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Silicon Valley

Genauer gesagt ist es das Zentrum der US-amerikanischen Halbleiterindustrie (ab 1960er) und der großen Internetunternehmen (ab 1990er) im Umfeld der New Economy …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Lage
  2. 2. Bevölkerung und Wirtschaft
  3. 3. Entstehung des Technologiezentrums
  4. 4. Halbleiter, Ausgründungen und Internet
  5. 5. Unternehmen, Hochschulen und Forschung
  6. 6. Umwelt- und Sozialprobleme

Bedeutung und Lage

Das Silicon Valley ist der südliche Teil der San Francisco Bay Area und offiziell die Metropolregion San Jose-Sunnyvale-Santa Clara. Es gehört weltweit zu den wichtigsten Zentren der IT- und Hightech-Industrie. Seit den 1960er Jahren ist es das Zentrum der US-amerikanischen Halbleiterindustrie, seit den 1990er Jahren prägen außerdem große Internetunternehmen die Region. Das Silicon Valley ist eng mit dem Informationszeitalter und dem Internet seit den 2000er Jahren sowie mit der KI-Ära seit den 2020er Jahren verbunden. Dort werden innovative Produkte und Dienstleistungen entwickelt, zur Marktreife gebracht und vertrieben.

Geografisch umfasst das Gebiet das Santa Clara Valley und die südliche Hälfte der Halbinsel von San Francisco. Es reicht von San Mateo bis San José, ist ungefähr 100 Kilometer lang und 30 Kilometer breit und umfasst rund 4000 km². Sunnyvale liegt ungefähr im Zentrum. Der U.S. Highway 101 durchquert das Tal in Nord-Süd-Richtung. Zu den Städten des Silicon Valley gehören unter anderem Palo Alto, Menlo Park, Mountain View, Cupertino, Sunnyvale, Santa Clara und San José.

Der Name bezieht sich auf Silicium, den wichtigen Grundstoff für integrierte Schaltkreise und andere Bauteile der Mikroelektronik. Silicium ist nicht mit Silikon zu verwechseln. Der Bestandteil „Valley“ verweist auf das Santa Clara Valley, in dem sich der größte Teil des Forschungs- und Industriekomplexes mit mehr als 1000 Unternehmen der Halbleiter-, Computer- und IT-Technik konzentrierte. Der Technikjournalist Don Hoefler veröffentlichte die Bezeichnung 1971 auf Vorschlag des Unternehmers Ralph Vaerst im Titel einer Artikelserie. Heute wird der Name teilweise auf die weitere Bay Area oder allgemein auf die Elektro-, Elektronik- und Computerindustrie der US-Westküste übertragen.

Bevölkerung und Wirtschaft

Die Metropolregion umfasst nach dem Stand von 2026 etwa 6978 km² und hat rund 1,9 Millionen Einwohner. Von ihnen zählen etwa 1,6 Millionen zur arbeitenden Bevölkerung; ungefähr 1 Million sind angestellt. Einer von fünf Beschäftigten arbeitet als Professional in der Hightech-Industrie, die zu 80 % aus Privatunternehmen besteht. Die Arbeitslosenquote liegt bei 4,9 %. Etwa 40 % der Einwohner wurden nicht in den USA geboren; für 2025 nennt der Artikel einen Anteil von rund 41 %, gegenüber 27 % in Kalifornien und 14 % in den gesamten USA. Das Medianalter beträgt 38 Jahre.

Die Bevölkerung weist ein hohes Bildungsniveau auf: Die Hälfte hat ein College besucht, rund 30 % besitzen einen Bachelor-Abschluss und weitere 30 % eine postgraduale Qualifikation. Der Medianverdienst beträgt rund 88.000 US-Dollar, bei Personen mit mindestens einem Bachelor-Abschluss mehr als 110.000 US-Dollar. Zugleich ist Wohneigentum sehr teuer: Der Medianwert einer eigenen Wohneinheit liegt bei 1,4 Millionen US-Dollar. Rund 75 % der etwa 679.914 Häuser wurden zwischen 1940 und 1999 gebaut.

Die Technologiebranche ist eng mit den Finanzunternehmen San Franciscos verbunden. Wichtig sind vor allem Risikokapitalgeber, also Investoren, die junge Unternehmen mit Kapital finanzieren. Zu ihnen gehören Andreessen Horowitz und Sequoia Capital. Bis 2023 war auch die Silicon Valley Bank ein bedeutender Finanzierer der Start-up-Szene.

Entstehung des Technologiezentrums

Die Entwicklung zum Technologiezentrum beruhte auf dem Zusammenspiel von Militär, staatlicher Forschungsförderung, Hochschulen und Unternehmen. Das Moffett Federal Airfield war im Zweiten Weltkrieg und danach als Naval Air Station der zentrale Militärflugplatz der Region. In seiner Umgebung siedelten sich Luftfahrtunternehmen wie Lockheed an und schufen eine Grundlage für die spätere Hightech-Industrie. Während des Kalten Krieges verteilte die US-Regierung Forschungsaufträge in kleinen Tranchen an Unternehmen und Universitäten. Das Santa Clara County erhielt besonders viele Mittel, weil dort bereits Firmen für Luftfahrt, Mikroelektronik, Radar-, Mikrowellen- und Kommunikationstechnik tätig waren. Ein Schlüsselereignis war die Entwicklung des Klystrons durch die Varian-Brüder an der Stanford University im Zweiten Weltkrieg.

Frederick Terman, Dekan der Stanford University, förderte die Ansiedlung von Unternehmen auf universitätseigenem Land und stellte Studenten Kapital zur Verfügung. 1939 unterstützte er William Hewlett und David Packard bei der Gründung eines Elektronikunternehmens. Hewlett-Packard wurde das erste große IT-Unternehmen der Umgebung, das nicht unmittelbar mit der NASA oder der US Navy verbunden war. 1952 entstand der Stanford Industrial Park, dessen günstige Gebäude sich rasch mit Technologieunternehmen füllten. Weitere Elektronikfirmen siedelten sich entlang des Freeway 101 in Richtung San José an. Seit 1954 konnten Vollzeitbeschäftigte durch das Honors Cooperative Program, heute „co-op“, nebenberuflich an der Universität studieren. Strenge Bauvorschriften sorgten für saubere Industrieparks ohne sichtbare Schlote oder Flüssigkeitstanks und wurden zum Vorbild für die Region.

Halbleiter, Ausgründungen und Internet

William B. Shockley, der wesentlich zur Erfindung des Transistors beigetragen hatte und später den Nobelpreis für Physik erhielt, gründete 1956 in Mountain View das Shockley Semiconductor Laboratory als Teil von Beckman Instruments. Er arbeitete an Bipolartransistoren aus Silicium, während diese damals gewöhnlich noch aus Germanium bestanden. Seine Vierschichtdioden waren theoretisch vielversprechend, aber kompliziert herzustellen und erlangten keine wesentliche Bedeutung.

Konflikte über Shockleys Führung und Forschungsentscheidungen führten 1957 zum Austritt von acht besonders talentierten Mitarbeitern, den „Traitorous Eight“. Sie gründeten Fairchild Semiconductor. Später wiederholte sich dieses Muster: Wissenschaftler verloren die Kontrolle über ihre Unternehmen an externe Manager, schieden aus und gründeten neue Firmen. Auf diese Weise entstanden unter anderem AMD, Signetics, National Semiconductor, Intel und der Risikokapitalgeber Kleiner Perkins. Die hohe Dichte von Halbleiterunternehmen sammelte Fachwissen in der Region und bildete die Grundlage für weitere Innovationen.

In den 1970er Jahren weitete sich die Entwicklung auf Standardsoftware aus. Zwischen 1964 und 1984 entstanden im Santa Clara County 203.000 industrielle Arbeitsplätze, davon 85 % in Hightech-Branchen. Ab Mitte der 1980er Jahre wanderten Fertigungsarbeitsplätze nach Japan ab. Computer- und Kommunikationsfirmen erschlossen jedoch mit Unterstützung von Risikokapital neue Märkte: Computer verbreiteten sich von staatlichen Stellen, Militär und Großunternehmen in alle Arten von Betrieben und in Privathaushalte.

In den 1990er Jahren lösten die Vernetzung von Computern, das Internet und die New Economy eine weitere Gründungswelle aus. Der Zusammenbruch der Dotcom-Blase 2000 und 2001 war nur ein zeitweiliger Rückschlag. Die Entwicklung setzte sich mit Web-2.0-Anwendungen, Mobile Computing und Smartphones fort. Zur Innovationskultur gehören auch eigene Unternehmensphilosophien und Manifeste; ein Grundkonzept von Google war der „Überfluss“. Als Fremdbeschreibung sich überschneidender Weltanschauungen von Initiatoren und Financiers wird im Artikel außerdem TESCREAL genannt.

Unternehmen, Hochschulen und Forschung

Im Silicon Valley befinden sich Tausende Technologieunternehmen. Die Region weist eine hohe Start-up-Rate sowie viele Mergers & Acquisitions auf, also Unternehmensgründungen, Übernahmen und Zusammenschlüsse. Zu den bedeutenden Unternehmen für Hardware und Mikroelektronik zählen AMD, Apple, Applied Materials, Cisco Systems, Hewlett-Packard, Intel, NetApp, Netgear und Nvidia. Im Software- und Internetbereich sind unter anderem Adobe, Alphabet mit Google, eBay, Electronic Arts, Meta Platforms mit Facebook und WhatsApp, Oracle, Salesforce, VMware und Yahoo vertreten. Zahlreiche internationale Konzerne wie IBM, Microsoft, SAP, Siemens, Sony und Volkswagen unterhalten Niederlassungen.

Hochschulen und Forschungseinrichtungen liefern Wissen und qualifizierte Arbeitskräfte. Besonders wichtig sind Stanford University, San José State University und Santa Clara University; daneben gibt es zahlreiche Colleges und weitere Hochschulstandorte. Zu den Forschungseinrichtungen zählen NASA Ames am Moffett Field, das Mental Research Institute in Palo Alto, das Lawrence Livermore National Laboratory nördlich des Silicon Valley, SLAC/LCLS in Menlo Park und Xerox PARC. Das seit 1996 in Mountain View ansässige Computer History Museum dokumentiert die Geschichte des Computers und der Region.

Umwelt- und Sozialprobleme

Die frühe Elektronikfertigung verursachte erhebliche Altlasten. Bei der Herstellung von Leiterplatten kamen große Mengen ätzender Stoffe und aggressiver Lösungsmittel zum Einsatz. 1981 wurde entdeckt, dass unterirdische Tanks von Fairchild Semiconductor und IBM offenbar seit Jahrzehnten undicht waren, Böden verseuchten und das Grundwasser gefährdeten. Ähnliche Belastungen wurden bei AMD und anderen Unternehmen festgestellt. Bis 2004 zeigte sich, dass 75 von 96 Tanks teilweise aufgegebener Betriebe noch im Boden lagen, leckten und das Wasser bedrohten.

Die Environmental Protection Agency (EPA) erklärte betroffene Flächen zu vorrangig zu sanierenden Gefahrengebieten des Superfund-Programms. Santa Clara County ist das US-County mit den meisten Superfund Sites; 2019 gab es noch 23 aktive Standorte, deren Sanierung lief oder bevorstand. Unternehmen sanieren Grundstücke teilweise selbst unter Aufsicht der EPA. 2013 galt die Gefahr für das Grundwasser als aufgehoben, doch die Bodensanierung dauert an. In den Jahren 2012 und 2013 gelangten toxische Gase aus dem Boden des ehemaligen Fairchild-Geländes in Gebäude von Google und überschritten Grenzwerte. Eine Gesundheitsgefahr wurde verneint. Nach Angaben der EPA wird die vollständige Sanierung noch mehrere Jahrzehnte dauern.

Seit 2015 sorgt außerdem eine anhaltende Wohnungsnot für Kritik. Teilweise konnten sich selbst Beschäftigte mit sechsstelligen Jahreseinkommen die Mieten nicht leisten. Obwohl 2018 im Silicon Valley und in San Francisco 74 Milliardäre lebten, prägte zugleich starke Obdachlosigkeit das Stadtbild. Die UN-Sonderberichterstatterin Leilani Farha bezeichnete die Zustände 2018 als „grausam und unmenschlich“; ein UN-Bericht verglich San Francisco mit den Slums von Mumbai und Delhi.

Ab 2022 kündigten große Unternehmen Massenentlassungen an. Seit der Coronapandemie verlegten oder planten mehrere Firmen ihre Sitze von Kalifornien nach Texas oder in andere Bundesstaaten und Städte. Als Gründe wurden unter anderem hohe Kosten, Steuern und politische Konflikte genannt. Auch zahlreiche Softwarefachleute, IT-Experten, Ingenieure und andere Fachkräfte planten, die Bay Area zu verlassen.

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