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Spanne (Wirtschaft)

Als Spanne (englisch spread) bezeichnet man in der Wirtschaft allgemein die Differenz zwischen zwei einheitsgleichen zu vergleichenden ökonomischen Größen.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Funktion
  2. 2. Kurse und Handel
  3. 3. Devisen und Waren
  4. 4. Zinsen und Kreditrisiken
  5. 5. Termin- und Optionsgeschäfte
  6. 6. Bedeutung für Prognosen

Begriff und Funktion

Eine Spanne (englisch spread) ist in der Wirtschaft die Differenz zwischen zwei vergleichbaren ökonomischen Größen mit derselben Einheit. Sie wird besonders im Wertpapierhandel und in der Volkswirtschaftslehre als Indikator verwendet und zählt als betriebswirtschaftliche Kennzahl zu den wichtigsten Marktdaten im Finanzwesen.

Allgemein gilt: Je breiter eine Spanne ist, desto höher sind meist Kredit-, Markt- und Liquiditätsrisiken; zugleich können auch die Gewinnspannen höher sein. Eine kleinere Spanne weist entsprechend auf geringere Risiken und Gewinnspannen hin. Unterschieden werden kursbezogene, zinsbezogene und termingeschäftsbezogene Spannen sowie Spannen im Optionshandel.

Kurse und Handel

Die Geld-Brief-Spanne (englisch bid-ask spread), auch Marktbreite genannt, ist bei Wertpapieren, Devisen, Sorten, Edelmetallen und Waren die Differenz zwischen Briefkurs und Geldkurs:

Geld-Brief-Spanne = Briefkurs − Geldkurs

Der Briefkurs (ask) ist der höhere Kurs, zu dem ein Kreditinstitut oder anderer Marktteilnehmer verkauft; der Geldkurs (bid) ist der niedrigere Kurs, zu dem er kauft. Die Spanne entspricht damit seiner Brutto-Gewinnspanne. Zugleich ist sie ein Liquiditätsmaß, weil sie die Transaktionskosten der Marktteilnehmer ausdrückt: Eine breite Spanne deutet auf geringere Liquidität und höhere Kosten hin.

Geld- und Briefkurse kommen sowohl an Börsen als auch im außerbörslichen Handel vor. Die Kurszusätze „G“ und „B“ bedeuten bei Wertpapieren, dass kein Börsenumsatz stattgefunden hat: „G“ zeigt Nachfrage ohne passendes Angebot zum gebotenen Preis, „B“ Angebot ohne passende Nachfrage zum geforderten Preis.

Beim Market Making von Jumbo-Pfandbriefen ist die zulässige Spanne nach Laufzeit festgelegt: bis zu drei Jahren 0,05 Eurocent, bei 3–6 Jahren 0,06 Eurocent, bei über 6 Jahren bis einschließlich 8 Jahren 0,08 Eurocent und darüber 0,10 Eurocent. Für den Market-Maker zeigt sie an, ob eine eingegangene Long- oder Short-Position wieder glattgestellt werden kann.

Die explizite Geld-Brief-Spanne lässt sich unmittelbar aus tatsächlichen Geld- und Briefkursen berechnen. Die implizite Geld-Brief-Spanne ist dagegen eine Schätzung anhand früherer Transaktionen und Renditen.

Devisen und Waren

Im Devisengeschäft kann auch die Differenz zwischen Kassakurs (spot price) und Terminkurs (forward price) als Spanne bezeichnet werden. Bei Mengennotierung heißt sie Deport oder Abschlag, wenn der Devisenterminkurs unter dem Kassakurs liegt. Liegt der Terminkurs höher, handelt es sich um einen Report oder Aufschlag. Bei einem Devisenswap, also der Verbindung eines Kassageschäfts mit einem Termingeschäft, wird die Differenz als Swapsatz bezeichnet.

Bei Commodities, also gehandelten Waren, umfasst die Spanne zwischen Kassa- und Terminkurs Kapitalkosten, Lagerkosten und die Prämie für die sofortige Verfügbarkeit des Basiswerts. Bei Rohstoffen besteht meist ein Deport-Markt beziehungsweise eine Backwardation: Die sofortige Verfügbarkeit wird höher bewertet, sodass der Kassakurs über dem Terminkurs liegt. Der umgekehrte Fall mit höheren Terminkursen heißt Contango. Beide Konstellationen eignen sich für Spekulations- und Arbitragegeschäfte.

In Zeiten fester Wechselkurse bezeichneten Wechselkursbandbreiten festgelegte Grenzen, die nicht unter- oder überschritten werden durften. Seit der Einführung des Euro im Januar 1999 besteht dieses Wechselkursregime nicht mehr. Fremdwährungen können im Floating frei schwanken; bestehen geblieben sind die Geld-Brief-Spannen.

Zinsen und Kreditrisiken

Unterschiede zwischen den Zinsniveaus an Geld- und Kapitalmärkten heißen Zinsspreads und sind nicht mit Zinsspannen gleichzusetzen. Häufig werden langfristige Kapitalmarktzinsen mit kurzfristigen Geldmarktzinsen verglichen, typischerweise 10-jährige mit 3-monatigen Zinssätzen. Die daraus gebildete Zinsstrukturkurve dient als makroökonomischer Indikator. Einer steilen Kurve mit niedrigen Geldmarktzinsen werden expansive Wirkungen zugeschrieben; für die umgekehrte Lage gilt das Gegenteil. Die Differenz zwischen Nennwert und Kurswert eines Wertpapiers zeigt künftige Renditeerwartungen und wird besonders vom risikofreien Marktzins und von der Zinsdifferenz bestimmt.

Der Kreditaufschlag ist die Renditedifferenz einer Anleihe gegenüber einem vergleichbaren risikolosen Zinssatz mit gleicher Laufzeit. Er hängt von der Bonität, also der Kreditwürdigkeit, des Schuldners ab und entspricht dem Marktpreis für dessen Ausfallrisiko. Zusätzlich beeinflussen Laufzeit und Marktschwankungen seine Höhe. Das hieraus entstehende Anlegerrisiko wird zusammen mit dem Risiko einer Bonitätsänderung als Spreadrisiko bezeichnet.

Bei Unternehmensanleihen wird deshalb oft nicht die absolute Rendite, sondern der Kreditaufschlag gegenüber einer als weitgehend risikolos betrachteten Staatsanleihe bester Bonität angegeben. Je höher der Aufschlag, desto höher wird das Bonitätsrisiko eingeschätzt. Auch die Preise von Credit Default Swaps (CDS), also Kreditausfall-Tauschgeschäften, heißen CDS-Spreads; sie sind für zahlreiche Emittenten und unterschiedliche Restlaufzeiten über Börseninformationssysteme verfügbar.

Termin- und Optionsgeschäfte

Im Terminhandel bezeichnet „Spread“ oder „Straddle“ den gleichzeitigen Kauf und Verkauf von Termingeschäften mit unterschiedlichen Laufzeiten am selben Markt, mit verschiedenen Basiswerten oder an verschiedenen Börsen. Der Handel an verschiedenen Börsen wird genauer als Arbitrage bezeichnet. Ziel ist nicht eine absolute Preisbewegung eines einzelnen Termingeschäfts, sondern eine Veränderung der Preisdifferenz zwischen gekauftem und verkauftem Geschäft.

Bei Derivaten ist ein Spread außerdem eine Optionsstrategie: Zwei Optionen gleicher Art werden gleichzeitig gekauft und verkauft. Beide sind entweder Kaufoptionen (Calls) oder Verkaufsoptionen (Puts) und unterscheiden sich nur im Basispreis oder im Verfalldatum. Ist der Preis der verkauften Option höher als derjenige der gekauften Option, entsteht ein Überschuss. Gegenüber dem alleinigen Kauf oder Verkauf einer Option lässt sich das Risiko stärker begrenzen, weil maximaler Gewinn und maximaler Verlust von Anfang an feststehen.

Die übergeordneten Preis-Spread-Arten sind Hausse-Spreads (bull spreads) für steigende Kurse und Baisse-Spreads (bear spreads) für sinkende Kurse. Ihre Unterarten heißen Bull Call Spread, Bull Put Spread, Bear Call Spread und Bear Put Spread. Hausse- und Baisse-Spreads sind durch den Butterfly Spread miteinander verbunden.

Bedeutung für Prognosen

Spannen gelten häufig als Frühindikatoren. Sie können zeigen, wie der Markt ein Risiko gegenwärtig bewertet und wie es sich möglicherweise weiterentwickelt. Als Vergleichszahlen ermöglichen sie daher auch Risikoprognosen.

Der Vergleich zwischen Rating und Kreditaufschlag veranschaulicht diese Funktion: Veränderungen des Kreditaufschlags treten gewöhnlich früher auf als eine Ratingmigration, also die Änderung einer Bonitätsnote. Ratingagenturen reagieren in der Regel zeitverzögert auf bereits eingetretene Risikoveränderungen, während Marktspannen diese früher anzeigen können.

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