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Stadt
Mittelalterliche Stadtgründungen ; Köln mit etwa 45.000 Einwohnern ; Nürnberg mit etwa 40.000 Einwohnern ; Augsburg mit etwa 30.000 Einwohnern ; Ulm, Lübeck, …
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Begriff und Grundmerkmale
Eine Stadt ist eine größere, zentralisierte und abgegrenzte Siedlung an wichtigen Verkehrswegen mit eigener Verwaltungs- und Versorgungsstruktur. Fast jede Stadt ist damit ein zentraler Ort: Sie bietet Leistungen, die nicht nur von den eigenen Bewohnern, sondern auch vom Umland genutzt werden. Aus soziologischer Sicht ist eine Stadt dicht besiedelt, rechtlich und organisatorisch einheitlich geprägt und sozial stark differenziert. Dadurch unterscheidet sie sich vom Dorf und von Sonderformen wie Lagern.
Politisch sind Städte besonders in Demokratien eine Ebene der Kommunalpolitik. Sie besitzen meist einen Stadtrat und einen Bürgermeister als Vertreter. Die Wissenschaft, die Städte untersucht, heißt Urbanistik.
Städte werden nach Größe, Bedeutung, Funktion und Entstehung unterschieden, zum Beispiel als Kleinstadt, Mittelstadt, Großstadt, Millionenstadt, Weltstadt, Megastadt, Hauptstadt, Residenzstadt, Universitätsstadt, Industriestadt, Kreisstadt, Planstadt oder Hansestadt. Eine allgemeingültige Definition gibt es nicht. Die Untergrenze für eine städtische Siedlung liegt je nach Land sehr verschieden: in Dänemark bei 200 Einwohnern, in Deutschland und Frankreich bei 2000, in Österreich bei 5000, in der Schweiz, Italien, Spanien und Großbritannien bei 10.000 und in Japan bei 50.000 Einwohnern. Gegenbeispiele zeigen, dass die Einwohnerzahl allein nicht entscheidet: Arnis hatte 2014 nur 278 Einwohner und gilt als kleinste Stadt Deutschlands; Haßloch mit über 20.000 und Seevetal mit über 40.000 Einwohnern haben dagegen kein Stadtrecht. Die Universität Münster fasst zusammen: „Eine allgemeingültige epochen- und regionenübergreifende Definition für die Stadt existiert nicht.“
Stadtplanung, Recht und Struktur
Stadtplanung und Städtebau befassen sich mit der räumlichen Ordnung und Entwicklung von Städten. Wichtig sind Stadt- und Verkehrsplanung, Bebauungspläne, Flächennutzungspläne und Stadtentwicklungspläne. Sie sollen private, kommerzielle und öffentliche Nutzungen abstimmen und Probleme wie Urbanisierung und Suburbanisierung vorausschauend bearbeiten.
Der historische europäische Stadtbegriff hängt eng mit dem mittelalterlichen Stadtrecht zusammen. Wichtige Merkmale waren Marktrecht, Selbstverwaltung, Freiheit der Stadtbürger, Steuerrecht, Gerichtsbarkeit, Aufhebung der Leibeigenschaft, Zollrecht, Recht zur Einfriedung und Verteidigung sowie Münzrecht. Im heutigen deutschen Sprachraum gibt es Stadtrecht im eigentlichen Sinne nicht mehr; die Selbstverwaltung wird durch staatliche Grundsätze und Ländergesetze geregelt. Die Bezeichnung „Stadt“ ist heute ein Titel. In Deutschland unterscheidet man kreisangehörige Städte und kreisfreie Städte. Kreisfreie Städte gehören keinem Landkreis an und übernehmen zusätzliche Aufgaben, zum Beispiel als untere staatliche Aufsichtsbehörde oder Träger des öffentlichen Nahverkehrs. In Österreich gibt es Städte mit eigenem Statut, die zugleich Aufgaben eines Bezirks übernehmen. In der Schweiz hat „Stadt“ keine verwaltungsrechtliche Bedeutung; eine Ortschaft gilt statistisch als Stadt, wenn sie mehr als 10.000 Einwohner hat, oder historisch, wenn ihr im Mittelalter Stadtrecht verliehen wurde.
Die Siedlungsstruktur beschreibt die räumliche Verteilung der Bevölkerung, die Art und Dichte der Bebauung, Nutzungen, Infrastruktur und zentrale Einrichtungen. Walter Christaller entwickelte 1933 die Zentrale-Orte-Theorie: Orte mit Bedeutungsüberschuss versorgen auch ihr Umland. Eine Großstadt besitzt zum Beispiel nicht nur Einkaufsmöglichkeiten, sondern häufig auch Universität und spezialisierte Kliniken. Stadtstrukturen bestehen aus Gebäuden, Baublöcken, Grundstücken, Quartieren, Stadtteilen, Verkehrssystemen, Ver- und Entsorgungsnetzen sowie aus räumlichen, funktionalen, politischen und sozialen Netzwerken.
Urbanisierung und weltweite Entwicklung
Die Zahl und Bedeutung der Städte nahm stark zu. Verstädterung entsteht durch Neugründungen, durch die Verleihung des Stadttitels und vor allem durch wirtschaftlichen Wandel. Um 1800 lebten nur etwa 5 % der deutschen Bevölkerung in Städten, 2005 waren es 76 %. In den Industrienationen lagen die Werte 2005 zwischen 61 % in Irland und 97 % in Belgien. Weitere Werte waren Japan 66 %, Österreich 66 %, Italien 68 %, Russland 73 %, Schweiz 75 %, Frankreich 77 %, Vereinigte Staaten 81 % und Vereinigtes Königreich 90 %. In einigen Entwicklungsländern war der Anteil deutlich niedriger, etwa Afghanistan 23 %, Äthiopien 16 %, Uganda 13 % und Vietnam 28 %.
Ein Hauptgrund der Verstädterung ist die Verschiebung der Wertschöpfung zwischen den Wirtschaftssektoren. In den USA arbeiteten laut Tabelle nur 1,6 % im primären Sektor Landwirtschaft, aber 77 % im tertiären Sektor Dienstleistung und Handel. In Tansania lagen dagegen 80 % im primären Sektor und 11 % im tertiären Sektor. Städte wachsen besonders dort, wo Industrie, Handel, Verwaltung und Dienstleistungen viele Arbeitsplätze schaffen.
In Deutschland gab es 2004 insgesamt 2059 Städte. 25,3 Millionen Einwohner, also 30 %, lebten in 82 Großstädten mit über 100.000 Einwohnern. Die elf Agglomerationsräume mit mehr als einer Million Einwohnern zählten zusammen rund 25,6 Millionen Menschen. Weltweit existierten 2006 über 134 Agglomerationen mit mehr als drei Millionen Einwohnern, mehr als 62 Städte mit mehr als drei Millionen Einwohnern und über 310 Städte mit mehr als einer Million Einwohnern. Seit 2006 wohnt mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten; 1950 lebten noch 70 % auf dem Land. Nach Prognosen der UNO sollte der Anteil der städtischen Weltbevölkerung bis 2030 auf über 60 % steigen.
Stadtgeschichte von der Antike bis zur Neuzeit
Städte entstanden, wenn Menschen Überschüsse erwirtschafteten und sich Arbeitsteilung entwickelte. Daraus bildeten sich Handel, Handwerk und eine städtische Ökonomie, die komplexer war als die ländliche Wirtschaft. Städte wurden häufig an verkehrsgünstigen und militärisch wichtigen Orten gegründet, etwa an Handelsstraßen, Flussübergängen oder geschützten Meeresbuchten.
Die abendländische Stadt hat wichtige Wurzeln in der griechisch-römischen Antike. Die griechische Polis verbreitete sich zwischen 800 und 338 v. Chr. unter anderem nach Kleinasien, Sizilien, Unteritalien, Südfrankreich und Nordafrika. Im Imperium Romanum kam es besonders in Westeuropa, in Africa und auf dem Balkan zu einem Urbanisierungsschub. Rom hatte im 1. bis 3. Jahrhundert fast 1.000.000 Einwohner. Typisch für römische Planstädte war ein rechtwinkliges Straßennetz mit decumanus maximus und cardo maximus; am Schnittpunkt lag das Forum als politisches, religiöses und wirtschaftliches Zentrum. Weitere wichtige Bauten waren Basilika, Kapitol, Theater, Thermen, Zirkus und Verwaltungsgebäude. Wasserversorgung, Aquädukte, Thermen und öffentliche Bauten zeigen den hohen technischen Stand.
Im Frühmittelalter verfielen viele Städte Mitteleuropas, doch bedeutende römische Städte wie Trier, Köln, Regensburg, Bonn und Augsburg blieben erhalten. Bischöfe und Grafen übernahmen wichtige Verwaltungsfunktionen. Ab dem 10. Jahrhundert entstanden neue Bischofs- und Burgsiedlungen; zwischen 1100 und 1350 folgte eine große Welle mittelalterlicher Stadtgründungen. Freiburg im Breisgau gilt als älteste Stadt dieses Typs, gegründet 1091 und 1120 mit fortschrittlichem Stadtrecht ausgestattet. Um 1500 waren Köln mit etwa 45.000 Einwohnern, Nürnberg mit etwa 40.000 und Augsburg mit etwa 30.000 bedeutende Städte.
Die mittelalterliche Stadt war durch Stadtmauer, Marktplatz, Rathaus, Kirchen, Bürgerhäuser, eigene Gerichtsbarkeit, Bürgerrecht, Handel, Handwerk, Zünfte und soziale Gliederung geprägt. Das Sprichwort „Stadtluft macht frei“ verweist auf die persönliche Freiheit vieler Stadtbewohner gegenüber ländlicher Abhängigkeit. In der Neuzeit entstanden unter anderem Bergstädte, Planstädte, Exulantenstädte, Festungsstädte und Residenzstädte. Renaissance und Barock brachten neue Idealvorstellungen von Stadtgrundriss und Stadtbild, etwa zentrale Plätze, sternförmig zulaufende Straßen und auf Schloss oder Hauptplatz ausgerichtete Bebauung.
Industrialisierung, Wiederaufbau und heutige Aufgaben
Die Industrialisierung veränderte Städte grundlegend. Sie begann in England im 18. Jahrhundert, in Belgien, Frankreich, den USA und Deutschland im 19. Jahrhundert und in Japan Anfang des 20. Jahrhunderts. Dampfmaschine, Eisenbahn und Dampfschiff ermöglichten neue Industriearbeitsplätze und machten Fabriken unabhängiger von Rohstoffstandorten. Viele Menschen zogen vom Land in die Städte. Nach der Verdichtung der Altstädte folgte ab etwa 1880 bis 1900 ein starkes Außenwachstum mit Fabriken, Arbeitervierteln, Mietskasernen, Pferdebahn, Straßenbahn und Fahrrad. Reformen um 1900 zielten auf bessere Hygiene, Grünflächen, Sanierung überfüllter Altstädte und Gartenstadtideen.
Zwischen 1918 und 1933 entwickelten Weimarer Republik und Republik Österreich Konzepte des sozialen Wohnungsbaus, etwa kommunale und genossenschaftliche Siedlungen in halboffener und offener Bauweise. Von 1933 bis 1945 verfolgte der Nationalsozialismus widersprüchliche Ziele: Ablehnung der Großstadt, Förderung kleinsiedlerischer Vorstellungen und zugleich monumentale Umgestaltungspläne. Der Zweite Weltkrieg zerstörte im heutigen Deutschland rund 3,5 Millionen Wohnungen; viele Großstädte verloren mehr als 50 % ihres Wohnungsbestandes, Köln 70 %, Dortmund 66 %, Duisburg 65 % und Kassel 64 %. Zusätzlich kamen elf bis zwölf Millionen Flüchtlinge in die Gebiete der heutigen Bundesrepublik.
Nach 1945 gab es unterschiedliche Wiederaufbaumuster: Neuordnung von Stadtkernen, partielle Neuordnung mit Verkehrsachsen, Wiederherstellung mittelalterlicher Strukturen mit moderner Architektur, Lückenbebauung und neue Städte oder Stadtteile für Flüchtlinge und Wohnungssuchende. In der DDR prägten sowjetische Vorbilder, sozialistische Bodenordnung, Magistralen, Aufmarschplätze und später Großwohnsiedlungen die Stadtentwicklung. Ab den 1960er Jahren entstanden in Westdeutschland Satellitensiedlungen und autogerechte Innenstädte; später wurden Fußgängerzonen, U-Bahn- und S-Bahn-Projekte wichtiger. Seit 1970 gewann behutsame Stadterneuerung an Bedeutung, besonders nach dem Europäischen Denkmalschutzjahr 1975.
Nach 2000 stehen Städte vor neuen Aufgaben: Sie müssen weiterhin Wohn- und Gewerbeflächen bereitstellen, aber auch mit Suburbanisierung, Flächenverbrauch, Verkehr, sozialer Spaltung, demografischem Wandel und schrumpfenden Stadtteilen umgehen. Programme wie „Stadtumbau Ost“, „Stadtumbau West“ und „Die Soziale Stadt“ setzen auf Aufwertung, Rückbau, Quartiersmanagement und integrierte Stadtentwicklungskonzepte. Gleichzeitig konkurrieren Städte als Kultur-, Sport-, Fachwerk-, Residenz- oder Tourismusstandorte und bauen den öffentlichen Verkehr aus.
Städte in Weltregionen und Netzwerken
Städte unterscheiden sich nach Region und Geschichte. Nordamerikanische Städte haben oft wenige historische Stadtkerne, ein schachbrettartiges Straßennetz, starke Suburbanisierung, soziale Segmentierung und markante Skylines. In Lateinamerika prägten vor der Kolonialzeit Hochkulturen wie Azteken, Maya, Olmeken, Zapoteken und Inka Stadtanlagen mit Tempeln, Pyramiden, Palästen und Zeremonialzentren. Spanische Kolonialstädte wurden häufig um die Plaza Mayor mit Kathedrale, Rathaus und Regierungssitz angelegt; portugiesische Städte entstanden eher an der Küste und meist ohne geometrische Ordnung. Orientalisch-islamische Städte besitzen eine über 5.000 Jahre lange Geschichte. Typische Elemente waren Hauptmoschee, Suq als Wirtschaftszentrum, ethnisch getrennte Wohnviertel, kleinere Subzentren, Stadtmauer, Palastanlagen und Friedhöfe. Australien unterscheidet verwaltungsrechtlich je nach Staat zwischen Citys, Towns, Shires, Municipalities und weiteren lokalen Gebietskörperschaften; Canberra ist eine Planhauptstadt.
Neuere Ansätze sehen Städte nicht nur als einzelne Orte, sondern als Knoten in Netzwerken. Eine Stadt ist mit anderen Städten, Regionen und ihrem Umland kulturell, wirtschaftlich, politisch und sozial verbunden. Diese Verbindungen erklären, warum Städte offen, vielfältig und schwer überschaubar sind. Migration zeigt das besonders deutlich: Zugewanderte bringen eigene Geschichten, Kontakte, Religionen und kulturelle Verbindungen mit. Dadurch entstehen neue Verflechtungen, aber auch Segregation und soziale Unterschiede. Interne Unterschiede einer Stadt und externe Verbindungen gehören deshalb zusammen, wenn man Stadtentwicklung verstehen will.
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