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Spanische Eroberung Perus

Sie begann 1532/1533 mit der Gefangennahme des Inkaherrschers Atahualpa und der Einnahme der Hauptstadt Cusco durch Francisco Pizarro und wurde 1572 mit der …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Ausgangslage
  2. 2. Von den Erkundungen zur dritten Reise
  3. 3. Gefangennahme Atahualpas und Einnahme von Cusco
  4. 4. Eroberung des Nordens und Ausbau der Herrschaft
  5. 5. Gründe des Erfolgs und Quellenlage

Bedeutung und Ausgangslage

Die spanische Eroberung Perus beendete 1532 bis 1572 die Herrschaft des Inkareichs über große Teile des westlichen Südamerikas. Zusammen mit der Eroberung Mexikos machte sie Spanien zu einer Weltmacht der Frühen Neuzeit. Sie begann mit der Gefangennahme des Inkaherrschers Atahualpa durch Francisco Pizarro und endete mit der Einnahme Vilcabambas und der Hinrichtung des letzten Sapa Inka, Túpac Amaru, am 24. September 1572.

Das Inkareich, Tawantinsuyu genannt, umfasste zu Beginn des 16. Jahrhunderts die Küsten- und Andenregionen des heutigen Peru, Ecuador und Bolivien sowie kleinere Gebiete Kolumbiens, Chiles und Argentiniens. Es war durch ein leistungsfähiges Straßennetz gut verbunden und zentral organisiert. Viele Gebiete waren jedoch erst wenige Jahrzehnte zuvor erobert worden; die unterworfenen Völker standen der Herrschaft daher nicht überall loyal gegenüber.

Die politische Krise begann mit einer Epidemie um 1527/28. Der Sapa Inka Huayna Cápac, der seit 1493 regiert hatte, starb im Mai 1528 ebenso wie sein designierter Nachfolger Ninan Cuyochi. Der Adel von Cusco bestimmte Huáscar zum neuen Herrscher. Sein Halbbruder Atahualpa, der in Quito residierte und sich auf die Generäle Quizquiz, Rumiñahui und Chalcuchímac stützen konnte, verweigerte ihm die Gefolgschaft. Es folgte ein dreijähriger Bürgerkrieg, in den auch die unterworfenen Völker einbezogen wurden. Als Pizarro in Peru eintraf, war Atahualpa gerade dabei, diesen Krieg zu gewinnen; Huáscar war gefangen genommen worden.

Spanien hatte nach der Eroberung der Karibik und Mexikos seine Expansion auf das Festland ausgeweitet. 1513 überquerte Vasco Núñez de Balboa die Landenge von Panama und entdeckte den Pazifik. 1519 wurde Panama am Pazifik gegründet. Dort hörten die Spanier Gerüchte über ein goldreiches Land im Süden, das „Birú“ genannt wurde.

Von den Erkundungen zur dritten Reise

Eine erste Expedition unter Pascual de Andagoya erreichte 1522 den Río San Juan im heutigen Kolumbien, musste aber wegen seiner Erkrankung umkehren. 1524 kauften Francisco Pizarro, Diego de Almagro und der Priester Hernando de Luque dessen Schiffe. Pizarro sollte führen, Almagro die Logistik übernehmen und de Luque die Finanzierung sichern.

Pizarros erste Reise begann im November 1524 mit etwa 100 Männern und vier Pferden. Die Expedition litt an Hunger, Krankheiten und Kämpfen mit Einheimischen; viele Teilnehmer starben, Pizarro wurde mehrfach verwundet und Almagro verlor ein Auge. Die zweite Reise begann im März 1526. Nach weiteren schweren Verlusten wartete Pizarro 1527 mit einem großen Teil der Männer auf der Hahneninsel, während Almagro Nachschub holen sollte. Der Gouverneur von Panama wollte die Expedition beenden und schickte Juan Tafur, um die Männer zurückzubringen.

Pizarro weigerte sich. Dreizehn Männer blieben bei ihm und wurden als „ruhmreiche Dreizehn“ (trece de la fama) bekannt. Sie harrten zunächst auf der Hahneninsel und danach auf Gorgona aus. Schließlich durfte die Expedition noch sechs Monate fortgesetzt werden. Im April 1528 erreichten die Spanier Tumbes im Norden des heutigen Peru. Dort wurden sie freundlich empfangen und erhielten Einblicke in die Kultur des Inkareichs. Sie nahmen unter anderem Keramik, Kleidung, Metallgefäße sowie die später zu Dolmetschern ausgebildeten Indios Felipillo und Martinillo mit.

Da der neue Gouverneur von Panama, Pedro de los Ríos, das Unternehmen ablehnte, reiste Pizarro nach Spanien. Am 26. Juli 1529 wurde die Capitulación von Toledo unterzeichnet. Sie ermächtigte ihn zur Erforschung und Eroberung der als Neukastilien bezeichneten Provinz Peru und machte ihn zum Generalkapitän. Almagro erhielt dagegen nur das Amt des Gouverneurs von Tumbes. Pizarro musste mindestens 150 Männer anwerben und innerhalb von sechs Monaten zurückkehren. Im Januar 1530 brach er mit seinen Halbbrüdern Hernando, Juan und Gonzalo erneut nach Amerika auf.

Pizarros dritte Reise begann am 20. Januar 1531 mit 180 Fußsoldaten und 37 Reitern. Nach der Landung am Río Esmeraldas zogen die Spanier monatelang an der Küste des heutigen Ecuador entlang. In Coaque erbeuteten sie Gold und Smaragde und konnten dadurch Verstärkung gewinnen. Sebastián de Belalcázar kam mit 30 Männern, später Hernando de Soto aus Nicaragua mit 100 Männern. Im April 1532 erreichten die Spanier Tumbes erneut. Die Stadt war zerstört, frühere spanische Bewohner waren getötet worden, und die Spanier erfuhren vom Bürgerkrieg. Am 15. August 1532 gründete Pizarro am Río Chira San Miguel, seinen ersten Stützpunkt.

Gefangennahme Atahualpas und Einnahme von Cusco

Von San Miguel aus erkundete Hernando de Soto das Andenhochland. Pizarro erfuhr, dass Atahualpa sich in Cajamarca aufhielt und kurz vor dem Sieg im Bürgerkrieg stand. Am 24. September 1532 marschierten die Spanier weiter; am 8. November begann der Aufstieg in die Anden. Atahualpas Späher beobachteten sie, hielten die kleine Truppe aber für ungefährlich. Atahualpa wollte die Fremden gefangen nehmen und ihre Kenntnisse über Pferde und Waffen nutzen.

Cajamarca war bei der Ankunft der Spanier fast menschenleer. Außerhalb der Stadt lagerte Atahualpa mit etwa 30.000 bis 40.000 Kriegern. Nach einem Austausch von Botschaften betrat Atahualpa am folgenden Tag in einer großen Prozession die Stadt. Der Priester Vicente de Valverde zeigte ihm eine Bibel. Atahualpa warf sie fort und verlangte Ersatz für den Besitz, den die Spanier auf ihrem Marsch genommen hatten. Daraufhin ließ Pizarro angreifen. Arkebusen, zwei Kanonen, Pferde und der Überraschungseffekt lösten eine Massenpanik aus. Berichten zufolge starben zwischen 2.000 und 8.000 Indios, während die Spanier fast keine Verluste erlitten. Atahualpa wurde unverletzt gefangen genommen.

Atahualpa erkannte, dass die Spanier vor allem an Gold interessiert waren. Er bot an, seine Zelle binnen zweier Monate bis zur Höhe seiner ausgestreckten Hand mit Gold füllen zu lassen und zusätzlich zwei Räume mit Silber zu füllen. Auf seinen Befehl wurden in Tempeln und Palästen Schätze gesammelt. Hernando Pizarro reiste mit 20 Reitern 600 km nach Süden zum Heiligtum Pachacámac und brachte den General Chalcuchímac nach Cajamarca. Andere Spanier ließen sich in Cusco die Schätze, besonders des Tempels Coricancha, übergeben.

Atahualpa ließ aus Angst vor einer Verbindung zwischen Pizarro und Huáscar seinen Bruder und weitere Rivalen töten. Am 14. April 1533 traf Almagro mit 150 Männern ein. Mitte Mai wurde das Lösegeld eingeschmolzen; dabei ging unersetzliche Inkakunst verloren. Die Beute betrug 1.326.539 Pesos (6092 kg) Gold und 51.610 kastilische Mark (11.705 kg) Silber. Ein Fünftel war für den spanischen König bestimmt, der Rest ging überwiegend an Pizarro und seine Männer.

Weil die Spanier in Cajamarca isoliert und von Atahualpas Streitkräften umgeben waren, hielten sie seine Freilassung für zu gefährlich. Nach einem eilig durchgeführten Prozess wurde Atahualpa wegen einer fadenscheinigen Anklage zum Tod verurteilt und am 26. Juli 1533 mit der Garrotte hingerichtet. Seine Tötung wurde später auch von spanischen Chronisten scharf kritisiert.

Pizarro und Almagro marschierten anschließend nach Cusco. In Jauja halfen die Huanca den Spaniern, einen Angriff abzuwehren. Túpac Huallpa, ein jüngerer Bruder Huáscars und von Pizarro eingesetzter Sapa Inka, starb dort unter ungeklärten Umständen. Chalcuchímac wurde dafür verantwortlich gemacht und hingerichtet. Am 15. November 1533 zogen die Spanier in Cusco ein. Sie setzten Manco Cápac, einen weiteren Sohn Huayna Cápacs, als Sapa Inka ein und plünderten die verbliebenen Schätze. Gemeinsam mit Mancos Truppen besiegten sie Quizquiz bei Maraycalla und zwangen ihn zum Rückzug nach Norden.

Eroberung des Nordens und Ausbau der Herrschaft

Sebastián de Belalcázar brach im Februar 1534 mit 200 Männern ohne ausdrückliche Befugnis von San Miguel nach Quito auf. Er wollte Pedro de Alvarado zuvorkommen, der aus Guatemala mit 500 Spaniern heranzog. Im Norden hatte Rumiñahui nach der Ermordung von Atahualpas Bruder Quilliscacha die Macht übernommen. Belalcázar gewann die Kañari als Verbündete, die unter Atahualpa gelitten hatten, und drängte Rumiñahui in blutigen Kämpfen zurück. Eine Eruption des Tungurahua wurde von den Inkatruppen als schlechtes Vorzeichen gedeutet und rettete die spanisch-kañarischen Truppen aus einer schwierigen Lage. Rumiñahui ließ die Schätze abtransportieren, Quito niederbrennen und zog sich zurück. Belalcázar nahm die zerstörte Stadt im Juli 1534 ein.

Im August traf Alvarado ein. In Riobamba verständigte er sich mit Almagro: Almagro kaufte ihm sein Kriegsmaterial ab, und Alvarados Männer durften in Pizarros und Almagros Dienste treten. Quizquiz wurde nach seiner Rückkehr von seinen demoralisierten Truppen verlassen und von meuternden Offizieren erschlagen. Rumiñahui setzte den Widerstand fort, wurde jedoch ein Jahr später gefangen, gefoltert und hingerichtet.

Pizarro verlegte die Hauptstadt von Jauja an die Küste und gründete im Januar 1535 Ciudad de los Reyes, das heutige Lima. Im selben Jahr erhielt Almagro durch einen Erlass Karls V. das südlich gelegene Eroberungsgebiet Neutoledo. Sein Zug nach Chile dauerte fast zwei Jahre und endete in einem Fiasko. Währenddessen verschlechterten sich die Beziehungen zwischen den Spaniern und Manco Cápac. Nach Demütigungen und Misshandlungen floh Manco am 18. April 1536 aus Cusco und begann Anfang Mai einen Aufstand.

Mancos Truppen vernichteten die Garnison von Jauja und verstreute spanische Gruppen und belagerten Cusco fast ein Jahr lang. Mehrere Angriffe auf die Stadt scheiterten jedoch. Nach der Rückkehr Almagros aus Chile und dem Herannahen einer Entsatztruppe zog sich Manco nach Vilcabamba zurück. Der Streit zwischen Almagro und den Brüdern Pizarro führte zur Schlacht von Las Salinas am 26. April 1538, in der Almagro unterlag und hingerichtet wurde. Weitere Aufstände unter Villac Umu und Tiso Yupanqui wurden 1539 niedergeschlagen; Manco führte danach einen Guerillakrieg.

Pedro de Valdivia zog 1540 mit 150 Soldaten durch Hochgebirge und Wüste nach Chile, gründete 1541 Santiago und errichtete eine koloniale Herrschaft. 1541 wurde Francisco Pizarro von Anhängern Almagros ermordet. Die Krone übernahm daraufhin die Verwaltung und gründete 1542 das Vizekönigreich Peru. Eine Rebellion der Encomenderos unter Gonzalo Pizarro dauerte 1544 bis 1548 und wurde anschließend besiegt.

Manco Cápac wurde 1544 ermordet. Seine Nachfolger Sayri Túpac und Titu Cusi Yupanqui wechselten zwischen Widerstand und Zeiten relativen Friedens. Im Mai 1572 eroberten die Spanier Vilcabamba. Túpac Amaru, Mancos jüngster Sohn und letzter Sapa Inka, wurde nach seiner Flucht gefangen genommen und am 24. September 1572 in Cusco öffentlich hingerichtet. Damit erlosch das Inkareich endgültig.

Gründe des Erfolgs und Quellenlage

Der Sieg der Spanier beruhte auf mehreren zusammenwirkenden Umständen. Die Zahlenangaben der Berichte sind teilweise übertrieben, außerdem stützten sich die Spanier auf viele indigene Verbündete. Ihre Waffen aus Toledostahl, Helme und Rüstungen waren den Waffen der Inkas überlegen. Schusswaffen waren militärisch noch wenig handlich, wirkten aber psychologisch stark. Den größten Vorteil boten die Pferde: Reiter waren Fußkämpfern überlegen und konnten schnell und überraschend angreifen.

Atahualpa unterschätzte Pizarros kleine Truppe und erkannte nicht, dass sie den Beginn einer größeren Invasion bildete. Die Spanier trafen zudem genau während des Bürgerkriegs ein. Die Epidemien hatten das Reich geschwächt, und die Konzentration der Macht in der Person des Sapa Inka machte es möglich, das Herrschaftssystem durch seine Gefangennahme weitgehend lahmzulegen. Nach Atahualpas Tod rivalisierten die Adeligen, viele schlossen sich den Spaniern an, und zahlreiche unterworfene Völker verweigerten den Kampf gegen sie. Die Vorstellung, die Inka hätten die Spanier für Götter gehalten, gilt im Artikel dagegen als später entstandener Mythos.

Die Überlieferung stammt fast ausschließlich aus spanischer Sicht, weil die Inka keine Schrift kannten. Zu den wichtigen Berichten gehören Francisco de Xerez’ Augenzeugenbericht von 1534, Pedro Pizarros 1571 fertiggestellte Relación, Pedro de Cieza de Leóns Crónica del Perú von 1553 und Agustín de Zárates Historia von 1555. Titu Cusi Yupanqui, der zur Zeit der Eroberung noch ein Kind war, schilderte die Ereignisse 1570 aus inkaischer Sicht in einem Brief. Der angebliche Augenzeuge „Celso Gargia“, der teilweise in Schulbüchern erwähnt wurde, ist hingegen ein erfundenes Werk.

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