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Shaker (Religion)
Die Shaker (englisch für „Schüttler“) sind eine christliche Freikirche in den USA, die aus dem Quäkertum hervorgegangen ist. Ihr eigentlicher Name lautet …
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Wesen und Bedeutung
Die Shaker sind eine christliche Freikirche in den USA, die aus dem Quäkertum hervorgegangen ist. Ihr vollständiger Name lautet United Society of Believers in Christ’s Second Appearing; die Mitglieder nennen sich selbst „the Believers“ („die Gläubigen“). „Shaker“ bedeutet „Schüttler“ und bezieht sich auf den Schütteltanz, der als rituelle Form der Verehrung und des Gebets gilt. Die Gemeinschaft ist besonders durch ihr zölibatäres, gemeinschaftliches Leben, ihre hohe Arbeitsethik sowie ihre Möbel und Architektur bekannt.
Gegründet wurde die Glaubensgemeinschaft im 18. Jahrhundert von Ann Lee, die 1736 als Tochter eines Grobschmieds in Manchester geboren wurde. 1774 wanderte sie mit einer kleinen Gruppe von Anhängern in den US-Bundesstaat New York aus. In Niskayuna im Albany County, dem späteren Watervliet, entstand nach einigen Jahren die erste Gemeinschaft.
Um die Mitte des 19. Jahrhunderts erreichten die Shaker ihre größte Verbreitung: Es gab etwa 20 Siedlungen und 6000 Mitglieder. Um 1920 bestanden noch zwölf Gemeinschaften. 2025 lebten nur noch drei Mitglieder im Sabbathday Lake Shaker Village in Maine. Dort fanden weiterhin Gottesdienste und geistliche Einkehrveranstaltungen statt.
Lehre und gemeinschaftliches Leben
Die Shaker lebten nahezu klösterlich, ehelos und ohne Privateigentum. Männer und Frauen wohnten zwar unter einem Dach, bildeten aber keine Familien. Leitungsaufgaben wurden gleichberechtigt von Männern und Frauen als Elders und Eldresses, also Ältesten, übernommen.
Kinder, die in die Gemeinschaft aufgenommen wurden, konnten nach Vollendung des 21. Lebensjahres entscheiden, ob sie der Gemeinde beitraten oder sie verließen. Dasselbe galt für Findelkinder, die häufig Shakergemeinschaften anvertraut wurden. Neue Mitglieder kamen außerdem durch erwachsene Eintritte hinzu. Die staatliche Waisenfürsorge verringerte später die Zahl der aufgenommenen Waisenkinder und damit einen wichtigen Teil des möglichen Nachwuchses.
Theologisch unterschieden sich die Shaker von traditionellen christlichen Lehren. Jesus von Nazaret galt nach ihrer Auffassung nicht von Geburt an als Sohn Gottes, sondern wurde dies erst durch die göttliche Stimme bei seiner Taufe. „Christus“ verstanden sie als spätere theologische Deutung seines Wirkens. Die Erwartung der Wiederkunft Christi wurde geistig ausgelegt: Sie sollte im Inneren der Menschen stattfinden. Deshalb konnte auch Ann Lee als „wiederkehrender Christus“ gelten, ohne dass sie beanspruchte, mit Jesus Christus identisch zu sein.
Der Schütteltanz wurde von Außenstehenden, unter ihnen Charles Dickens und Herman Melville, als kurios verspottet. Für die Shaker war er jedoch Bestandteil ihrer religiösen Praxis. Ihr Grundsatz verband Arbeit und Glauben: „Hands to work and Hearts to God“ („Die Hände bei der Arbeit, die Herzen bei Gott“). Fleiß, Kreativität und höchste handwerkliche Qualität galten als Voraussetzungen für ein gottgefälliges und freudvolles Leben. Die Arbeit wurde als Gottesdienst verstanden.
Diese Haltung trug dazu bei, dass die Shakergemeinden im Osten der USA Mitte des 19. Jahrhunderts zu den wohlhabendsten und wirtschaftlich erfolgreichsten des Landes gehörten. Die Mitglieder hatten außerdem eine überdurchschnittliche Bildung. Die Shaker lehnten technischen Fortschritt nicht grundsätzlich ab. Aus ihren Unternehmungen gingen unter anderem die Kreiselegge, eine frühe Waschmaschine, die Wäscheklammer und die Kreissäge hervor. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert handelten Shaker an der Börse, arbeiteten als Finanzdienstleister und gehörten den Beraterstäben von sechs US-amerikanischen Präsidenten an, darunter Abraham Lincoln und Theodore Roosevelt.
Siedlungen und heutiger Bestand
Die in der Übersicht genannten Shakergemeinden wurden zwischen 1787 und 1826 gegründet. Zu den wichtigsten gehörten New Lebanon und Watervliet (Colonie) in New York, Hancock, Enfield, Harvard, Tyringham und Shirley in Massachusetts, Canterbury in New Hampshire, Alfred, Sabbathday Lake und Gorham in Maine, Union Village, Watervliet (Kettering), Pleasant Hill, South Union, West Union (Busseron Township), North Union und Whitewater in Ohio, Kentucky, Indiana und Massachusetts sowie Groveland in New York.
Mehrere Gemeinden wurden im 19. und 20. Jahrhundert geschlossen: New Lebanon 1947, Watervliet (Colonie) 1938, Hancock 1960, Enfield in Connecticut 1917, Harvard 1919, Canterbury 1992, Alfred 1931, Enfield in New Hampshire 1923, Shirley 1908, Union Village 1910, Watervliet (Kettering) 1910, Pleasant Hill 1910, South Union 1922, North Union 1889 und Groveland 1892. Für Tyringham, Gorham, West Union (Busseron Township), Savoy und Whitewater ist in der Übersicht kein Schließungsjahr angegeben. Sabbathday Lake wurde 1794 gegründet und bestand zum Zeitpunkt des Artikels weiterhin.
An die Geschichte der Shaker in Neuengland erinnert das Enfield Shaker Museum in Enfield, New Hampshire. Die Ansiedlung war die neunte Shakergemeinde in den Vereinigten Staaten, wurde von den Shakern Chosen Vale („erwähltes Tal“) genannt und bestand bis 1923.
Möbel, Architektur und weitere Hinweise
Heute sind die Shaker-Möbel und die Shaker-Architektur bekannter als die Glaubensgemeinschaft selbst. Der Möbelstil gilt als eigenständiger und einflussreicher Beitrag zur Kunstgeschichte. Kennzeichnend sind formale Strenge, der Verzicht auf Ornamentik und die Orientierung an der Nützlichkeit. Bereits im 19. Jahrhundert waren solche Möbel in den gesamten USA verbreitet und wurden auf Weltausstellungen gezeigt. Der Stil weist Parallelen zur englischen Arts-and-Crafts-Bewegung auf und beeinflusste die moderne Architektur und das Design zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Bekannt sind außerdem ovale Spanschachteln, die „Shaker boxes“.
Der zweckmäßige und schmucklose Baustil der Shaker gilt weiterhin als beispielhaft für Raumgestaltung und indirekte Innenbeleuchtung durch geborgtes Licht („borrowed light“).
Der Artikel verweist außerdem auf Fachliteratur zur Geschichte, Kunst, Produktion und Religion der Shaker, auf den Film The Testament of Ann Lee von 2025 unter der Regie von Mona Fastvold sowie auf einen Beitrag der Österreichischen Mediathek über 200 Jahre Shaker in den Vereinigten Staaten. Er enthält zudem einen Weblink und einen Verweis auf Wikimedia Commons mit Bildern, Videos und Audiodateien.