Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Sola fide
Er drückt die Überzeugung aus, dass der Mensch allein durch seinen Glauben das ewige Leben erlangt. Schematische Darstellung zu Luthers Rechtfertigungslehre, …
Inhalt5 Abschnitte
Kern des Grundsatzes
Sola fide bedeutet lateinisch „allein durch Glauben“ beziehungsweise „allein aus Glauben“. Es ist ein Grundelement der reformatorischen Rechtfertigungslehre und ein theologischer Grundsatz der aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen. Gemeint ist: Der Mensch erlangt das ewige Leben nicht durch gute Werke, sondern wird durch den Glauben an das Versöhnungswerk Christi vor Gott gerechtgesprochen und gerettet. Durch diesen Glauben empfängt er den Heiligen Geist (Gal 3,2.5 LUT).
Nach lutherischer Auffassung kann ein Mensch sich nicht aus eigener Kraft für den Glauben an Christus entscheiden. Der Glaube entsteht allein durch Gottes Gnade, sola gratia, und wird durch das Wort Gottes geweckt, solus Christus. Deshalb ist eine autonome Glaubensentscheidung als Handlung des freien Willens für Luther in Fragen des Gottesverhältnisses und des Heils undenkbar: Der Mensch ist dabei geknechtet.
Biblische Begründung
Martin Luther sah die wichtigste Grundlage in Röm 3,21–28 LUT. In Röm 3,28 steht im griechischen Urtext allerdings nicht das Wort „allein“. Luther fügte es nach eigener Aussage wegen der Eigenheiten der deutschen Sprache ein; die Lutherbibel hat diese Ergänzung bis heute beibehalten. Moderne Bibelübersetzungen und die Vulgata formulieren dagegen, dass der Mensch „durch Glauben gerechtfertigt“ werde.
Im Calvinismus wird die lutherische Auffassung, dass der Glaube allein wirksam sei, teilweise kritisiert. Dabei wird auf die Bedeutung der Heiligung verwiesen.
Zusammenhang mit den anderen Soli
Sola fide bezeichnet das Vertrauen des Menschen in die göttliche Gnade. Zusammen mit sola gratia beschreibt es zwei Seiten des Heilshandelns Gottes: Der Mensch eignet sich die Gnade sola fide an; Gott wendet sie ihm sola gratia zu. Weil der Glaube selbst ein von Gott gewirktes Geschenk und damit eine Gnadenwirkung ist, kann sola fide nach Friedrich Wilhelm Graf auch als sola gratia erklärt werden.
Eng verbunden sind außerdem solus Christus, „allein Christus“, und sola scriptura, „allein durch die Schrift“.
Unterschiede zur katholischen Lehre
Die römisch-katholische Kirche lehrt ebenfalls, dass Rechtfertigung aus Gnade und nicht etwa durch Werke geschieht und dass die Gerechtigkeit Christi im Glauben angenommen wird. Die Reformatoren widersprachen ihr vor allem bei der Frage, welcher Glaube gemeint ist, beim Wesen der Rechtfertigung und bei der Bedeutung guter Werke.
Fides fiducialis ist der feste Glaube, dass Gott Sünden um Christi Leiden willen oder aus väterlicher Liebe nicht mehr anrechnet. Fides dogmatica ist der Glaube an die von Gott offenbarten Wahrheiten, und zwar wegen der Autorität Gottes als Offenbarer, nicht weil die Vernunft diese Wahrheiten aus sich selbst erkenne. Katholiken verstehen fides dogmatica als unbedingt notwendigen vorbereitenden Akt der Rechtfertigung. Die Reformatoren sehen die Rechtfertigung insgesamt in der fides fiducialis begründet und verweisen unter anderem auf: „Abraham glaubte Gott, und das wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet.“ (Röm 3,4 LUT).
Rechtfertigung, Werke und heutige Einschätzungen
Nach reformatorischer Lehre besteht Rechtfertigung negativ darin, dass Sünden nicht angerechnet und zugedeckt werden, und positiv darin, dass die Gerechtigkeit Christi angerechnet wird. Katholische Lehre versteht Rechtfertigung darüber hinaus als wirkliche Nachlassung und Austilgung der Sünde: Die durch eine sündhafte Tat entstandene Schuld wird weggenommen, nicht nur vergessen. Positiv gehört dazu auch übernatürliche Heiligung, also die Ausrichtung des ganzen Lebens auf Gott.
Beide Seiten lehren, dass Glaube der wesentliche Vorbereitungsakt für die Rechtfertigung ist, die formell durch Gottes Gnade empfangen wird; Werke seien hierfür nicht notwendig. Beide lehren auch, dass gute Werke aus Glauben folgen: „Glaube ohne Werke ist tot.“ (Jak 2,7 LUT). Katholiken lehren zusätzlich, dass der Gerechtfertigte durch gute Werke einen übernatürlichen Lohn verdient: mehr Gnade auf Erden und mehr Glorie im Himmel.
Nach dem Artikel vertreten viele Protestanten heute Ansichten, die dort als „katholisch“ bezeichnet werden, schreiben Katholiken aber irrtümlich ein Dogma der Rechtfertigung durch gute Werke zu. Karl von Hase stellte fest, dass viele protestantische Theologen die katholisch-scholastische Rechtfertigungslehre vertreten. Papst Benedikt XVI. hielt Luthers Begriff sola fide für richtig, sofern Glauben nicht dem Leben in der Liebe Gottes entgegengesetzt wird.