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Sonate
Sonate oder Sonata (italienisch, abgeleitet von lateinisch sonare ‚klingen' bzw. ‚ein Instrument erklingen lassen') ist die Bezeichnung für eine …
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Begriff und Grundtypen
Eine Sonate ist eine Kompositionsgattung der Instrumentalmusik für ein einzelnes Instrument oder eine meist kleine kammermusikalische Besetzung. Je nach Anzahl der Ausführenden unterscheidet man Solosonaten für ein Instrument, Duosonaten, etwa für ein Streich- oder Blasinstrument plus Klavier, und Triosonaten. Mehrsätzige Sonaten für Orchester werden auch als Sinfonien bezeichnet.
Die Sonate ist besonders durch ihre Entwicklung mehrerer kontrastierender Sätze und durch die Tonartenordnung geprägt. In der klassischen Sonate ist vor allem der erste Satz wichtig, weil er häufig in der Sonatensatzform steht.
Entwicklung bis zur Klassik
Gegen Ende des 16. Jahrhunderts war „Sonata“ zunächst eine allgemeine Bezeichnung für Instrumentalstücke ohne festgelegtes Formschema. Die ältesten Sonaten wurden von mehreren Instrumenten wie Violinen, Violen, Zinken und Posaunen gespielt. Ihr Schwerpunkt lag auf harmonischer Fülle. Bei Giovanni Gabrieli und von ihm beeinflussten Komponisten wirkten teilweise mehrere Chöre zusammen; diese Stilrichtung wird als Venezianische Mehrchörigkeit bezeichnet. Häufig dienten Sonaten als Einleitung zu einem kirchlichen Gesangswerk oder zu einer Kantate. Bekannt ist Gabrielis „Sonata pian’ e forte“ von 1597, deren Titel bereits eine dynamische Differenzierung anzeigt.
Ab 1610 übertrug Giovanni Paolo Cima die Form auf die Solosonate für Soloinstrument und Basso continuo sowie auf die Triosonate für zwei Soloinstrumente und Basso continuo. Es folgte eine experimentelle Phase mit wechselnden Tempi, Taktarten und Satzarten. Typisch waren dialogisierende Oberstimmen, Imitationen, Scheinpolyphonie durch Selbstimitation, rezitativische Soli und Tänze. Die Instrumente wurden zunehmend idiomatisch und virtuos behandelt. Wichtige Komponisten waren Biagio Marini, Giovanni Battista Fontana und Dario Castello.
Ab etwa 1650 verband sich konsequentere Imitation mit einer Formbildung aus tonalen Spannungen. Mehrgliedrige Themen und ihre Imitationen konnten den Bewegungsimpuls über ganze Abschnitte tragen. Neben Giovanni Legrenzi sind Maurizio Cazzati und Marco Uccellini zu nennen. Arcangelo Corelli leitete die folgende klassizistische Phase. Die Sonaten wurden nun in einzelne Sätze gegliedert, die durch eine sorgfältige Tonartendisposition verbunden waren.
Man unterschied zwei Typen von Triosonaten. Die Sonata da chiesa bestand gewöhnlich aus einer langsamen Einleitung, einem lose fugierten Allegro, einem sanglichen langsamen Satz und einem lebhaften Finale in zweiteiliger Form. Dieses Schema war nicht starr und wurde erst in den Werken Händels und Bachs zur besonders prägenden Sonatenform. Die Sonata da camera bestand dagegen überwiegend aus stilisierten Tanzsätzen und entwickelte sich zur Suite, Partita, Ordre oder Ouvertüre weiter. Bei Bach lassen sich beide Typen trotz anderer Bezeichnungen unterscheiden: In seinen sechs Sonaten für Violine solo gelten die Nummern 1, 3 und 5 als Kirchensonaten; die Nummern 2, 4 und 6 heißen Partita und können als Kammersonaten betrachtet werden.
Der Name Sonate wurde erstmals 1605 durch Adriano Banchieri auf Klavierwerke ähnlicher Gestaltung übertragen. Der erste Sammelband erschien 1645 bei Gian Pietro del Buono. Bekannter wurden Johann Kuhnaus „Biblische Historien“ von 1700. Auch Silvius Leopold Weiss komponierte Sonaten.
In der Klassik wurde die Polyphonie zunehmend abgelöst. Vorbereitet durch Domenico Scarlatti entwickelten besonders Carl Philipp Emanuel Bach und Joseph Haydn eine Sonatenform, deren erster Satz oder Kopfsatz in Sonatensatzform geschrieben ist. Haydn, Mozart, Clementi und Beethoven übertrugen diese Form auf verschiedene kammermusikalische Besetzungen und auf das Orchester. Trotz gleicher Form blieb die Bezeichnung „Sonate“ jedoch der Kammermusik vorbehalten; für Orchesterwerke verwendet man „Sinfonie“.
Aufbau und Satzfolge
Das häufigste Modell der klassischen Sonate umfasst vier Sätze. In der Frühphase wurden der zweite und dritte Satz auch vertauscht, etwa bei Haydns ersten vier der sechs Streichquartette op. 33 von 1781. Seit Beethoven wurde diese Vertauschung gelegentlich erneut verwendet: Dann steht an zweiter Stelle das Menuett oder Scherzo und an dritter Stelle der langsame Satz.
Die typische Reihenfolge ist:
- erster Satz: Kopfsatz in Sonatensatzform
- zweiter Satz: langsamer Satz
- dritter Satz: Menuett oder Scherzo
- vierter Satz: Finale
Frühe Sonaten können ohne Menuett oder Scherzo auskommen, sodass auf den zweiten Satz unmittelbar das Finale folgt.
Kopfsatz und langsamer Satz
Der erste Satz, der Kopfsatz, ist der für die Sonate charakteristische Satz und unterscheidet sie dadurch von Gattungen wie Suite oder Serenade. Seine häufige Form ist die Sonatensatzform mit Exposition, Durchführung, Reprise und Coda. Die Exposition stellt das musikalische Material und verschiedene Tonartbereiche vor, die Durchführung verarbeitet es, und die Reprise führt das Material in einer Rückkehr zur Haupttonart zusammen; eine Coda kann den Satz abschließen.
Der Begriff „Sonatensatzform“ stammt allerdings aus der Formenlehre des 19. Jahrhunderts. Deshalb ist seine Anwendung auf Kompositionen vor 1800 umstritten. Außerdem beschreibt das Modell Sätze eher nach Tonartbereichen als nach der Abfolge selbstständiger musikalischer Gedanken, was nicht immer der strukturellen Absicht der Komponisten entsprechen muss.
Nicht jede Sonate beginnt mit einem solchen Kopfsatz. Beethovens cis-Moll-Sonate op. 27, die sogenannte Mondscheinsonate, und seine As-Dur-Sonate op. 26 beginnen mit einem langsamen Satz, der gewöhnlich an zweiter Stelle steht. In der Mondscheinsonate folgt erst der dritte Satz dem Sonatensatzschema. Auch Mozart verzichtete in seiner Klaviersonate A-Dur KV 331 auf einen Kopfsatz.
Der zweite Satz ist normalerweise langsam. Seine Form kann unterschiedlich sein. Bei zwei kontrastierenden Themen ist das bewegtere Thema das zweite; Durchführung und Reprise entfallen dann häufig, während das Hauptthema oft dreimal mit zunehmend stärkerer Figuration erscheint. Häufig verwendet wird außerdem die dreiteilige Liedform A-B-A oder die Variationenform. Die Tonart steht meistens in der Dominante oder in der Mollparallele.
Scherzo, Finale und Romantik
Der dritte Satz enthält gewöhnlich ein Menuett oder Scherzo und steht meist in der Haupttonart oder einer eng verwandten Tonart. In frühen Sonaten fehlt dieser Satz teilweise.
Der vierte Satz, das Finale, bewegt sich durchschnittlich schnell und steht immer in der Haupttonart. Nicht selten wird dabei eine Molltonart in Dur verwandelt. Als Formen kommen die Sonatensatzform, teilweise ohne Reprise, aber mit Durchführung, oder eine weit ausgesponnene Rondoform mit mehr als zwei, meist kurzen Themen infrage. Selten endet das Finale in einer Fuge.
In der Romantik gingen die Komponisten unterschiedliche Wege. Schumann und Brahms hielten an der klassischen Sonatensatzform fest, füllten sie aber mit neuen Inhalten. Chopin relativierte sie, indem in der Reprise das erste Thema nicht mehr erscheint.
Franz Liszt beschritt 1853 mit seiner einsätzigen Klaviersonate in h-Moll grundsätzlich neue Wege. Die Sonatensatzform spielt dort keine Rolle mehr. Die gesamte musikalische Entwicklung wird aus vier Leitmotiven abgeleitet. In der Spätromantik und beim Übergang zu nicht-tonaler Musik stehen besonders Alexander Skrjabins Klaviersonaten für eine intensive Motivverarbeitung. Vor allem die späteren Sonaten verbinden diese Verarbeitung mit der Abkehr von der Tonalität zugunsten eines auf Quarten basierenden harmonischen Systems, und zwar ab der 6. Sonate.
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