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Siebenten-Tags-Adventisten
Adventisten sind, also an eine baldige Wiederkehr Jesu Christi glauben (lateinisch adventus ‚Ankunft') und · den siebten Wochentag nach der biblischen Zählung, …
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Profil und Verbreitung
Die Siebenten-Tags-Adventisten (STA) sind eine weltweit verbreitete protestantische Freikirche mit einem repräsentativen Synodalsystem. Sie entstanden aus der Millerbewegung und wurden am 21. Mai 1863 in Battle Creek, Michigan, USA, als Gemeinschaft organisiert. Als Gründer beziehungsweise Mitbegründer gelten Joseph Bates, James White, Ellen White und John N. Andrews.
Der Name verbindet zwei zentrale Überzeugungen: Adventisten erwarten die baldige Wiederkunft Jesu Christi; außerdem halten sie den siebten Wochentag, den Samstag, als Sabbat heilig. Weltweit hatte die Kirche 2020 insgesamt 21.760.076 Mitglieder, 20.802 Geistliche, 92.186 Gotteshäuser, 227 Krankenhäuser, 133 Altenheime, 9.489 Schulen und 118 Hochschulen beziehungsweise tertiäre Bildungseinrichtungen. Das Hilfswerk ADRA gehört zu ihren humanitären Einrichtungen.
Die Auslandsmission begann 1874. 1920 lebten erstmals mehr STA-Mitglieder außerhalb Nordamerikas als dort. 1997 lebten in Nordamerika nur noch etwa 10 % der Mitglieder; die Mehrheit lebte in Afrika und Lateinamerika. 1961 überschritt die Mitgliederzahl erstmals 1 Million, zur Jahrtausendwende wurden 10 Millionen angegeben. Am 31. Dezember 2016 zählte die Kirche 20.008.779 getaufte Mitglieder. Kinder aus adventistischen Familien sind in diesen Zahlen nicht enthalten; zusammen mit nicht getauften Kindern und Jugendlichen besuchen weit über 30 Millionen Menschen adventistische Gottesdienste. Zwischen 2000 und 2005 verließen 1,5 Millionen Menschen die Kirche, während sich von 2009 bis 2013 5,45 Millionen Menschen anschlossen.
Zentrale Glaubensinhalte
Die STA betrachten die Bibel als verbindliches Wort Gottes und höchste religiöse Autorität. Als Kanon gelten die 66 Bücher des Alten und Neuen Testaments der protestantischen Kirchen, ohne Apokryphen. Im wöchentlichen Bibelgespräch wird anhand eines von der Generalkonferenz herausgegebenen Studienhefts ein biblisches Buch oder Thema behandelt. Daniel und die Offenbarung werden in der adventistischen Auslegung besonders beachtet. Die historisch-kritische Exegese und die Evolutionstheorie werden abgelehnt.
Die Lehre ist offiziell in 28 Glaubenspunkten zusammengefasst. Sie behandeln unter anderem Gott, Jesus Christus, die Dreieinigkeit, die Bibel, den Sabbat, die Gemeinde, Gemeindefinanzierung, christliche Lebensführung, Tod und Auferstehung, Endzeit, Wiederkunft Christi und die neue Erde. Die Glaubenspunkte gelten nicht als unveränderlich, sondern können nach dem Vorwort durch eine Vollversammlung der Generalkonferenz an den Erkenntnisstand angepasst werden.
Seit dem 22. Oktober 1844 lehren Adventisten ein himmlisches „Untersuchungsgericht“. Dabei werden alle bekennenden Gläubigen untersucht; in das Buch des Lebens werden diejenigen eingetragen, die den Glauben an Jesus Christus bewahrt haben. Diese Vorstellung geht auf eine neue Deutung der ausgebliebenen Wiederkunftserwartung von 1844 zurück: Jesus Christus habe damals im Himmel einen neuen Abschnitt seines Dienstes als Hohepriester begonnen. Außerhalb der STA wird diese Lehre als unbiblisches Dogma abgelehnt.
Die STA erwarten die baldige Wiederkunft Christi. Sie betonen sowohl die Zeichen der Endzeit als auch, dass niemand den Zeitpunkt kennt. Deshalb sollen Gläubige jederzeit bereit sein und sich im Dienst für das Wohl der Welt sowie in der Verkündigung des Evangeliums engagieren. Beim Tod befindet sich der Mensch nach adventistischer Lehre in einem unbewussten „Schlaf“. Die Toten kommen nicht unmittelbar in den Himmel oder in die Hölle. Die Gerechten werden bei der Wiederkunft Christi auferweckt, die Gottlosen nach dem Millennium; danach folgt das Jüngste Gericht. Die Gottlosen werden nicht ewig in einer feurigen Hölle gequält, sondern endgültig vernichtet. Entscheidend für die Rettung ist der lebendige Glaube an Jesus Christus, nicht die formale Zugehörigkeit zur STA.
Sabbat, Taufe und Lebensführung
Der Sabbat beginnt am Freitag bei Sonnenuntergang und endet am Samstag bei Sonnenuntergang. Er ist für Adventisten ein gottesdienstlicher Ruhetag, eine Erinnerung an die Schöpfung, an die Erlösung in Christus und an die künftige Ruhe der Erlösten. Sie berufen sich unter anderem auf 1. Mose 2,3 und das vierte Gebot in 2. Mose 20,8–11. Die Sonntagsheiligung wird nach adventistischer Auffassung weder im Alten noch im Neuen Testament geboten; der Sonntag habe sich später durch anti-jüdische, heidnische und politische Einflüsse durchgesetzt. Kaiser Konstantin erklärte ihn am 7. März 321 zum gesetzlichen Feiertag.
Getauft wird durch Untertauchen nach persönlicher Umkehr, bewusstem Glauben an Jesus Christus und eigener Entscheidung. Vor der Taufe steht ein gründliches adventistisches Bibelstudium; mit der Taufe erfolgt normalerweise die Aufnahme in die Gemeinde. Eine Kindstaufe wird nicht anerkannt. Wer bereits in einer anderen Kirche durch Glaubenstaufe getauft wurde, kann ohne erneute Taufe übertreten.
Der Körper gilt als „Haus Gottes“. Deshalb verzichten Adventisten auf Alkohol, Tabak und andere Rauschmittel und meiden beispielsweise koffeinhaltige oder stark verarbeitete Lebensmittel. Sie halten einige Speisegebote aus 3. Mose 11 ein und essen kein Schweinefleisch. Vegetarische Ernährung wird empfohlen, ist aber nicht für alle Mitglieder verpflichtend. Angestrebt wird eine Lebensführung, die weder ausschweifend noch asketisch ist.
Ellen G. White (1827–1915), Mitbegründerin der Kirche, gilt als „Botin“ beziehungsweise „Bote“. Ihre Schriften sollen Trost, Führung, Unterweisung und Zurechtweisung geben, sind nach offizieller adventistischer Auffassung aber nicht gleichwertig mit der Bibel. Die Bibel bleibt der Maßstab, an dem Lehre und Erfahrung geprüft werden.
Gottesdienst und Organisation
Der adventistische Gottesdienst dauert etwa zwei Stunden. Die erste Stunde ist die „Bibelschule“ oder Sabbatschule: Jugendliche und Erwachsene besprechen in Gruppen das Thema des Studienhefts, für Kinder gibt es ein eigenes Programm. Es folgt etwa eine Stunde mit Predigt und Gesang. Die Liturgie ist schlicht, die Predigt steht im Mittelpunkt, und die Gemeinden können den Gottesdienst weitgehend selbst gestalten. Das Kirchenjahr spielt keine entscheidende Rolle; Erntedank, Weihnachten und in vielen Gemeinden auch Ostern werden dennoch gefeiert.
Das Abendmahl findet vierteljährlich statt und beginnt mit der Fußwaschung. Es wird als offene Kommunion gefeiert, zu der alle gläubigen Christen eingeladen sind. Verwendet werden ungesäuertes Brot und unvergorener Traubensaft. Voraussetzung sind Einkehr und Buße; eine feste Beichtliturgie gibt es nicht.
Die STA ist presbyterianisch-synodal organisiert. Die Generalkonferenz in Silver Spring, Maryland, ist die Weltkirchenleitung und für Einheit im Glauben, Lehrfragen und Weltmission zuständig. Ihr Präsident ist zurzeit (2025) Erton Köhler. Die alle fünf Jahre stattfindende „General Conference Session“ bringt gewählte Delegierte aus aller Welt zusammen. Die Weltkirche ist in 13 Divisionen gegliedert; Deutschland gehört zur Inter-European-Division mit Sitz in Bern.
In Deutschland folgen zwei Verbände: der Norddeutsche Verband mit Sitz in Hannover und der Süddeutsche Verband mit Sitz in Ostfildern. Darunter stehen Vereinigungen und Ortsgemeinden. Eine Ortsgemeinde hat meist 20 bis 500 Mitglieder, im Durchschnitt etwa 60, wobei Kinder, nicht getaufte Jugendliche und Gäste nicht mitgerechnet werden. Die Dienste und Leitungsämter werden demokratisch beziehungsweise parlamentarisch gewählt; Organisation, Wahlen, Mitgliedschaft und Lehre regelt das Gemeindehandbuch.
Geschichte und Entwicklung in Deutschland
Im 19. Jahrhundert berechneten verschiedene religiöse Bewegungen den Zeitpunkt der Wiederkunft Christi. In den USA erwartete William Miller das Jahr 1844. Nach dem Ausbleiben der Wiederkunft begannen Teile der Millerbewegung, die Bibel neu zu studieren. Hiram Edson deutete 1844 als Beginn eines himmlischen Gerichts und betonte zugleich, dass niemand den Tag der Wiederkunft berechnen könne. Joseph Bates brachte den Sabbatgedanken aus der Bewegung der Siebenten-Tags-Baptisten ein. Daraus entwickelte sich die STA.
Die erste adventistische Mission außerhalb der USA begann um 1865 in Italien und der Schweiz. In Tramelan im Kanton Bern entstand die erste Kapelle außerhalb Nordamerikas; Ellen G. White weihte sie am 25. Dezember 1886 ein. Bis Anfang der 1970er Jahre hatte die Kirche mehr als 2000 Missionsstationen in Übersee aufgebaut. Heute werden auch Radio und Fernsehen, beispielsweise Hope Channel, für die Mission genutzt. Das Wachstum liegt vor allem in Südamerika und Afrika, während es in Europa und den USA eher stagniert oder rückläufig ist.
Seit 1874 wurden Missionare nach Deutschland und in die Schweiz gesandt. Die erste Taufe in Deutschland fand am 8. Januar 1876 zwischen Solingen und Vohwinkel statt. 1889 gründete Ludwig Richard Conradi in Hamburg ein Missionszentrum. Später entstanden unter anderem der Verlag, die Theologische Hochschule Friedensau und soziale Einrichtungen; 1920 wurde in Berlin das Krankenhaus Waldfriede gegründet.
Im Ersten Weltkrieg forderte die deutsche Leitung zum Kriegsdienst auf. Etwa 2000 bis 3000 Kriegsdienstverweigerer wurden ausgeschlossen und bildeten später die Reformadventisten. Für die Zeit des Nationalsozialismus beschreibt Daniel Heinz die Haltung mit „Anpassen, Wegschauen und Schweigen“. Jüdische oder mit Juden verheiratete Adventisten wurden ausgeschlossen; zugleich retteten einzelne Adventisten Juden und politisch Verfolgte. Erst etwa 60 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs legte die Freikirchenleitung ein offizielles Schuldbekenntnis ab. Seit 1989 kamen etwa 8000 russlanddeutsche Adventisten nach Deutschland.
Deutschland, Dialog und Kontroversen
In Deutschland gab es 2024 laut Entwicklungstabelle 34.494 Mitglieder; 2007 waren es 35.925, 2022 lag die Zahl bei 34.092. Die Tabelle zeigt insgesamt einen Rückgang mit einzelnen Jahren positiven Nettowachstums, darunter +364 im Jahr 2024. Österreich hatte 2019 55 Gemeinden mit 4.278 getauften Mitgliedern und 26 ordinierten Pastoren. In der Schweiz lebten rund 4800 erwachsene getaufte Adventisten in 54 Gemeinden; sie wurden von 44 Pastoren betreut.
Die STA ist in Deutschland Körperschaft des öffentlichen Rechts, Gastmitglied in der Vereinigung Evangelischer Freikirchen und in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen. Weltweit beteiligt sie sich nur eingeschränkt an der ökumenischen Bewegung, nimmt aber als Beobachter an Versammlungen des Ökumenischen Rates der Kirchen teil. Gespräche mit dem Lutherischen Weltbund stellten fundamentale Gemeinsamkeiten fest, wurden jedoch nur mit deutlichen Einschränkungen anerkannt. Der ÖRK bezeichnet die STA als weltweite christliche Kirche.
Kritik von ehemaligen Mitgliedern und anderen Kirchen richtet sich besonders gegen Sonderlehren und den Umgang mit Ellen White. Kritiker beanstanden, dass ihre Schriften neben der Bibel eine zu große Bedeutung erhielten; außerdem gab es Plagiatsvorwürfe, unter anderem von Desmond Ford und Walter Rea. Ein fundamentalistisch-legalistischer Umgang mit ihren Schriften wird von ehemaligen Mitgliedern teilweise als bedrückend beschrieben. Die STA betont dagegen, Ellen White habe keine neuen Lehren geschaffen und ihre Schriften seien der Bibel untergeordnet.
Umstritten sind außerdem die verbindliche Sabbatpflicht und die Deutung des Jahres 1844. Andere Christen sehen den Sabbat als Minderheitsoption und lehnen die Vorstellung ab, er werde in der Endzeit zum Prüfstein des wahren Glaubens. Das Konfessionskundliche Institut des Evangelischen Bundes ordnete die STA 2004 den evangelischen Freikirchen zu; diese Einordnung wird durch Stellungnahmen mehrerer evangelischer Gelehrter unterstützt.