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Tal

Ein Tal ist eine durch das Wechselspiel von Erosion und Denudation entstandene, für gewöhnlich langgestreckte, nach mindestens einer Seite offene Hohlform …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Entstehung
  2. 2. Grundformen von Tälern
  3. 3. Spezielle Talformen
  4. 4. Talähnliche Formen
  5. 5. Entwicklung im Flusslauf

Begriff und Entstehung

Ein Tal ist eine meist langgestreckte, nach mindestens einer Seite offene Hohlform der Landschaft. Es entsteht durch das Zusammenspiel von Erosion und Denudation. Erosion bedeutet hier vor allem die linienhafte Abtragung durch einen Fluss; Denudation meint die flächenhafte Abtragung an Hängen, besonders durch gravitative Massenbewegungen. Die tiefste Linie eines Tales heißt je nach Form Tiefenlinie, Talsohle oder Talboden. Sie hat ein monotones, also gleichsinniges, Gefälle.

Flüsse sind für die Talentstehung entscheidend, weil sie Material abtragen und ihr Flussbett tieferlegen. Dadurch entsteht eine tiefste Linie, bis zu der auch die Abtragung der Umgebung wirken kann. Der Fluss bildet damit eine regionale Erosionsbasis und reguliert die Landformung in seinem Einzugsgebiet. Je nachdem, ob Tiefenerosion, Seitenerosion oder Denudation stärker wirken, entstehen unterschiedliche Talformen.

Nicht jede langgestreckte Hohlform ist fachsprachlich ein Tal. Offene Hohlformen, die nicht durch fluviale Erosion entstanden sind, werden anders bezeichnet. Dazu gehören etwa tektonische Gräben, Hohlformen zwischen Dünenrücken, Strandwällen oder Endmoränen sowie Formen, die durch zeitlich begrenzte, schnelle Erosionsvorgänge entstehen, zum Beispiel Badlands, Gullies oder Runsen. Die Talbildung wird außerdem durch Gesteinslagerung, tektonische Prozesse wie Gebirgsbildung, Klima, Abflussmenge und Verwitterungsintensität beeinflusst.

Grundformen von Tälern

Die grundlegenden Talformen unterscheiden sich vor allem danach, wie stark Tiefenerosion, Seitenerosion und Denudation wirken.

Eine Klamm entsteht bei sehr kräftiger Tiefenerosion eines Flusses. Seitenerosion und Denudation spielen dabei keine oder nur eine geringe Rolle. Deshalb haben Klammtäler Wände als Begrenzung, und der Fluss füllt den Talgrund vollständig aus.

Ein Kerbtal entsteht, wenn Tiefenerosion und Hangabtragung ungefähr im Gleichgewicht stehen. Im Querschnitt ist es V-förmig. Der Talgrund wird vollständig oder fast vollständig vom Fluss eingenommen.

Ein Sohlental oder Kastental entsteht, wenn ein Fluss sowohl Tiefen- als auch Seitenerosion ausübt und dadurch eine deutlich erkennbare Talsohle bildet. Der Fluss füllt den Talgrund dann nicht mehr vollständig aus. Hat das Tal Hänge als Begrenzung, spricht man von einem Sohlental; wird es von Wänden begrenzt, von einem Kastental. Zwischen Klamm, Kerbtal und Sohlen- beziehungsweise Kastental gibt es Übergangsformen wie Kerbsohlental oder Sohlenkerbtal.

Ein Muldental entsteht in Gebieten mit starker Denudation. Tiefen- und Seitenerosion treten zurück, die Hänge sind flach, und der Übergang zum eigentlichen Talgrund ist undeutlich. Solche Täler entstehen bevorzugt in Periglazialgebieten und in den wechselfeuchten Tropen, weil dort starke Denudation herrscht.

Ein Hochtal liegt im oberen Abschnitt eines Gebirges und wurde nicht durch starke Erosion ausgeformt. Es ist meist deutlich von anderen Tälern abgesetzt und zum Beispiel nur über eine Höhenstufe erreichbar. Ein asymmetrisches Tal besitzt auffallend ungleich geneigte Talflanken.

Spezielle Talformen

Spezielle Talformen entstehen unter bestimmten geologischen, tektonischen oder klimatischen Bedingungen.

Ein Engtal oder eine Talenge ist ein Talungsabschnitt mit sehr schmalem Talboden. Der Querschnitt ist V-förmig oder steil U-förmig. Das Gewässer hat im Talgrund von Natur aus praktisch keine Bewegungsfreiheit. Verkehrstechnisch spricht man von einem Talpass; in Ortsnamen kommt auch der Ausdruck Klause vor.

Eine Schlucht ist ein enger, steiler Taleinschnitt, meist in einem Gebirge. Sie besitzt Wände oder steile Hänge als Begrenzung. Schluchten entstehen durch das Einschneiden auch kleinerer Wasserläufe in standfestes, massiges Gestein, bevorzugt in Tiefengesteinen wie Granit. Dabei überwiegt die Tiefenerosion die Denudation stark.

Ein Canyon entsteht, wenn sich ein Fluss tief in ein Plateau mit horizontal gelagerten Gesteinsschichten einschneidet. Weil diese Schichten unterschiedlich widerständig gegen Abtragung sind, wirken die Hänge oft treppenartig gestuft: steile Abschnitte wechseln mit flacheren. Bei einem Canyon wirken sowohl Tiefenerosion als auch Denudation. Als Beispiel nennt der Artikel den Grand Canyon.

Durchbruchstäler durchschneiden ein Gebirge. Antezedente Durchbruchstäler entstehen, wenn sich ein Fluss in ein durch tektonische Hebung aus einer Ebene entstehendes Gebirge einschneidet. Dabei kann er frühere Mäander aus dem Flachland als Zwangsmäander tief ins Gebirge einschneiden. Epigenetische Durchbruchstäler entstehen auch ohne Tektonik, wenn ein Fluss bei der Tiefenerosion auf einen Härtling trifft und diesen erosiv angreift.

Wadis sind Trockentäler in Wüstengebieten, die nur nach starken Regenfällen vorübergehend Wasser führen. Trockentäler gibt es aber auch in heute feuchten Klimaten, wenn die Bedingungen ihrer Entstehung nicht mehr bestehen. Beispiele sind Trockentäler in Norddeutschland sowie in Karstgebieten wie der Schwäbischen und der Fränkischen Alb. Sie entstanden, als im Eiszeitalter Niederschlagswasser wegen Dauerfrostbodens nicht versickern konnte und oberirdisch abfloss.

Talähnliche Formen

Talähnliche Formen sind Hohlformen, die Tälern ähneln, aber andere Entstehungsbedingungen haben und deshalb nicht immer als Täler im engeren Sinn gelten.

Trogtäler wurden durch Gletschereis überprägt. Sie sind daher keine Täler im Sinn der fluvialen Definition, sondern können als „Gerinnebett“ eines Gletschers verstanden werden. Fjorde sind ertrunkene Trogtäler, also vom Meer überflutete ehemalige glaziale Talformen.

Urstromtäler sind eigentlich breite Sohlentäler. Sie leiteten das Schmelzwasser der eiszeitlichen Inlandeisvorstöße parallel zum Eisrand ab. Durch spätere Überprägung besitzen sie heute nur noch eingeschränkt typische Taleigenschaften; besonders das gleichsinnige Gefälle fehlt meist.

Glaziale Rinnen entstanden unter Gletschern durch Schmelzwassererosion. Ihre heutige Form hängt stark von den Toteisblöcken ab, die die Rinne einst ausfüllten. Deshalb besitzen sie in den meisten Fällen kein gleichsinniges Gefälle. Förden sind ertrunkene glaziale Rinnen.

Eine Ria ist eine tief in das Festland eindringende Meeresbucht, die durch Überflutung eines ehemaligen Flusstals entstanden ist.

Entwicklung im Flusslauf

Die Entwicklung eines Tales hängt stark vom Abschnitt des Flusses und vom Gefälle ab. Im Oberlauf fließt Wasser wegen des großen Gefälles schnell und schneidet sich stark erosiv in das Gestein ein. Dadurch können ein Tobel oder eine Klamm entstehen. Flussabwärts folgen je nach Gesteinsbeschaffenheit ein Kerbtal oder eine Schlucht. Solche Formen sind besonders in Hochgebirgen verbreitet.

Bei starker Tiefenerosion können Verwitterung und Hangabtragung zunächst nicht mithalten. Die Felswände einer Klamm werden dann fast senkrecht und nur so breit wie das Flussbett. Die maximale Tiefe einer Klamm wird durch die kritische Höhe der Felswände begrenzt. Wird diese überschritten, werden die Wände instabil; es kommt zu Felsstürzen und Rutschungen. Dadurch verlagern sich die Hänge zurück, senkrechte Talhänge verflachen, und die seitliche Erosion der Hänge wird wichtiger.

Hat ein Tal überwiegend V-Form, spricht man von einem Kerbtal. Hier hält der Materialabtrag an den Hängen mit der Tiefenerosion des Flusses Schritt. Je flacher die Hänge werden, desto unregelmäßiger wird die Denudation. In einer tiefen Klamm treten Felsstürze noch regelmäßig auf; später kommt es eher bei bestimmten Wetterereignissen zu Rutschen, Gleiten, Muren und anderen Fließungen.

Kerbsohlentäler zeigen geringere Tiefenerosion und eine geringe, aber vorhandene Seitenerosion. Der Übergang vom Kerbtal zum Sohlental ist fließend. Wenn das Gefälle kleiner wird, beginnt der Fluss zu mäandrieren. Am Prallhang greift er den Talhang oft stark an, während am Gleithang Material abgelagert wird. So verbreitert sich die Talsohle.

Mit der Zeit kann ein eingekerbtes Gebirge vollständig erodiert und eingeebnet werden. Der Höhenunterschied zwischen Talsohle und Berggipfeln nimmt dann wieder ab, und aus einem Kerbsohlental wird in flacherem Gelände ein breiteres Sohlental. Eine Verringerung dieses Höhenunterschieds muss aber nicht nur durch Erosion entstehen; sie kann auch tektonisch bedingt sein.

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