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Advent
Zugleich erinnert der Advent daran, dass Christen das zweite Kommen Jesu Christi erwarten sollen. Der Advent und damit das neue Kirchenjahr beginnt am Vorabend …
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Bedeutung und zeitliche Einordnung
Der Advent ist die Zeit, in der sich die Christenheit auf Weihnachten, das Fest der Geburt Jesu Christi, vorbereitet. Zugleich erinnert er an die erwartete zweite Ankunft Jesu Christi. Mit dem Advent beginnt auch das neue Kirchenjahr.
In der westlichen Kirche beginnt der Advent mit der Vesper am Vorabend des ersten Adventssonntags und endet am Heiligen Abend vor der ersten Vesper von Weihnachten. Er hat stets vier Sonntage und dauert je nach Lage des Kalenders 22 bis 28 Tage. Der erste Adventssonntag liegt zwischen dem 27. November und dem 3. Dezember; der vierte Advent kann auf den 18. bis 24. Dezember fallen.
Die vierwöchige Form besteht seit dem 7. Jahrhundert. Papst Gregor der Große legte für die Westkirche vier Adventssonntage fest. In einigen Bistümern des ambrosianischen Ritus, etwa im Erzbistum Mailand, blieb eine sechswöchige Adventszeit erhalten.
Katholische Deutung und Liturgie
Die römisch-katholische Kirche versteht den Advent doppelt: als Vorbereitung auf die Weihnachtsfeste und das erste Kommen des Gottessohnes sowie als Erwartung der zweiten Ankunft Christi am Ende der Zeiten. Deshalb ist er eine Zeit „hingebender und freudiger Erwartung“. Die messianische Heilszeit beginnt nach christlichem Verständnis mit Jesu Geburt und endet mit der Wiederkunft des Menschensohnes und einem neuen Himmel und einer neuen Erde (Offb 21 EU).
Die liturgische Farbe ist Violett. Das Gloria wird nur an Festen und Hochfesten gesungen. An den Adventssonntagen stehen die erwartete Wiederkunft Christi, Johannes der Täufer als Vorläufer Jesu und Maria, die Mutter Jesu, im Mittelpunkt. Am dritten Adventssonntag, Gaudete („Freut euch im Herrn allezeit“, Philipper 4,4 Elb), können rosafarbene Paramente verwendet werden; Rosa ist aufgehelltes Violett.
Vom 17. Dezember bis zum Heiligen Abend werden in der Vesper die O-Antiphonen als Antiphonen zum Magnificat gesungen. Verbreitet sind Roratemessen: Messfeiern vor Sonnenaufgang bei Kerzenlicht. In den Advent fallen unter anderem der Barbaratag am 4. Dezember, der Nikolaustag am 6. Dezember und das Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria am 8. Dezember. Mit Barbara sind blühende Barbarazweige zu Weihnachten verbunden, mit Nikolaus kleine Gaben.
Evangelische und orthodoxe Traditionen
In der evangelischen Kirche ist der Advent eine Zeit der Erinnerung und Erwartung, der Bereitung und Buße. Die vier Sonntage setzen unterschiedliche Schwerpunkte: Am ersten Advent prägt Jesu Einzug in Jerusalem das Evangelium (Mt 21,1–11 EU); der Wochenspruch lautet: „Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.“ (Sach 9,9b EU). Am zweiten Advent geht es um die nahende Erlösung (Lk 21,25–28 EU). Der dritte Advent richtet den Blick auf Johannes den Täufer als Wegbereiter Christi. Am vierten Advent stehen Freude über die Nähe des Herrn und Maria im Mittelpunkt; nach der Perikopenordnung von 2018 wird als Evangelium Lk 1,26ff. EU, der Besuch des Engels Gabriel bei Maria, gelesen. Für den vierten Sonntag kann statt Violett bereits Rosa verwendet werden.
Die orthodoxen Kirchen begehen die vorweihnachtliche Zeit sechswöchig, vom 15. November bis 24. Dezember des jeweiligen Kalenders. Sie heißt eher Philippus-Fasten oder Weihnachtsfasten als Advent. Dabei wird auf Fleisch verzichtet; bis zum 17. Dezember darf jedoch Fisch gegessen werden. Das orthodoxe Kirchenjahr beginnt am 1. September. Am zweiten Sonntag vor Weihnachten wird aller Heiligen des Alten Testaments gedacht, am ersten Sonntag vor Weihnachten der Vorfahren Christi bis zu Adam. Ab dem 20. Dezember ist das Stundengebet vorweihnachtlich geprägt.
Bräuche und Lichtzeichen
Der Adventskranz gehört zu den bekanntesten Bräuchen. Seine vier Kerzen verweisen auf das Licht, das mit Christus in die Welt gekommen ist (Joh 1,1–14 EU; Joh 8,12 EU). Johann Hinrich Wichern ließ 1839 im „Rauhen Haus“ in Hamburg erstmals einen Holzleuchter mit 23 Kerzen aufhängen: 19 kleine rote für die Werktage bis Weihnachten und vier dicke weiße für die Sonntage. Der ursprünglich evangelische Brauch wurde nach dem Ersten Weltkrieg auch in der katholischen Kirche übernommen. Mancherorts stehen drei violette Kerzen für die Adventssonntage und eine rosa Kerze für den dritten Sonntag. In Ostkirchen können Adventskränze entsprechend der sechs Sonntage sechs Kerzen haben.
Adventskalender entstanden seit Beginn des 20. Jahrhunderts in Deutschland aus evangelisch geprägten Bräuchen, die Tage bis Weihnachten abzuzählen. Üblich sind 24 Türen, die vom 1. bis 24. Dezember geöffnet werden. Liturgische Adventskalender beginnen dagegen mit dem ersten Advent, reichen bis zum 6. Januar und besitzen vier zusätzliche Türen für die Adventssonntage. Es gibt auch lebendige, an Häusern gestaltete sowie Online- und mediale Adventskalender.
Ein Schwibbogen ist ein beleuchteter Lichterbogen aus erzgebirgischer Bergarbeitertradition. Er drückte die Sehnsucht der Bergleute nach Sonnenlicht aus. Jedes Licht stand ursprünglich für eine aus dem Berg zurückgebrachte Grubenlaterne; ein vollständiger Lichtbogen am Haus bedeutete, dass alle Arbeiter dieses Hauses wohlbehalten zurückgekehrt waren. Verbreitet ist dieser Brauch besonders in Sachsen, Thüringen und der Oberpfalz.
Neuere Formen greifen die Lichtsymbolik etwa im Adventslabyrinth auf: Der Weg steht für den Lebensweg, im Zentrum kann eine Kerze oder ein Evangeliar als Wort Gottes stehen. Bei der Herbergssuche ziehen Jugendliche mit verteilten Rollen von Haus zu Haus und singen ein Herbergslied. Beim Frauentragen wird in den letzten Tagen vor Weihnachten ein Marienbild von Haus zu Haus getragen und verehrt; am Heiligen Abend kehrt es in die Kirche zurück.
Entwicklung und heutige Spannungen
Die Adventszeit war zunächst, möglicherweise seit der Mitte des 4. Jahrhunderts, eine Fastenzeit. In Gallien lag sie zwischen dem Martinstag am 11. November und dem damals am 6. Januar gefeierten Weihnachtsfest. In acht Wochen ergaben sich ohne Samstage und Sonntage 40 Fasttage, entsprechend der Fastenzeit vor Ostern. Seit dem Mittelalter galt der Advent außerdem als „geschlossene Zeit“: Tanzen, aufwändige Feiern und feierliche Trauungen waren nicht erlaubt; stille Trauungen dagegen schon. Seit 1917 verlangt das katholische Kirchenrecht kein Adventsfasten mehr.
Die Liturgie verbindet bis heute Buße und freudige Erwartung. Im 7. Jahrhundert wurden an den Adventssonntagen unter anderem Jesu Einzug in Jerusalem, die Wiederkunft des Menschensohnes und Johannes der Täufer thematisiert. In der katholischen Kirche entfiel der Einzug in Jerusalem mit dem Missale Romanum von 1570, in evangelischen Kirchen wird er weiterhin am ersten Advent gelesen.
Kirchen in Deutschland wenden sich gegen eine durch Handel und Werbung über den Christkönigssonntag beziehungsweise den evangelischen Ewigkeitssonntag hinaus ausgedehnte Vorweihnachtszeit sowie gegen Ladenöffnungen an Adventssonntagen. Eine von der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und dem Erzbistum Berlin eingereichte Verfassungsbeschwerde führte dazu, dass das Bundesverfassungsgericht am 1. Dezember 2009 die Berliner Regelung zur Öffnung von Geschäften an allen vier Adventssonntagen für verfassungswidrig erklärte.
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