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Somali (Sprache)

In Somalia ist Somali seit Ende 1972 anstelle von Italienisch und Englisch eine Amtssprache, die in Verwaltung, Bildung und Massenmedien verwendet wird. Somali

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Einordnung, Verbreitung und gesellschaftliche Stellung
  2. 2. Entwicklung zur Schrift- und Amtssprache
  3. 3. Alphabet und Lautsystem
  4. 4. Substantive und Pronomen
  5. 5. Verben, Zeiten und Modi
  6. 6. Satzbau, Fokus und Fragen

Einordnung, Verbreitung und gesellschaftliche Stellung

Somali oder Somalisch (Eigenbezeichnung Af Soomaali) ist eine ostkuschitische Sprache der afroasiatischen Sprachfamilie. Innerhalb des Kuschitischen gehört es zu den tieflandostkuschitischen Omo-Tana-Sprachen. Es wird von rund 24 Millionen Menschen am Horn von Afrika und in weltweiten Exilgemeinden gesprochen. Sein Hauptgebiet umfasst Somalia, den Nordosten Kenias, die Somali-Region im Osten Äthiopiens und Dschibuti.

In Somalia ist Somali Muttersprache von etwa 95 % der Bevölkerung und wird auch von Minderheiten wie Oromo, Bantu, Swahili beziehungsweise Bajuni und Boni verwendet. Seit Ende 1972 ersetzte es Italienisch und Englisch als Amtssprache und wird in Verwaltung, Bildung und Massenmedien eingesetzt. Es ist außerdem Amtssprache im international nicht anerkannten Somaliland und regionale Arbeitssprache in der äthiopischen Somali-Region. In Dschibuti besitzt es einen begrenzten offiziellen Status, besonders in islamischen und gewohnheitsrechtlichen Gerichten; im Schulwesen dominiert dort trotz anderslautender sprachpolitischer Ziele Französisch.

Die Einteilung der Dialekte ist wissenschaftlich umstritten. Eine ältere Gliederung unterscheidet Nord beziehungsweise Isaaq, Zentral beziehungsweise Darod, Küsten- beziehungsweise Benadir-Dialekte und Oberjuba beziehungsweise Digil. Andere Forscher fassen Nord und Zentral als Common Somali zusammen. Somali-Sprecher unterscheiden häufig grob zwischen Maxaad-tiri beziehungsweise Maxaa-tiri und Maay. Auch der Status verwandter Varietäten ist strittig: Bernd Heine ordnet Rendille und Boni als Schwestersprachen des Somali ein, während Christopher Ehret, Mohamed Nuuh Ali und Marcello Lamberti sie zu den Somali-Dialekten rechnen.

Das Standard-Somali beruht auf der nördlichen Dialektgruppe Common Somali, besonders auf dem Darod-Dialekt der Region Mudug. Etwa die Hälfte der Somali spricht eine Varietät dieser Gruppe. Sprecher des Maay kritisieren teilweise, dass ihre Sprachform benachteiligt werde und die Standardschrift ihre Aussprache nur eingeschränkt wiedergebe. Deshalb wurde ein eigenes Maay-Alphabet entwickelt. Nach der Übergangsverfassung Somalias von 2004 ist Somali mit Maay und Maha Tiri Amtssprache. Durch Handel, Flucht und Auswanderung entstanden große Gemeinschaften unter anderem in den USA, Kanada, Großbritannien, Skandinavien, Italien und den Niederlanden. Schätzungen gehen von bis zu 3 Millionen Flüchtlingen und Auswanderern aus; genaue Studien zu einzelnen Ländern fehlen.

Entwicklung zur Schrift- und Amtssprache

Somali wurde lange überwiegend mündlich überliefert, obwohl es seit Jahrhunderten auch in einer angepassten arabischen Schrift, der Wadaad-Schrift, geschrieben wurde. Die Sprache enthält zahlreiche Lehnwörter aus dem Arabischen, dem Persischen, anderen orientalischen Sprachen sowie aus Englisch und Italienisch. Der starke Einfluss des Islams führte dazu, dass arabische und persische Wörter nicht nur in der Religion, sondern auch im Alltag vorkommen, etwa Albab-ka „die Tür“ aus arabisch الباب.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wollten somalische Nationalisten Somali gegenüber Italienisch, Englisch und Arabisch aufwerten und eine Alphabetisierung in der eigenen Sprache ermöglichen. Das arabische Alphabet gab die Vokale des Somali jedoch nur begrenzt wieder; die lateinische Schrift stieß zunächst aus religiösen Gründen und als Erbe der Kolonialzeit auf Ablehnung. Daneben entstanden eigene Systeme, besonders die Osmaniya-Schrift.

1972 entschied ein Komitee internationaler Sprachwissenschaftler unter Präsident und Diktator Siad Barre aus praktischen Gründen zugunsten eines angepassten lateinischen Alphabets. Somali wurde Nationalsprache und entwickelte rasch Fachwortschatz. 1976 erschienen mit Qaamuus kooban ee af Soomaali ah und Qaamuuska Af-Soomaaliga die ersten umfassenden Wörterbücher. Medien und Bildungswesen wechselten von Englisch oder Italienisch zu Somali, Beamte mussten eine Sprachprüfung ablegen. Während der Alphabetisierungskampagne für die Landbevölkerung von 1974 wurden etwa 25.000 Schüler aufs Land geschickt, um die neue Schrift zu vermitteln. Nach Regierungsangaben wurde dadurch eine Alphabetisierungsrate von 60 % erreicht.

Mit dem Zusammenbruch der Regierung und dem Beginn des Bürgerkriegs Anfang der 1990er Jahre verloren somalische Sprache und Kultur an institutioneller Unterstützung. Kriegsschäden und die weltweite Zerstreuung vieler Somali führten zu Stagnation oder Niedergang. Alphabetisierungs- und Schulbesuchsraten in Somalia liegen vermutlich unter 25 %.

Alphabet und Lautsystem

Das seit 1972 verwendete lateinische Alphabet ist weitgehend streng phonetisch: Die Schreibung bildet die Aussprache regelmäßig ab. Abgesehen vom Apostroph besitzt es keine Sonderzeichen. Seine Reihenfolge orientiert sich am arabischen Alphabet: ', B, T, J, X, KH, D, R, S, SH, DH, C, G, F, Q, K, L, M, N, W, H, Y, A, E, I, O, U.

Mehrere Zeichen weichen von der deutschen Lautung ab. Der Apostroph bezeichnet den Glottisverschlusslaut /ʔ/. J entspricht /dʒ/ wie deutschem „dsch“, SH dem Laut /ʃ/ wie „sch“ und Y dem Laut /j/ wie deutschem „j“. X bezeichnet den tief in der Kehle gebildeten Laut /ħ/, KH den Laut /χ/. DH steht für das retroflexe /ɖ/, bei dem die Zungenspitze das Gaumendach berührt. C bezeichnet /ʕ/ wie arabisch ʕain, Q den tief gebildeten Laut /ɢ/ und W /w/ wie englisches w. T und K werden ohne die im Deutschen übliche Behauchung ausgesprochen; R ist stets ein Zungenspitzen-r.

Somali besitzt zehn Vokale: a, e, i, o, u sowie die langen Entsprechungen aa, ee, ii, oo, uu. Doppelte Vokale werden länger gesprochen, beispielsweise in Soomaaliya. Auch doppelte Konsonanten werden entsprechend als Doppelkonsonanten realisiert. Alle Vokale des Standard-Somali werden gespannt ausgesprochen, ähnlich den deutschen Langvokalen.

Substantive und Pronomen

Somali ist eine flektierende Sprache: Wörter verändern ihre Form, um grammatische Merkmale auszudrücken. Substantive werden nach Genus, Numerus und Kasus flektiert. Es gibt die Genera Maskulinum und Femininum, Singular und Plural sowie die Kasus Absolutiv, Nominativ, Genitiv und Vokativ. Zahlreiche Assimilationsregeln verändern angefügte Endungen.

Die lexikalische Grundform eines zählbaren Substantivs steht gewöhnlich im Singular. Bestimmtheit wird durch einen angehängten Artikel ausgedrückt. Bei maskulinen Substantiven lautet er ka/ki, bei femininen ta/ti; k und t markieren das Genus, während der Vokal vom Kasus abhängt. Beispiele sind buug „(ein) Buch“, aber buug-ga „das Buch“, sowie gacan „(eine) Hand“, aber gacanta „die Hand“. Singular und Plural verwenden dieselben Artikelendungen.

Der Absolutiv ist die Grundform. Im Nominativ, der das Subjekt kennzeichnet, wird bei bestimmten Substantiven der Endvokal des Artikels von a zu u verändert: nin-ka „der Mann“ im Absolutiv, nin-ku „der Mann“ im Nominativ. Besteht das Subjekt aus einer ganzen Nominalphrase, trägt nur ihr letztes Wort die Nominativmarkierung. Unbestimmte maskuline Substantive bilden den Nominativ durch Tonveränderung; bei femininen kann zusätzlich -i erscheinen. Auch der Genitiv kann durch Tonveränderung gekennzeichnet werden, bei manchen femininen Substantiven zusätzlich durch -eed, -aad oder -od. Der Vokativ zur direkten Anrede verwendet Tonveränderungen oder Endungen, etwa Hassanòw „Hassan!“ und Ayaanèey „Ayaan!“.

Das Genus ist an der unbestimmten Form normalerweise nicht zu erkennen und entspricht nicht zwingend dem natürlichen Geschlecht. Plurale entstehen auf drei Arten, darunter durch Teilreduplikation. Häufig wechselt dabei das Genus; diese Genuspolarität zeigt sich in buug-ga „das Buch“ (maskulin) gegenüber buugag-ta „die Bücher“ (feminin).

Bei den Personalpronomen gibt es Subjekt- und Objektpronomen sowie jeweils emphatische und kurze Formen. Eine wichtige Besonderheit ist die Unterscheidung zwischen inklusivem „wir“, das die angesprochene Person einschließt, und exklusivem „wir“, das sie ausschließt. So stehen innagu beziehungsweise aynu für das inklusive und annagu beziehungsweise aannu für das exklusive Subjektpronomen.

Verben, Zeiten und Modi

Somalische Verben besitzen im Indikativ vier synthetische Zeit- und Aspektformen: allgemeines und aktuelles Präsens sowie allgemeines und aktuelles Präteritum. Hinzu kommen zusammengesetzte Zeiten und ein Subjunktiv für Präsens und Futur. Die meisten Verben werden mit personen- und zeitspezifischen Suffixen konjugiert. Nur vier oder fünf häufige Verben bewahren die ältere afroasiatische Präfixkonjugation: yidhi „sagen“, yimi „kommen“, yiil „sein, sich örtlich befinden“, yiqiin „wissen“ sowie teilweise yahay „sein“. Bei yimi lauten Formen der einfachen Vergangenheit beispielsweise imid „ich kam“, timid „du kamst“, yimid „er kam“ und nimid „wir kamen“.

Das allgemeine Präsens bezeichnet gegenwärtige, aber nicht unbedingt gerade ablaufende Handlungen, besonders Gewohnheiten und regelmäßige Vorgänge. Von keen „bringen“ stammen etwa keenaa „ich/er bringe“, keentaa „du/sie bringt“ und keennaa „wir bringen“. Das allgemeine Präteritum bezeichnet entsprechende habituelle Handlungen in der Vergangenheit, die punktuell oder zeitlich begrenzt sind: keenay „ich/er brachte“, keentay „du/sie brachte“ und keennay „wir brachten“. Das finale -ay kann auch -ey gesprochen und geschrieben werden.

Das aktuelle Präsens beschreibt eine gerade stattfindende Handlung. Es wird dialektabhängig mit dem Infix -ay- oder -na- und weitgehend mit den Personalendungen des allgemeinen Präsens gebildet: keenayaa „ich/er bringt gerade“, keenaysaa „du/sie bringt gerade“, keenaynaa „wir bringen gerade“. Das aktuelle Präteritum verbindet -na- oder -ay- mit den Endungen des allgemeinen Präteritums, etwa keenayey „ich brachte“. Es bezeichnet vergangene Handlungen, die eine Zeit lang andauerten, sich wiederholten oder auf eine bestimmte Zeitspanne begrenzt waren.

Das Futur besteht aus dem Infinitiv des Vollverbs und dem allgemeinen Präsens von doonid „wollen“: keeni doonaa „ich/er werde bringen“, keeni doontaa „du/sie wird bringen“, keeni doonaan „sie werden bringen“.

Der Subjunktiv steht nur in Nebensätzen, unter anderem nach unterordnenden Konjunktionen, in bestimmten Relativsätzen und in der Konstruktion waa + in + Personalsuffix mit der Bedeutung „müssen“. Im Präsens wird gegenüber dem Indikativ der Endvokal -a zu -o. Das Subjunktiv-Futur verbindet den Infinitiv mit dem Präsens-Subjunktiv von doonid, etwa keeni doono „ich werde/würde bringen; er werde bringen“.

Der Infinitiv wird je nach Verbklasse mit -i oder -n gebildet, etwa keen-i „bringen“ und sii-n „geben“. Selbstständig steht er nur mit karid „können“; außerdem dient er zusammengesetzten Zeiten. Verbalnomen sind substantivisch gebrauchte Verbformen mit -id, -n oder -sho, etwa keen-id „das Bringen“ und bara-sho „das Lernen“. Sie können Subjekt oder Objekt sein und wie Substantive bestimmt werden.

Satzbau, Fokus und Fragen

Eine auffällige Besonderheit des Somali sind die Fokusmarker waa, baa und ayaa. Fokus bedeutet, dass ein Satzglied als besonders wichtige oder neue Information hervorgehoben wird. In bejahenden Aussagesätzen ist eine solche Fokuspartikel obligatorisch; in Relativsätzen fehlt sie.

Die genaue Wahl ist pragmatisch und dialektabhängig. Waa steht eher in neutralen Aussagen mit neuer Information, etwa einem neu eingeführten Subjekt. Baa wird eher in weiterführenden Sätzen ohne neue Information gebraucht; ayaa verhält sich gewöhnlich ähnlich wie baa. An die Partikeln können kurze Personalpronomen angehängt werden, die auf das fokussierte Element verweisen. Grundsätzlich kann jedes Substantiv vor dem abschließenden Verbalkomplex fokussiert werden. Als Faustregel gilt, dass das Substantiv unmittelbar neben der Fokuspartikel im Fokus steht; für fokussierte Subjekte gibt es eine Ausnahme. Ein Beispiel ist Isagu wuu keenaa buuggan: „Er bringt dieses Buch.“

Entscheidungsfragen, die mit Ja oder Nein beantwortet werden können, entstehen mit ma oder miyaa: Adigu ma keenaysaa buug? bedeutet „Bringst du ein Buch?“, alternativ Miyaad keenaysaa buug? Sachfragen verwenden das Interrogativpronomen kee/tee „wer/was“.

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