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Kolumbien
Kolumbien ; Fläche, 1.141.748 km² ; Einwohnerzahl, 53,4 Millionen (28.) (2025) ; Bevölkerungsdichte, 47 Einwohner pro km² ; Bevölkerungsentwicklung, + 1,0 % ( …
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Staat und geografische Grundlagen
Kolumbien, amtlich República de Colombia, ist eine präsidentielle Republik im Nordwesten Südamerikas. Mit 1.141.748 km² ist es der flächenmäßig viertgrößte Staat Südamerikas; mit etwa 53,1 bis 53,4 Millionen Einwohnern (2025) ist es nach Brasilien der zweitbevölkerungsreichste Staat des Kontinents. Hauptstadt und wirtschaftliches sowie kulturelles Zentrum ist Bogotá, D.C. Amtssprache ist Spanisch, die Währung der Kolumbianische Peso (COP). Die Unabhängigkeit von Spanien begann am 20. Juli 1810 und wurde am 7. August 1819 anerkannt.
Kolumbien grenzt an Panama, Venezuela, Brasilien, Peru und Ecuador sowie an den Pazifischen Ozean und das Karibische Meer. Die gesamte Landgrenze ist 6342 km lang; der Äquator verläuft durch das Staatsgebiet. Das Land gliedert sich in sechs Naturräume: Región Caribe, Región insular, Región del Pacífico, Región Andina, Región de la Orinoquía und Región Amazónica. Die Anden prägen die westliche Landeshälfte. Höchster Berg ist der Pico Simón Bolívar mit 5720,4 m. Wichtige Flüsse sind Magdalena und Cauca, die in die Karibik entwässern, sowie Atrato, San Juan und Baudó.
Kolumbien liegt in der tropischen Klimazone. Je nach Höhenlage gibt es tropisches Klima über 24 °C, gemäßigtes Tropenklima mit 17–30 °C, kalttropisches Klima mit 12–17 °C und ab 3000 m hochalpines Gletscherklima unter 12 °C. Bogotá liegt auf 2600 m und hat ein Jahresmittel von 14 °C. Besonders am Westrand der Anden fallen sehr hohe Niederschläge; Teile der Karibikküste erhalten dagegen unter 400 mm pro Jahr. Überschwemmungen und Tropenstürme kommen regelmäßig vor.
Politisch ist Kolumbien in 32 Departamentos und den Hauptstadtbezirk Bogotá geteilt. Die Departamentos werden von gewählten Gouverneuren und Departementsräten verwaltet, die Gemeinden von Bürgermeistern und Gemeinderäten. Zehn Gemeinden besitzen den Status besonderer Distrikte. 2023 lebten 82 Prozent der Bevölkerung in Städten, darunter vor allem Bogotá, Medellín, Cali, Barranquilla und Cartagena de Indias.
Natur, Umwelt und Bevölkerung
Kolumbien gehört zu den Megadiversitätsländern. Obwohl es nur 0,7 Prozent der weltweiten Landfläche umfasst, finden sich dort etwa zehn Prozent aller Tier- und Pflanzenarten. Zu den wichtigsten Ökosystemen gehören feuchte Tropenwälder, Savannen, Auen- und Torfwälder, Andenwälder sowie Nieder- und Amazonaswälder. Es gibt zwischen 45.000 und 55.000 Pflanzenarten, darunter 3500 Orchideenarten, außerdem 1721 Vogel-, 358 Säugetier- und 819 Amphibienarten. Die Biodiversität hängt mit den unterschiedlichen Höhenstufen, Böden, Klimazonen und der Verbindung von Amazonas und Anden zusammen.
Die natürlichen Lebensräume sind durch Entwaldung, Bergbau, Flussverschmutzung, soziale und wirtschaftliche Expansion sowie den bewaffneten Konflikt gefährdet. Etwa 25 Prozent der Feuchtgebiete verschwanden in den letzten Jahrzehnten. Die Luftverschmutzung verursacht nach Regierungsangaben jährlich mindestens 17.500 Todesfälle. Die Verfassung von 1991 verpflichtet den Staat zur nachhaltigen Entwicklung; Gesetz 99 von 1993 schuf das Umweltministerium und das Sistema Nacional Ambiental (SINA). Fünf Gebiete wurden zu UNESCO-Biosphärenreservaten erklärt, darunter El Tuparro, Nudo de los Pastos und die Sierra Nevada de Santa Marta. Seit 2008 entwickelte sich Kolumbien mit Unterstützung der EMPA Dübendorf zu einem Pionier beim Recycling von Elektroschrott.
2022 hatte Kolumbien 51,9 Millionen Einwohner; das Bevölkerungswachstum betrug 0,7 Prozent. Die Lebenserwartung lag bei 73,7 Jahren, das Medianalter 2021 bei 30,8 Jahren. Die Bevölkerung konzentriert sich auf den Andenraum, das karibische Tiefland und Städte; Amazonien, Orinokien und Chocó sind sehr dünn besiedelt. 74 Prozent der Bevölkerung leben in Ballungsgebieten und Städten. Die Bevölkerung besteht überwiegend aus Mestizen (47 Prozent), Weißen (40 Prozent), Afro-Kolumbianern (6,7 Prozent) und Indigenen (4,3 Prozent). Letztere gehören 102 Volksgruppen an. Durch die Krise in Venezuela siedelten sich bis 2021 mehr als 2,3 Millionen Venezolaner in Kolumbien an.
Spanisch ist die alleinige Amtssprache. Daneben bestehen zahlreiche indigene Sprachen sowie die Kreolsprachen Criollo sanandresano und Criollo palenquero. Die Verfassung garantiert Religionsfreiheit; 2023 waren laut Latinobarómetro 64 Prozent römisch-katholisch, 17 Prozent protestantisch, 2 Prozent atheistisch oder agnostisch und 14 Prozent religionslos. Das Bildungssystem umfasst frühkindliche Bildung, Vorschule, básica, media und Hochschulbildung. 2015 lag die Alphabetisierungsrate bei 94,7 Prozent. Die medizinische Versorgung ist regional ungleich verteilt; besonders Küsten- und ländliche Gebiete sind benachteiligt.
Geschichte und bewaffneter Konflikt
Vor der Ankunft der Spanier lebten zahlreiche indigene Völker im heutigen Kolumbien, darunter Muisca, Tairona, Sinú und Quimbaya. Sie trieben Handel und beherrschten besonders die Goldschmiedekunst. Ein einheitliches Reich wie das der Inka entstand jedoch nicht. Bedeutende Zeugnisse sind die Ciudad Perdida, die Steinskulpturen von San Agustín und die bemalten Grabkammern von Tierradentro.
1499 erreichten Alonso de Ojeda und Amerigo Vespucci das Gebiet. Ab 1510 entstanden dauerhafte europäische Siedlungen; Santa Marta wurde 1525, Cartagena de Indias 1533 gegründet. 1538 gründete Gonzalo Jiménez de Quesada Santa Fe de Bogotá. 1547 wurde Neugranada als Provinz eingerichtet, 1717 entstand das Vizekönigreich Neugranada mit Bogotá als Hauptstadt. Gold- und Smaragdvorkommen führten zur Ausbeutung indigener Menschen und später zur Versklavung von Afrikanern. Im 17. Jahrhundert stammten 80 Prozent der weltweiten Goldproduktion aus Kolumbien.
Der Unabhängigkeitskampf dauerte von 1810 bis 1819. Der Aufstand begann am 20. Juli 1810 in Bogotá. Simón Bolívar vereinigte Kolumbien und Venezuela 1819 zum unabhängigen Großkolumbien; Ecuador schloss sich 1825 an. Nach Bolívars Tod zerfiel die Föderation 1830. Liberale und Konservative stritten über Föderalismus und Zentralstaat. 1886 entstand die zentralistische Republik Kolumbien. Der Krieg der Tausend Tage von 1899 bis 1902 forderte über 100.000 Tote. 1903 trennte sich Panama mit Unterstützung der USA von Kolumbien.
Die Ermordung Jorge Eliécer Gaitáns am 9. April 1948 löste eine neue Eskalation aus. Die La Violencia forderte zwischen 1948 und etwa 1963 mehr als 200.000 zivile Todesopfer. Nach der Nationalen Front von 1958 teilten sich Liberale und Konservative die Macht. Der Ausschluss anderer politischer Kräfte begünstigte die Entstehung von Guerillagruppen wie FARC, ELN, M-19, Quintín Lame und EPL. Nach der Militärdiktatur Gustavo Rojas Pinillas (1953–1957) blieb die politische Macht stark auf die Exekutive und traditionelle Eliten konzentriert.
Seit den 1980er Jahren verstärkten Drogenkartelle, Paramilitärs und Guerillas den Konflikt. Die Demobilisierung paramilitärischer Verbände ab 2003 war umstritten, weil viele Kämpfer und Drogenhändler in Nachfolgeorganisationen weiterwirkten. Im Friedensprozess mit der FARC wurden 2016 Waffenstillstand und ein Vertrag vereinbart. Das Referendum vom 2. Oktober 2016 lehnte den Vertrag knapp ab; ein überarbeiteter Vertrag wurde im November 2016 vom Kongress angenommen. Die UN überwachte Waffenstillstand, Entwaffnung und Wiedereingliederung. In ehemaligen FARC-Gebieten entstanden jedoch Machtvakuums, die unter anderem von paramilitärischen Gruppen, Drogenorganisationen und FARC-Abtrünnigen gefüllt wurden. Gespräche mit der ELN wurden 2022 wieder aufgenommen; 2023 wurde ein zunächst 180-tägiger Waffenstillstand vereinbart.
Politisches System und Menschenrechte
Kolumbien ist seit 1886 eine demokratisch verfasste Republik. Die geltende Verfassung wurde am 5. Juli 1991 verabschiedet. Der Präsident wird direkt für vier Jahre gewählt und darf nicht unmittelbar wiedergewählt werden; er ist Staats- und Regierungschef sowie Oberbefehlshaber. Seit 2026 ist Abelardo de la Espriella Otero Präsident. Der Kongress besteht aus dem Repräsentantenhaus mit 166 Sitzen und dem Senat mit 102 Sitzen. Wahlberechtigt sind Volljährige ab 18 Jahren; Armeeangehörige und Strafgefangene dürfen nicht wählen.
Formal bestehen Exekutive, Legislative und Judikative getrennt. In der politischen Praxis wird jedoch ein starkes Übergewicht des Präsidenten, Klientelismus und eine eingeschränkte Kontrollfunktion des Kongresses beschrieben. Zu den wichtigen Parteien gehören Partido Liberal Colombiano, Partido Conservador Colombiano, Centro Democrático, Alianza Verde, Cambio Radical, Partido Social de Unidad Nacional und MIRA. Kolumbien ist unter anderem Mitglied der OAS, CELAC, CAN, Vereinten Nationen, WTO, Weltbank und OECD.
Der jahrzehntelange Konflikt führte zu Morden, Entführungen, Folter, Zwangsrekrutierungen, sexualisierter Gewalt, Landminen und massenhaften Vertreibungen. Besonders gefährdet sind indigene und afrokolumbianische Gemeinschaften, Kleinbauern, Menschenrechtsverteidiger, Journalisten und Gewerkschafter. Für 1996–2012 nennt das staatliche Register mehr als 4,7 Millionen Vertriebene, während CODHES von mehr als 5,7 Millionen ausgeht. Die Differenz entsteht unter anderem durch nicht registrierte Opfer. Auch das Militär wurde für außergerichtliche Hinrichtungen kritisiert: Zwischen 1981 und 2012 sollen Sicherheitskräfte 2399 Menschen ermordet haben; bekannt sind die sogenannten „Falsch Positiven“, bei denen Zivilisten als getötete Guerillakämpfer ausgegeben wurden. Paramilitärische Nachfolgeorganisationen werden mit Drogenhandel, Morden, Massakern, Vergewaltigungen und Vertreibungen in Verbindung gebracht.
Wirtschaft, Infrastruktur und Energie
Kolumbiens Wirtschaft wuchs 2025 um 2,6 Prozent. Das nominale Bruttoinlandsprodukt betrug 2024 419 Milliarden USD, das BIP nach Kaufkraftparität 1,1 Billionen USD; das BIP pro Kopf nach Kaufkraftparität lag bei 21.494 USD. Wichtige Branchen sind Nahrungsmittel-, Textil- und Grundstoffindustrie. Gleichzeitig bestehen hohe soziale Ungleichheit, informelle Beschäftigung und eine starke Abhängigkeit von Rohstoffen und dem illegalen Drogenhandel. 2012 sank der Anteil der Menschen in ernsthafter Armut auf 27 Prozent, der Gini-Index lag jedoch weiterhin etwa bei 0,54 bis 0,59. 2020 wurde die Arbeitslosenquote auf 14,5 Prozent geschätzt; fast 27 Prozent der Beschäftigten arbeiteten mindestens 50 Stunden pro Woche.
Zu den Exporten gehören Erdöl, Erdgas, Kohle, Gold, Nickel, Kaffee, Bananen, Schnittblumen, Zucker, Tabak, Textilien und Chemikalien. Die USA nahmen 2024 30,2 Prozent der Exporte ab und lieferten 26,0 Prozent der Einfuhren. 2024 betrugen die Einfuhren 64,1 Milliarden USD und die Ausfuhren 49,6 Milliarden USD; der Handelssaldo war mit −14,5 Milliarden USD negativ. Freihandelsabkommen bestehen unter anderem mit den USA, der EU und mehreren lateinamerikanischen Staaten.
Das Straßennetz umfasst etwa 113.000 km, davon rund 26.000 km asphaltierte Straßen. Die Infrastruktur gilt im regionalen Vergleich als schwach. Das Schienennetz ist 3304 km lang; Personenverkehr gibt es nur auf drei kurzen touristischen Strecken im Raum Bogotá. Medellín besitzt eine moderne Metro und seit 2016 eine Straßenbahn. Bedeutende Seehäfen sind Barranquilla, Buenaventura, Cartagena, Puerto Bolívar, Santa Marta und Turbo. Der größte Flughafen ist El Dorado in Bogotá. 2021 nutzten 73 Prozent der Einwohner das Internet; das Glasfasernetz ist 19.000 km lang.
2014 stammten 67,8 Prozent der installierten Kraftwerksleistung aus Wasserkraft und 26,7 Prozent aus Gaskraftwerken. 2013 erzeugten Wasserkraftwerke 67 Prozent und Wärmekraftwerke 27 Prozent des Stroms. Flüssiggas nutzten zwölf Millionen Kolumbianer beziehungsweise 22 Prozent der Haushalte; Erdgas fällt vor allem als Nebenprodukt der Erdölförderung an.
Kultur, Medien und Sport
Wegen der großen geografischen Unterschiede, der kolonialen Geschichte und der regionalen Abgeschiedenheit gibt es keine einheitliche kolumbianische Kultur. Gemeinsame Einflüsse stammen aus indigenen, europäischen, afrikanischen und arabischen Traditionen. Die Küche ist regional verschieden; besonders wichtig sind Reis, Kartoffeln, Bohnen und Kochbananen. 2024 lag der geschätzte Pro-Kopf-Verbrauch von Reis bei 46 kg, und 98 Prozent der Haushalte konsumierten Reis.
Die Musik der Karibikküste ist durch afrikanische Rhythmen geprägt; wichtige Stile sind Cumbia, Vallenato und Champeta. In den Llanos ist Joropo verbreitet, während die Andenmusik spanische und vorkolumbianische Elemente verbindet. Salsa ist besonders in Cali bedeutend. Moderne Musikformen wie Rock und Hip-Hop entwickelten sich vor allem in den Großstädten; Rock al Parque gilt als größtes kostenloses Rockfestival Lateinamerikas. Zu den international bekannten Musikern gehören Shakira, Karol G, J Balvin, Maluma, Juanes und Carlos Vives.
In Literatur und Kunst sind unter anderem Gabriel García Márquez, Fernando Botero und zahlreiche präkolumbianische Gold- und Keramikarbeiten bekannt. Das Goldmuseum in Bogotá besitzt eine der größten Sammlungen präkolumbianischer Goldobjekte. Das kolumbianische Theater gilt als avantgardistisch; Bogotá veranstaltet das Festival Iberoamericano de Teatro. Die UNESCO erklärte sechs Orte zum Weltkulturerbe, darunter Cartagena, Mompox, Tierradentro, San Agustín, Los Katíos und das Naturreservat Malpelo. Als immaterielles Kulturerbe gelten unter anderem der Karneval von Barranquilla und der Kulturraum von San Basilio de Palenque.
Fußball und Radsport sind besonders populär. Die Nationalmannschaft gewann 2001 die Copa América und qualifizierte sich unter anderem für die Weltmeisterschaften 1962, 1990, 1994, 1998, 2014, 2018 und 2026. Egan Bernal gewann 2019 als erster Kolumbianer die Tour de France; Mariana Pajón gewann zwei olympische Goldmedaillen im BMX. Kolumbien gehört außerdem im Inline-Skating zu den stärksten Nationen. Tejo, ein Wurfspiel mit explodierenden Schwarzpulvertaschen, wurde im Juni 2000 zum Nationalsport erklärt. Baseball wird seit 1948 professionell gespielt.