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Ewiges Leben
Ewiges Leben ist ein Begriff (Theologem) der jüdischen, christlichen und islamischen Theologie, der sich sowohl auf Gott als auch auf den Menschen bezieht.
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Grundidee und religiöse Bedeutung
„Ewiges Leben“ ist ein theologischer Begriff der jüdischen, christlichen und islamischen Theologie. Er bezieht sich sowohl auf Gott als auch auf den Menschen. Während Gott als von Natur aus ewig gilt, wird menschliches ewiges Leben in den behandelten Traditionen grundsätzlich als von Gott gewährte Möglichkeit verstanden. Es ist nicht allen Menschen automatisch gegeben, sondern hängt von Gottes Willen, dem Glauben und beziehungsweise oder dem gerechten Handeln ab.
In den ältesten Teilen der Bibel wird ewiges Leben zunächst nur Gott zugesprochen. Später entstandene alttestamentliche Schriften stellen es den „Gerechten“ in Aussicht. Das Neue Testament versteht es vor allem als Gabe Gottes an die Glaubenden und verbindet es besonders mit dem Glauben an Jesus Christus. Im Islam bestimmt Allah das Weiterleben der Seele, die nach dem Tod vom Körper getrennt wird und sich einem vorläufigen Gericht sowie anschließend der endgültigen Entscheidung über Paradies oder Verdammnis nähert.
Hebräische Bibel: Gottes Ewigkeit und die Hoffnung der Gerechten
Im Alten Testament beziehungsweise in der hebräischen Bibel ist ewiges Leben zuerst ein Merkmal Gottes. In Dtn 32,40 EU sagt Gott: „So wahr ich ewig lebe!“ In Dan 4,31 EU wird der „ewig Lebende“ mit einer „ewigen Herrschaft“ und einem Reich beschrieben, das „von Generation zu Generation“ währt. Dem steht das menschliche Leben gegenüber, das als kurz, flüchtig und vergänglich gilt.
Die Erzählung vom Sündenfall in Genesis 3,22 spricht zwar die Möglichkeit an, dass der Mensch durch die Frucht vom Baum des Lebens „ewig lebe“. Diese Möglichkeit wird aber nicht verwirklicht: Adam und Eva werden aus dem Paradies vertrieben und erhalten keinen Zugang zum Baum des Lebens. Genesis betont damit die Begrenztheit des Menschen. Außerdem heißt es, der Geist Gottes solle nicht ewig im Menschen bleiben, „da er ja auch Fleisch ist“; seine Tage sollen 120 Jahre betragen.
Auch Kohelet, der Prediger, dessen Buch wohl aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. stammt, äußert sich skeptisch. Menschen und Tiere haben nach seiner Darstellung dasselbe Geschick: Beide sterben, besitzen denselben Atem, sind aus Staub entstanden und kehren zum Staub zurück. Ein sicherer Unterschied zwischen dem Schicksal des menschlichen und des tierischen Atems wird bezweifelt. „Atem“ bezeichnet dabei die den Körper belebende Kraft und damit das Leben selbst.
Eine optimistischere Lehre findet sich in spät entstandenen Schriften: im Buch Daniel, das heute in das 2. Jahrhundert v. Chr. datiert wird, sowie im Buch der Weisheit und im 2. Buch der Makkabäer, die beide in das 1. Jahrhundert v. Chr. datiert werden. Katholische Theologen nennen die beiden letztgenannten Schriften deuterokanonisch, evangelische Theologen bezeichnen sie als apokryph.
Diese Texte verkünden, dass Gott seine rechtschaffenen Diener nicht endgültig dem Tod überlässt. Daniel spricht von einer Auferstehung der Toten: Viele, die „im Land des Staubes schlafen“, werden erwachen, einige „zum ewigen Leben“, andere „zur Schmach, zu ewigem Abscheu“. Die Verständigen, die andere zum rechten Tun führen, sollen „immer und ewig wie die Sterne leuchten“.
Das Buch der Weisheit beschreibt die Seelen der Gerechten als in Gottes Hand und ihre Hoffnung als „voll Unsterblichkeit“. Beim Endgericht sollen sie aufleuchten; „die Gerechten aber leben in Ewigkeit“. Für die Gottlosen wird dagegen ewiger Tod beziehungsweise Hölle erwartet. Im 2. Buch der Makkabäer bekennen Märtyrer, dass der „König der Welt“ die Frommen zu einem neuen, ewigen Leben auferwecken werde, während ihre Verfolger keine Auferstehung zum Leben erwarten könnten.
Das ewige Leben bleibt somit ein Vorrecht der Gerechten und Auserwählten. Im Danielbuch wird eine künftige Auferstehung und ein Gottesreich auf Erden erwartet. Im 2. Buch der Makkabäer wird das ewige Leben in den Himmel verlagert und unmittelbar nach dem Tod erhofft, nicht erst nach einem künftigen Gericht. Als besondere Fälle der Aufnahme in den Himmel gelten Henoch und Elija. Nach dem Buch der Weisheit ist der Tod eines Gerechten, der um der Tora willen leidet und getötet wird, nur scheinbar endgültig; tatsächlich bleibt er unzerstörbar mit seinem Schöpfer verbunden.
Neues Testament: Ewiges Leben durch Glauben
Im Neuen Testament bezeichnet „ewiges Leben“ ein unzerstörbares, von Gott geschenktes Leben der Glaubenden. Dafür steht der griechische Ausdruck zōḗ, der mit aiṓnios („ewig“) charakterisiert wird. Das Konzept wird von bíos, dem irdischen und vergänglichen Leben, und von psychḗ, der vom Tod bedrohten physischen Lebenskraft, unterschieden. zōḗ kann im Neuen Testament allerdings auch eine biologische Bedeutung haben.
Ewiges Leben gehört nicht einfach zur menschlichen Natur. Voraussetzung ist der Glaube an Jesus Christus und die Beziehung des Glaubenden zu ihm als Erlöser. Der erste Johannesbrief formuliert: Gott hat den Glaubenden ewiges Leben gegeben, und dieses Leben ist „in seinem Sohn“. Wer den Sohn hat, hat das Leben; wer ihn nicht hat, hat das Leben nicht. Im Johannesevangelium sagt Jesus, wer sein Wort hört und dem glaubt, der ihn gesandt hat, habe das ewige Leben, komme nicht ins Gericht und sei „aus dem Tod ins Leben hinübergegangen“.
Die Nichtglaubenden, die keine Erlösung erlangen und dem Gericht sowie der Verdammnis verfallen, werden nicht als Menschen mit „ewigem Leben“ in diesem besonderen Sinn bezeichnet. Das ewige Leben steht der „ewigen Strafe“ gegenüber. Matthäus 25,46 fasst den Gegensatz so zusammen: Die einen gehen zur ewigen Strafe, die Gerechten aber in das ewige Leben.
Meist wird ewiges Leben eschatologisch verstanden, also als Zustand im künftigen Gottesreich. Man kann es „ererben“, das heißt als Belohnung für richtiges Verhalten im gegenwärtigen Leben erlangen. Im Johannesevangelium und in den Johannesbriefen wird es dagegen stärker mit dem irdischen Leben verbunden. Es kann bereits im vergänglichen Dasein erfahren werden, wenn dieses den Bedingungen des ewigen Lebens entspricht. Das gegenwärtige Leben gilt dann als Anfang oder Vorwegnahme des ewigen Lebens; dadurch werden die Bedeutung des Todes und der Gegensatz zwischen Leben und Tod relativiert.
Der Apostel Paulus betont besonders den Lohngedanken. Die Gerechtigkeit des Frommen, der das ewige Leben „erben“ werde, stellt er der Ungerechtigkeit gegenüber. Diese ist mit Gottes Zorn, Tod und Vergänglichkeit verbunden.
Ewigkeit als Qualität und Teilhabe an Gott
Die Kirchenväter betonten bei der Erörterung des ewigen Lebens weniger seine zeitliche Dauer als seine Qualität. Ewiges Leben bedeutet Frieden, Seligkeit und Heil, vor allem die Freiheit von den Übeln und Gefahren des irdischen Daseins. Eine unbegrenzte Verlängerung der irdischen Zeit gilt als unzureichendes Verständnis von Ewigkeit.
Augustinus beschreibt das „glückselige Leben“ als eine Daseinsweise, in der nicht ein Tag endet, während der nächste beginnt. Es gibt dort kein Kommen und Vergehen einzelner Tage; wo das Leben kein Ende hat, ist die Gesamtheit der Tage zugleich gegeben. Der spätantike christliche Philosoph Boethius definiert Ewigkeit als den gleichzeitigen und vollständigen Besitz unbegrenzbaren Lebens.
Die Lehre vom ewigen Leben wurde in christlichen Glaubensbekenntnissen festgehalten. Das Apostolische Glaubensbekenntnis enthält „Credo in […] vitam aeternam“ („Ich glaube an das ewige Leben“). Das Nicäno-Konstantinopolitanum bekennt: „Et expecto […] vitam venturi saeculi“ („Und ich erwarte das Leben der kommenden Welt“). Im Athanasischen Glaubensbekenntnis heißt es: „Et qui bona egerunt, ibunt in vitam aeternam; qui vero mala, in ignem aeternum“ („Und die Gutes getan haben, werden ins ewige Leben eingehen, die hingegen Böses [getan haben], in das ewige Feuer“). Ewiges Leben ist hier gleichbedeutend mit ewiger Seligkeit und bezeichnet nicht bloß die endlose Existenz der Verdammten.
Die mittelalterliche Scholastik ging von der Ewigkeit Gottes aus. Als wesentliches Merkmal galt seine Unwandelbarkeit. Thomas von Aquin deutete im 13. Jahrhundert das ewige Leben der Geschöpfe als Teilhabe an Gottes Ewigkeit und damit an seiner Unwandelbarkeit. Diese Teilhabe bleibt jedoch begrenzt, weil Unveränderlichkeit im eigentlichen Sinn nur Gott zukommt.
Islamische Vorstellung: Tod, Seele und Gericht
Im Islam ist das irdische, physische Leben eine Gabe Allahs und eine begrenzte Phase der Bewährung. Der Körper ist während des irdischen Lebens notwendig, bleibt aber sterblich. Die Seele gilt dagegen als unsterblich und wird nach dem Tod vom Körper getrennt. Dauer und Ende des Lebens bestimmt Allah; die Seele kehrt schließlich zu ihm zurück. Der Tod wird deshalb auch „Abberufung“ genannt.
Der Koran beschreibt den Tod nicht als Übergang in ein Nichts, sondern als Weiterleben nach Gottes Willen: „Wir, ja Wir machen die Toten wieder lebendig“ (Sure 36,12). Bei der Abberufung hat der Todesengel Azrael eine wichtige Funktion. Allah beauftragt ihn, Körper und Seele voneinander zu trennen. Sure 32,11 sagt: „Abberufen wird euch der Engel des Todes, der mit euch betraut ist. Dann werdet ihr zum Herrn zurückgebracht.“
Nach dem Tod führt ein Engel die Seele zu einem vorläufigen Gericht. Hat der Verstorbene nach Allahs Willen in Glauben und Taten gelebt, wird ihm mitgeteilt, dass seine Sünden vergeben sind. Er darf jedoch noch nicht sofort ins Paradies, die Dschanna, eintreten. Hat sein Leben den Ansprüchen Allahs nicht entsprochen, wird die Seele für die ewige Verdammnis, die Dschahannam, bestimmt.