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Sozialistische Jugend Österreich

Die Sozialistische Jugend Österreich (SJÖ, auch SJ) ist die größte linke Jugendorganisation Österreichs. Gegründet im Jahr 1894 als Verein zum Schutz von …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Organisation und Grundidee
  2. 2. Aufbau und Arbeitsformen
  3. 3. Politische Strömungen und Verhältnis zur SPÖ
  4. 4. Von der Lehrlingsbewegung bis 1945
  5. 5. Neubeginn und Entwicklung seit 1945
  6. 6. Mitgliedschaften

Organisation und Grundidee

Die Sozialistische Jugend Österreich (SJÖ, auch SJ) ist die größte linke Jugendorganisation Österreichs. Sie wurde am 4. November 1894 in Wien als Verein zum Schutz von Lehrlingen gegründet und hieß zunächst Verein Jugendlicher Arbeiter (VJA). Ihr Hauptsitz ist in der Amtshausgasse 4, 1050 Wien. Vorsitzende ist seit 2025 Larissa Zivkovic, Sekretärin Emelie Wally.

Die SJÖ vertritt demokratischen Sozialismus und Marxismus. Weitere genannte Grundpositionen sind Antimilitarismus, Antifaschismus, Antikapitalismus, Feminismus beziehungsweise Antisexismus und Internationalismus. Das Grundsatzprogramm von 2004 orientiert sich am wissenschaftlichen Sozialismus von Karl Marx und Friedrich Engels. Wissenschaftlicher Sozialismus bezeichnet hier eine marxistische Analyse von Gesellschaft und Kapitalismus. Die SJÖ strebt die Überwindung des Kapitalismus mit dem Ziel des Sozialismus an und bezeichnet sich außerdem als antirassistisch, antiimperialistisch und antipatriarchal.

Sie ist nicht offiziell Teil der Sozialdemokratischen Partei Österreichs (SPÖ), gilt aber als deren Vorfeldorganisation. Sie arbeitet politisch und organisatorisch eng mit der SPÖ zusammen, ist in deren Gremien eingebunden und beteiligt sich an parteiinternen Entscheidungen. Zugleich betont sie ihre organisatorische und politische Eigenständigkeit. Ihre Zeitung ist trotzdem.at beziehungsweise „Trotzdem“.

Aufbau und Arbeitsformen

Die SJÖ ist in allen neun Bundesländern durch Landesorganisationen vertreten. Diese bestehen aus Ortsgruppen und, wenn mehrere Ortsgruppen in einem politischen Bezirk vorhanden sind, aus Bezirksorganisationen. Die Mitglieder wählen die jeweiligen Vorstände. Landeskonferenzen wählen meist für zwei Jahre einen Landesvorstand und beschließen Anträge als politische Leitlinien. Der Verband der Sozialistischen Jugend mit Sitz in Wien fasst die Landesorganisationen bundesweit zusammen. Der Verbandstag wählt alle zwei Jahre den Verbandsvorstand; Delegierte sind proportional zur Mitgliederzahl vertreten.

Wien ist zugleich Stadt und Bundesland. Die SJ Wien besteht daher aus Bezirksorganisationen; sie ist in 17 von 23 Wiener Bezirken vertreten. Die Landesorganisationen tragen teils andere Namen: In Salzburg heißen sie „Junge SozialistInnen“ (Jusos), in Kärnten „SJG – Die junge Sozialdemokratie“. In Tirol und Salzburg wurden SJ und Junge Generation (JG) zusammengelegt.

Die politische Arbeit verbindet Bildung und Aktivismus. Dazu gehören Gruppenabende, Seminare wie Bildungswerkstatt, Antifaschismusseminar und Feminismusseminar sowie Vorzugsstimmenkampagnen für eigene Kandidatinnen und Kandidaten. Die Frauenpolitische Kommission ermöglicht Frauen und FLINTA*-Personen – Frauen, Lesben, intergeschlechtlichen, nichtbinären, trans und agender Personen – eigenständige Organisation, Kampagnen und Seminare. Sie kann Anträge an Konferenzen und Verbandstage stellen.

1974 gründete die SJ die Aktion kritischer Schüler_innen (AKS), die inzwischen unabhängig, aber eng kooperierend arbeitet. Der Trotzdem-Verlag gibt seit 1948 die Verbandszeitung heraus. Das Europacamp in Weißenbach am Attersee gehört der SJÖ und der SJ Oberösterreich und dient unter anderem Seminaren und Freizeitveranstaltungen.

Politische Strömungen und Verhältnis zur SPÖ

Die SJÖ ist nach dem Artikel pluralistisch, also nicht vollständig einheitlich. Um 2000 setzte sich die marxistische Richtung gegenüber Teilen durch, die eine „Modernisierung“ beziehungsweise stärkere Sozialdemokratisierung wollten. Die große marxistische Mehrheit wurde unter anderem vom Austromarxismus beeinflusst. Daneben bestanden eine trotzkistische Strömung um „Der Funke“ beziehungsweise IMT/RKI und eine marxistisch-leninistische Richtung, die sich an der Stamokap-Theorie orientierte. Die Bezirksorganisation Linz wird als stärkster nichtmarxistischer Teil genannt.

Im Nahostkonflikt unterstützt die SJ offiziell eine Zwei-Staaten-Lösung. Sie betont dabei die Selbstbestimmung der Palästinenser sowie Grenzen gemäß der UN-Resolution 181 (II).

Das Verhältnis zur SPÖ war wiederholt angespannt, weil die SJ ihre Eigenständigkeit verteidigte und programmatisch meist weiter links steht. Sie übernahm 1991 die Umbenennung der Partei von „Sozialistische Partei Österreichs“ zu „Sozialdemokratische Partei Österreichs“ bewusst nicht. Als parteinahe Parallelstruktur besteht die Junge Generation: Sie wurde 1958 gegründet; das Alterslimit der SJ liegt bei 35 Jahren, während SPÖ-Mitglieder bis 38 Jahre automatisch der JG angehören. Die SJ fordert unter anderem die Abschaffung des österreichischen Bundesheeres und die Legalisierung von Cannabis.

Von der Lehrlingsbewegung bis 1945

Vorläufer waren Jugendgruppen in Ottakring und Hernals, die ab 1893 gemeinsam lernten, lasen und soziale Fragen diskutierten. Daraus entstand 1894 der VJA. Er setzte sich für Lehrlinge ein, etwa gegen Misshandlung, und erreichte nach zwei Jahren 150 Mitglieder. 1902 erschien erstmals die Zeitung „Der jugendliche Arbeiter“. 1903 wurde der Verein für ganz Österreich gegründet; bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs hatte er mehr als 16.000 Mitglieder.

Zu seinen zentralen Forderungen gehörten eine höchstens zweijährige Lehrzeit einschließlich Probezeit, ein Achtstunden-Maximalarbeitstag für Unter-18-Jährige, 36 Stunden ununterbrochene Sonntagsruhe, die Abschaffung körperlicher Züchtigung, Rechtsschutz, Lehrlingsinspektoren und Schutz vor fachfremder Arbeit. 1912 konnten Mädchen und junge Frauen Mitglied werden. International engagierte sich die Jugendbewegung gegen Militarismus, Ausbeutung und Alkoholismus; den Ersten Weltkrieg konnte sie nicht verhindern.

1919 benannte sie sich in Sozialistische Arbeiter-Jugend (SAJ) um. In der Ersten Republik beteiligte sie sich an Reformen und am Lehrlingsstreik vom 2. März 1919. 1923 hatte die SAJ 38.000 Mitglieder, 1932 noch 28.000 in 528 Gruppen. Neben Schulungen und politischen Kämpfen nutzte sie Wandern, Tanz und Lager als Organisationsformen. Mit dem Vordringen des Faschismus bereitete sie sich auf illegale Arbeit vor.

Nach dem Verbot der SDAPÖ entstand am 19. Februar 1934 die Revolutionäre Sozialistische Jugend (RSJ) als Untergrundorganisation. Sie verteilte unter anderem illegale Flugblätter und setzte auf Schulung. Sie vertrat mit den Revolutionären Sozialisten Otto Bauers Idee des „Integralen Sozialismus“, einer angestrebten Verbindung sozialistischer und kommunistischer Arbeiterbewegungen. Nach dem „Anschluss“ im März 1938 stellte die RSJ ihre Aktivitäten ein; einzelne Mitglieder leisteten weiter Widerstand. Die internationale sozialistische Jugendbewegung unterstützte die österreichische Jugend, war aber laut Artikel politisch nur begrenzt wirksam. Im Spanischen Bürgerkrieg 1936 bis 1939 organisierte sie Hilfe für die republikanische Regierung; trotz internationaler Brigaden siegte das Franco-Regime. 1940 stellte die Sozialistische Jugendinternationale ihre Tätigkeit ein.

Neubeginn und Entwicklung seit 1945

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Organisation als Sozialistische Jugend Österreich neu aufgebaut. Der erste Verbandstag fand vom 7. bis 9. Dezember 1946 statt; erster Vorsitzender war Peter Strasser. 1948 entstand die Zeitung „Trotzdem“. In den 1950er Jahren standen Mitbestimmung, ein Sozialprogramm für arbeitende Jugendliche, Neutralität und Landesverteidigung im Mittelpunkt. Die Forderung nach höchstens vier Monaten Bundesheerdienst wurde nicht durchgesetzt; ein Gesetzesentwurf sah sechs Monate vor.

In den folgenden Jahrzehnten wechselten Phasen sinkender Mitgliederzahlen und Entpolitisierung mit stärkerer politischer Orientierung. Ende der 1970er Jahre erfolgte unter Josef Ackerl und Josef Cap eine Linkswende mit Bezug auf den Marxismus. Die SJ wandte sich gegen das Kernkraftwerk Zwentendorf; bei der Volksabstimmung setzten sich die Gegner mit 50,5 % durch. Unter Andreas Kollross beschloss sie 2004 ein ausdrücklich antikapitalistisches und feministisches Grundsatzprogramm.

Spätere Schwerpunkte waren Antifaschismus, Frauenquote, Vermögenssteuern, leistbares Wohnen, internationale Zusammenarbeit und die Kritik an SPÖ-ÖVP-Koalitionen. 2011 nahmen rund 3.000 Menschen am IUSY World Festival im Europacamp teil. 2015 beteiligte sich die SJ unter dem Motto „Refugees welcome! Zusammen sind wir stärker“ an Hilfsaktionen für Geflüchtete. Gegen die ÖVP-FPÖ-Koalition ab 2017 führte sie eine Widerstandskampagne. Nach der Ibiza-Affäre demonstrierten am 18. Mai 2019 rund 10.000 Menschen am Ballhausplatz. Julia Herr zog nach der Nationalratswahl 2019 in den Nationalrat ein.

2024 trennte sich die SJ Vorarlberg wegen politischer Differenzen von SPÖ und SJÖ und trat danach als Revolutionäre Sozialistische Jugend auf. Am 3. November 2025 wurde die SJ Vorarlberg im Umfeld der SPÖ neu gegründet. Am 22. Februar 2025 wurde Larissa Zivkovic mit 90,05 % zur Vorsitzenden gewählt. Sie forderte mehr Mitbestimmung in Betrieben und ein verpflichtendes Vetorecht von Arbeiterinnen und Arbeitern bei wesentlichen Unternehmensentscheidungen.

Mitgliedschaften

National ist die SJÖ Mitglied der Österreichischen Bundesjugendvertretung, in der 40 demokratische Kinder- und Jugendverbände vertreten sind, sowie in Bündnissen wie der Offensive gegen Rechts. International gehört sie der International Union of Socialist Youth (IUSY) und den Young European Socialists (YES) an. IUSY teilt ihren Hauptsitz in Wien mit der SJÖ.

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