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Metropolregion

Eine Metropolregion (in der Schweiz auch Metropolraum oder Metropolitanraum) ist der mit einer Metropole verbundene Umlandraum. Metropolregionen werden als …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Abgrenzung
  2. 2. Zentrale Funktionen
  3. 3. Metropolregionen im weltweiten Vergleich
  4. 4. Metropolregionen in Deutschland
  5. 5. Schweizer Metropolräume
  6. 6. Gegenkonzept dezentraler Verwaltung

Begriff und Abgrenzung

Eine Metropolregion ist der mit einer Metropole eng verbundene Umlandraum. In der Schweiz wurden dafür auch die Begriffe Metropolraum und Metropolitanraum verwendet. Solche Regionen gelten als „Motoren“ der sozialen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung eines Landes, weil sich dort wichtige Einrichtungen, Verkehrswege, Unternehmen und vielfältige Beziehungen zwischen Stadt und Umland bündeln.

Eine Metropolregion ist weiter gefasst als eine Agglomeration. Eine Agglomeration besteht aus einer Kernstadt und ihrem suburbanen, meist dicht bebauten Vorortbereich, der auch Ballungsraum oder Speckgürtel genannt wird. Eine Metropolregion kann zusätzlich große ländliche Gebiete umfassen. Entscheidend ist, dass diese durch wirtschaftliche Verflechtungen oder Pendlerströme eng mit den Oberzentren verbunden sind. Die Zusammenarbeit innerhalb einer Metropolregion soll unter anderem die Planung von Städtebau- und Verkehrsprojekten verbessern.

Nicht gleichbedeutend ist die Europaregion oder Euregio: Damit wird eine Region bezeichnet, die sich über das Gebiet von mindestens zwei Staaten erstreckt. Eine Euregio wird nur selten Metropolregion genannt. Kleinere Großstädte mit etwa 100.000 bis 300.000 Einwohnern, die für ihr Umland ähnliche Aufgaben wie eine Metropole erfüllen, heißen Regiopolen; ihr Verflechtungsraum wird Regiopolregion genannt.

Der deutsche Raumordnungsbericht 2005 beschrieb Metropolregionen als „hochverdichtete Agglomerationsräume mit mehr als einer Million Einwohnern“, die sich bei Wertschöpfung, Wirtschaftskraft und Einkommen besonders dynamisch entwickeln und international stark eingebunden sind. Andere Institutionen verwenden jedoch andere Grenzen: METREX bezeichnet eine Agglomeration mit mehr als 500.000 Einwohnern als Metropolregion. Eurostat und die OECD verstehen darunter Functional Urban Areas, also funktional verbundene städtische Räume, mit mehr als 250.000 Einwohnern. Deshalb sind Einwohnerzahlen, Flächen und Ranglisten verschiedener Quellen nur eingeschränkt vergleichbar.

Zentrale Funktionen

Die Bedeutung einer Metropolregion lässt sich anhand von vier Funktionen beurteilen:

• Entscheidungs- und Kontrollfunktion: Politische und wirtschaftliche Einrichtungen sind stark konzentriert. Dazu gehören Regierungssitze, Hauptsitze oder wichtige Zweigstellen großer Unternehmen, internationale Organisationen und Nichtregierungsorganisationen.

• Innovations- und Wettbewerbsfunktion: Metropolregionen fördern gesellschaftliche, kulturelle und technologische Entwicklungen. Typisch sind zahlreiche Forschungs- und Wissenschaftseinrichtungen. Dank großer Theater, Stadien und anderer Infrastruktur können außerdem bedeutende Kultur- und Großveranstaltungen stattfinden.

• Gateway-Funktion: Die Region wirkt als international und national gut erreichbare „Drehscheibe“ für Menschen, Waren, Wissen und Informationen. Hinweise darauf sind internationale Flughäfen, große Verkehrsknotenpunkte, Messen und Standorte von Internet-Servern.

• Symbolfunktion: Metropolregionen bündeln historische, politische, kulturelle und städtebauliche Bedeutung und besitzen dadurch internationales Ansehen.

Metropolregionen im weltweiten Vergleich

Die Größe einer Metropolregion hängt stark von der verwendeten Abgrenzung ab. Als größte Metropolregion der Welt nennt der Artikel das Perlflussdelta um Shēnzhèn und Zhūhǎi einschließlich Guǎngzhōu, Fóshān, Dōngguǎn, Hongkong und Macau mit rund 74 Millionen Menschen im Jahr 2022. Die administrativ weiter gefasste Guangdong–Hong Kong–Macao Greater Bay Area hatte 2022 insgesamt 86,6 Millionen Einwohner. Für die Metropolregion Tokio werden 37,8 Millionen Menschen im Jahr 2023 genannt. Eine weitere Tabelle arbeitet mit Schätzungen und führt Guangzhou-Foshan mit 49,5 Millionen sowie Tokio mit 39,5 Millionen auf. Diese Unterschiede zeigen, dass die Angaben nicht unmittelbar vergleichbar sind.

METREX geht in der Europäischen Union von 120 Metropolregionen aus, in denen 60 % der Einwohner der Mitgliedstaaten leben und arbeiten. Nach engeren beziehungsweise unterschiedlich datierten Abgrenzungen gehören Moskau mit 19,1 Millionen Einwohnern (2024), Istanbul mit 15,9 Millionen (2024), London mit 14,9 Millionen (2024) und Paris mit 12,39 Millionen zu den größten europäischen Metropolregionen. Größere Städtekonglomerate werden teilweise zusätzlich geschätzt, etwa Rhein-Ruhr mit rund 13 Millionen Einwohnern (2022) und die Randstad mit rund 8,2 Millionen (2017).

Für Amerika nennt die Tabelle unter anderem São Paulo mit 33,6 Millionen, das Tal von Mexiko mit 27 Millionen und die New York Metropolitan Area mit 23,6 Millionen Einwohnern. In Asien folgen auf Guangzhou-Foshan und Tokio unter anderem Shanghai mit 39 Millionen, Jabodetabek um Jakarta mit 38,5 Millionen und Manila mit 37,8 Millionen. Die afrikanische Tabelle nennt Lagos mit 30 Millionen, Kairo mit 25 Millionen und Kinshasa-Brazzaville mit 17 Millionen. Die Angaben zu Nord- und Südamerika sowie Afrika sind im Artikel ausdrücklich als nicht hinreichend belegt gekennzeichnet; auch einzelne Rangfolgen stimmen nicht durchgehend mit den angegebenen Einwohnerzahlen überein.

Metropolregionen in Deutschland

Die Ministerkonferenz für Raumordnung (MKRO) hob 1995 erstmals die Bedeutung der „europäischen Metropolregionen“ in Deutschland hervor. Sie sollten als Motoren gesellschaftlicher, wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Entwicklung die Leistungs- und Konkurrenzfähigkeit Deutschlands und Europas sichern und den europäischen Integrationsprozess beschleunigen.

1995 bestimmte die MKRO zunächst sechs europäische Metropolregionen, 1997 kam eine weitere hinzu und 2005 nochmals vier. Damit bestanden elf europäische Metropolregionen in Deutschland. Sie wurden normativ, also durch politische Festlegung, und nicht ausschließlich nach tatsächlich vorhandenen Raumstrukturen abgegrenzt. Die Zuschnitte unterscheiden sich stark: Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg umfasst beispielsweise große ländliche Gebiete und weit voneinander entfernte Kernstädte, während andere Regionen enger begrenzt sind. Mehrere Regionen besitzen grenzüberschreitende Verflechtungen. Seit der Aufnahme kleinerer Regionen im Jahr 2005 war jede deutsche Stadt mit mehr als 400.000 Einwohnern Kernstadt einer Metropolregion; Dresden trat später aus der Metropolregion Mitteldeutschland aus.

Die Listen nennen unter anderem Rheinland mit 8,71 Millionen Einwohnern (2023), Berlin/Brandenburg mit 6,36 Millionen (2023), München mit 6,20 Millionen (2022), Frankfurt/Rhein-Main mit 5,94 Millionen (2023), Stuttgart mit 5,47 Millionen (2021), Hamburg mit 5,43 Millionen (2021) und das Ruhrgebiet mit 5,15 Millionen (2022). Hinzu kommen Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg, Nürnberg, Nordwest, Rhein-Neckar und Mitteldeutschland. Das Rheinland wird in der Tabelle seit 2017 als EMR geführt; eine eigene Zeile für das Ruhrgebiet nennt kein Anerkennungsjahr. Daher weicht diese Darstellung von der Aussage über elf EMR ab.

Mit Ausnahme des Ruhrgebiets sind die deutschen Metropolregionen im internationalen Vergleich dünn besiedelt. Sechs unterschreiten sogar den im Artikel genannten deutschen Durchschnitt von 229 Einwohnern je Quadratkilometer. Wegen unterschiedlicher Grenzziehungen sind Vergleiche nach Fläche, Bevölkerung und Wirtschaftskraft nur begrenzt aussagekräftig. Die zugrunde gelegten Kreisgrenzen und der gemeldete Stand vom 1. Juli 2012 können zudem von heutigen Abgrenzungen abweichen. Dresden ist mit etwa 545.000 Einwohnern die größte deutsche Stadt, die keiner Metropolregion angehört. Neben den global ausgerichteten Metropolregionen gibt es 41 Ballungsräume um kleinere Kernstädte; eine Studie der Universität Kassel identifizierte 2008 darunter 25 Regiopolen.

Schweizer Metropolräume

Das Schweizer Bundesamt für Statistik (BFS) legte im Jahr 2000 fünf Metropolräume fest: Zürich, Basel, Bern, Genf-Lausanne und Tessin. Einer Großagglomeration wurde eine Nachbaragglomeration zugerechnet, wenn mehr als ein Zwölftel ihrer Erwerbstätigen in der Großagglomeration arbeitete. Das BFS verwendet diese Raumgliederung und die Begriffe Metropole und Metropolraum inzwischen nicht mehr.

Nach der damaligen Einteilung hatte Zürich 1,68 Millionen Einwohner (2004), Basel 1,30 Millionen (2008), Genf-Lausanne 1,20 Millionen (2004), Bern 0,70 Millionen (2004) und Tessin 0,53 Millionen (2004). Insgesamt lebten ungefähr 5,0 Millionen Menschen in diesen Räumen, davon rund 4,5 Millionen in der Schweiz. Mehrere Räume überschritten Staatsgrenzen: Basel umfasste Teile der Schweiz, Frankreichs und Deutschlands; Genf-Lausanne schloss Teile Frankreichs ein, und der Tessiner Raum bezog Como in Italien ein.

Zürich ist als Finanz- und Handelsplatz, Medienzentrum, Bildungs- und Forschungsstandort sowie Verkehrsknotenpunkt das wichtigste Zentrum der Schweiz. Die damalige BFS-Region reichte von Schaffhausen bis Zug und von Baden bis Frauenfeld. Im Juli 2009 entstand der Verein Metropolitanraum Zürich zur regionalen Zusammenarbeit und zur Vertretung gemeinsamer Anliegen auf Bundesebene.

Basel bildet einen trinationalen Lebens- und Wirtschaftsraum mit Schwerpunkten in Life Sciences, Banken, Transport und Logistik, Messewesen und Kultur. Für den Raum bestehen auch Bezeichnungen wie metrobasel, RegioTriRhena, Trinationaler Eurodistrict Basel und Trinationale Agglomeration Basel; ihre Gebiete sind nicht völlig gleich. Genf-Lausanne ist ein bedeutender Finanzplatz, besitzt mit Genf-Cointrin einen internationalen Flughafen und beherbergt zahlreiche internationale Organisationen.

Die neuere BFS-Typologie „Raum mit städtischem Charakter 2012“ erfasste Agglomerationen anders. Von 2010 bis 2014 stieg die ständige Wohnbevölkerung der Schweiz von 7,8701 auf 8,2377 Millionen. Ende 2014 lebten 6,9591 Millionen Menschen in städtischen und 1,2786 Millionen in ländlichen Gebieten. Die größten Agglomerationen waren Zürich mit 1,3157 Millionen, Genf mit 570.200, Basel mit 537.100, Bern mit 406.900 und Lausanne mit 402.900 Einwohnern.

Gegenkonzept dezentraler Verwaltung

Ein Gegenkonzept zur zentralen Neuordnung von Metropolregionen entwickelte die Bloomington School, auch Indiana School genannt. Sie entstand als Gegenbewegung zum Metropolitan Reform Movement der 1970er Jahre. Dieses wollte Verwaltungsstrukturen und Verwaltungseinheiten in Metropolregionen zentralistisch neu planen. Die Bloomington School setzte sich dagegen dafür ein, bestehende, teilweise doppelte und scheinbar ineffiziente Strukturen zu erhalten. Vincent Ostrom stützte diese Position unter anderem mit empirischen Untersuchungen in „The Organization of Government in Metropolitan Areas“ von 1961. Die bekannteste Vertreterin war die Wirtschaftsnobelpreisträgerin Elinor Ostrom.

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