Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Indikator (Wirtschaft)

In der Wirtschaft mit ihren ... Gewinnschwelle für die Bestimmung desjenigen Auslastungsgrades, bei dem erstmals ein Unternehmen Gewinn erwirtschaftet.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Nutzen
  2. 2. Institutionelle Verwendung
  3. 3. Grundlegende Arten
  4. 4. Wichtige Konjunkturindikatoren
  5. 5. Zeitliche Einordnung von Indikatoren
  6. 6. Weitere Anwendungen und Sonderindikatoren

Grundidee und Nutzen

Ein volkswirtschaftlicher Indikator, auch Konjunkturindikator oder makroökonomische Kennzahl genannt, ist eine Messgröße, mit der Aussagen über die konjunkturelle Entwicklung oder die allgemeine wirtschaftliche Situation von Volkswirtschaften möglich sind. Solche Indikatoren stammen besonders aus der makroökonomischen Theorie und Forschung. Sie können auch als Grundlage für Prognosen dienen, also für begründete Aussagen über künftige wirtschaftliche Entwicklungen.

Indikatoren sind wichtig, weil wirtschaftliche Zusammenhänge sehr komplex sind. Unternehmen, Medien, Experten, Finanzanalysten, Laien, Zentralbanken, Regierungen und Wirtschaftsverbände nutzen sie, um sich schnell ein Urteil über die Wirtschaftslage zu bilden. Errechnet werden viele dieser Daten vom Statistischen Bundesamt oder von Wirtschaftsforschungsinstituten. Damit ein Indikator allgemein anerkannt wird, soll er theoretisch plausibel, statistisch angemessen, zuverlässig, repräsentativ und aussagekräftig sein.

Für die laufende Wirtschaftsbeobachtung müssen die Daten mindestens quartalsweise, besser monatlich vorliegen. Außerdem sollten Indikatoren als lange Reihen verfügbar sein, also als Zeitreihen über mehrere Jahre. Nur so kann man die konjunkturelle Entwicklung langfristig vergleichen. Dafür ist oft eine Saisonbereinigung nötig: Sie entfernt verzerrende saisonale Effekte, zum Beispiel regelmäßig wiederkehrende Schwankungen im Jahresverlauf.

Institutionelle Verwendung

Das Statistische Bundesamt verfolgt seit 1950 das Ziel, ein statistisches Gesamtbild der Wirtschaftsstruktur und des Wirtschaftsablaufs zu zeichnen. Eine zentrale Aufgabe besteht darin, Grunddaten für die kurz- und langfristige Wirtschaftsbeobachtung zu liefern. Alle Indikatoren, die dabei für die laufende Wirtschaftsbeobachtung anfallen, dienen der Konjunkturbeschreibung.

Seit August 1972 veröffentlicht das Statistische Bundesamt „Indikatoren zur Wirtschaftsentwicklung – Zeitreihen mit Saisonbereinigung“. Auch Zentralbanken nutzen wirtschaftliche Indikatoren. Die Bundesbank zog bis 1987 die Zentralbankgeldmenge heran, danach die Geldmenge in ihrer Abgrenzung M3. Die Europäische Zentralbank verfolgt seit 1994 mit ihrer „zwei-Säulen-Strategie“ einerseits realwirtschaftliche Indikatoren, zum Beispiel Produktionspotenzial und Lohnentwicklung, und andererseits in der monetären Analyse längerfristige monetäre Indikatoren, zum Beispiel die weit gefasste Geldmenge M3.

Grundlegende Arten

Eine wichtige Einteilung richtet sich danach, wann ein Indikator im Vergleich zu einer Referenzreihe seine konjunkturellen Wendepunkte erreicht. Wendepunkte sind Stellen, an denen sich die wirtschaftliche Entwicklung erkennbar ändert. Man unterscheidet Frühindikatoren, Präsenzindikatoren und Spätindikatoren.

Frühindikatoren, englisch leading indicators, laufen dem Konjunkturzyklus voraus. Ihre Wendepunkte liegen zeitlich vor den Wendepunkten der Konjunktur. Sie geben also Hinweise darauf, wie sich die Wirtschaftslage künftig entwickeln wird. Das ist besonders für die Konjunkturpolitik wichtig, weil Maßnahmen oft erst mit Verzögerung wirken. Diese Verzögerung heißt time lag. Wenn Frühindikatoren rechtzeitig warnen, kann die Politik früher handeln.

Präsenzindikatoren, englisch roughly coincident indicators, zeigen die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung. Spätindikatoren, englisch lagging indicators, spiegeln dagegen den vergangenen Wirtschaftsverlauf wider.

Außerdem unterscheidet man Einzelindikatoren und Gesamtindikatoren. Einzelindikatoren beruhen nur auf einer einzigen Zeitreihe, etwa Auftragseingang, Arbeitslosenzahl oder Geldvolumen. Sie sind anfällig für Sondereinflüsse. Gesamtindikatoren entstehen durch die Verdichtung mehrerer Zeitreihen. Beispiele sind das Harvard-Barometer oder der vom Sachverständigenrat entwickelte Konjunkturindikator.

Weitere Unterscheidungen betreffen die beschriebene Größe und die Darstellungsform. Nach der beschriebenen Größe gibt es Mengenindikatoren sowie Preis- oder Kostenindikatoren. Nach der Darstellungsform unterscheidet man absolute Größen, etwa den Stand eines Aktienindex, und Wachstumsraten, etwa die Inflationsrate. Viele Indikatoren, zum Beispiel der Ifo-Geschäftsklimaindex, werden regelmäßig veröffentlicht. Veröffentlichungskalender zeigen, wann neue Daten erscheinen.

Wichtige Konjunkturindikatoren

Als besonders wichtige volkswirtschaftliche Indikatoren gelten solche Kennzahlen, die erheblichen Einfluss auf die Entwicklung von Volkswirtschaften haben oder bei denen Marktteilnehmer einen solchen Einfluss vermuten. Ihre Bedeutung zeigt sich oft daran, dass ihre Veröffentlichung sofort sichtbare Wirkungen auf nationale oder internationale Aktien- und Rentenmärkte haben kann. Das geschieht vor allem dann, wenn die veröffentlichten Werte von den Erwartungen der Marktteilnehmer abweichen. Solche Erwartungen werden vorher unter anderem von Wirtschaftsinstituten, volkswirtschaftlichen Forschungsabteilungen großer Banken und bedeutenden Wirtschaftszeitungen veröffentlicht.

Mengenindikatoren geben Auskunft über die Mengenentwicklung eines Bezugsobjektes. Beispiele sind Arbeitslosenzahl, Arbeitsmarktstatistik der Vereinigten Staaten, Auftragseingänge und Industrieproduktion.

Preisindikatoren informieren über das Preisniveau oder die Preisentwicklung eines Bezugsobjektes. Beispiele sind Aktienkurse als Marktwert des Eigenkapitals, Anleihenkurse, der Deutsche Rentenindex, Immobilienpreise, die Inflationsrate als Wachstumsrate, Lebenshaltungskosten, Verbraucherpreisindizes, Lebensmittelpreise, Rohstoffpreise wie Goldpreis oder Ölpreis sowie Währungskurse. Auch Indizes wie der Harmonisierte Verbraucherpreisindex der EU, der Verbraucherpreisindex für Deutschland, der FAO Food Price Index oder verschiedene Dollar- und Euro-Währungsindizes gehören dazu.

Zeitliche Einordnung von Indikatoren

Frühindikatoren, auch vorlaufende oder vorauseilende Indikatoren genannt, weisen auf die zukünftige Entwicklung der Wirtschaftslage hin. Beispiele sind Aktienindex, Auftragseingänge, Baugenehmigungen im Hochbau, Book-to-bill Ratio, Einkaufsmanagerindex, Einzelhandelsumsätze, Geldmengenwachstum, Geschäftsklimaindex, Gewinnerwartungen, Investitionsabsichten, Konsumklimaindex, Lagerbestände, Vorratsinvestitionen, Logistikindex, Rohstoffindex und Zinsindex beziehungsweise Zinskurven.

Präsenzindikatoren, auch gleichlaufende Indikatoren, Gegenwartsindikatoren oder Istindikatoren genannt, zeigen die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung. Beispiele sind aktuelle Konsumzahlen, Bruttoinlandsprodukt – BIP in einem Monat beziehungsweise Bruttonationaleinkommen, Index der menschlichen Entwicklung (Human Development Index, HDI), Industrieproduktion, Kapazitätsauslastung, Kurzarbeit, Lagerbestände, offene Stellen, Preise, Sparquote und Zinsen.

Spätindikatoren, auch nachlaufende oder nachhinkende Indikatoren genannt, zeigen, wie sich die Wirtschaft in der Vergangenheit entwickelt hat. Beispiele sind Arbeitslosenquote, Beschäftigungslage innerhalb eines Gewerbes, Bruttoinlandsprodukt – BIP eines Jahres beziehungsweise Bruttonationaleinkommen, Inflationsrate, Insolvenzen, Lohnentwicklung, Preisniveauentwicklung, Steuereinnahmen des Staates und Zinsniveauentwicklung.

Die Einteilung ist nicht immer eindeutig. Das Bruttoinlandsprodukt kann je nach betrachtetem Zeitraum zu einer anderen Gruppe gehören: Als BIP in einem Monat wird es bei den Präsenzindikatoren genannt, als BIP eines Jahres bei den Spätindikatoren.

Weitere Anwendungen und Sonderindikatoren

Neben den klassischen Konjunkturindikatoren gibt es weitere wirtschaftliche Indizes mit speziellen Zwecken. Der BERI-Index dient der Länderrisikoanalyse. Der Big-Mac-Index wird als Indikator für die Kaufkraft einer Währung genutzt. Der Economic Diversification Index misst die wirtschaftliche Stärke eines Staates. Der Index of Economic Freedom dient als Gradmesser für wirtschaftliche Freiheit. Der Index der wirtschaftlichen Komplexität misst die Komplexität und Diversifizierung der Exporte eines Staates. Der Elendsindex ist die Summe aus Inflationsrate und Arbeitslosenquote. Weitere Beispiele sind der Echte Fortschrittsindikator, der Grubel-Lloyd-Index für intrasektoralen Handel, der Rosenbluth-Index für absolute Konzentration auf Märkten, Schiffsindizes und Volatilitätsindizes wie CBOE Volatility Index (VIX), VDAX und VDAX-NEW.

Der um den sogenannten Sixpack erweiterte Stabilitäts- und Wachstumspakt der Europäischen Union enthält ein Scoreboard mit Indikatoren. Diese sollen vor Störungen der makroökonomischen Gleichgewichte warnen.

Konjunkturindikatoren werden auch außerhalb der reinen Volkswirtschaftslehre verwendet, zum Beispiel bei der Bewertung von Aktien. Aus der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung werden Rückschlüsse auf einzelne Wirtschaftszweige gezogen, die wiederum die Erfolgsaussichten einzelner Unternehmen beeinflussen können. Außerdem helfen Indikatoren, gesamtwirtschaftliche Entwicklungen sichtbar zu machen, besonders wenn komplexe kausale Zusammenhänge verdichtet dargestellt werden sollen.

Auch in der Betriebswirtschaft übernehmen Kennzahlen die Rolle von Indikatoren. Sie zeigen wirtschaftliche Entwicklungen in einem einzelnen Unternehmen an. Beispiele sind der Beschäftigungsgrad als Maß für die Auslastung eines Betriebs und die Gewinnschwelle, also der Auslastungsgrad, bei dem ein Unternehmen erstmals Gewinn erwirtschaftet.

Lernvideos zu Indikator (Wirtschaft)

Weiterlesen

Volkswirtschaftliche Kennzahl Volkswirtschaftliche Kennzahlen sind Kennzahlen, die volkswirtschaftliche Makrodaten und Größen miteinander in Beziehung setzen und zur Beurteilung der … Konjunktur Unter dem Begriff Konjunktur versteht man die gesamtwirtschaftliche Lage, besonders in Hinsicht auf deren aktuellen positiven oder negativen Trend, … Makroökonomie Im deutschsprachigen Kontext wird die Makroökonomie zur Volkswirtschaftslehre gezählt. Der einfache Wirtschaftskreislauf zwischen Haushalt und Unternehmen. Prognose Ein wesentliches Merkmal der Entscheidungen in jedem Bereich ist ihre Zukunftsbezogenheit: · Dabei kommt es im Bereich sozialwissenschaftlicher Prognosen zu … Ökonometrie Die Ökonometrie ist ein Teilgebiet der Wirtschaftswissenschaften, das die ökonomische Theorie sowie mathematische Methoden und statistische Daten … Unternehmen Ein Unternehmen (oder eine Unternehmung), auch Firma genannt, ist eine wirtschaftlich selbständige Organisationseinheit, die mit Hilfe von Planungs- und … Zeitreihenanalyse Die Zeitreihenanalyse befasst sich in der Statistik mit der inferenzstatistischen Analyse von Zeitreihen und der Vorhersage von Trends (Trendextrapolation) … Geldmenge Unter Geldmenge versteht man den Geldbestand einer Volkswirtschaft einer bestimmten Bindungsdauer, der sich in Händen von Nichtbanken befindet. Europäische Zentralbank Aufgaben und Ziele · Festlegung und Durchführung der Geldpolitik (siehe „geldpolitische Instrumente“), · Durchführung von Devisengeschäften, · Verwaltung der … Wendepunkt In der Mathematik ist ein Wendepunkt ein Punkt auf einer Kurve, an dem diese ihr Krümmungsverhalten ändert. Sie wechselt hier entweder von einer Rechts- in … Konjunkturpolitik Unter Konjunkturpolitik im weiteren Sinne versteht man wirtschaftspolitische Maßnahmen, die ein angemessenes Wirtschaftswachstum, Preisniveaustabilität, … Inflation die Geldmenge zunimmt (Geldschöpfung), · die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes zunimmt, oder · die reale Produktion (das Handelsvolumen) sinkt.