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Geschichte Indiens

Die Geschichte Indiens umfasst die Entwicklungen auf dem Indischen Subkontinent von der Urgeschichte bis 1947 und die Entwicklung der Republik Indien vor …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und frühe Besiedlung
  2. 2. Indus-Kultur, vedische Zeit und klassische Reiche
  3. 3. Mittelalter, Sultanate und Mogulreich
  4. 4. Britische Herrschaft und Unabhängigkeit
  5. 5. Teilung, Staatsaufbau und Konflikte bis 1989
  6. 6. Liberalisierung und Entwicklung seit 1990

Überblick und frühe Besiedlung

Die Geschichte Indiens umfasst die Entwicklung des Indischen Subkontinents von der Urgeschichte bis 1947 sowie die Geschichte der Republik Indien von ihrer Gründung 1947 bis heute. Die Indus-Kultur war die älteste bekannte Zivilisation des Subkontinents und eine der ältesten Hochkulturen der Welt; ihre Geschichte reicht mindestens 5000 Jahre zurück. Seit etwa 1500 v. Chr. sollen arische Stämme von Norden eingewandert sein und die vedische Kultur hervorgebracht haben.

Die Vorgeschichte beginnt mit dem Paläolithikum. Die älteste Fundstätte ist Attirampakkam. Frühe Steinwerkzeuge des Altpaläolithikums sind grobe Faustkeile, Chopper, Chopping Tools und Keilmesser; bekannte Fundorte sind Singi Talav, Bhimbetka, Adamgahr und Gudiyam. Aus Hathnora im Narmadatal stammt ein 1982 geborgenes Schädeldach des Mittelpleistozäns, der sogenannte „Narmada-Mensch“ (Homo erectus narmadensis). Im Jungpaläolithikum entstanden Klingen-Industrien; aus dem Belan-Tal liegen Radiokarbon-Daten von 18.000–17.000 v. Chr. vor.

Das Mesolithikum setzte zu Beginn des Holozäns im 9. Jahrtausend ein. Die Menschen lebten oft weiterhin als Jäger und Sammler; typisch sind kleine, meist aus regelmäßigen Klingen gefertigte Mikrolithen. Fundorte wie Bagor liefern Hüttengrundrisse, Damdama Belege für die Nutzung wilden Reises. Felskunst ist etwa aus Bhimbetka bekannt; in Morhana Pahar zeigen Bilder bereits domestizierte Ziegen und Streitwagen.

Die früheste neolithische Besiedlung ist die Mehrgarh-Kultur in Pakistan und Nordwestindien im 7. Jahrtausend v. Chr. Dort wurden schon in einer akeramischen, also keramiklosen, Phase Weizen, Gerste und Dattelpalme angebaut. Im Gangestal verlief der Übergang zur neolithischen Wirtschaftsweise vermutlich fließend zwischen dem 6. und 5. Jahrtausend v. Chr. Im südlichen Dekkan entwickelten sich möglicherweise eigenständig Landwirtschaft und Viehhaltung. Die Ashmond Tradition wird in die Phasen 2800–2200, 2200–1800 und 1800–1000 eingeteilt.

Indus-Kultur, vedische Zeit und klassische Reiche

Die bronzezeitliche Indus-Kultur, auch Harappa-Kultur genannt, entwickelte sich etwa 2800–1800 v. Chr. entlang des Indus im Nordwesten des Subkontinents. Neben Ägypten und Mesopotamien gehörte sie zu den drei frühesten Zivilisationen der Welt. Sie besaß Stadtplanung, Kanalisation, möglicherweise Schrift und Architektur und umfasste in ihrer Blütezeit vermutlich über fünf Millionen Menschen. Nur etwa zehn Prozent ihrer Siedlungen sind ausgegraben; die Zeichen sind nicht entschlüsselt, und es ist ungeklärt, ob sie wirklich Schrift waren. Auch ihr Verschwinden ab etwa 1900 v. Chr. ist nicht geklärt.

In der vedischen Zeit vermischten sich die eingewanderten Arier mit einheimischen Stämmen. In der mittelvedischen Zeit, ca. 1200–900 v. Chr., besiedelten sie Punjab sowie das westliche Ganges- und Yamuna-Tal. Die vedische Religion beruhte auf Opferritualen und Hymnen; Riksamhitas sind Loblieder an die Götter. In der spätvedischen Zeit, ca. 900–600 v. Chr., wurden das östliche Gangestal besiedelt, Städte gegründet, Handel und Reisproduktion ausgeweitet. Seit ca. 600 v. Chr. gab es etwa sechzehn Königtümer. Die gesellschaftliche Hierarchie umfasste Brahmanen, Kshatriyas, Vaishyas und Shudras, war aber noch wohl weniger stark ausgeprägt als später. Mahavira begründete gemäß Überlieferung den Jainismus; Siddhartha Gautama lehrte 40 Jahre lang als Buddha den „Weg der Mitte“.

Chandragupta Maurya schuf um 321 v. Chr., nach Alexanders Einfall 326 v. Chr., die Grundlage des ersten indischen Großreichs. Die Maurya-Dynastie herrschte 320–185 v. Chr. Unter Ashoka (268–233 v. Chr.) reichte der Einfluss bis nach Südindien; die zentrale Verwaltung erfasste vor allem die Gangesebene, Hauptstadt war Pataliputra. Ashoka bekannte sich zum Buddhismus, hinterließ Felsenedikte und begründete laut Artikel einen auf Toleranz beruhenden sozialen Wohlfahrtsstaat. Nach dem Zerfall um 185 v. Chr. folgten unter anderem Shunga, Shaka und Shatavahana.

Das Kuschana-Reich erreichte unter Kanischka im 1./2. Jahrhundert n. Chr. seine größte Macht und förderte den Buddhismus sowie die Kunstschulen von Mathura und Gandhara. Von 270 bis 510 herrschten die Gupta in Nordindien. Sie förderten Hinduismus und Buddhismus; im 5. Jahrhundert entstand die buddhistische Universität Nalanda mit über 10.000 Studenten und angeblich 9 Mio. Büchern. Reichsteilung und Einfälle der als Hunas bezeichneten Alchon-Gruppe beschleunigten im 5. und 6. Jahrhundert den Niedergang.

Mittelalter, Sultanate und Mogulreich

Die zeitliche Abgrenzung des indischen Mittelalters ist umstritten: A. K. Majumdar lässt es Mitte des 8. Jahrhunderts beginnen, Hermann Kulke vom Untergang des Gupta-Reichs im 6. Jahrhundert bis zur Gründung des Delhi-Sultanats 1206 reichen. Harshavardhana regierte 606–647 in Nordindien und förderte den Buddhismus. Vom 8. bis 10. Jahrhundert teilten Rashtrakuta, Pala und Pratihara die Macht; sie kämpften um Kannauj. Die Königsmacht hing stark von Vasallen ab, während Zentralverwaltungen schwach blieben. Autarke Dorfgemeinschaften mit Räten der Mahattaras regelten öffentliche Arbeiten, Gerichtswesen, Tempel und Steuern. Der Buddhismus wurde weiter zurückgedrängt, unter anderem weil Klöster kostspielig waren und Elemente seiner Lehren in den Hinduismus integriert wurden.

Das tamilische Chola-Reich hatte seine Blütezeit vom 9. bis 13. Jahrhundert. Bedeutende Eroberer waren Rajaraja I. (985–1012/14) und Rajendra I. (1012/14–44). Der Islam gelangte durch arabische Eroberungen seit dem frühen 8. Jahrhundert nach Indien. Nach dem Sieg Muhammads von Ghur über Prithviraja III. bei Delhi 1192 setzten sich Muslime in Nordindien durch; 1199 wurde Nalanda zerstört. Das 1206 gegründete Delhi-Sultanat beherrschte zeitweise fast ganz Indien, wurde jedoch 1398 durch Timur Leng stark geschwächt. Der Kontakt von Hinduismus und Islam führte trotz tiefer Unterschiede auch zu Austausch: Urdu diente wirtschaftlicher und administrativer Verständigung, und es entstand indo-islamische Architektur.

Das Bahmani-Sultanat bestand in Zentralindien von 1345/47 bis nach 1489; daraus gingen Bijapur, Golkonda, Ahmadnagar, Bidar und Berar hervor. Das hinduistische Vijayanagar-Reich bestand etwa 1336/46–1565 in Südindien und wurde 1565 in der Schlacht von Talikota erobert.

Das Reich der Großmoguln beherrschte von 1526 bis 1857 Nord- und Zentralindien. Es gilt als Höhepunkt islamischer Kultur auf dem Subkontinent; Beispiele sind Taj Mahal, Rotes Fort in Agra, Humayuns Grabmal und Fatehpur Sikri. Akbar († 1605) schuf eine auf Kontinuität ausgerichtete Verwaltung und einen politischen Ausgleich zwischen Hindus und Muslimen. Unter Aurangzeb († 1707) zerfiel die Mogulmacht. Das von Shivaji gegründete Marathenreich bestand 1674–1818, war aber eher eine Konföderation von Kleinkönigen unter dem Peshwa als ein zentralistischer Staat.

Britische Herrschaft und Unabhängigkeit

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bauten die Briten nach der Verdrängung von Franzosen und Portugiesen ihre Herrschaft aus. Nach der Schlacht bei Plassey 1757 übernahm die Britische Ostindien-Kompanie Bengalen. Warren Hastings wurde 1771 Gouverneur und ließ die Verwaltung durch die Kompanie übernehmen. Die Briten verbanden indische Soldaten und europäische Kriegführung mit Handelsgewinnen und indischen Steuern. Das Handelsmonopol und steigende Steuern belasteten Bengalen; in der Hungersnot 1769–1770 starben zehn Millionen Einwohner. Durch Kriege gegen Mysore 1766–1799, die Sikh 1845–1849 und Burma erlangte die Kompanie weitere Gebiete. Einheimische Industrien brachen zusammen; laut Artikel starben in dieser Zeit bis zu 40 Millionen Inder an Hunger. Zugleich entstanden ab 1839 eine große Straße zwischen Kalkutta und Delhi, Banken, Dampfschifffahrt und ab 1853 die erste Eisenbahnlinie.

Der Indische Aufstand von 1857 begann meist datiert am 10. Mai 1857 mit der Meuterei von Sepoys. Zentren lagen in Uttar Pradesh, Bihar, im Norden Madhya Pradeshs und um Delhi. Als Auslöser gelten Patronen des Enfield-Gewehrs, die angeblich mit Rindertalg und Schweineschmalz behandelt waren. Als tiefere Ursachen nennt der Artikel den Verlust von Landrechten, Arbeit und Einfluss durch die Kolonialpolitik, Christianisierungsbestrebungen und die Annexion von Fürstenstaaten mittels Doctrine of Lapse; über die Gewichtung besteht kein Konsens. Der Aufstand endete nach allgemeinem Verständnis 1859. Mit dem Government of India Act 1858 wurde die Ostindien-Kompanie aufgelöst und Britisch-Indien Kronkolonie.

Das Kaiserreich Indien bestand bis 1947 und umfasste das heutige Indien, Pakistan und Bangladesch. Königin Victoria nahm am 1. Januar 1877 den Titel „Kaiserin von Indien“ an. Für die Große Hungersnot 1876–1878 reichen Schätzungen von 5,5 bis 29 Millionen Toten. Der 1885 gegründete Indische Nationalkongress forderte Unabhängigkeit; 1906 entstand die Muslimliga. Nach dem Ersten Weltkrieg organisierte Mahatma Gandhi gewaltlosen Widerstand. Im Zweiten Weltkrieg meldeten sich 2,5 Millionen Freiwillige zur Indischen Armee; offiziell wurden 24.338 Soldaten getötet, 64.354 verwundet und 11.754 vermisst. Schätzungsweise zwei Millionen Zivilisten verhungerten kriegsbedingt.

Teilung, Staatsaufbau und Konflikte bis 1989

1947 wurden Indien und Pakistan nahezu gleichzeitig als Dominions im Commonwealth unabhängig. Die von Cyril Radcliffe gezogene Grenze führte zu Gewalt und Massenflucht von Hindus aus Pakistan sowie Muslimen aus Indien; mehr als eine Million Menschen starben. Mahatma Gandhi wurde am 30. Januar 1948 von einem fanatischen Hindu ermordet. Der Konflikt um Kaschmir führte zum Ersten Indisch-Pakistanischen Krieg, der 1949 mit einer de-facto-Zweiteilung Kaschmirs unter Vermittlung der Vereinten Nationen endete.

Die Fürstenstaaten wurden am 15. August 1947 souverän und mussten über ihren Anschluss entscheiden. Fast alle schlossen sich bis 1949 Indien oder Pakistan vollständig an. Hyderabad wurde im September 1948 durch Indien besetzt und eingegliedert. Die Verfassung vom 26. Januar 1950 unterschied zunächst A-, B- und C-Staaten; mit dem States Reorganisation Act vom 1. November 1956 wurden sie gleichgestellt und die Fürsten abgesetzt. Ihre Apanagen wurden 1971 abgeschafft.

Indien konstituierte sich am 26. November 1949 als Republik; Rajendra Prasad war 1950–1962 erster Präsident. Unter Premierminister Jawaharlal Nehru gewann die Kongresspartei bei den ersten landesweiten Wahlen 1951–1952 eine Dreiviertelmehrheit. Die Bundesstaaten wurden ab 1953 und besonders 1956 nach ethnischen und sprachlichen Gesichtspunkten neu geordnet. Außenpolitisch gehörte Indien zu den führenden blockfreien Staaten und organisierte die Bandung-Konferenz 1955 mit. Die Wirtschaft wurde planwirtschaftlich gelenkt und durch hohe Zölle abgeschirmt. Der Indisch-Chinesische Grenzkrieg begann am 20. Oktober 1962; China hielt danach Aksai Chin dauerhaft besetzt.

1965 führte der Kaschmir-Konflikt zum Zweiten Indisch-Pakistanischen Krieg. Indira Gandhi wurde am 24. Januar 1966 Premierministerin, verstaatlichte große Privatbanken und gewann 1971 die Wahl. Indien griff im Dezember 1971 zugunsten des unabhängigen Bangladesch in Ostpakistan ein; daraus folgte der dritte Indisch-Pakistanische Krieg. Am 18. Mai 1974 zündete Indien bei Operation Smiling Buddha seine erste Atombombe. Sikkim wurde am 16. Mai 1975 22. Bundesstaat. Während des nationalen Notstands 1975–1977 wurden demokratische Rechte eingeschränkt. Indira Gandhi wurde 1984 nach der Erstürmung des Goldenen Tempels von zwei Sikh-Leibgardisten ermordet; danach folgten Pogrome gegen Sikhs. In Bhopal starben am 3. Dezember 1984 bei einer Giftgaskatastrophe mehr als 2000 Menschen.

Liberalisierung und Entwicklung seit 1990

1991 wurde Rajiv Gandhi bei einem Selbstmordattentat getötet. Die Minderheitsregierung von P. V. Narasimha Rao setzte bis 1996 wichtige Reformen zur Öffnung und Liberalisierung des indischen Marktes um. 1992 zerstörte ein von Hindu-Nationalisten aufgehetzter Mob die Babri-Moschee in Ayodhya; anschließende Konflikte zwischen Hindus und Muslimen forderten Hunderte Tote, besonders in Bombay. Seit 1989 herrschte in Jammu und Kashmir Ausnahmezustand; mehr als Hunderttausend Hindus flohen aus Kaschmir.

Seit 1998 regierte zeitweise eine Mehrparteienkoalition unter Atal Bihari Vajpayee (BJP). 1999 kam es im Kargil-Krieg zu einem weiteren unerklärten Grenzkrieg mit Pakistan. Vajpayee setzte Wirtschaftsreformen fort und veranlasste erneute Atombombentests. Nach einem Anschlag auf einen Zug mit Hindu-Pilgern kam es 2002 in Gujarat zu Ausschreitungen gegen Muslime.

Die Kongresspartei gewann 2004 überraschend; Manmohan Singh wurde am 22. Mai 2004 erster Sikh-Premierminister. Beim Tsunami vom 26. Dezember 2004 starben in Südostindien mindestens 12.407 Menschen, möglicherweise über 16.000. Von 2003 bis 2012 lag das durchschnittliche jährliche Wirtschaftswachstum bei 7–8 %. Bei der Wahl 2014 errang die BJP unter Narendra Modi die absolute Mehrheit der Wahlkreise und stellte seither die Regierung. 2019 kam es erneut zu einer Hitzewelle. Eine Staatsbürgerschaftsreform vom Dezember 2019 gewährte religiös verfolgten Flüchtlingen außer Muslimen schneller Asyl und löste starke Proteste der muslimischen Bevölkerung aus.

Als grundlegende gegenwärtige Probleme nennt der Artikel den Streit mit Pakistan um Kaschmir, starke Überbevölkerung, zunehmende Umweltverschmutzung, ausgedehnte Armut sowie ethnische und religiöse Konflikte zwischen Hindus und Muslimen.

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