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Luxemburgische Sprache

Ein Luxemburger Kind erlernt es als Muttersprache, bevor es später in der Schule Standarddeutsch, Französisch und Englisch erlernt. ... Der Satzbau (Syntax) …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Einordnung und rechtlicher Status
  2. 2. Verbreitung, Gebrauch und historische Entwicklung
  3. 3. Schriftsprache und Orthografie
  4. 4. Wortschatz und Sprachkontakte
  5. 5. Grammatik und Verbalsystem
  6. 6. Laute und typische Sprachbeispiele

Einordnung und rechtlicher Status

Luxemburgisch (Eigenbezeichnung Lëtzebuergesch, Aussprache [ˈlətsəbuːɐ̯jəʃ]) ist die Landessprache und eine der Amtssprachen des Großherzogtums Luxemburg. Es ist von dem Luxemburger Hochdeutsch zu unterscheiden, also der in Luxemburg verwendeten Standardvarietät des Deutschen. Neben der Standardsprache gibt es typische luxemburgische Dialekte, auf denen die Standardsprache beruht.

Strukturlinguistisch gehört Luxemburgisch als nördliche moselfränkische Varietät zum Westmitteldeutschen und damit zum kontinentalwestgermanischen Dialektkontinuum. In der Soziolinguistik wird es als Ausbausprache, Ausbaudialekt oder Kulturdialekt bezeichnet. Seine Eigenständigkeit beruht demnach vor allem auf dem Ausbau von Grammatik, Wortschatz und Aussprachenormen, nicht auf einem grundsätzlichen Abstand zu den benachbarten deutschen Varietäten.

Nach Artikel 4 der luxemburgischen Verfassung ist Luxemburgisch „die Sprache des Großherzogtums Luxemburg“. Das Gesetz vom 24. Februar 1984 führt Luxemburgisch neben Deutsch und Französisch als Verwaltungssprache. Behörden müssen Anfragen in einer dieser drei Sprachen in der jeweils gewählten Sprache beantworten. Das Gesetz vom 20. Juli 2018 fördert die Normierung und den Gebrauch der Sprache. Das Zenter fir d’Lëtzebuerger Sprooch (ZLS) legt die offiziellen Rechtschreibnormen fest und betreibt mit dem Lëtzebuerger Online Dictionnaire (lod.lu) die größte Referenzdatenbank luxemburgischer Wörter.

In Belgien erkannte die Französische Gemeinschaft Luxemburgisch durch Dekret vom 24. Dezember 1990 als „regionale endogene Sprache“ an. In Attert schützen 21 Maßnahmen unter anderem zweisprachige Beschilderung, Sprachkurse und Kulturveranstaltungen. In der Europäischen Union ist Luxemburgisch eine Minderheitensprache, aber keine der 24 EU-Amtssprachen. Die luxemburgische Regierung verzichtete bisher aus praktischen und finanziellen Gründen auf eine Anerkennung auf EU-Ebene. Die Sprachcodes sind ISO 639-1: lb sowie ISO 639-2 und ISO 639-3: ltz.

Verbreitung, Gebrauch und historische Entwicklung

Der luxemburgische Sprachraum umfasst das Großherzogtum und das Areler Land im Südosten Belgiens. Dort bestehen lokale Mundarten wie Areler, Eechternoocher, Kliärrwer, Miseler, Veiner und Weelzer. Verwandte moselfränkische Dialekte werden außerdem in der Region Trier und im Kreis Bitburg-Prüm, im Saarland, im südlichsten Teil der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens sowie in Teilen Lothringens gesprochen; dort gelten sie überwiegend als deutsche Dialekte. Weltweit sprechen nach einer Angabe des Artikels etwa 285.000 Menschen Luxemburgisch als Muttersprache. Die Infobox nennt dagegen 400.000 Sprecher; die unterschiedlichen Angaben werden nicht weiter erklärt.

Luxemburgisch ist die wichtigste Umgangs- und Muttersprache vieler Luxemburger. Ortsnamen erscheinen auf Schildern neben der französischen Form auch auf Luxemburgisch. Private Einladungen, Flugblätter und Nachrichten werden häufig Luxemburgisch verfasst; offizielle Bekanntmachungen überwiegend Französisch. In der Primarstufe wird traditionell Luxemburgisch und Hochdeutsch verwendet, die Alphabetisierung erfolgt auf Hochdeutsch. Französisch wird ab dem 2. Schuljahr, teilweise ab dem 1. Schuljahr, unterrichtet. In der Sekundarstufe wird diese Mehrsprachigkeit fortgesetzt: Bis zur 9. Klasse sind Hochdeutsch und Luxemburgisch verbreitet, im klassischen Lyzeum ist ab der 10. Klasse mehrheitlich Französisch Unterrichtssprache, im technischen Lyzeum überwiegend Hochdeutsch. Luxemburgisch bleibt bis zum 7. Schuljahr Unterrichtsfach und wird auch später zur Erklärung einzelner Sachverhalte verwendet.

Radio- und Fernsehprogramme wie RTL Lëtzebuerg sowie mehrere Radiosender fördern die Standardsprache. Die Presse verwendet überwiegend Deutsch, daneben Französisch und Luxemburgisch. Im Artikel werden für Printmedien 85 % deutschsprachige, 12 % französischsprachige und 3 % luxemburgischsprachige Artikel genannt; an anderer Stelle werden etwa 16 % französische und 2 % luxemburgische Beiträge angegeben. Luxemburgische Beiträge erscheinen besonders in Kommentaren, Glossen, Lokalnachrichten, Familienanzeigen und Werbung. Das RTL-Nachrichtenportal ist überwiegend Luxemburgisch.

Die Entwicklung der Sprache ist eng mit der Staatsgeschichte verbunden. Nach der Abtrennung des französischsprachigen Westteils an Belgien durch die Londoner Konferenz von 1838–1839 blieb das heutige Großherzogtum als überwiegend deutschsprachiges Gebiet bestehen. Das Areler Land wurde trotz luxemburgischsprachiger Bevölkerung Belgien zugeschlagen. 1848 erwähnte die erste Verfassung Luxemburgisch nicht; Deutsch und Französisch konnten offiziell frei verwendet werden. 1896 wurde ein Antrag von C. M. Spoo abgelehnt, Luxemburgisch als eigenständige Sprache anzuerkennen. Industrialisierung, Wohlstand und die deutsche Besetzung im Ersten Weltkrieg verstärkten das nationale Bewusstsein.

Während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg sollte Luxemburg in das Deutsche Reich eingegliedert werden. Französische Bezeichnungen wurden eingedeutscht, öffentliche Dokumente mussten auf Hochdeutsch verfasst werden, und in den Schulen wurde Hochdeutsch unterrichtet. Die Personenstandsaufnahme vom 10. Oktober 1941 sollte die deutsche Herkunft der Bevölkerung belegen; wegen des Widerstands der Luxemburger wurde das geplante Referendum abgesagt. Luxemburgisch wurde dadurch besonders stark zum Ausdruck nationaler Ablehnung und später zu einem nationalen Symbol.

Nach 1944 nahm die Sprache vermehrt französische Ausdrücke auf. Die lautgetreue Orthographie Luxembourgeoise Officielle (OLO) von 1946 scheiterte an ihrer Unbeliebtheit; 1976 wurde sie aufgegeben und durch eine stärker an das Hochdeutsche angelehnte Schulorthographie ersetzt. Durch italienische und portugiesische Arbeitsmigration, das Bankenwesen und Grenzgänger wurde Luxemburg seit dem späten 20. Jahrhundert zu einer multiethnischen Gesellschaft. Französisch dient dabei häufig als Verständigungssprache zwischen Einheimischen und Migranten. Nach dem Eurobarometer 2005 bezeichneten 73 % der einheimischen Luxemburger Luxemburgisch als Muttersprache.

Schriftsprache und Orthografie

Erste Schriftstücke in Luxemburger Mundart entstanden zwischen 1815 und 1839. Das erste literarische Werk gilt als E’ Schrek ob de’ Lezeburger Parnassus von Antoine Meyer aus dem Jahr 1829. Damals gab es noch keine verbindlichen Schreibnormen; Autoren erklärten häufig ihre eigenen Regeln, die sich an Lautschrift oder deutscher Orthografie orientierten. Edmond de la Fontaine (Dicks) unternahm 1855 mit Versuch über die Orthographie der luxemburger deutschen Mundart einen frühen Vereinheitlichungsversuch. Seine zahlreichen diakritischen Zeichen setzten sich jedoch nur begrenzt durch.

1946 wurde mit der OLO erstmals eine gesetzliche Orthografie eingeführt. Sie war strikt phonetisch und entfernte das Schriftbild bewusst stärker vom Deutschen. Da verwandte Wörter dadurch schwer erkennbar waren, blieb sie unbeliebt. Die heutige Orthografie beruht auf einem Konzept von Robert Bruch, das 1955 veröffentlicht wurde. Sie lehnt sich an die deutsche Orthografie an, berücksichtigt aber die spezifischen luxemburgischen Laute und Tonfolgen. Die offizielle Anerkennung erfolgte am 10. Oktober 1975; Reformen gab es 1999 und 2019. Eine einheitliche verbindliche Orthografie wurde im November 1976 durch Erlass eingeführt. Von 2000 bis 2002 entstand mit CORTINA eine Rechtschreibprüfung auf Grundlage von 125.000 Wortformen. Das Lëtzebuerger Online Dictionnaire wurde 2007 veröffentlicht und dient heute weitgehend als Standardwerk.

Das lateinische Alphabet wird durch ä, ë und é ergänzt. ö und ü kommen fast ausschließlich in unverändert übernommenen deutschen oder französischen Lehnwörtern vor. Das charakteristische ë ersetzte das frühere ö und wird als eo umschrieben. Das französische é ist im Gegensatz zum deutschen e immer gespannt. Ein ß gibt es nicht; es wird durch ss ersetzt. Doppelte Vokale werden lang gesprochen: Das i wird beispielsweise als ii geschrieben, nicht wie im Deutschen als ie.

Wortschatz und Sprachkontakte

Der größte Teil des luxemburgischen Wortschatzes ist mit dem Deutschen verwandt. Manche Wörter entsprechen Formen anderer deutscher Mundarten, etwa Gromperen für „Kartoffeln“. Andere sind vor allem im Luxemburgischen verbreitet, zum Beispiel barlucken für „schielen“. Hinzu kommen eigene Redewendungen sowie einzelne niederländisch verwandte Wörter wie Geck und de Geck maachen. Die feste Wendung wann ech gelift bedeutet „bitte“.

Besonders stark ist der französische Einfluss. Grundlegende Wörter wie Merci („Danke“) und Pardon („Entschuldigung“) sind französischen Ursprungs. Integrierte Lehnwörter sind etwa fëmmen, Forchette, Fotell, Lastique, picken, prett, Suen, Tirrang und Vakanz. Andere Wörter werden weitgehend unverändert aus dem Französischen übernommen, zum Beispiel Accident, Cadeau, Enveloppe, Glace, Goût, Jus, mauve, Pneu, Poulet, Rideau und Valise; ihre Betonung kann sich vom Französischen unterscheiden.

Es gibt Zusammensetzungen aus deutschen und französischen Bestandteilen, deren Konstruktion deutsch ist, etwa Haaptplat („Hauptgericht“), Fussballsterrain („Fußballfeld“) und Bréifboîte („Briefkasten“). Auch Zusammensetzungen aus zwei französischen Bestandteilen kommen vor, etwa Veloscourse, Coursevelo und Comitésmember. Für manche Bedeutungen existieren deutsche und französische Lehnwörter nebeneinander, etwa bedreeën und menacéieren für „bedrohen“ oder verbesseren und corrigéieren für „verbessern“. Neuere Neologismen stammen besonders aus Telekommunikation und Computertechnik. Chaträume, E-Mails und SMS haben den luxemburgischen Wortschatz und seine Verwendung stark geprägt.

Grammatik und Verbalsystem

Die Syntax ähnelt der deutschen. Im Hauptsatz steht das finite Verb gewöhnlich an zweiter Stelle: „Ech spille Foussball“, „Am Summer spillen ech Foussball“ und „Gëschter hunn ech Foussball gespillt“. Im Nebensatz gilt grundsätzlich die Reihenfolge Subjekt–Objekt–Verb: „De Mëtteg spillen ech Foussball, wann et nom Iessen net méi reent.“

Luxemburgisch hat drei Genera: Maskulinum, Femininum und Neutrum. Die bestimmten Artikel lauten maskulin deen beziehungsweise den, feminin déi beziehungsweise d’ und neutral dat beziehungsweise d’. Es gibt die Fälle Akkusativ und Dativ sowie in einigen Ausdrücken Reste des Genitivs. Der Akkusativ hat die Funktion des früheren Nominativs weitgehend übernommen; vom Nominativ bleiben versteinerte Ausdrücke wie der Däiwel. Besitz wird meist mit dem Dativ ausgedrückt. Im Plural wird nicht zwischen den grammatischen Geschlechtern unterschieden. Das Zahlwort „zwei“ richtet sich nach dem Genus: zwee Männer, aber zwou Fraen.

Adjektive können attributiv oder prädikativ stehen. Der Komparativ wird meist analytisch mit méi gebildet; der Superlativ endet gewöhnlich auf -sten. Unregelmäßige Formen sind gutt – besser – am beschten, vill – méi – am meeschten und wéineg – manner – am mannsten.

Regelmäßige Verben enden auf -en; Verben auf -éieren sind meist französischen Ursprungs und vollständig regelmäßig. Zu den vier Hilfsverben gehören hunn („haben“), sinn („sein“), wäerten („werden“) und ginn („werden“). Wäerten bildet das Futur, ginn das Passiv und den zusammengesetzten Konjunktiv. Das Perfekt wird mit hunn oder sinn im Präsens und dem Partizip gebildet, das Plusquamperfekt mit dem Hilfsverb im Präteritum. Der Konjunktiv Präsens verwendet ginn im einfachen Konjunktiv, der Konjunktiv Perfekt hunn im Konjunktiv. Das Partizip kann dem Infinitiv entsprechen oder ein -ge enthalten. Zu den Modalverben zählen däerfen, kënnen, mussen/missen, net brauchen, sollen, wäerten und wëllen.

Laute und typische Sprachbeispiele

Das luxemburgische Konsonantensystem enthält unter anderem die Plosive p, b, t, d, k und g, den Glottisschlag [ʔ], die Nasale m, n und ng [ŋ], den uvularen Laut r [ʀ], Frikative wie f, w [v], s, sch [ʃ], ch [χ] und h sowie die Approximanten j und w. Das Graphem g hat je nach Herkunft, Position und Nachbarlaut unterschiedliche Realisierungen. Am Wortende kann es in französischen und deutschen Wörtern [k] sein, am Anfang eines luxemburgischen Wortstamms [ɡ]. In luxemburgischen und deutschen Wörtern erscheint es am Wortende nach vorderen Vokalen als [χ], nach nicht-vorderen Vokalen und Konsonanten als [ɕ]. Im Wortstamm kann g außerdem [ʁ], [ʑ] oder in unbetonten Folgen [j] entsprechen.

Das Vokalsystem umfasst unter anderem i [i], ü [y], u [u], é [e], ö [ø]/[œ], ë [ə], e [ɛ], ä [æ], aa [a] und a [ɑ]. [œ], [ø] und [y] kommen nur in deutschen und französischen Lehnwörtern vor. Doppelte Vokale werden lang ausgesprochen. Wichtige Diphthonge sind [iə] (ie), [ɜɪ] und [æɪ] (éi beziehungsweise äi), [ɑɪ] (ei), [uə] (ue), [əʊ] (ou) sowie [æʊ] und [ɑʊ] (au). Weitere phonetische Diphthonge können durch die Vokalisierung von /ʀ/ entstehen.

Typische Wörter sind moien („guten Tag“), äddi („ade“), wann ech gelift („bitte“), merci („danke“), jo („ja“), nee(n) („nein“), dacks („oft“), propper („sauber“) und Kanner („Kinder“). Ein Beispiel für die Sprachklassifikation im Rheinischen Fächer ist ech gegenüber deutsch ich, maachen gegenüber machen, Duerf beziehungsweise Dooref gegenüber Dorf und dat gegenüber das. Das Luxemburger Hochdeutsch enthält ebenfalls eigenständige Ausdrücke, etwa amenagieren für „einrichten, renovieren“, Manifestation für „Veranstaltung“, Rond-point für „Kreisverkehr“ und jemandem anrufen statt „jemanden anrufen“.

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