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Tschechische Sprache
[…] so entsteht ein Doppellaut oder Diphthonge. Wir haben sechs solche Doppellaute: au, ay (áy), ey, iy, oy, uy (ůy).“ und „§. 20. Die Böhmen haben sechs …
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Einordnung, Status und Verbreitung
Tschechisch (čeština bzw. český jazyk; veraltet „böhmische Sprache“) gehört zum westslawischen Zweig der indogermanischen Sprachfamilie. Es wird in lateinischer Schrift geschrieben und ist eng mit dem Slowakischen verwandt. Die Sprachwissenschaft, die sich mit dem Tschechischen befasst, heißt Bohemistik.
Für 2016 werden rund 10,6 Millionen Muttersprachler genannt, davon etwa 10,4 Millionen in Tschechien. Die Übersicht des Artikels nennt insgesamt 13,4 Millionen Sprecher. Tschechisch ist Amtssprache Tschechiens und seit dem 1. Mai 2004 eine Amtssprache der Europäischen Union. Als Minderheiten- oder Regionalsprache ist es in Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Österreich, Polen, Rumänien und der Slowakei anerkannt. Die Sprachcodes lauten ISO 639-1: cs, ISO 639-2: cze beziehungsweise ces und ISO 639-3: ces.
Außerhalb Tschechiens leben dem Artikel zufolge mehr als 57.000 Tschechischsprecher in Deutschland, 47.500 in den Vereinigten Staaten – mit einer besonders großen Gemeinschaft in Texas –, 35.000 Muttersprachler in der Slowakei und 17.700 Sprecher in Österreich, überwiegend Wiener Tschechen. Weitere Minderheiten leben im rumänischen und serbischen Banat sowie im polnischen Grenzgebiet.
Tschechisch und Slowakisch sind gegenseitig relativ problemlos verständlich. Jüngere Menschen, die erst nach der Teilung der Tschechoslowakei sprachlich sozialisiert wurden, haben dabei teilweise größere Schwierigkeiten. In beiden Staaten werden amtliche Dokumente in der jeweils anderen Sprache automatisch anerkannt; das Recht, sie im Amtsverkehr zu verwenden, regeln in der Slowakei das Minderheitssprachengesetz 184/1999 Zb. und in Tschechien das Verwaltungsordnungsgesetz 500/2004 Sb. Fernsehsendungen in der jeweils anderen Sprache werden gewöhnlich nicht übersetzt.
Entwicklung und Sprachformen
Die erste slawische Schriftsprache im heutigen tschechischen Sprachgebiet war das Altkirchenslawische, das Kyrill und Methodius ab 863 in Großmähren einführten und mit der glagolitischen Schrift schrieben. Die ältesten Belege des Alttschechischen stammen aus dem 12. und 13. Jahrhundert. Um 1400 schuf Jan Hus eine am damaligen Prager Dialekt orientierte Schriftsprache und führte zur genaueren Lautdarstellung háček und čárka ein. Das Neue Testament wurde 1475 erstmals auf Tschechisch gedruckt, die gesamte Bibel 1488. Die sechsteilige Kralitzer Bibel erschien von 1579 bis 1594.
Nach der Schlacht am Weißen Berg 1620 wurde Tschechisch unter Gegenreformation und Habsburgerherrschaft zunehmend vom Deutschen zurückgedrängt. Während der „Nationalen Wiedergeburt“ von 1780 bis 1848 formten vor allem Josef Dobrovský, Josef Jungmann, Jan Kollár und Pavel Jozef Šafárik die moderne Schriftsprache nach dem Vorbild des 16. Jahrhunderts. 1880 erhielt Tschechisch in Böhmen und Mähren wieder den Rang einer Amtssprache, blieb aber bis zum Ende der Donaumonarchie gegenüber dem Deutschen nicht vollständig gleichberechtigt.
Die geregelte Standardsprache heißt spisovná čeština und wird etwa in Nachrichten und Festreden verwendet. Die tatsächliche Alltagssprache weicht in Aussprache und Grammatik oft deutlich davon ab. Das vor allem in Böhmen verbreitete Gemeinböhmisch (obecná čeština) ist kein einzelner Ortsdialekt, sondern eine überregionale Umgangssprache; manche Sprachwissenschaftler bezeichnen es als Interdialekt. Unterschieden werden eine böhmische, eine zentralmährische, eine ostmährische und eine schlesische Dialektgruppe. In den nach 1945/1946 neu besiedelten Grenzgebieten ist die Zuordnung uneinheitlich. Viele ursprüngliche Dialekte wurden seit dem 17. Jahrhundert und verstärkt durch die Medien im 20. Jahrhundert von einer gemeinsamen Umgangssprache verdrängt. Zu den besonderen Formen gehören die Brünner Umgangssprache Hantec und eine alte Sprachform der tschechischen Minderheit im Banat.
Schrift und Aussprache
Das tschechische Alphabet basiert auf dem lateinischen Alphabet und verwendet zusätzliche diakritische Zeichen. Es lautet: A, Á, B, C, Č, D, Ď, E, É, Ě, F, G, H, Ch, I, Í, J, K, L, M, N, Ň, O, Ó, P, Q, R, Ř, S, Š, T, Ť, U, Ú, Ů, V, W, X, Y, Ý, Z, Ž. Č, Ch, Ř, Š und Ž gelten beim Sortieren als eigene Buchstaben; Ch folgt auf H. Andere Buchstaben mit Zusatzzeichen werden wie der zugehörige Grundbuchstabe eingeordnet. Unterscheiden sich zwei Wörter nur durch das Zeichen, steht die einfache Form zuerst, etwa pas („Pass“) vor pás („Gürtel“).
Die Betonung liegt grundsätzlich auf der ersten Silbe des phonetischen Wortes. Bei einer Verbindung mit einer Präposition fällt sie daher auf die Präposition, etwa do školy [ˈdɔʃkɔli]. Der Unterschied zwischen betonten und unbetonten Silben ist kleiner als im Deutschen.
Die čárka, also der Akut, kennzeichnet lange Vokale: á, é, í, ó, ý und ú. Auch ů ist lang; sein Zeichen heißt kroužek. Vokallänge und Betonung sind voneinander unabhängig. Der háček verändert unter anderem s [s] zu š [ʃ] und erweicht d, t, n und r. Ě wird grundsätzlich wie je gesprochen, erweicht aber nach d, t und n den vorhergehenden Konsonanten; nach m lautet die Aussprache [mɲɛ]. Auch vor i werden d, t und n weich gesprochen. Die Buchstabenfolge ck bezeichnet stets zwei getrennte Laute.
Wichtige Lautwerte sind c [ts], č [tʃ], ch [x], j [j], š [ʃ], ž [ʒ], ň [ɲ], ť [c] und ď [ɟ]. H wird als [ɦ] gesprochen und ist nie stumm. R ist ein Zungenspitzen-r; das charakteristische ř [r̝] verbindet Eigenschaften eines gerollten r mit einem Reibelaut. S wird immer stimmlos [s], z stimmhaft [z] ausgesprochen.
Lautsystem und Rechtschreibung
Das Tschechische unterscheidet kurze und lange Vokale: a/á, e/é, i/í, o/ó, u/ú beziehungsweise ů sowie y/ý. I und y beziehungsweise í und ý klingen jeweils gleich; i und í können jedoch vorausgehendes d, t oder n palatalisieren, also erweichen, y und ý nicht. Ě [jɛ] besitzt keine lange Entsprechung und erweicht ebenfalls vorausgehendes d, t und n. Langes ó kommt hauptsächlich in Fremdwörtern wie balkón oder in Interjektionen wie Ó! vor. Für langes u steht am Wortanfang ú, im Wortinneren meist ů, etwa únor („Februar“) und Bůh („Gott“); Fremdwörter und Formen nach Präfixen können davon abweichen.
R, l und selten m können silbenbildend sein. Deshalb existieren Wörter ohne geschriebenen Vokal, etwa krk („Hals“) und der bekannte Satz Strč prst skrz krk.
Die heutigen Diphthonge, also innerhalb einer Silbe gleitend verbundene Vokale, sind ou, au und eu. Ou kommt auch in einheimischen Wörtern und Eigennamen vor; au und eu erscheinen nur in Fremdwörtern oder Interjektionen. Beispiele sind auto [ˈaʊ̯tɔ], louka [ˈloʊ̯ka] („Wiese“) und leukemie [ˈlɛʊ̯kɛːmɪjɛ]. Treffen Vokale an einer Silbengrenze aufeinander, bilden sie keinen Diphthong und werden bei sorgfältiger Aussprache durch einen Glottisschlag getrennt, etwa použít [ˈpoʔʊʒiːt].
Für die Rechtschreibung werden Konsonanten traditionell in harte, weiche und neutrale eingeteilt. Nach h, ch, g, k, r, d, t und n wird der Laut [i] grundsätzlich mit y geschrieben; wenige Fremdwörter wie chirurg, kilometr und kino bilden Ausnahmen. Zu den weichen Konsonanten gehören ž, š, č, ř, c, j, ď, ť und ň. Neutral sind b, f, l, m, p, s, v und z; nach ihnen steht in „ausgewählten Wörtern“ und einigen Fremdwörtern y, sonst i. Tschechische Grundschüler lernen diese Wörter deshalb eigens auswendig.
Bei der Flexion können Konsonanten wechseln. So wird beispielsweise český žák im Plural zu čeští žáci („der tschechische Schüler“ beziehungsweise „die tschechischen Schüler“). Weitere Wechsel zeigen Praha – v Praze – Pražský („Prag – in Prag – Prager“) und ucho – uši („Ohr – Ohren“).
Grammatik
Tschechisch ist eine stark flektierende Sprache: Grammatische Funktionen werden durch Endungen und teilweise durch Veränderungen des Wortstamms ausgedrückt. Die Wortstellung ist relativ frei und kann stilistische Unterschiede markieren.
Substantive werden im Singular und Plural nach sieben Fällen dekliniert: Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ, Vokativ, Lokativ und Instrumental. Es gibt die Genera Maskulinum, Femininum und Neutrum; bei maskulinen Wörtern wird zusätzlich zwischen belebt und unbelebt unterschieden. Die Schriftsprache besitzt keine bestimmten oder unbestimmten Artikel. Umgangssprachlich können ten, ta und to („dieser, diese, dieses“) eine artikelähnliche Funktion übernehmen.
Viele Adjektive und Partizipien haben eine lange und eine kurze, jeweils nach Genus, Numerus und Kasus flektierte Form. Die kurze Adjektivform dient als Prädikativ und erscheint vor allem im gehobenen Stil. Bei Partizipien kann die Form die Bedeutung des Passivs unterscheiden: okno bylo zavřeno bedeutet als Vorgangspassiv „das Fenster wurde geschlossen“, okno bylo zavřené als Zustandspassiv „das Fenster war geschlossen“.
Verben werden nach Person, Numerus und Tempus konjugiert. Besonders wichtig ist der Aspekt: Die meisten Verben bilden ein imperfektives, also unvollendetes oder wiederholtes, und ein perfektives, also vollendetes oder einmaliges Gegenstück. Nur imperfektive Verben haben ein echtes Präsens; die Präsensform perfektiver Verben bezeichnet die Zukunft. Ein imperfektives Futur wird mit být („sein“) umschrieben. Das Präteritum wird ebenfalls mit být gebildet und ist in beiden Aspekten möglich. Beim imperfektiven dělat („tun“) heißen Formen beispielsweise dělám („ich tue“), dělal/dělala jsem („ich tat“) und budu dělat („ich werde tun“). Beim perfektiven udělat bedeutet udělám bereits „ich werde tun“. Weitere Kategorien sind Modus – Indikativ, Imperativ und Konditional – sowie Aktiv und Passiv.
Adverbien bezeichnen unter anderem Ort, Zeit, Art und Weise, Unbestimmtheit oder Verneinung. Von Adjektiven abgeleitete Formen enden häufig auf -e oder -ě, nach -ký auch auf -ce oder -o, nach -rý auf -ře und nach -cký oder -ský auf -ky, etwa český – česky. Die regelmäßige Steigerung verwendet -eji und für den Superlativ nej-, etwa rychle – rychleji – nejrychleji. Unregelmäßig sind beispielsweise dobře – lépe – nejlépe und špatně – hůř(e) – nejhůř(e).
Die Zahlen 21 bis 99 können in zwei Reihenfolgen gesprochen werden, etwa dvacet tři („zwanzig drei“) oder třiadvacet („dreiundzwanzig“). Nach unbestimmten Zahlwörtern und bestimmten Zahlen ab pět („fünf“) steht ein Substantiv im Nominativ, Genitiv oder Akkusativ des Zahlworts im Genitiv Plural: čtyři hrady, aber pět hradů („vier/fünf Burgen“). In anderen Fällen stimmen Zahlwort und Substantiv regulär überein, etwa na pěti hradech.
Namen, Sprachkontakt und Beispiel
Weibliche Familiennamen erhalten gewöhnlich die Endung -ová. Bei adjektivischen Namen auf -ý tritt stattdessen -á ein: Die weibliche Form von Tichý lautet Tichá. Namen wie Martinů bleiben unverändert. Die Bildung mit -ová geht ursprünglich auf ein Possessivadjektiv zurück und wird teilweise als sexistisch kritisiert. Sie wird auch auf ausländische Namen angewandt, etwa Angela Merkelová. Seit einer Parlamentsentscheidung von 2021 dürfen alle Frauen, auch bei tschechischen Namen, die unveränderte Form wählen. Weibliche und männliche Namen werden dekliniert, was bei der freien Wortstellung grammatische Beziehungen verdeutlicht: To je Steffi Grafová („Das ist Steffi Graf“) und Vidím Steffi Grafovou („Ich sehe Steffi Graf“). Geografische Namen auf -o sind Neutra, etwa Slovensko; viele Ortsnamen auf -vice oder -nice sowie Čechy und Hradčany sind grammatische Pluralformen.
Durch den langen deutsch-tschechischen Kontakt übernahm das Tschechische zahlreiche deutsche Wörter. Fest in der Standardsprache verankert sind beispielsweise brýle („Brille“), cíl („Ziel“), knedlík („Knödel“), muset („müssen“), šunka („Schinken“) und taška („Tasche“). Andere erscheinen vor allem im Gemeintschechischen, darunter flaška („Flasche“), kšeft („Geschäft“) und das vulgäre hajzl („Toilette“).
Umgekehrt gelangten tschechische Wörter ins Deutsche. Allgemein verbreitete Beispiele sind „Haubitze“ von houfnice, „Petschaft“ von pečeť, „Quark“ von tvaroh, „Zwetschge“ von švestka und „Roboter“. Letzteres geht auf robota („Fronarbeit“) zurück, wurde von Josef Čapek geprägt und 1920 erstmals in Karel Čapeks Drama R.U.R. veröffentlicht. Besonders im österreichischen Deutsch finden sich Wörter aus der böhmischen Küche und Alltagssprache, etwa „Buchtel“ von buchta, „Kolatsche“ von koláče, „Kren“ von křen, „Powidl“ von povidla und „Sliwowitz“ von slivovice.
Ein Sprachbeispiel ist Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte: „Všichni lidé rodí se svobodní a sobě rovní co do důstojnosti a práv. Jsou nadáni rozumem a svědomím a mají spolu jednat v duchu bratrství.“ Die angegebene deutsche Übersetzung lautet: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen.“