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Antifaschismus
Der Begriff entstand 1920 als Selbstbezeichnung von Gegnern des Faschismus in Italien und wurde dann auf den aktiven Widerstand gegen den Nationalsozialismus im …
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Begriff und Grundzüge
Antifaschismus bezeichnet eine Haltung gegen Faschismus sowie soziale Bewegungen, die sich gegen Faschismus richten. Nach einer Definition des Instituts für deutsche Sprache von 1989 umfasst der Ausdruck „ganz allgemein alle gegen den Faschismus sowie gegen neofaschistische und neonazistische Tendenzen gerichteten Kräfte und Bewegungen“.
Antifaschismus entwickelte sich aus Widerstandspraxis gegen den italienischen Faschismus, den Nationalsozialismus, den Franquismus und ähnliche politische Kräfte. Er verbindet deshalb gesellschaftliche Analyse mit Handlungsorientierung, ist aber keine einheitliche politische Theorie. Seit Anfang der 1980er Jahre entstand in mehreren westlichen Staaten die aktivistische Antifa, die zum Teil auch gewaltsam gegen rechtsextreme Tendenzen vorgeht.
Anfänge in Italien und kommunistische Politik
In Italien entstanden ab 1920 antifaschistische Gruppen und Selbstschutzorganisationen aus unterschiedlichen politischen Lagern. Die 1921 gebildeten Arditi del Popolo waren die erste bewaffnete Organisation mit ausdrücklich antifaschistischem Selbstverständnis; sie standen Anarchisten, Kommunisten, Sozialdemokraten, Christen und bürgerlichen Republikanern offen. Nach Mussolinis Diktatur 1925/26 arbeiteten Gegner im Untergrund oder Exil. Nach Mussolinis Sturz am 25. Juli 1943, der italienischen Kapitulation und dem Einmarsch der Wehrmacht am 9. September 1943 wuchs die Resistenza stark an.
Die 1919 gegründete Kommunistische Internationale (Komintern) verstand Faschismus zunächst als internationales Krisenphänomen des Kapitalismus. Sie erwartete besonders in Deutschland einen faschistischen Machtgewinn und wollte ihm durch proletarische Revolution zuvorkommen. Ab 1929 vertrat sie die Sozialfaschismusthese: Die Sozialdemokratie galt als Hauptfeind; eine Einheitsfront gegen Faschisten wurde ausgeschlossen.
Nach Hitlers Machtübernahme 1933 verstärkten internationale Proteste und Willi Münzenbergs Kampagnen gegen Reichstagsbrand und NS-Terror den kommunistischen Antifaschismus. 1934 gab die Komintern die Sozialfaschismusthese auf; 1935 definierte Georgi Dimitroff Faschismus an der Macht als „offene, terroristische Diktatur der reaktionärsten, am meisten chauvinistischen, am meisten imperialistischen Elemente des Finanzkapitals“. Die Volksfrontpolitik erlaubte Bündnisse mit antifaschistischen Kräften. Nach dem Hitler-Stalin-Pakt vom August 1939 wurde sie erneut beendet; erst nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion im Juni 1941 wurde Antifaschismus wieder Hauptforderung. 1943 löste Stalin die Komintern auf.
Weimarer Republik und Widerstand gegen den Nationalsozialismus
In der Weimarer Republik schwächten die Spaltung von SPD und KPD sowie rechtsradikale Gewalt die demokratische Ordnung. Die NSDAP verband Antisemitismus, Antimarxismus, Rassismus, Militarismus und Nationalismus; ihre SA betrieb Straßenterror und wuchs von 1930 bis Ende 1932 auf rund 430.000 Mitglieder. Der Generalstreik gegen den Kapp-Putsch 1920 verhinderte zwar einen rechtsradikalen Umsturzversuch, doch linke Parteien entwickelten keine wirksame gemeinsame Abwehr gegen den Nationalsozialismus.
Die KPD setzte Antifaschismus lange mit Antikapitalismus gleich und hielt ab 1929 an der Sozialfaschismusthese fest. Sie bekämpfte daher die SPD scharf und versuchte teils sogar, NSDAP-Wähler zu gewinnen. Die SPD setzte auf den Schutz der Verfassung und gründete mit Gewerkschaften und Arbeitersportvereinen 1931 die Eiserne Front gegen die „Nationale Front“ aus NSDAP, DNVP und Stahlhelm. Ihr Einfluss blieb jedoch weitgehend auf das sozialdemokratische Milieu begrenzt.
1932 bildeten KPD- und SPD-Anhänger örtlich gemeinsame Häuserschutzstaffeln. Nach einer Saalschlacht im Preußischen Landtag rief die KPD im Juni die Antifaschistische Aktion aus. Sie sollte eine Einheitsfront lokaler Selbstschutzeinheiten schaffen, wurde von der SPD aber als gegen sie gerichtete Konkurrenz zur Eisernen Front abgelehnt. Gemeinsame Aktionen blieben lokal begrenzt. Von 1930 bis 1932 starben bei Straßenkämpfen nach damaligen Zählungen 143 Nationalsozialisten und 171 Kommunisten.
Nach 1933 zerschlug das NS-Regime Gewerkschaften und Parteien. Etwa die Hälfte der 360.000 KPD-Mitglieder kam in Konzentrationslager, etwa 25.000 wurden ermordet. Widerstand blieb meist auf isolierte Gruppen beschränkt, etwa die Rote Kapelle oder Zellen um Anton Saefkow und Franz Jacob. Auch zahlreiche nichtlinke Gegner des Regimes werden heute zum antifaschistischen Widerstand gezählt.
Antifaschismus in Europa bis 1945
In Frankreich führte der faschistische Aufmarsch vom 6. Februar 1934 zu einem Generalstreik und anschließend zur Volksfront aus Sozialisten, Kommunisten, Linksliberalen und Anarchisten. Sie gewann im Mai 1936 die Wahlen; Léon Blum wurde Premierminister. Nach der deutschen Besetzung 1940 richtete sich der Widerstand gegen das Vichy-Regime und die Besatzung.
In Großbritannien setzten jüdische Gruppen, Kommunisten, Sozialisten und andere Gegner der British Union of Fascists (BUF) deren Aufmärschen Widerstand entgegen. In der Schlacht in der Cable Street am 4. Oktober 1936 blockierten rund 100.000 Antifaschisten den Marsch von etwa 6000 BUF-Anhängern.
In Spanien gewann im Juli 1936 eine Volksfront aus Liberalen, Sozialisten und Kommunisten. General Francisco Franco begann daraufhin mit Unterstützung der faschistischen Falange, Italiens und des NS-Regimes einen Militärputsch. Gewerkschaften, Anarchisten und weitere Republikaner leisteten bewaffneten Widerstand; ausländische Freiwillige bildeten Internationale Brigaden. An ihnen nahmen etwa 40.000 Menschen aus 53 Staaten teil. „No pasaran!“ wurde zu einer antifaschistischen Parole. Konflikte zwischen kommunistischen, anarchistischen und antistalinistischen linken Kräften zerstörten jedoch die frühere Einheit. Franco siegte im Februar 1939.
Neubeginn, Bundesrepublik und DDR
1945 bestand zunächst ein antifaschistischer Grundkonsens. Der Buchenwalder Schwur verlangte die „Vernichtung des Nazismus mit all seinen Wurzeln“ und den Aufbau einer friedlichen Welt; verbreitet war auch die Parole „Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!“. In allen Besatzungszonen bildeten sich Antifaschistische Aktionsausschüsse. Sie wollten NS-Strukturen, Propaganda und die Wehrmacht auflösen, Haupttäter bestrafen, belastete Personen aus Ämtern entfernen und über NS-Verbrechen aufklären. Die Forschung nennt mindestens 137 beziehungsweise mindestens 500 lokale und regionale Gruppen; die unterschiedlichen Zahlen stammen aus westlicher beziehungsweise DDR-Forschung.
Die Ausschüsse übernahmen teils Selbsthilfe- und Verwaltungsaufgaben, verloren aber mit der Wiederzulassung traditioneller Parteien und durch Verbote oder Eingliederung in Verwaltungsstrukturen an Einfluss. 1947 entstand die VVN, die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes. Frühere Parteiprogramme von CDU, SPD und KPD verbanden Antifaschismus häufig mit antikapitalistischen Forderungen wie Planung, Mitbestimmung und Begrenzung großer Konzerne.
In der Bundesrepublik prägte in der Adenauer-Ära der Antikommunismus den Umgang mit der NS-Vergangenheit. Viele ehemalige NS-Belastete wurden wieder eingestellt; bis 1950 waren es nach groben Mindestangaben mehr als 430.000, darunter mehr als 200.000 Beamte. Die KPD wurde 1956 verboten, die FDJ bereits 1951. Repression traf auch kommunistische und andere linke Antifaschisten sowie die VVN. Die APO setzte sich seit den 1960er Jahren verstärkt mit NS-Kontinuitäten auseinander. In den 1970er und 1980er Jahren folgten Proteste gegen Berufsverbote, NPD-Aufmärsche, Rechtsextremismus und Geschichtspolitik; zugleich entstand die autonome, teilweise gewaltorientierte Antifa.
In der DDR war Antifaschismus Staatsdoktrin und diente der politischen Legitimation. Kommunistischer Widerstand wurde zum Gründungsmythos, während unter anderem der Hitler-Stalin-Pakt und die zentrale Bedeutung von Holocaust und Rassismus vernachlässigt wurden. Die DDR bezeichnete die Berliner Mauer als „antifaschistischen Schutzwall“ und den Aufstand vom 17. Juni 1953 als „faschistischen Putschversuch“. Zugleich bestanden auch dort personelle Kontinuitäten aus der NS-Zeit. Nach 1990 zeigte sich, dass staatlich verordneter Antifaschismus rechtsextreme und rassistische Entwicklungen in den neuen Ländern nicht verhindert hatte.
Entwicklungen seit 1945 in anderen Staaten
In Frankreich führte der Aufstieg des rechtsextremen Front National seit 1972 und rassistische Gewalt zu neuem Antifaschismus. Es entstanden Selbstverteidigungsgruppen, SOS Racisme, anarchistische und punknahe Gruppen sowie 1992 das No-Pasaran-Netzwerk.
In Großbritannien bekämpfte die 1946 gegründete 43 Group faschistische Organisationen mit direkten Aktionen, Aufklärung und Gesetzesinitiativen. Später blockierten antifaschistische Bewegungen Aufmärsche der National Front. Die Anti-Nazi League wurde zu einer Massenbewegung mit hunderttausenden Anhängern; 1985 entstand die Anti-Fascist Action.
In Italien entwickelte sich in den 1970er Jahren die basisdemokratische und antiautoritäre Bewegung Autonomia. In den USA reichen antifaschistische Bewegungen bis zu Gewerkschaften und Bürgerrechtsorganisationen der 1920er und 1930er Jahre zurück. Seit den 1970er und 1980er Jahren entstanden in der Punkszene Gruppen gegen rassistische Skinheads und den Ku-Klux-Klan. Nach dem Massaker von Greensboro am 3. November 1979, bei dem fünf Teilnehmer einer kommunistischen Demonstration erschossen wurden, bildete sich die Anti-Racist Action (ARA); das erste Chapter entstand 1986 in Minneapolis. Seit den 2010er Jahren ist Antifa in den USA ein Sammelbegriff für lose organisierte Gruppen gegen Neonazis, weiße Suprematisten und andere extrem rechte Strömungen.