Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Slowenische Sprache
Konsonanten · vor Vokalen: [ʋ] · am Silbenende bzw. vor Konsonanten: [u] · am Silbenanfang vor einem stimmhaften Konsonanten: [w] · am Silbenanfang vor …
Inhalt6 Abschnitte
Einordnung und Verbreitung
Slowenisch (slovenščina oder slovenski jezik) ist eine südslawische Sprache und gehört damit zum slawischen Zweig der indogermanischen Sprachen. Es wird mit einer eigenen Variante des lateinischen Alphabets, der latinica, geschrieben; die Sprachwissenschaft dazu heißt Slowenistik. Insgesamt hat die Sprache 2,5 Millionen Sprecher.
Ungefähr zwei Millionen Menschen in Slowenien sprechen Slowenisch als Muttersprache. Dort ist es Amtssprache; seit dem 1. Mai 2004 ist es außerdem eine Amtssprache der Europäischen Union. Weitere Muttersprachler leben in Teilen Österreichs, besonders in Kärnten und der Steiermark, in Italien um Görz, im Resia-Tal, Kanaltal, Collio und Triest sowie in Westungarn im Komitat Vas. In Österreich gaben beim Census 2001 rund 18.000 Menschen Slowenisch als Muttersprache an. In Friaul-Julisch Venetien und Kärnten besitzt es ebenfalls amtlichen Status, in der Steiermark, Ungarn und Friaul-Julisch Venetien ist es als Minderheiten- oder Regionalsprache anerkannt.
Der kajkavische Dialekt des Kroatischen bildet einen offensichtlichen, fließenden Übergang vom Slowenischen zum Kroatischen. Ähnlichkeiten mit dem Slowakischen werden unter anderem mit Karantanien und den Awaren im 6.–8. Jahrhundert erklärt. Die ähnlich aussehenden Eigenbezeichnungen müssen unterschieden werden: Slovenščina heißt Slowenisch, slovenčina Slowakisch.
Entstehung und Entwicklung
Das Slowenische entstand historisch im Fürstentum Karantanien und im südlich gelegenen Carniola. Die Alpenslawen, aus denen die Slowenen später hervorgingen, waren keine klar abgrenzbare frühe Nation, sondern eine slawische Gruppe von der Donau bis zur Adria. Um 896 trennte die Landnahme der Magyaren die südlichen Westslawen in Tschechen und Slowaken einerseits sowie Slowenen andererseits. Karl der Große hatte 811 die Drau als Diözesangrenze zwischen Salzburg und Aquilea festgelegt. Die genaue Lage des Samo-Reiches und Karantaniens ist umstritten; für das heutige Tschechien und die Slowakei fehlen für 633/658–791 schriftliche Quellen.
Die Bezeichnung Slovenci ist erstmals 1550 in der Vorrede zu Primož Trubars Katechismus belegt. Trubar verstand darunter eine Sprachgemeinschaft, nicht den heutigen Nationsbegriff. Aus dem Mittelalter sind nur wenige Texte erhalten. Zu den frühesten zählen die um 1000 entstandenen Brižinski spomeniki („Freisinger Denkmäler“), drei homiletische und liturgische Schriften. Weitere Zeugnisse sind unter anderem die Klagenfurter Handschrift (1362–1390), die Sitticher Handschrift (1428–1440) und die Kranjski Rokopis mit weltlichen Eidesformeln um 1440.
Trubars Übersetzung des Neuen Testaments von 1582 und Jurij Dalmatins Bibelübersetzung von 1584 begründeten die moderne Schriftsprache in Krain, Kärnten und der Untersteiermark. Daneben entstanden das Prekmurische, das bis ins 20. Jahrhundert gebraucht wurde, und das bis heute verwendete Resianische als Schriftsprachen. Im 19. Jahrhundert entfernte eine puristische Sprachform gezielt Germanismen und übernahm Wörter aus anderen slawischen Sprachen. Die heutige Rechtschreibung mit č, š und ž wurde im Wesentlichen Mitte des 19. Jahrhunderts festgelegt; Stanislav Škrabec und Fran Ramovš kodifizierten die Sprache um die Wende zum 20. Jahrhundert.
Während der Besetzung 1941–1945 unterdrückten Deutschland, Italien und Ungarn den Gebrauch des Slowenischen. Seit 1945 war es im sozialistischen Jugoslawien gleichberechtigte Staatssprache; seit der Unabhängigkeit Sloweniens 1991 ist es dessen alleinige Amtssprache.
Dialekte, Laute und Betonung
Durch die gebirgige Topographie und die seltene politische Einheit des Sprachgebiets entstanden viele stark unterschiedliche Mundarten. Sie werden in sieben Gruppen zusammengefasst: Kärntner Slowenisch (Koroško), Steirer Slowenisch (štajersko), Oberkrainerisch (gorenjsko), Unterkrainerisch (dolenjsko), Primorsko im Küstenland, Prekmurščina im Übermurgebiet und Rovtarsko; zusätzlich wird Prleško für die Region Prlekija genannt. Resianisch ist ein slowenischer Dialekt in Friaul mit eigener Schriftsprache.
Das Phoneminventar umfasst 21 Konsonanten und 8 Vokale: /i/, /e/, /ɛ/, /ə/, /a/, /ɔ/, /o/ und /u/. Nach älterer Beschreibung unterschied die Vokallänge Bedeutungen. Für die Mehrheit der Sprecher ist sie nach neueren Analysen nicht mehr phonologisch distinktiv, also nicht mehr bedeutungsunterscheidend: Betonte Vokale sind lang, unbetonte kurz. Das unbetonte /e/ und /o/ kommt nur in wenigen Formen vor, etwa bo „wird“.
Bei der Aussprache verändern sich Konsonanten in ihrer Umgebung. Stimmhafte Obstruenten, also Verschluss-, Reibe- und Affrikatenlaute, werden am Wortende und vor stimmlosen Obstruenten stimmlos: slad [slaːt] „Malz“, sladkor [ˈslaːtkoɾ] „Zucker“. Vor folgendem Vokal oder stimmhaftem Konsonanten bleibt die Stimmhaftigkeit erhalten, etwa grad gori [ɡɾaːd ɡɔˈɾiː] „die Burg brennt“. Umgekehrt werden stimmlose Obstruenten vor stimmhaften stimmhaft: les [leːs] „Holz“, les gori [leːz ɡɔˈɾiː] „das Holz brennt“. /n/ wird vor /k/, /ɡ/ und /x/ zu [ŋ], /m/ und /n/ vor /f/ und /ʋ/ zu [ɱ]. /ʋ/ lautet vor Vokalen [ʋ], am Silbenende oder vor Konsonanten [u], am Silbenanfang vor stimmhaften Konsonanten [w] und vor stimmlosen [ʍ].
Die meisten modernen Beschreibungen behandeln Slowenisch nicht als Tonsprache; an Schulen und Hochschulen wird dieses System mit Vokallänge und Betonung gelehrt. Die Betonung kann auf jede Silbe fallen und wird gewöhnlich nicht geschrieben. Wissenschaftliche Texte markieren lange geschlossene Vokale mit Akut, lange offene mit Zirkumflex und kurze offene mit Gravis: péti „singen“ gegenüber pêti „fünfter“, svét „Welt“ gegenüber svèt „Rat“. Ältere Beschreibungen stellen Slowenisch dagegen als Tonsprache dar; dieses konservativere System beruht auf zentralen Dialekten, unter anderem Ljubljana und Kärntner Slowenisch. Die Tonunterschiede sind selbst Gebildeten meist nicht bewusst.
Grammatische Grundstruktur
Slowenisch ist eine flektierende Sprache: Endungen zeigen vor allem die Beziehungen der Wörter im Satz an. Dadurch ist die Satzstellung recht frei, üblich ist aber wie im Deutschen Subjekt–Prädikat–Objekt. Besonders wichtig ist der Dual (dvojina), die Zweizahl neben Singular und Plural, für Nomen und Verben. Beispiele sind grem „ich gehe“, greva „wir zwei gehen“ und gremo „wir alle gehen“ sowie klobuk „ein Hut“, klobuka „zwei Hüte“ und klobuki „mehr als zwei Hüte“. Umgangssprachlich und in Dialekten wird der Dual manchmal durch den Plural ersetzt.
Nomen werden nach Fall, Zahl und Geschlecht dekliniert; eine Endung drückt diese Eigenschaften gemeinsam aus. Die sechs erhaltenen Fälle sind Nominativ (Imenovalnik), Genitiv (Rodilnik), Dativ (Dajalnik), Akkusativ (Tožilnik), Lokativ (Mestnik) und Instrumental (Orodnik). Die Zahlen heißen Ednina, Dvojina und Množina. Es gibt Maskulin, Feminin und Neutrum; das grammatische Geschlecht stimmt nicht immer mit dem natürlichen Geschlecht überein. Insgesamt gibt es elf Deklinationen mit bedeutenden Ausnahmen. Beim Musterwort klobuk lautet der Nominativ Singular klobuk, Dual klobuka und Plural klobuki; im Genitiv stehen klobuka, klobukov und klobukov.
Adjektive stehen unmittelbar vor ihrem Nomen und stimmen in Fall, Zahl und Geschlecht mit ihm überein. Manche maskuline Adjektive unterscheiden im Nominativ bestimmte und unbestimmte Formen: nov avto bedeutet „neues Auto“, novi avto ungefähr „das neue Auto“. Grundsätzlich hat Slowenisch keine Artikel. Umgangssprachlich können aber en, ena, eno mit der unbestimmten Form oder ta mit dieser Form artikelähnlich gebraucht werden, etwa en nov kolega je prišel und ta nov kolega je simpatičen; in der Schriftsprache sollen en und ta hier weggelassen werden.
Das Verb besitzt Gegenwart, Vergangenheit, Vorvergangenheit und Zukunft; wegen ähnlicher Bildung wird auch der Konjunktiv genannt. Der Aspekt unterscheidet abgeschlossene von dauerhaften Handlungen. Aorist und Imperfekt sind im Slowenischen vollständig verschwunden und wurden durch das Perfekt in Verbindung mit der Aspekttrennung ersetzt. Nur im resianischen Dialekt ist der Aorist noch rudimentär erhalten.
Schrift und Aussprache
Das slowenische Alphabet basiert auf dem Lateinischen: A, B, C, Č, D, E, F, G, H, I, J, K, L, M, N, O, P, R, S, Š, T, U, V, Z, Ž. Q, W, X und Y kommen vor allem in fremdsprachigen Eigennamen und gelegentlich in Fremdwörtern vor. Fremd- und Lehnwörter werden meist angepasst, beispielsweise menedžer, rizling, apartma und nivo.
Wichtige Lautwerte für deutschsprachige Lernende sind: č wie „tsch“, š wie „sch“, ž wie französisches g in „Garage“, c wie deutsches z in „zeigen“, s wie ß und z als stimmhaftes s. h entspricht dem ch in „Dach“. Die Betonung und die verschiedenen Aussprachen besonders von e und o werden nicht in der Rechtschreibung markiert. e kann offen, geschlossen, kurz, lang oder als Schwa gesprochen werden; o kann offen oder geschlossen sowie kurz oder lang sein. i und u sind immer geschlossen, können aber wie a kurz oder lang sein.
Die Kombinationen lj und nj werden im Standardslowenischen ohne folgenden Vokal als [l] und [n] gesprochen, mit folgendem Vokal zusätzlich mit j: Kranj [kran], aber Kranja [kranja]. Anders als im Serbischen und Kroatischen zählen l beziehungsweise n und j als getrennte Buchstaben. Silbenbildendes r wird mit einem vorausgehenden Schwa gesprochen: prt „Tuch“ lautet [pərt]. Die Präpositionen v, z/s und k/h sind Klitika, also unbetonte Wörter, die mit dem folgenden Nomen als ein Wort gesprochen werden.
Wortschatz und Beispieltext
Der größte Teil des Wortschatzes besteht aus Erbwörtern aus dem Altslawischen. Dazu kommen Entlehnungen aus Griechisch, Latein, Französisch, Italienisch, Deutsch und Englisch, teils über das Deutsche vermittelt. Beispiele sind Literatura, cesar „Kaiser“, violončelo, špageti, krompir „Kartoffel“, deka „Decke“, špura „Spur“, šport und kombajn „Mähdrescher“. In der Umgangssprache werden zahlreiche deutsche Lehnwörter verwendet, die die Schriftsprache vermeidet, etwa lojtra statt lestev „Leiter“, štenge statt stopnice „Treppe“ und avspuh statt izpušna cev „Auspuff“.
Aus dem Slowenischen übernahm das Deutsche unter anderem Kren von hren. Bei Jause, Doline, Polje und Ponor wird zusätzlich angegeben, dass die Übernahme auch über Serbisch/Kroatisch/Bosnisch erfolgt sein kann.
Als Beispielsatz steht Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte: „Vsi ljudje se rodijo svobodni in imajo enako dostojanstvo in enake pravice. Obdarjeni so z razumom in vestjo in bi morali ravnati drug z drugim kakor bratje.“ Die deutsche Fassung lautet: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen.“