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Wörterbuch

Wörterbücher im engeren Sinn dienen zum Nachschlagen sprachlicher Information, während der Ausdruck in der weiteren Bedeutung auch andere nach Stichwörtern …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Aufgaben
  2. 2. Sprach-, Sach- und Mischwörterbücher
  3. 3. Wichtige Wörterbuchtypen
  4. 4. Erscheinungsformen und Aufbau
  5. 5. Sortierung und Nachschlagen

Begriff und Aufgaben

Ein Wörterbuch ist ein Nachschlagewerk, das Wörter meist alphabetisch in einer Liste verzeichnet. Jedem Eintrag, dem Lemma, werden erklärende Informationen – besonders Bedeutungen – oder sprachliche Äquivalente zugeordnet. Es dient dazu, sprachliche Informationen gezielt nachzuschlagen.

Im engeren Sinn ist ein Wörterbuch ein Sprachwörterbuch. Es vermittelt Wissen über den Wortschatz einer Einzelsprache oder über einen Teilwortschatz, etwa einen Dialekt, Soziolekt oder Idiolekt. Lemmata können Morpheme, Lexeme, Phrasen und Phraseologismen sein. Zu ihnen können Angaben über Schreibung, Aussprache, Wortart, Genus, Flexion, Herkunft, Bedeutung, Verwendungsweise und Übersetzbarkeit stehen. Informationen werden erklärt oder durch vergleichbare Einheiten zugeordnet, etwa durch Synonyme, Reime oder Übersetzungen.

Sachinformationen dürfen in Sprachwörterbüchern vorkommen, wenn sie zum Verständnis der Bedeutung oder Wortgeschichte nötig sind; sie sind jedoch nicht der Hauptzweck. Eigennamen von Personen und Orten werden dort normalerweise nicht erklärt. Eine Ausnahme bilden Nachschlagewerke der Namen- und Ortsnamenforschung, also Onomastik und Toponomastik. Ein neuer Ansatz, das „Sätzebuch“, übersetzt nur Sätze; einzelne Wörter werden dabei mit einer elektronischen Suchmaschine im Satzzusammenhang gefunden. Tatoeba ist ein genanntes Beispiel.

Sprach-, Sach- und Mischwörterbücher

Ein Sachwörterbuch, auch Realwörterbuch, Reallexikon oder Realenzyklopädie, vermittelt vor allem Sach- und Weltwissen. Das Stichwort bezeichnet hier ein Thema, nicht vorrangig ein Element des Wortschatzes. Sprachliche Eigenschaften des Lemmas werden gar nicht oder nur berücksichtigt, soweit sie helfen, die bezeichnete Sache zu verstehen. Sachwörterbücher enthalten in der Regel auch Eigennamen und sollen einen bestimmten Wissensbereich – ein Fachgebiet oder im Anspruch das gesamte Wissen über die Welt – abdecken und ordnen.

Ein enzyklopädisches Wörterbuch wird auch Sprach- und Sachwörterbuch oder integriertes Wörterbuch genannt. Es stellt sprachlexikographische und sachlexikographische Informationen gleichrangig nebeneinander und erfüllt Grundfunktionen beider Arten. Die Trennung ist in der Praxis nicht immer eindeutig: Besonders Fachlexika verbinden häufig Sachinformationen mit Angaben zu Fachwörtern oder zu deren Übersetzbarkeit.

Wichtige Wörterbuchtypen

Gesamt- oder Universalwörterbücher liefern umfassende Informationen zum allgemeinen Wortschatz der Gegenwartssprache; ein Beispiel ist das Duden Universalwörterbuch. Spezialwörterbücher setzen dagegen andere Schwerpunkte.

Bei lemmatyporientierten Wörterbüchern wird nur ein Teil des Wortschatzes aufgenommen. Die Auswahl kann pragmatisch beschränkt sein, beispielsweise bei Umgangssprachen-, Neologismen-, Fremdwort- oder Schimpfwörterbüchern. Sie kann sich an der Wortgeschichte orientieren, etwa bei Lehnwort-, Erbwort- oder Wörterbüchern untergegangener Wörter, an semantischen Feldern wie bei Namenwörterbüchern oder an der Form des Lemmazeichens wie bei Morphem-, Wortfamilien- und Abkürzungswörterbüchern.

Informationstyporientierte Wörterbücher unterscheiden sich vor allem durch die Art ihrer Angaben. Syntagmatische Wörterbücher beschreiben syntaktische Eigenschaften, zum Beispiel Valenz-, Konstruktions- und Kollokationswörterbücher. Inhaltsparadigmatische Wörterbücher zeigen lexikalisch-semantische Beziehungen zwischen Einheiten, etwa Synonyme und Antonyme; dazu gehören auch linguistische Thesauri, Analogiewörterbücher und Bildwörterbücher. Ausdrucksparadigmatische Wörterbücher behandeln Formaspekte, beispielsweise rückläufige, Aussprache-, phonologische, Kreuzworträtsel- und Reimwörterbücher. Weitere Typen sind etymologische, verdeutschende, Frequenz- und Rechtschreibwörterbücher.

Lerner-, Grundschul- und Kinderwörterbücher richten Auswahl und Angaben an bestimmten Benutzergruppen aus. Sprachvarietätenorientierte Wörterbücher erfassen etwa Sondersprachen, Dialekte oder Fachsprachen. Textbezogene Wörterbücher beschreiben Texte, die zugleich ihre Wörterbuchbasis sind, etwa Autoren-, Werks- und Belegstellenwörterbücher. Übersetzungswörterbücher vermitteln zwischen zwei oder mehr Sprachen und können ebenso allgemein oder fachsprachlich sein.

Erscheinungsformen und Aufbau

Gedruckte Wörterbücher waren bis zum Ende des 20. Jahrhunderts die einzige Publikationsform. Zu ihren Formen gehören Handwörterbücher für die ständige Nutzung am Arbeitsplatz, Taschenwörterbücher mit möglichst vielen Informationen in kleinem Format sowie Großwörterbücher als umfangreichste Sprachwörterbücher, teilweise in mehreren Bänden. Seit den 1980er Jahren gibt es digitale Formen: Ein elektronisches Wörterbuch wird auf reproduzierbaren Datenträgern wie CD-ROM oder DVD verbreitet. Ein Online-Wörterbuch liegt auf einem zentralen Datenspeicher und wird über das Internet abgefragt, teilweise auch bearbeitet.

Ein Wörterbuch besteht gewöhnlich aus dem Wörterverzeichnis und Außentexten. Das Wörterverzeichnis enthält die Lemmata. Außentexte sind zum Beispiel Einleitung, Benutzerhinweise, Abkürzungsverzeichnis und Flexionstabellen. Stehen sie davor, heißen sie Vorspann (front matter), danach Nachspann (back matter).

Die Makrostruktur umfasst die Auswahl und Anordnung der Lemmata sowie die Anordnung der Außentexte. Die Mikrostruktur beschreibt, wie die Informationen innerhalb eines einzelnen Artikels geordnet sind. Sprachwörterbücher verdichten Angaben oft durch Abkürzungen und Paraphrasen. In Sachwörterbüchern können Artikel unterschiedlich lang sein; häufig beginnen sie mit einer Definition, danach folgen Informationen in fortlaufender Prosa, Querverweise und vielfach Literaturhinweise. Zur Bestimmung des Wortschatzumfangs mehrbändiger Wörterbücher führten R. H. Seashore und L. D. Eckerson 1940 die Methode der Stichprobenauswahl ein.

Sortierung und Nachschlagen

Die häufigste Anordnung ist alphabetisch. Glatt- oder striktalphabetisch bedeutet, dass fast jedes Stichwort einen eigenen Ansatz erhält. Nischenalphabetisch gruppiert mehrere Wörter einer Wortfamilie als Sublemmata unter einem Hauptlemma, ohne die alphabetische Reihenfolge grundsätzlich aufzugeben. Nestalphabetisch kann die alphabetische Ordnung stärker durchbrechen; Sublemmata können flektierte Formen oder Zusammensetzungen sein und sich am Bestimmungswort oder Grundwort orientieren. Nischen- und Nestanordnung sparen besonders im Druck Platz. Als benutzerfreundlich gilt die glattalphabetische Anordnung, weil jedes Stichwort auf einer eigenen Zeile mit eigenem Eintrag steht; die Nischenanordnung ist ein Kompromiss. In rückläufigen Wörterbüchern wird vom Wortende her alphabetisch sortiert.

Sprachen ohne Alphabet nutzen andere Kriterien. Im Chinesischen erfolgt die Sortierung beispielsweise nach Radikalen sowie nach Anzahl und Form der Striche.

Wörterbücher sollen lexikalische Wissenslücken schließen. Dafür müssen Nutzende erstens die Systematik des Wörterbuchs verstehen und zweitens das gesuchte Lexem mit dieser Systematik dem passenden Lemma zuordnen können. Die Wörterbuchbenutzungsforschung beziehungsweise Wörterbuchdidaktik untersucht Benutzererwartungen, also welche Fragen welches Wörterbuch beantwortet, und die Bedingungen erfolgreicher Nutzung. Ihre Erkenntnisse fließen in neue Wörterbücher und in Übertragungen bestehender Wörterbücher auf andere Medien ein.

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