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Tirol (Bundesland)
Tirol ist ein Bundesland im Westen der Republik Österreich. Es besteht aus zwei räumlich voneinander getrennten Gebieten, die innerhalb der historischen …
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Überblick, Lage und Naturraum
Tirol ist ein Bundesland im Westen Österreichs. Es besteht aus zwei räumlich getrennten Teilen: dem größeren Nordtirol mit der Landeshauptstadt Innsbruck und dem kleineren Osttirol. Innsbruck ist zugleich die größte Stadt. Tirol umfasst 12.648,46 km² und ist damit das drittgrößte der neun österreichischen Bundesländer. Nur 12,44 % der Landesfläche sind Dauersiedlungsraum, der geringste Anteil aller Bundesländer. Die Außengrenze ist mit insgesamt 719 km die längste Österreichs.
Tirol grenzt an Vorarlberg, Salzburg und Kärnten sowie an Deutschland, die Schweiz und Italien. Das Land erstreckt sich über 220 km von Westen nach Osten und 107 km von Norden nach Süden. Der Großglockner in Osttirol ist mit 3798 m ü. A. sowohl Tirols als auch Österreichs höchster Berg. Der höchste Gipfel Nordtirols ist die Wildspitze mit 3768 m ü. A.; der tiefste Punkt des Landes liegt an der Grenze bei Erl auf 465 m ü. A.
Das Bundesland ist stark durch die Alpen geprägt. Zu den Gebirgsgruppen gehören unter anderem Karwendel, Kitzbüheler, Zillertaler, Stubaier und Ötztaler Alpen, Hohe Tauern, Kaisergebirge, Silvretta und Lienzer Dolomiten. Wichtige Täler sind das Inntal, Zillertal, Wipptal, Stubaital, Ötztal, Pitztal, Lechtal, Drautal/Pustertal und Iseltal. Bedeutende Flüsse sind Inn, Drau, Isel, Lech, Isar, Ziller und Sill. Mit der Bayerischen Kurzohrmaus (Microtus liechtensteini bavaricus) lebt in Tirol Österreichs einziges endemisches, also nur in einem begrenzten Gebiet heimisches, Säugetier.
Klima, Verwaltung und Bevölkerung
Tirol liegt in der gemäßigten Klimazone zwischen atlantischen, kontinentalen und mediterranen Einflüssen. Vorherrschend ist ein inneralpines Gebirgsklima mit relativ feuchten Sommern, trockenen Herbsten und schneereichen Wintern. Wegen der Höhenlage und der Gebirge bestehen jedoch große örtliche Unterschiede. Gebirgsketten wirken als Wetterscheiden; am nördlichen Alpenrand führen Westwinde und Nordstau zu besonders viel Niederschlag und Schnee. Die mittlere jährliche Niederschlagsmenge beträgt in Reutte 1375 mm, am Nordrand des Karwendels etwa 2000 mm, in Kufstein 1330 mm, um Innsbruck etwa 900 mm und im obersten Inntal nur 600 mm. Das mittlere Tagesmaximum im Juli liegt in Innsbruck bei 25,1 °C.
Der Föhn kann vor allem im Frühjahr und Herbst ungewöhnlich hohe Temperaturen und starke Winde verursachen: Am Patscherkofel sind bis zu 200 km/h, in Innsbruck bis zu 120 km/h möglich. Im Sommer fällt ein großer Teil des Regens bei Gewittern, während der Herbst häufig lange Schönwetterperioden bringt.
Tirol gliedert sich in neun politische Bezirke. Acht davon liegen in Nordtirol: Imst, Innsbruck-Stadt, Innsbruck-Land, Kitzbühel, Kufstein, Landeck, Reutte und Schwaz. Osttirol bildet der Bezirk Lienz. Innsbruck-Stadt ist eine Statutarstadt. Insgesamt gibt es 277 Gemeinden, darunter 12 Städte und 20 Marktgemeinden.
Am 1. Jänner 2026 hatte Tirol 779.060 Einwohner und eine Bevölkerungsdichte von 62 Einwohnern je km². Die Bevölkerungszahl stieg langfristig stark: von 236.426 im Jahr 1869 auf 762.652 im Jahr 2021 und 777.660 im Jahr 2025. Größte Gemeinden am 1. Jänner 2026 waren Innsbruck mit 132.820 Einwohnern, Kufstein mit 20.118, Telfs mit 16.467, Hall in Tirol mit 14.625, Schwaz mit 14.581 und Wörgl mit 14.398.
Gesprochen werden überwiegend südbairische Dialekte. Merkmale des Tirolerischen sind unter anderem die scht-Aussprache von st im Wortinnern und ein besonders am Wortanfang angeriebenes k als kch. Im Unterland gibt es Übergänge zum Mittelbairischen, im Westen zum Alemannischen und Schwäbischen; in Teilen des Außerferns werden alemannische Dialekte gesprochen.
2021 waren 502.600 Menschen beziehungsweise 66,2 % katholisch, der höchste Anteil aller österreichischen Bundesländer. 3,0 % waren evangelisch, 3,1 % orthodox, 0,9 % gehörten einer anderen christlichen Gemeinschaft an, 8,7 % waren muslimisch und 17,8 % konfessionslos. Seit 2001 sank der katholische Anteil, während besonders die Anteile der Konfessionslosen, Muslime und orthodoxen Christen zunahmen.
Geschichte seit 1919
Durch den Friedensvertrag von St. Germain wurde Tirol 1919 geteilt: Südtirol kam zu Italien, Nord- und Osttirol zur neu gegründeten Republik Deutschösterreich, später Österreich. An die Teilung erinnerte bis 1936 ein „Landestrauertag“ am 10. Oktober. In den 1920er Jahren stabilisierte sich die Wirtschaft durch Industrie, Straßenbau, die Elektrifizierung von Bahnstrecken, Kraftwerke und den wiederauflebenden Tourismus. Die Weltwirtschaftskrise und die 1933 von Adolf Hitler verhängte Tausend-Mark-Sperre ließen die Übernachtungszahlen jedoch stark sinken. Am 13. Februar 1934 kam es in Wörgl zu Kämpfen zwischen dem sozialdemokratischen Republikanischen Schutzbund und Kräften der autoritären Regierung Dollfuß.
Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich 1938 entstand der Reichsgau Tirol-Vorarlberg; Osttirol wurde dem Gau Kärnten zugeordnet. Aufgrund der zwischen Hitler und Mussolini vereinbarten „Option in Südtirol“ verließen ab 1940 etwa 70.000 deutschsprachige Südtiroler ihre Heimat. Rund die Hälfte wurde in eigens errichteten Siedlungen in Nord- und Osttirol untergebracht; ein Drittel der Ausgesiedelten kehrte nach 1945 zurück.
Im Zweiten Weltkrieg erlitt Tirol zahlreiche militärische und zivile Opfer. Der schwerste alliierte Luftangriff auf Innsbruck fand am 15. Dezember 1943 statt: 126 Tonnen Sprengbomben töteten 269 Menschen, verletzten 500 und zerstörten Hunderte Häuser teilweise vollständig. Am 3. Mai 1945 rückten amerikanische Truppen in Innsbruck ein. Nordtirol wurde anschließend Teil der französischen, Osttirol Teil der britischen Besatzungszone; 1947 wurden beide Landesteile wieder vereinigt.
Nach dem Staatsvertrag vom 15. Mai 1955 zogen die Besatzungstruppen ab. Tirol wandelte sich im folgenden Aufschwung von einer Agrar- zu einer Industriegesellschaft mit bedeutendem Dienstleistungssektor. Tourismus, Autobahnen und Tunnel wurden stark ausgebaut. Innsbruck war 1964 und 1976 Austragungsort Olympischer Winterspiele. 1972 entstand die Arbeitsgemeinschaft Alpenländer für grenzüberschreitende Fragen. Seit den 1980er Jahren wird verstärkt über Belastungen durch Autoverkehr und Massentourismus diskutiert. Österreichs EU-Beitritt 1995 und der Schengen-Beitritt am 1. Dezember 1997 vertieften die Zusammenarbeit mit Südtirol, unter anderem in der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino.
Politisches System
Die 1989 in Kraft getretene „Tiroler Landesordnung“ ist die Landesverfassung. Aufgrund des österreichischen Föderalismus besitzt Tirol eigene Organe der Gesetzgebung, Verwaltung und Rechtsprechung. Dazu gehören der Landtag, die Landesregierung und das Landesverwaltungsgericht; alle haben ihren Sitz in Innsbruck.
Der Tiroler Landtag beschließt die Landesgesetze. Er hat 36 Abgeordnete und wird alle fünf Jahre gewählt. Bei der Landtagswahl vom 25. September 2022 entfielen 34,7 % der Stimmen auf die ÖVP, 18,8 % auf die FPÖ, 17,5 % auf die SPÖ, 9,9 % auf FRITZ, 9,2 % auf die Grünen, 6,3 % auf NEOS und 3,6 % auf übrige Parteien. Die Sitzverteilung lautet: ÖVP 14, SPÖ 7, FPÖ 7, Grüne 3, FRITZ 3 und NEOS 2.
Die Landesregierung wird vom Landtag gewählt und vollzieht Landesgesetze sowie bestimmte Bundesgesetze. Ihr Vorsitzender ist der Landeshauptmann. Die ÖVP stellte seit 1945 alle Landeshauptmänner und erreichte früher mehrfach Zweidrittelmehrheiten. 1989 verlor sie erstmals die absolute Stimmenmehrheit, 1999 auch die absolute Mandatsmehrheit; 2003 gewann sie letztmals eine absolute Mehrheit der Mandate.
Seit dem 25. Oktober 2022 ist Anton Mattle (ÖVP) Landeshauptmann. Die Landesregierung Mattle ist eine Koalition aus ÖVP und SPÖ. Erstmals stellt nicht die ÖVP den ersten Stellvertreter: Dieses Amt bekleidet SPÖ-Landesvorsitzender Philip Wohlgemuth. Das Landeswappen zeigt in Silber einen roten, goldbewehrten und gekrönten Adler mit roter Zunge, goldenen Kleestängeln auf den Flügeln und zwei grünen Zweigen. Die Landeshymne ist das Andreas-Hofer-Lied.
Wirtschaft und Tourismus
Tirols Wirtschaft unterscheidet sich regional deutlich. Im Großraum Innsbruck konzentrieren sich Bildungs-, Gesundheits- und Verwaltungseinrichtungen. Zu den großen Arbeitgebern zählen die Tirol Kliniken mit 8.550 Beschäftigten, die Universität Innsbruck mit 5.575 Mitarbeitern und MPreis mit rund 5.300 Mitarbeitern. Daneben befinden sich dort der Energiedienstleister TIWAG und das Medizintechnikunternehmen MED-EL. Außerhalb Innsbrucks prägen meist kleine und mittlere Betriebe die Wirtschaft. Industrie konzentriert sich besonders auf die Bezirke Schwaz und Kufstein, den Raum Reutte und den Großraum Innsbruck; im Oberland und im Bezirk Kitzbühel dominiert der Tourismus.
2024 entstanden 0,9 % der Wertschöpfung im primären Sektor, also vor allem in Land- und Forstwirtschaft, 25,6 % im sekundären Sektor aus Industrie und Produktion sowie 73,5 % im tertiären Sektor, dem Dienstleistungsbereich. Die 14.600 land- und forstwirtschaftlichen Betriebe tragen weniger als 1 % zum Bruttoregionalprodukt bei, sind aber für das Landschaftsbild und das Selbstverständnis des Landes wichtig. Das regionale Bruttoinlandsprodukt pro Kopf betrug 2024 57.700 Euro und lag damit hinter Wien und Salzburg auf Platz drei; der österreichische Durchschnitt lag bei 53.800 Euro. Die Arbeitslosenquote betrug 2024 3,1 %.
Der Tourismus erwirtschaftet durchschnittlich 17,5 % des Tiroler Bruttoregionalprodukts. Tirol verfügt über ungefähr 355.600 Gästebetten und vereinte 2024 rund ein Drittel aller österreichischen Übernachtungen auf sich. Im Tourismusjahr 2023/24 kamen 12,4 Millionen Gäste und erzeugten 48,75 Millionen Nächtigungen. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer betrug 3,9 Tage, im Winter 4,4 und im Sommer 3,5 Tage. Auf den Winter entfielen 53 %, auf den Sommer 47 % der Nächtigungen.
55 % der Übernachtungen, insgesamt 26,6 Millionen, stammten 2024 von Gästen aus Deutschland. Es folgten die Niederlande mit 11,0 %, Österreich mit 8 %, die Schweiz mit 5 % und Belgien mit 3 %. Die meisten Übernachtungen verzeichneten die Tourismusverbände Ötztal mit 4,3 Millionen, Innsbruck mit 3,6 Millionen und Paznaun-Ischgl mit 2,7 Millionen. Sölden war mit 2,6 Millionen Nächtigungen die nächtigungsstärkste Gemeinde Österreichs. Hotellerie und Gastronomie beschäftigten rund 52.400 Menschen, allerdings viele nicht ganzjährig; knapp 70 % der Beschäftigten in dieser Branche stammten aus dem Ausland.
Verkehr sowie Kunst und Kultur
Tirol ist wegen seiner Alpenübergänge seit der Römerzeit ein wichtiges Transitland. Heute ist es an den internationalen Straßen-, Bahn- und Luftverkehr angeschlossen; Innsbruck besitzt einen internationalen Flughafen. Die Inntalautobahn A 12 führt von Kufstein durch das Inntal nach Landeck und geht dort in die Arlbergschnellstraße S 16 nach Vorarlberg über. Bei Innsbruck zweigt die Brennerautobahn A 13 nach Italien ab. Ende 2024 kamen 551 Personenkraftwagen auf 1.000 Einwohner.
Im Bahnverkehr kreuzt sich die Nord-Süd-Strecke München–Innsbruck–Verona mit der Ost-West-Verbindung Richtung Salzburg, Wien und Vorarlberg. Weitere Strecken sind Mittenwaldbahn, Außerfernbahn, Stubaitalbahn, Innsbrucker Mittelgebirgsbahn, Zillertalbahn und die nur im Sommer betriebene Achenseebahn. S-Bahn Tirol, Innsbrucker Straßen- und Stadtbahn sowie das Regiobusnetz erschließen den Nahverkehr. Die direkte Zugverbindung zwischen Innsbruck und Lienz über Südtirol wurde am 14. Dezember 2013 eingestellt und durch einen Doppelstockbus ersetzt. Der Eisenbahnausbau begann mit der Unterinntalbahn am 24. November 1858; die Brennerbahn folgte 1867, die Salzburg-Tiroler-Bahn 1875 und die vollständige Arlbergbahn 1884.
Tirols Kunstgeschichte reicht von vorgeschichtlichen Bergbausiedlungen und der römischen Stadt Aguntum bis zur Moderne. Aus der Romanik ist wegen späterer Umbauten nur wenig erhalten. Die Gotik blühte besonders im 15. Jahrhundert dank des Bergbaureichtums; wichtige Beispiele sind Burg Hasegg, der Innsbrucker Stadtturm und das Goldene Dachl. Bedeutende Renaissancebauten des 16. Jahrhunderts sind Schloss Ambras, Schloss Tratzberg und das Grabmal Kaiser Maximilians I. in der Hofkirche.
Barocke Formen verbreiteten sich ab etwa 1620. Beispiele sind die Jesuitenkirche, das Landhaus und der Dom in Innsbruck sowie das Stift Stams. Die Wiltener Basilika gilt als Höhepunkt des Rokoko. Im 19. Jahrhundert folgten Klassizismus, historistische Neuromanik und Neugotik sowie wenige Jugendstilbauten. Maler wie Franz von Defregger und Albin Egger-Lienz prägten das Bild des Tiroler Bauernlebens. Im 20. Jahrhundert standen unter anderem Clemens Holzmeister und Alois Welzenbacher für eine Erneuerung der Architektur. Max Weilers Fresken in der Theresienkirche lösten einen Skandal aus. Markus Wilhelm, Hans Haid und Felix Mitterer beschäftigten sich kritisch mit Tirol und den Auswirkungen des Massentourismus; Mitterers bekanntestes Werk ist die Fernsehsatire „Die Piefke-Saga“.