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Sinfonie
Die Sinfonie oder Symphonie (von griechisch σύμφωνος sýmphōnos ‚zusammenklingend', ‚harmonisch') ist eine zentrale Gattung der Instrumentalmusik.
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Begriff und Grundform
Die Sinfonie oder Symphonie ist eine zentrale Gattung der Instrumentalmusik. In ihrer klassischen Form ist sie ein Orchesterwerk aus mehreren, meist vier Sätzen. Diese Form entstand im 18. Jahrhundert nach dem Vorbild der Sonate. Bis ins 20. Jahrhundert nahm die Sinfonie eine dominierende Stellung innerhalb der Orchestermusik ein.
Ein Satz ist ein in sich gegliederter Teil eines größeren Musikwerks. Die einzelnen Sätze einer Sinfonie unterscheiden sich meist in Tempo, Form, Charakter und teilweise auch in der Tonart, bilden aber zusammen einen musikalischen Gesamtzusammenhang.
Von der Sinfonia zur selbstständigen Gattung
Seit dem Ende des 16. Jahrhunderts bezeichnete der italienische Begriff Sinfonia zunächst allgemein ein Orchesterstück, selten auch ein Stück mit Gesang, ohne eine festgelegte Form. Solche Stücke erschienen in Kirchenmusik, Oper, Ballett und Kammermusik. Sie dienten beispielsweise als Ouvertüre, also als Einleitung, als Zwischenaktmusik oder zur musikalischen Darstellung eines Geschehens wie einer Schlacht. Johann Sebastian Bach verwendete die Bezeichnung unter anderem für instrumentale Eröffnungssätze in Kantaten, für den Beginn seiner Partita Nr. 2 und für dreistimmige Klavierstücke.
Als wichtiger Vorläufer der klassischen Sinfonie gilt die Ouvertüre der neapolitanischen Opera seria. Sie bestand aus drei Teilen mit der Tempofolge schnell – langsam – schnell. Ab etwa 1730 löste sich diese Opernsinfonia von ihrer Funktion innerhalb der Oper und wurde als eigenständiges Konzertwerk aufgeführt. Dabei wurde sie erweitert und musikalisch gründlicher ausgearbeitet.
Im ersten Satz entstand allmählich die Anlage der Sonatensatzform. Anfangs war dieser Satz monothematisch, also von einem einzigen Thema geprägt; später kam ein zweites Thema hinzu. Bei der Verbreitung nach Nordeuropa wurde die ursprünglich dreisätzige Form häufig um ein Menuett vor dem letzten Satz ergänzt. Diese Entwicklung zeigt sich besonders in der frühen Wiener Schule, der Mannheimer Schule und der Norddeutschen Schule.
Zugleich verlor der Generalbass, eine durchgehende Bass- und Harmoniestimme der Barockmusik, seine beherrschende Rolle. An seine Stelle trat der Oberstimmensatz mit einer vorherrschenden Melodie. Die Streicher wurden zum Zentrum des Orchesters. Blasinstrumente – meist 2 Oboen, 2 Hörner und 1 Fagott – begleiteten zunächst oder verstärkten die Basslinie, übernahmen später aber selbstständige Aufgaben. Kennzeichnend waren außerdem regelmäßige Taktgruppen, veränderbare Themen, deutliche Kontraste statt eines einheitlichen Affekts sowie die sogenannten Mannheimer Manieren, besondere dynamische und melodische Ausdrucksmittel.
Klassisches Modell und Beethovens Erweiterungen
Die klassische Sinfonie besteht meistens aus vier Sätzen:
• Der erste Satz, der Kopfsatz, ist schnell, steht in der Grundtonart oder Tonika und folgt meist der Sonatensatzform. In ihr werden gewöhnlich zwei gegensätzliche Themen vorgestellt und verarbeitet: Hauptthema und Seitenthema. Eine langsame Einleitung ist möglich.
• Der zweite Satz ist langsam oder gemäßigt. Er kann als Liedform, Sonatensatzform oder Variationenform gestaltet sein. Meist steht er in einer verwandten Tonart, etwa der Dominante, Subdominante oder Paralleltonart.
• Der dritte Satz ist entweder ein mittelschnelles Menuett mit Trio oder ein schnelles bis sehr schnelles Scherzo. Er steht üblicherweise in der Grundtonart.
• Der vierte Satz, das Finale, ist schnell und steht ebenfalls meist in der Grundtonart. Häufige Formen sind Sonatensatz, Rondo und Sonatenrondo. Ein Rondo lässt einen wiederkehrenden Hauptteil mit unterschiedlichen Zwischenteilen abwechseln.
Joseph Haydn gilt als Schöpfer der klassischen Sinfonie. Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts fasste er vorhandene Ansätze zusammen und verhalf der Gattung mit über 100 Sinfonien zu europäischem Ruhm. Wolfgang Amadeus Mozart komponierte über 50 Sinfonien. Unter Haydns Einfluss gewann besonders der musikalische Satz seiner letzten Sinfonien an dichter Ausarbeitung.
Ludwig van Beethoven führte diese Tradition fort, verwandelte seine 9 Sinfonien aber jeweils in individuelle Lösungen und wurde zum wichtigsten Bezugspunkt der Romantik. Seine thematisch-motivische Arbeit verknüpft musikalische Motive, also kurze prägnante Elemente, so dicht miteinander, dass ein starker Zusammenhang zwischen allen Teilen entsteht. Vor allem die Kopfsätze erhalten dadurch intensive Kontraste und teilweise eine dramatische Konflikthaftigkeit.
Beethoven vergrößerte das Orchester und gab besonders den Blechbläsern häufiger melodische Aufgaben. Er verwendete unter anderem zusätzliche Hörner, Posaunen, Piccoloflöte, Kontrafagott sowie erweitertes Schlagwerk. Auch die Satzfolge und die Übergänge veränderte er: In der 9. Sinfonie steht das Scherzo vor dem langsamen Satz; in der 5. sind die letzten beiden und in der 6. die letzten drei Sätze ohne Unterbrechung verbunden. Die 6. Sinfonie umfasst fünf Sätze. Die 9. Sinfonie setzt im Finale zusätzlich Gesangssolisten in der Besetzung SATB – Sopran, Alt, Tenor und Bass – sowie einen Chor ein.
Weitere Neuerungen betreffen kühnere Harmonik, ausgedehnte Durchführungen und Codas sowie Rückbezüge auf frühere Sätze. Beethovens Sinfonien dauern ungefähr 25 bis 75 Minuten. In der 6. Sinfonie, der Pastorale, erscheinen außermusikalische Naturbezüge wie Vogelrufe, ein Bach, Gewitter und Sturm sowie die Nachahmung einer Dorfkapelle. Im Finale der 9. Sinfonie vertonte Beethoven Friedrich Schillers Gedicht An die Freude und verband es mit Zitaten aus den drei vorherigen Sätzen. Diese Verbindung von Sinfonie und Gesang wurde später unter anderem von Felix Mendelssohn und Gustav Mahler fortgeführt.
Romantische Vielfalt
Im 19. Jahrhundert entstand ein Spannungsverhältnis zwischen dem neuen romantischen Ausdruck und der überlieferten klassischen Form. Ein Teil der Komponisten führte die Sinfonie in romantischer Tonsprache weiter. Dazu gehören Franz Schubert, Felix Mendelssohn Bartholdy, Robert Schumann, Johannes Brahms, Pjotr Iljitsch Tschaikowski, Antonín Dvořák, Niels Wilhelm Gade und Jean Sibelius. Bei mehreren von ihnen zeigen die Werke ein nationales Kolorit, also musikalische Merkmale, die mit bestimmten nationalen Traditionen verbunden sind.
Daneben entwickelte sich, ausgehend von Hector Berlioz’ Symphonie fantastique, die Programmsinfonie. Sie verbindet Musik mit einem außermusikalischen, häufig literarischen oder philosophischen Programm. Eng damit verwandt ist die Sinfonische Dichtung, die solche Ideen mit neuen Formen und Klangfarben des Orchesters verbindet; wichtige Vertreter waren Franz Liszt und Richard Strauss.
Anton Bruckners Sinfonien wurden besonders von Beethoven, Schubert und Richard Wagner beeinflusst, besitzen aber eine eigenständige Gestalt. Da Bruckner seine Werke auf Anraten von Schülern und Freunden mehrfach überarbeitete, existieren von einigen Sinfonien verschiedene Fassungen. Gustav Mahler knüpfte teilweise an Bruckner an und erweiterte Umfang und Besetzung stark. Seine Sinfonien können Solo- und Chorstimmen, Fernorchester und Instrumente wie Harfe, Orgel, Harmonium, Celesta, Gitarre, Mandoline, Flügelhorn und Tenorhorn einbeziehen.
Die romantische Sinfonie entfernte sich zunehmend vom klassischen Schema. Satzfolge und Satzzahl wurden veränderlich. Durch Chromatik, also die stärkere Verwendung leiterfremder Halbtöne, und Enharmonik, bei der gleich klingende Töne unterschiedlich notiert und harmonisch gedeutet werden, wurde die Harmonik komplexer. In der Sonatensatzform verlor die Beziehung zwischen Tonika und Dominante zugunsten von Terzverwandtschaften an Bedeutung. Neben Haupt- und Seitenthema trat teilweise ein drittes eigenständiges Thema, erstmals in Schuberts Großer C-Dur-Sinfonie von 1828. Zudem konnten Motive und Themen mehrere Sätze miteinander verbinden und so die gesamte Sinfonie als einheitlichen, zugleich differenzierten Organismus gestalten. Die Verbindung des vergrößerten Orchesters mit Gesang führte mitunter zur Sinfoniekantate.
Sinfonien seit dem 20. Jahrhundert
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts gibt es kaum noch einen einheitlichen Begriff davon, wie eine Sinfonie gestaltet sein muss. Zwar entstanden weiterhin Sinfonien, insgesamt jedoch in abnehmender Zahl. Ihre Stilistik, Orchesterbesetzung und Spieldauer unterscheiden sich stark. Damit blieb die Bezeichnung erhalten, ohne weiterhin verbindlich an die klassische viersätzige Form gebunden zu sein.
Die große Bandbreite zeigen unter anderem Anton Weberns Symphonie op. 21, Hanns Eislers Deutsche Sinfonie op. 50 und Bernd Alois Zimmermanns Sinfonie in einem Satz. Andere Komponisten schufen umfangreiche sinfonische Werkgruppen, etwa Dmitri Schostakowitsch mit 15, Nikolai Mjaskowski mit 27, Alan Hovhaness mit 67, Mieczysław Weinberg mit 22 und Allan Pettersson mit 17 Sinfonien. Zu den weiteren bedeutenden Sinfonikern des 20. und 21. Jahrhunderts zählen unter anderem Sergei Prokofjew, Sergei Rachmaninow, Bohuslav Martinů, Karl Amadeus Hartmann, Arthur Honegger, Hans Werner Henze, Darius Milhaud, Peter Maxwell Davies, Philip Glass, Krzysztof Penderecki, Alfred Schnittke, Witold Lutosławski, Heitor Villa-Lobos, Ralph Vaughan Williams, Edward Elgar, Charles Ives, Paul Hindemith, Igor Strawinsky und Wolfgang Rihm.