Geislingen. Auch der 1899 gegründete Hamburger Konsum-, Bau- und Sparverein „Produktion“ ging aus diesem Umfeld hervor. In Sachsen versuchten Kommunisten besonders in den Jahren 1928–1930, im sozialdemokratischen Genossenschaftswesen und bei Gewerkschaften Fuß zu fassen oder Sparvereine in kommunistische Kampfverbände umzuwandeln. Sie stießen dabei auf erbitterten Widerstand. Während der Dresdner Sparverein bereits vor 1860 jüdische Mitglieder hatte, schlossen andere Vereinigungen Juden aus. 1932 wurde der Leih- und Sparverein Esra als dritte jüdische Berliner Kreditgenossenschaft gegründet.

Sparschrank und Ablauf des Sparens

Im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts verbreiteten sich Sparschränke, auch Gemeinschaftssparschränke, Sparkästen oder Sparkästchen genannt. In Österreich heißen sie auch Sparvereinskasten. Die meist aus Stahl, seltener aus Holz gefertigten Schränke besitzen nummerierte Fächer mit Einwurfschlitzen. Dadurch konnten Mitglieder Geld einzahlen, ohne dass ein Kassierer anwesend sein musste. Die Schränke hingen häufig in Gaststätten, aber auch in Schulen und Läden. Dort konnte beispielsweise Wechselgeld gespart werden. Banken und Sparkassen stellten sie zur Förderung des Gemeinschaftssparens oft kostenlos mit dem Aufdruck des jeweiligen Instituts zur Verfügung.

Typischerweise verpflichten sich die Mitglieder, regelmäßig mindestens einen festgelegten Betrag einzuzahlen. Die Einzahlung soll häufig mit dem Besuch der Gaststätte und dem gemeinsamen Konsum von Speisen und Getränken verbunden sein, auch wenn dies nicht ausdrücklich vorgeschrieben ist. Wer eine Zahlung versäumt, muss je nach Satzung eine Strafgebühr zahlen oder erhält den Betrag vom Guthaben abgezogen. Bei dauerhaftem Zahlungsverzug kann ein Ausschluss erfolgen. Für soziale Notlagen sehen viele Vereine eine Sparpause vor.

In regelmäßigen Abständen, zum Beispiel einmal pro Woche, leert der Kassierer die Fächer. Er zählt das Geld und dokumentiert den Betrag jedes Mitglieds in einer Kladde. Danach werden die Einlagen unverzüglich auf ein verzinstes Bankkonto eingezahlt. Übersteigt das Guthaben einen festgelegten Wert, kann Geld auf ein Festgeldkonto mit höherem Zinssatz übertragen werden.

Am Ende des Sparjahres, häufig in der Vorweihnachtszeit, werden die Einlagen festlich ausgezahlt. Ob die gesamte Sparsumme ausgezahlt oder ein Teil für die Feier verwendet wird, hängt von den Vereinsregeln ab. Aufnahmegebühren, Strafgelder und Zinsen fließen in fast allen Fällen in die Finanzierung der Auszahlungsfeier. Die Feier kann im Vereinslokal oder an einem anderen Ort stattfinden. Manche Vereine veranstalten stattdessen oder zusätzlich einen gemeinsamen Ausflug; auch eine Tombola zur Aufbesserung des Feierbudgets ist möglich.

Blütezeit, DDR und Entwicklung nach 1948

Nach dem Ersten Weltkrieg erlebte das Vereinssparen in Deutschland eine Blütezeit. Während des Zweiten Weltkriegs kam es jedoch fast vollständig zum Erliegen. Genossenschaften wurden in die Deutsche Arbeitsfront eingegliedert, und das Spendenwesen wurde unter anderem durch das Winterhilfswerk zentral organisiert.

In der DDR waren Vereinsleben und Gastronomie erheblichen Einschränkungen unterworfen. Die Konsumgenossenschaften wurden getrennt von der Handelsorganisation geführt; der Konsum blieb eine Genossenschaft und war nicht Gegenstand der späteren Reprivatisierung durch die Treuhandgesellschaft. Der DDR-Autor Willi Bredel stellte in seiner Trilogie „Verwandte und Bekannte“ anhand des Sparvereins Maienblüte in Hamburg das familiäre Leben der sozialdemokratisch geprägten Hamburger Arbeiterschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts dar. Der Sparverein verbindet dort verschiedene Handlungselemente und wird als ursprüngliche Tarnorganisation der Arbeiterbewegung unter den Sozialistengesetzen beschrieben.

Nach der Währungsreform in den westlichen Besatzungszonen wurden viele Sparclubs neu- oder wiedergegründet. Banken und Sparkassen unterstützten sie, weil sie die „Förderung des Sparsinns“ erwarteten und Mitglieder zu späteren Einzelkunden gewinnen wollten. Sie nahmen Kontakt zu Wirten, Frisören und Einzelhändlern auf, stellten Sparschränke auf, halfen bei Vereinsgründungen und gaben Mustersatzungen, Formulare, Bücher und Geldtüten kostenlos aus. 1950 förderten 143 Sparkassen das Vereinssparen; der Umsatz betrug 14,08 Millionen Deutsche Mark. 1952 waren es 333 Sparkassen mit einem Umsatz von 49,23 Millionen Mark. In Hamburg soll es um 1965 2.800 Clubs mit 185.000 Einzahlern gegeben haben.

Der Versuch der Banken, Sparschränke unabhängig von Vereinen selbst zu verwalten, wurde wegen des hohen Aufwands und der Kosten für Einzelkonten bald wieder beendet. In den 1980er und 1990er Jahren zogen sich die Geldinstitute schrittweise zurück. Sparbücher und Gemeinschaftskonten für eingetragene Sparvereine sind weiterhin erlaubt und verbreitet, Organisation und Hilfsmittel müssen die Gemeinschaften jedoch meist selbst übernehmen. Nach Unternehmensangaben hat der größte deutsche Hersteller seit 1922 über 800.000 Sparschränke produziert; mindestens 250.000 davon seien noch im Einsatz.

Aktuelle Lage und internationale Formen

Heute stehen Sparvereine unter anderem wegen der Geldwäschebestimmungen vor organisatorischen Problemen. Es genügt nicht mehr, dass sich nur der Kassierer bei der Bank legitimiert; jeder Sparer muss bei der Bank gemeldet werden. 2016 kündigte die BAWAG gleichzeitig die Konten aller 1.300 Sparvereine in Österreich. Auch andere Banken scheuen den Verwaltungsaufwand, kündigen Konten oder nehmen keine neuen Sparvereine auf. Die Niedrigzinsphase machte das Sparen zusätzlich wenig lukrativ. Besonders betroffen sind Gaststätten mit Sparschränken, weil sowohl die wöchentlichen Einzahlungen als auch die Auszahlungsfeier Umsatz bringen.

Sparclubs gab es auch in anderen europäischen Ländern. Im britischen Cley next the Sea in Norfolk bestand in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts der „Starrs Clothing Club“, den der Dorfladenbesitzer George Starr betrieb. Kunden zahlten ab Oktober wöchentlich kleine Beträge ein und konnten ihre Ersparnisse nach einem Jahr im Laden für Bekleidung und Textilien verwenden. George Starr stockte den Betrag um rund 8 Prozent auf. In den USA gab es seit 1909 sogenannte Christmas Clubs, die meist von Banken betrieben wurden. Die Ersparnisse wurden in der Vorweihnachtszeit für größere Geschenkekäufe ausgezahlt; zugleich dienten die Clubs vermutlich der Gewinnung von Neukunden und der Erhöhung der Spareinlagen.

In der Entwicklungs- und Mikrofinanzpolitik wurde die Mobilisierung privater Ersparnisse im ländlichen Finanzwesen lange vernachlässigt. Die Annahme, Menschen in ländlichen Regionen seien zu arm zum Sparen, gilt nach Hans Dieter Seibel als widerlegt. In West- und Zentralafrika sowie in Teilen Südostasiens verbreiteten sich neben selbstorganisierten Sparvereinen und kommunalen Naturalienkassen auch private Abholsparer, die gegen Gebühr Einlagen einsammeln. Diese informellen Finanzinstitutionen können für Mikrofinanzinstitutionen eine bedeutende Finanzierungsquelle sein.

Kuriose Formen sind ebenfalls überliefert, etwa ein österreichischer Ferkelring, bei dem ein Plastiksparschwein mit gemeinsamen Einlagen gefüllt und nach neun Monaten geöffnet wurde. Die Redensart „Wir sind doch nicht beim Sparverein“ bezeichnet übertriebene Kleinlichkeit oder kleinbürgerliches Verhalten. Außerdem wurde „Sparverein“ als Tarnname einer Widerstandsgruppe in Luckenwalde verwendet, die im Dritten Reich Geld, Lebensmittel und Lebensmittelmarken für Untergetauchte beschaffte.

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