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Siebenbürger Sachsen
Die Ansiedlung der Siebenbürger Sachsen erstreckt sich hauptsächlich von der Mitte des 12. Jahrhunderts bis ins späte 13. Jahrhundert und geschah im Zuge der …
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Überblick
Die Siebenbürger Sachsen sind eine deutschsprachige Minderheit der Rumäniendeutschen in Siebenbürgen, einer Region an der Grenze von Ostmittel- zu Südosteuropa. Ihre Eigenbezeichnung lautet auch Siweberjer Såksen. Ihre traditionelle Sprache ist das Siebenbürgisch-Sächsische, ein moselfränkisch geprägter Dialekt, der außerhalb des zusammenhängenden deutschen Sprachraums liegt und wegen langer Isolation viele ältere Formen bewahrt hat. Er ist mit dem Luxemburgischen und Ripuarischen verwandt und wurde zugleich vom Rumänischen und Ungarischen beeinflusst.
Die Ansiedlung begann hauptsächlich Mitte des 12. Jahrhunderts und dauerte bis ins späte 13. Jahrhundert. Sie geschah im Rahmen der hochmittelalterlichen Ostsiedlung. Die Siebenbürger Sachsen gehören damit zu den ältesten deutschen Siedlergruppen im Osten Europas und zur ältesten deutschen Bevölkerungsgruppe in Rumänien. Ihre historische Bedeutung liegt darin, dass sie Städte, Dörfer, Kirchenburgen, Wirtschaftsstrukturen, Schulen und kulturelle Einrichtungen in Siebenbürgen stark prägten.
Der Name „Sachsen“ bedeutete ursprünglich wahrscheinlich keine Herkunft aus dem heutigen Sachsen. In frühen lateinischen Urkunden wurde Saxones wohl als Standesbezeichnung für Ritter oder deutsche Waffenträger verwendet. Erst später wurde der Begriff auf die ganze Siedlergruppe übertragen und schließlich zur Selbstbezeichnung. Im Dialekt nannten sich die Menschen lange eher detsch oder daitsch, also „deutsch“.
Ansiedlung und Gebiet
Die Siedler kamen überwiegend aus Gebieten der damaligen Bistümer Köln, Trier und Lüttich, also aus Regionen zwischen Flandern, Wallonien, Luxemburg, Lothringen, Westerwald, Hunsrück und Westfalen. Weitere Gruppen kamen unter anderem aus Bayern, Thüringen, dem Elsass, Lothringen, den Niederlanden und möglicherweise aus Mecklenburg und Ostfriesland. Die Siedler waren nicht einheitlich: Neben deutschsprachigen Gruppen gab es auch Wallonen, Flamen, Menschen aus den heutigen Niederlanden und romanischsprachige Gruppen, in den Quellen teils Latini genannt.
Die ungarischen Könige warben die Siedler durch Lokatoren an. Sie sollten die östlichen Grenzen des Königreichs Ungarn sichern, das Land erschließen, Städte und Dörfer gründen, Handel und Wirtschaft stärken und Steuern einbringen. Die ersten größeren Ansiedlungen erfolgten um 1150 unter König Géza II. Die Siedler hatten als königliche hospites („Gäste“) Schutz und Bleiberecht. Durch Privilegien wurden sie vor allem im Süden und in Grenzgebieten Siebenbürgens angesiedelt.
Die wichtigsten Siedlungsgebiete waren drei nicht zusammenhängende Räume: Altland, Nösnerland beziehungsweise Nösnergau und Burzenland. Dazu gehörten Verwaltungseinheiten wie die Sieben Stühle, die Zwei Stühle, der Bistritzer Distrikt und der Kronstädter Distrikt. Zusammen bildeten diese Gebiete den Königsboden. Nach der Komitatsreform von 1876 wurden die alten Gebietskörperschaften aufgehoben.
Rechte und Gesellschaft
Die Sonderstellung der Siebenbürger Sachsen beruhte auf Privilegien, besonders auf dem Goldenen Freibrief, dem Andreanum von 1224. Er sicherte den Siedlern unter anderem freie Nutzung von Gewässern und Wäldern, Zollfreiheit für Händler und persönliche Freiheit zu. Sie waren weder Adel noch Kirche untertänig und konnten sich in wichtigen Bereichen selbst verwalten. Zwei zentrale Einrichtungen waren die Nationsuniversität als Organ der Selbstverwaltung und das Eigenlandrecht als kodifiziertes Gewohnheitsrecht.
Diese Rechte ermöglichten eine starke wirtschaftliche, kulturelle und politische Stellung. Viele wichtige Städte Siebenbürgens gehen auf siebenbürgisch-sächsische Gründungen zurück. Bis ins 20. Jahrhundert prägten sie Besitz, Handwerk, Handel, Bildung, Baukultur und städtisches Leben. Nach 1876 gingen Königsboden, Nationsuniversität und Eigenlandrecht endgültig verloren, doch wirtschaftlich und kulturell blieb die Gruppe zunächst weiterhin einflussreich.
Eine wichtige soziale Einrichtung waren die Nachbarschaften. Sie fassten mehrere Höfe oder Häuser zusammen und regelten gegenseitige Hilfe, Begräbnisse, Hochzeiten, Bauarbeiten, Arbeiten an Kirche und Infrastruktur sowie soziale Kontrolle. Es gab eigene Statuten, Beiträge, Strafen, Nachbarschaftsbücher, Kassen und gewählte Nachbarväter beziehungsweise Nachbarmütter. Die Gemeinschaft war stark auf Zusammenhalt ausgerichtet; Ehen mit anderen Ethnien galten lange als Tabu. Die sächsischen Dörfer waren meist geplant angelegt, oft als Straßen- oder Angerdörfer mit geschlossenen Häuserfronten, langen Höfen, Scheunen und Gärten.
Geschichte bis 1918
Im 12. und 13. Jahrhundert erschlossen die Siedler dünn besiedelte Gebiete Siebenbürgens. Der Mongolensturm von 1241 dezimierte die Bevölkerung stark, danach erholten sich die Siedlungen jedoch. Im 14. und 15. Jahrhundert erlebten sie eine Blütezeit. Bergbau, Handel und Handwerk entwickelten sich; 1376 sind in der ältesten überlieferten Zunftordnung der Sieben Stühle 19 Zünfte und 25 Gewerbe vermerkt. Städte wie Hermannstadt, Kronstadt, Klausenburg, Bistritz, Schäßburg und Mühlbach wurden wichtige Zentren.
Ab dem 15. Jahrhundert bedrohten osmanische Einfälle Siebenbürgen. 1437 schlossen sich Szekler, ungarischer Adel und Sachsen zur Unio trium nationum zusammen. Die Sachsen befestigten Kirchen, Städte und Burgen. So entstand ein in Europa besonderes Netz von Kirchenburgen, Ringmauern, Wehrtürmen und Bauernburgen. Dennoch führten osmanische Raubzüge zu Verwüstung, Verschleppung und Bevölkerungsverlusten.
Nach der Teilung Ungarns 1540 wurde Siebenbürgen ein weitgehend autonomes Fürstentum unter osmanischer Oberhoheit. 1699 kam es im Frieden von Karlowitz zur Habsburgermonarchie. Ende des 18. Jahrhunderts hob Kaiser Joseph II. zeitweise die alten Rechte auf, nahm dies aber kurz vor seinem Tod zurück. Nach der Revolution von 1848/49 wurden die alten Rechte kurz wiederhergestellt. Mit dem Österreichisch-Ungarischen Ausgleich von 1867 fiel Siebenbürgen an Ungarn; 1876 wurde die sächsische Selbstverwaltung endgültig aufgehoben. Gegen die folgende Magyarisierung halfen besonders Kirche, Schule, Vereine und Nachbarschaften.
20. Jahrhundert und Auswanderung
Nach dem Ersten Weltkrieg proklamierte die Karlsburger Nationalversammlung am 1. Dezember 1918 die Vereinigung Siebenbürgens mit Rumänien. Die Siebenbürger Sachsen begrüßten dies in der Mediascher Anschlusserklärung im Februar 1919, weil sie bessere Minderheitenrechte erwarteten. 1920 wurde die Eingliederung im Vertrag von Trianon bestätigt. In der Zwischenkriegszeit erreichte die Gruppe mit fast 300.000 Menschen einen demografischen Höhepunkt; 1930 erschienen etwa 60 deutschsprachige Periodika in Siebenbürgen. Zugleich wurden die Nationsuniversität 1921 enteignet und 1937 aufgelöst.
Im Zweiten Weltkrieg wurden die Rumäniendeutschen als Volksdeutsche in die Politik des Deutschen Reiches einbezogen. 1940 teilte der Zweite Wiener Schiedsspruch Siebenbürgen zwischen Rumänien und Ungarn; erstmals lebten die Siebenbürger Sachsen in zwei Staaten. Etwa 95 % der wehrfähigen Rumäniendeutschen dienten bei Frontverbänden der Waffen-SS, ungefähr 15 % von ihnen starben. Nach Rumäniens Seitenwechsel zu den Alliierten am 23. August 1944 kam es zu Flucht und Evakuierungen, besonders aus Nordsiebenbürgen. Von 298.000 Deutschen in Siebenbürgen im Jahr 1941 waren schon während des Krieges etwa 50.000 verschwunden.
1945 wurden etwa 30.000 Siebenbürger Sachsen zur Zwangsarbeit in die Ukrainische SSR und andere Gebiete bis zum Ural deportiert. Danach folgten Enteignung, zeitweise Entrechtung, Diskriminierung und Verstaatlichung von Besitz, Schulen, Presse, Betrieben und kirchlichen Gütern. Ab den späten 1950er Jahren begann die Familienzusammenführung mit Deutschland, seit Mitte der 1970er Jahre eine starke Auswanderungswelle. Ab 1969 regelte ein Abkommen zwischen Rumänien und der Bundesrepublik Deutschland die Ausreise vieler Rumäniendeutscher.
Gegenwart, Sprache und Kultur
1989 lebten noch etwa 115.000 Siebenbürger Sachsen in Siebenbürgen. Von 1990 bis 1992 verließen mehr als 90.000 das Land; Ende der 1990er Jahre sank die Zahl der deutschen Minderheit in Siebenbürgen auf unter 20.000. Bei der Volkszählung von 2011 bekannten sich in ganz Rumänien 36.042 Einwohner als Rumäniendeutsche; die Zahl der Siebenbürger Sachsen darunter ist unbekannt. Der Verband der Siebenbürger Sachsen geht von etwa 16.000 noch in Siebenbürgen lebenden Siebenbürger Sachsen aus. Weltweit werden etwa 200.000 in Deutschland, etwa 30.000 in den USA, etwa 20.000 in Österreich und etwa 8.000 in Kanada geschätzt.
In Rumänien werden die deutschsprachigen Gruppen durch das Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien vertreten. Bekannte politische Vertreter sind Klaus Johannis, langjähriger Bürgermeister von Hermannstadt und bis 2025 rumänischer Staatspräsident, sowie weitere Bürgermeister und Kommunalpolitiker des Forums. In Deutschland, Österreich, Kanada und den USA bestehen landsmannschaftliche Verbände; sie sind mit dem DFDR/FDGR in der Föderation der Siebenbürger Sachsen zusammengeschlossen.
Religiös sind die Siebenbürger Sachsen seit der Reformation durch Johannes Honterus überwiegend evangelisch. Im Mittelalter waren sie katholisch; eine Minderheit wurde calvinistisch, und im 16. Jahrhundert verbreitete sich zeitweise auch Unitarismus. Bis heute gibt es die Evangelische Kirche A.B. in Rumänien mit eigenem Bischof.
Kulturell wichtig sind Kirchenburgen, Dörfer, Stadtkerne, Trachten, Nachbarschaften, Literatur und Musik. Das siebenbürgische Liedgut umfasst deutsche und sächsische Texte, etwa das Siebenbürgenlied und Lieder über Arbeit, Dorfleben, Heimat, Natur, Freundschaft, Liebe und Treue. Die Sprache war im Alltag lange der sächsische Dialekt, während Latein, später Hochdeutsch und seit der Neuzeit auch Rumänisch in Schule, Verwaltung und Öffentlichkeit Bedeutung hatten.