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BAWAG
Bank für Arbeit und Wirtschaft und Österreichische Postsparkasse Aktiengesellschaft mit Sitz in Wien ist ein Kreditinstitut und wurde am 18. Dezember 2000 als …
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Überblick und Bedeutung
Die BAWAG, früher BAWAG P.S.K. Bank für Arbeit und Wirtschaft und Österreichische Postsparkasse Aktiengesellschaft, ist ein Kreditinstitut mit Sitz in Wien. Sie entstand 2005 durch die Fusion der Bank für Arbeit und Wirtschaft (BAWAG) mit der Österreichischen Postsparkasse (P.S.K.). Seit Juli 2022 tritt sie nur noch als BAWAG auf. Gemessen an der Bilanzsumme ist sie die viertgrößte Bank Österreichs. Als Rechtsnachfolgerin der Postsparkasse ist sie nach § 111 Bundeshaushaltsgesetz die Hausbank der Republik Österreich.
Die Bank ist eine Aktiengesellschaft. Für 2023 werden eine Bilanzsumme von 77 Mrd. Euro, Kundenkredite von 45 Mrd. Euro, 625 Mitarbeiter und 80 Geschäftsstellen genannt. Die Einlagen lagen 2022 bei 46 Mrd. Euro. Vorstand ist Anas Abuzaakouk, Aufsichtsratsvorsitzender Kim Fennebresque. Die Bankleitzahl lautet 14000, der BIC BAWAATWWXXX. Nach dem Börsengang der Holdinggesellschaft BAWAG Group AG im Oktober 2017 und weiteren Verkäufen befinden sich aktuell 100 % der Aktien im Streubesitz.
Historische Wurzeln
Die ältere Wurzel der heutigen BAWAG ist die Österreichische Postsparkasse. Sie wurde aufgrund eines Gesetzes von 1882 gegründet; 1883 nahmen fast 4.000 Postämter den Postsparkassendienst auf. Wichtige Impulse kamen von Georg Coch. 1906 bezog die Postsparkasse ihr von Otto Wagner geplantes Hauptgebäude am Georg-Coch-Platz in Wien, das zu den bedeutendsten Jugendstilgebäuden Österreichs zählt.
Die Bank für Arbeit und Wirtschaft wurde 1922 vom früheren Staatskanzler Karl Renner als „Arbeiterbank“ gegründet. Sie sollte vor allem Organisationen und Einrichtungen der Arbeiterbewegung ein eigenes Hilfsinstitut bieten. An der Arbeiterbank AG hielten die sozialistischen Gewerkschaften und die Großeinkaufsgesellschaft für österreichische Consumvereine jeweils 40 %. 1934 wurde die Bank im austrofaschistischen Ständestaat aufgelöst.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie 1947 wiedergegründet und 1963 in Bank für Arbeit und Wirtschaft, kurz BAWAG, umbenannt. Ab den 1970er Jahren gewann sie durch ein stark ausgebautes Zweigstellennetz viele Kunden. Bekannte Produkte waren das Kapitalsparbuch, also ein Fixzinssparbuch mit vorgegebenen Laufzeiten, und der Betriebsratskredit, ein über Betriebsräte vermittelter Privatkredit. Hauptaktionär war nach der Neugründung der Österreichische Gewerkschaftsbund mit 70 %, daneben die Konsum-Genossenschaften mit 30 %. Nach der Insolvenz des Konsum 1995 übernahm die Bayerische Landesbank dessen Anteile, stieg aber 2004 wieder aus; danach war der ÖGB Alleinaktionär.
Fusion und Krise
Im Jahr 2000 kaufte die BAWAG 74,82 % der Österreichischen Postsparkasse von der Republik Österreich. Im November 2003 übernahm sie die restlichen 25,18 %. 2005 fusionierten BAWAG und P.S.K. endgültig zur BAWAG P.S.K., der viertgrößten Bankengruppe Österreichs. Dabei wurde die alte BAWAG zur Finanzholding Anteilsverwaltung BAWAG P.S.K. AG umfirmiert. Im Zuge der Verschmelzung wurden Eigenmittel von der Holding in die operative Bank transferiert. Dadurch entstanden 1,531 Milliarden Euro Schulden des ÖGB bei der Holding, die erst im Juni 2006 öffentlich bekannt wurden.
2006 geriet die Bank durch die BAWAG-Affäre in eine schwere Schieflage. Sie verlor rund 3,5 Mrd. Euro und musste durch eine milliardenschwere staatliche Auffangaktion vor dem Konkurs gerettet werden. Die Rating-Agentur Moody’s stufte die Bonität der Bank danach mehrfach herab. Kern der Affäre waren unter anderem hoch riskante „Karibik-Geschäfte“ aus den Jahren 1995 bis 2000, bei denen laut Zeitungsberichten rund eine Milliarde Euro Verlust entstanden sein soll. Es handelte sich vor allem um Zins- und Währungs-Swaps mit hohem Volumen. Verluste wurden über Briefkastenfirmen auf Karibikinseln, besonders Anguilla, verschleiert. Für die Bilanz 2000 gab der damalige ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch ohne Zustimmung der zuständigen Organe eine Garantieerklärung des ÖGB ab und verwendete dafür den Streikfonds als Sicherheit.
Die Affäre führte im März 2006 zum Rücktritt des BAWAG-Aufsichtsratsvorsitzenden Günter Weninger und des ÖGB-Präsidenten Fritz Verzetnitsch. Am 4. Juli 2008 wurden nach etwa einjährigem Gerichtsverfahren alle neun Angeklagten schuldig gesprochen. Helmut Elsner wurde zunächst zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt, Johann Zwettler zu fünf Jahren, Wolfgang Flöttl zu zweieinhalb Jahren teilweise auf Bewährung. Der Oberste Gerichtshof verhängte am 23. Dezember 2010 gegen Elsner insgesamt zehn Jahre Freiheitsstrafe, die gesetzliche Höchststrafe; Zwettlers Strafe wurde bestätigt, mehrere andere Urteile wurden aufgehoben oder zurückverwiesen.
Verkauf, Staatshilfe und Börse
Am 30. März 2006 beschloss der ÖGB als Eigentümer, die BAWAG vollständig zu verkaufen. Die schlechte finanzielle Lage nach dem BAWAG-Debakel ließ aus Sicht des Artikels keine andere Lösung zu. Morgan Stanley wurde beauftragt, Käufer zu suchen. In die Endrunde kamen unter anderem die Bayerische Landesbank, die Allianz, der US-Fonds Cerberus mit Partnern und Lone Star. Den Zuschlag erhielt im Dezember 2006 ein Konsortium um Cerberus.
Am 14. Mai 2007 wurde die BAWAG P.S.K. endgültig von Cerberus übernommen. Cerberus erhielt 90 % der Bank, weitere 10 % gingen an österreichische Unternehmen, darunter die Österreichische Post mit 5 %, Generali mit 2 bis 3 %, eine Industriellengruppe um Hannes Androsch mit 1,5 bis 2 % und Wüstenrot mit rund 1 %. Die Käufer zahlten insgesamt 3,2 Mrd. Euro: 2,6 Mrd. Euro gingen an den ÖGB, 600 Mio. Euro flossen als Kapitalspritze in die Bank. 2012 erwarb GoldenTree Asset Management LP etwa 39 % von Cerberus.
Während der Bankenkrise erhielt die BAWAG 2009 von der Republik Österreich Partizipationskapital in Höhe von 550 Mio. Euro. Partizipationskapital ist eine Form von Eigenkapitalbeteiligung ohne normale Aktienrechte. 2013 zahlte die Bank 200 Mio. Euro zurück, im März 2014 die restlichen 350 Mio. Euro. Insgesamt gingen 784 Mio. Euro an den Staat, davon 234 Mio. Euro an Dividenden.
Am 25. Oktober 2017 wurde die BAWAG Group an der Wiener Börse gelistet. Der Börsengang war der größte in der Geschichte Österreichs und gehörte 2017 zu den zehn größten weltweit. Er markierte den Übergang von einer geschlossenen Eigentümerstruktur zu einer börsennotierten Gesellschaft.
Umbau und wichtige Ereignisse seit 2007
2007 kam es zu einer Diskriminierungsaffäre: Die BAWAG P.S.K. kündigte Konten von etwa 200 „kubanischstämmigen“ Privatkunden, laut Presseberichten unabhängig von deren österreichischer Staatsbürgerschaft. Begründet wurde dies mit Vorgaben des neuen US-Eigentümers und dem Helms-Burton Act. Außenministerin Ursula Plassnik leitete ein Verwaltungsstrafverfahren auf Grundlage der Verordnung (EG) Nr. 2271/96 ein. Ab 4. Mai 2007 erklärte die BAWAG, kubanische Kunden seien wieder willkommen, nachdem Cerberus eine Ausnahmegenehmigung des US-Finanzministeriums erhalten hatte.
Nach der Übernahme durch Cerberus wurde die Bank neu strukturiert. Zunächst gab es einen Zwei-Marken-Auftritt mit BAWAG und PSK Bank; ab 2010 wurde auf eine Ein-Marken-Strategie umgestellt. Mehrere Beteiligungen wurden verkauft, darunter die 43%ige Beteiligung an ATV, die slowakische Istrobanka, die BAWAG Bank CZ und die Klavierfabrik Bösendorfer. Die Versicherungstöchter wurden 2007 zur BAWAG P.S.K. Versicherung fusioniert; 50,01 % gingen an Generali, 2024 wurden auch die restlichen 25,01 % an Generali verkauft.
Die Zusammenarbeit mit der Österreichischen Post wurde nach dem Börsengang 2017 beendet. Bankdienstleistungen wurden bis 31. März 2020 in Postfilialen angeboten. Seitdem bietet die BAWAG ihre Leistungen in eigenen Filialen und Beratungszentren an; die Standortanzahl sank nach Ende der Kooperation um 70 %. Der heutige Unternehmenssitz ist der „B-Turm“ im The Icon Vienna beim Wiener Hauptbahnhof. Bis Februar 2019 war der Sitz die denkmalgeschützte Wiener Postsparkasse am Georg-Coch-Platz 2.
Übernahmen und Struktur
Die BAWAG Group richtet ihre M&A-Aktivitäten vor allem auf das Kerngeschäft Retail & SME in europäischen Märkten. M&A bedeutet Fusionen und Übernahmen; Retail & SME meint Privatkunden sowie kleine und mittlere Unternehmen. Zielobjekte können profitable Plattformen mit starkem Kreditgeschäft oder Finanzinstitute sein, die eine Sanierung oder geordnete Abwicklung benötigen.
Zu den genannten Transaktionen gehören die Übernahme der Südwestbank in Deutschland, die 2021 mit der BAWAG verschmolzen wurde, die Übernahme der start:bausparkasse im Dezember 2016 und die Übernahme des Commercial-Issuing-Geschäfts von SIX Payment Services Austria im Oktober 2017, wodurch 600.000 Kreditkartenkunden in Österreich hinzukamen. Die Deutscher Ring Bausparkasse AG wurde 2017 verkauft und ab Januar 2019 als start:bausparkasse geführt; 2024 ging sie nach Zustimmung der Aufsicht an die Wüstenrot Bausparkasse AG über.
Weitere Schritte waren der Start des digitalen Kreditangebots Qlick in Deutschland am 13. Dezember 2018, der Erwerb der Health AG, Zahnärztekasse AG und BFL Leasing GmbH im Jahr 2019, der Erwerb der DEPFA BANK plc und DEPFA ACS Bank DAC 2021 sowie der Erwerb der Hello bank! Österreich 2021, deren Geschäft nach Rebranding unter easybank weitergeführt wurde. 2023 wurde Peak Bancorp, die Holding der Idaho First Bank in den USA, übernommen. Am 1. November 2024 folgte Knab, eine niederländische Online-Bank für Selbständige mit mehr als 400.000 Privatkunden und KMU. Zum 1. Februar 2025 übernahm die BAWAG außerdem das deutsche Privatkundengeschäft von Barclays; seit Februar 2026 wird es unter der Marke Easybank weitergeführt.
Die BAWAG Group hält neben der 100%igen Tochter BAWAG P.S.K. Beteiligungen in Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden, Irland und den Vereinigten Staaten. Zweigniederlassungen bestehen unter anderem seit 2014 in London, seit 2020 bzw. 2021 operativ in Deutschland, seit 2023 in Dublin und in Eschborn; 2022 wurde eine Repräsentanz in den USA gegründet. Zu den früheren Beteiligungen zählten unter anderem Anteile an der Oesterreichischen Nationalbank, MKB in Ungarn, den Österreichischen Lotterien, Bösendorfer, Istrobanka, BAWAG Bank Tschechien, BAWAG banka Slowenien, BAWAG International Finance und Stiefelkönig. Laut Aktionärsstruktur Stand November 2025 halten T. Rowe Price 6,1 %, Blackrock 6,4 % und das BAWAG Senior Leadership Team 4,6 %, davon das Management Board 4,1 %; der gesamte Freefloat beträgt 100,00 %.