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Slum

Ein Slum [slʌm] (aus dem Englischen entlehnt für „Armenviertel“ oder „Elendsviertel“) ist ein dicht besiedeltes Stadtviertel der unteren Bevölkerungsgruppen …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Bedeutung
  2. 2. Kennzeichen und regionale Begriffe
  3. 3. Vorkommen und typische Merkmale
  4. 4. Ursachen, Ausprägungen und Entwicklung

Begriff und Bedeutung

Ein Slum ist ein dicht besiedeltes Stadtviertel der unteren Bevölkerungsgruppen mit mangelhafter Infrastruktur. Umgangssprachlich bezeichnet man damit übervölkerte und verwahrloste Elendsviertel, die meist von sehr armen Menschen, häufig städtischen Zuwanderern, bewohnt werden. Dazu zählen auch informelle Siedlungen.

UN-HABITAT definiert einen Slum als „Siedlung, in der mehr als die Hälfte der Einwohner in unzumutbaren Unterkünften ohne grundlegende Versorgungseinrichtungen leben“. Slumbewohner leben demnach „ohne Eigentumsrechte, Zugang zu sauberem Wasser, Zugang zu sanitären Einrichtungen und ohne ausreichenden Wohnraum“. Laut Artikel lebt mehr als jeder siebte Mensch weltweit in einem solchen Elendsviertel; die Weltbank schätzt den Anteil ebenfalls auf rund jeden siebten Menschen beziehungsweise auf mehr als eineinhalb Milliarden Menschen. Diese Angaben werden als Schätzungen wiedergegeben.

Kennzeichen und regionale Begriffe

Typische Merkmale von Slums sind:

  • eine hohe Bevölkerungsdichte;
  • eine ungeplant und willkürlich entstandene Siedlungsstruktur;
  • ein hoher Anteil provisorischer oder nicht den Baustandards entsprechender Gebäude, etwa mit fehlenden Fenstern, undichten Wänden oder Dächern und hoher Anfälligkeit gegenüber Naturereignissen wie Stürmen;
  • eine fehlende oder unzureichende Versorgung mit Wasser und Elektrizität, Kanalisation, Müllabfuhr, öffentlichem Verkehr, Geschäften der Grundversorgung und medizinischer Versorgung.

Eine einheitliche Definition des Begriffs gilt für die Neuzeit jedoch als wissenschaftlich überholt. Regionale Unterschiede, die innere Sozialhierarchie etwa mit sogenannten Slumlords und die unterschiedlichen Lebensformen der Bewohner werden dadurch nur unzureichend erfasst. Außerdem handelt es sich nicht um eine klar abgegrenzte Wohnform.

Je nach Region gibt es unterschiedliche Bezeichnungen für Slums oder informelle Siedlungen: Gecekondu in der Türkei, Compounds im Mittleren Osten, Villa Miseria in Argentinien, Favelas oder Invasões in Brasilien, Invasiones oder Guasmos in Ecuador, Barriadas oder Pueblos jóvenes in Peru, Llega y pon in Kuba, Bidonvilles im frankofonen Afrika, Shanty Towns im südlichen Afrika, Werften in Namibia und Tondos auf den Philippinen.

Vorkommen und typische Merkmale

Slums finden sich vor allem in großen Städten der sogenannten „Dritten Welt“, wo laut Artikel jede dritte Person betroffen ist. Sie entstehen aber zunehmend auch in Staaten, die als reich gelten, beispielsweise in den USA. Slums können somit auch in wohlhabenden Ländern entstehen, wenn die politischen und gesellschaftlichen Voraussetzungen dafür gegeben sind.

Kennzeichnend sind hohe Armuts- und Arbeitslosenquoten. Häufig kommen soziale Probleme wie Kriminalität, Drogenmissbrauch und Alkoholismus hinzu. Schlechte sanitäre Bedingungen begünstigen in vielen Ländern die Ausbreitung von Krankheiten.

Zwei Entwicklungen fördern die Slumbildung besonders. Erstens führt ein starker Zuzug in die Ballungsräume, beispielsweise durch Landflucht, innerhalb von weniger als einer Generation zu einem schnellen demografischen Wandel. Dadurch wird die Eingliederung der neuen Bevölkerung in die Stadt erschwert. Zweitens führen innerstädtische Wanderungsbewegungen zur Segregation, also zur räumlichen Trennung verschiedener Bevölkerungsgruppen. Beide Prozesse erzeugen zunächst Stadtteile mit sehr unterschiedlicher sozialer Struktur und können zur Ghettoisierung führen. Die Siedlungsbereiche der wirtschaftlich schwächeren Gruppen können sich anschließend zu Slums entwickeln.

Verkehrswege haben dabei eine ambivalente Wirkung: Sie sollen Stadtteile verbinden, können aber zugleich eine Trennungswirkung entfalten. Besonders höherrangige Straßen und Autobahnen sind für die Bewohner oft schwer zu überqueren.

Ursachen, Ausprägungen und Entwicklung

Nicht jede äußerlich ärmlich wirkende Siedlung erfüllt bei genauerer Betrachtung die Kriterien eines Slums. Manche Viertel besitzen urbane Qualitäten, darunter funktionierende Nachbarschaften, kurze Wege und eine moderate Mischung aus Wohn- und Gewerbenutzungen. Die hohe Bebauungsdichte kann mit fehlendem Autoverkehr verbunden sein, was trotz hygienischer Probleme eine vergleichsweise gute Aufenthaltsqualität ermöglicht. Typische Defizite bleiben jedoch etwa eine fehlende Wasserversorgung oder Kanalisation. Slums, die aus Landflucht hervorgehen, sind sozial und technisch häufig ähnlich organisiert wie die dörflichen Strukturen, aus denen die Bewohner stammen.

Multizentrale Städte mit kleinen, selbstorganisierten und durchmischten Nachbarschaften gelten im Artikel als besonders geeignet, gegenseitige Verantwortung zu fördern. Dadurch können sich ärmliche Stadtviertel schrittweise verbessern, statt zu Slums zu werden. Als wesentlich wird dabei die Erhöhung des Bildungsniveaus genannt. Viertel, die vor allem durch innerstädtische Segregation entstanden sind, unterscheiden sich insofern, als ihre Bevölkerung grundsätzlich städtisch geprägt ist. Dort wuchs die öffentliche Infrastruktur jedoch nicht im gleichen Maß wie die Zahl der Bewohner, sodass soziale und technische Maßnahmen zur Verbesserung erforderlich sind.

Mike Davis erklärt in „Planet of Slums“ (2006) die starke Zunahme der Slums unter anderem mit politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wuchsen Städte in den „unterentwickelten“ Staaten vergleichsweise langsam. Als Gründe nennt Davis den Kolonialismus, insbesondere die Verweigerung von Stadtrechten im britischen Kolonialismus, sowie die Begrenzung des Stadtwachstums durch Planwirtschaften, etwa in der Volksrepublik China bis 1980 und in der Sowjetunion. In Lateinamerika, unter anderem in Venezuela und Mexiko-Stadt, wurden Slums teilweise mit Planierraupen zurückgedrängt.

Nach dem Ende des Kolonialismus fielen die „politischen Stadtmauern“, und die Menschen konnten sich freier bewegen. Hungersnöte, Verschuldung, Bürgerkriege und die Politik der Counterinsurgency verstärkten die Wanderungen. Die Einführung des Kapitalismus beschleunigte laut Davis das Städtewachstum unter anderem in China und Russland sowie in deren früheren Satellitenstaaten. Soziale Wohnungsbauten wurden häufig von Mittelschichten und Militärangehörigen beschlagnahmt. Als weiteren wichtigen Einschnitt nennt Davis das seit 1975 vom IWF eingeführte Strukturanpassungsprogramm (SAP), das den Rückzug sozialer Maßnahmen aus den Vierteln der Armen beschleunigt habe.

Als primäre Ursachen gelten Armut auf dem Land und ein fehlendes Arbeitsplatzangebot in ländlichen Gebieten. Menschen ziehen in Städte, weil sie sich dort bessere Lebensbedingungen und ein höheres Einkommen versprechen. Die Landflucht führt zu Wohnraummangel, der wiederum die Gründung informeller Siedlungen begünstigt. Regierungen versuchen teilweise, baufällige Gebäude abzureißen und durch moderne, stark verdichtete Wohnsiedlungen mit besseren sanitären Anlagen zu ersetzen. Solche Maßnahmen können jedoch nur erfolgreich sein, wenn zugleich die sozialen Probleme der Bevölkerung gelindert oder beseitigt werden.

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