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Quäkertum

Das Quäkertum ist eine religiöse Gemeinschaft mit christlichen Wurzeln im England der 1650er Jahre. Als Gründer gilt George Fox, aber auch Margaret Fell, …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kern und religiöse Grundlage
  2. 2. Entstehung und geschichtliche Entwicklung
  3. 3. Spaltungen und heutige Richtungen
  4. 4. Gemeinsame Zeugnisse
  5. 5. Glaubenspraxis und Gottesdienst
  6. 6. Bräuche, Organisation und Verbreitung

Kern und religiöse Grundlage

Das Quäkertum ist eine religiöse Gemeinschaft mit christlichen Wurzeln, die im England der 1650er Jahre entstand. Als Gründer gilt George Fox; in der Gründungsphase waren außerdem Margaret Fell, Francis Howgill und James Nayler von zentraler Bedeutung. Der formelle Name der Organisation lautet Religiöse Gesellschaft der Freunde (englisch: Religious Society of Friends). Heute wird das Quäkertum überwiegend als christliche Denomination verstanden. Ein Teil der Quäker sieht sich jedoch nicht als christlich; besonders im liberalen Quäkertum gibt es auch universalistische, postchristliche, humanistische und nichttheistische Deutungen.

Eine grundlegende Überzeugung ist, dass das Licht Gottes in jedem Menschen wohne. Religiöse Wahrheit wird deshalb vor allem in inneren Erfahrungen und der persönlichen Offenbarung gesucht. Daraus folgen die besondere Bedeutung des Gewissens und der Menschenwürde sowie die Auffassung, dass jeder Mensch einen einzigartigen Wert besitzt. Quäker engagieren sich daher gegen Erniedrigung und Diskriminierung von Einzelnen und Gruppen.

Das Quäkertum verbindet diese persönliche, unmittelbare Beziehung zu Gott mit unterschiedlichen Auffassungen über die Bibel. Einige Quäker sind streng bibelgläubig und legen biblische Texte teilweise wörtlich aus; andere betrachten die Bibel als nachrangig oder optional gegenüber der eigenen spirituellen Erfahrung. Riten und Klerus haben im Vergleich zu vielen anderen christlichen Kirchen eine geringere Bedeutung. Religiöses Leben und Alltag werden eng miteinander verbunden.

Entstehung und geschichtliche Entwicklung

Das Quäkertum bildete sich nach dem Ende des Englischen Bürgerkriegs 1649 als eschatologische Erweckungsbewegung aus Dissenters und Seekers. Eschatologisch bedeutet, dass Fragen nach dem Gericht Gottes und dem Ende der Welt eine wichtige Rolle spielten. Die frühen Quäker erwarteten Gottes Gericht nicht erst in ferner Zukunft, sondern in absehbarer Zeit.

Der Name „Quäker“ beziehungsweise englisch „Quaker“ („Zitterer“) war zunächst ein Spottname. George Fox schrieb, Richter Bennet in Derby habe die Bewegung 1650 so genannt, weil Fox gesagt habe, die Menschen müssten vor dem Wort Gottes erzittern. Die Herkunft des Namens ist jedoch nicht sicher geklärt. Die frühe Bewegung verwendete auch Bezeichnungen wie Friends, Friends of the Truth, Publishers of Truth und Society of Friends. Die Vorstellung, der Name sei ausschließlich wegen körperlicher Konvulsionen bei Versammlungen entstanden, gilt als Mythos beziehungsweise geht wahrscheinlich auf eine Übersetzer-Fußnote zurück. Die Spötteleien bezogen sich vor allem auf Warnungen vor Gottes Gericht und auf das „Suffering“, also das Leiden für eine als gerecht verstandene Sache.

In England wurden Quäkerversammlungen durch den Quaker Act von 1662 verboten. Der Toleration Act von 1689 ermöglichte anschließend eine dauerhafte rechtliche Konstituierung. Robert Barclays Apology von 1676 formulierte theologische Grundsätze auf akademischem Niveau. Ebenfalls 1676 organisierte das Meeting for Sufferings des 1675 gegründeten London Yearly Meeting Maßnahmen gegen Verfolgungen. Zuvor hatte Margaret Fell die Missionsarbeit von Swarthmoor Hall aus koordiniert. Bereits 1657 reichten Missionsreisen bis zum Sultan von Konstantinopel; 1658 wurde sogar versucht, Papst Alexander VII. in Rom zu bekehren.

Ein weiterer Meilenstein war das „Heilige Experiment“. William Penn erhielt 1681 von König Karl II. zur Begleichung einer größeren Geldschuld ein großes Gebiet in Nordamerika und wurde dort Gouverneur. In der später Pennsylvania genannten Kolonie galt Religionsfreiheit, nicht nur für Quäker. 1947 erhielten die Quäker, vertreten durch das American Friends Service Committee in Philadelphia und das Friends Service Council in London, den Friedensnobelpreis für ihre Hilfsleistungen.

Spaltungen und heutige Richtungen

Um 1827 kam es in Nordamerika zur ersten großen Spaltung zwischen den Hicksites und den orthodoxen Quäkern. Im weiteren Verlauf folgten weitere Spaltungen und Wiedervereinigungen. Während sich in Ländern wie dem Vereinigten Königreich und Deutschland die ursprüngliche Einheitsgemeinde erhalten hat, entwickelten sich in den Vereinigten Staaten drei Hauptströmungen, die auch in anderen Ländern teilweise übernommen wurden: evangelikale, konservative und liberale Quäker.

Die evangelikale Richtung stellt die spirituelle Erfahrung der Bibel gleich; beide dürfen einander nicht widersprechen. Sie definiert sich vor allem durch Glauben und versteht sich primär als christlich. Ihr Gottesdienst ist programmiert, also inhaltlich geplant, und es gibt ein personelles Pastorenamt. Christliche Mission gilt als Pflicht; in der Sexualmoral überwiegt eine traditionelle Haltung.

Konservative Quäker halten die spirituelle Erfahrung für wichtiger als die Bibel. Sie definieren sich durch Glauben und Form und verstehen sich primär als Quäker. Ob biblische Texte ganz oder teilweise wörtlich verstanden werden, bleibt dem Einzelnen überlassen. Der Gottesdienst ist unprogrammiert, ohne feste Liturgie oder festgelegtes Programm. Es gibt kein Pastorenamt; an seine Stelle treten das Priestertum aller und eine unsichtbare Führung durch den Heiligen Geist. Öffentlichkeitsarbeit wird begrenzt als Pflicht verstanden; die Auffassungen zur Sexualmoral sind teils traditionell, teils liberal.

Liberale Quäker betrachten spirituelle Erfahrung als allein ausschlaggebend. Sie definieren sich durch Methoden und Formen und können christlich, postchristlich oder nichttheistisch ausgerichtet sein. Ihr Gottesdienst hat keine festgelegte Liturgie und kein Programm. Öffentlichkeitsarbeit gilt als verzichtbar, und in der Sexualmoral überwiegen liberale Ansichten.

Im liberalen Quäkertum gibt es eine wachsende Strömung von Mitgliedern, die sich nicht als christlich oder nicht als gläubig bezeichnen. Sie bilden keine geschlossene eigene Gruppe. Bezeichnungen dafür sind unter anderem Nontheistic Quakers, Universalist Quakers, Humanist Quakers und Post-Christian Quakers. In einer Untersuchung der Universität Birmingham bezeichneten sich 14 % der britischen Quäker als Atheisten; 43 % erklärten, sie fühlten sich nicht in der Lage, ihren beziehungsweise einen Glauben an Gott zu bekennen.

Gemeinsame Zeugnisse

Wegen der großen theologischen Unterschiede ist es schwierig, allgemeingültige Aussagen über alle Quäker zu machen. Als kleinster gemeinsamer Nenner gelten vor allem die Quäkerzeugnisse. Das „Historische Friedenszeugnis“ ist das einzige dieser Zeugnisse, das schriftlich festgehalten wurde. Weitere allgemein anerkannte Zeugnisse sind das Zeugnis der Einfachheit, der Gleichheit und der Wahrhaftigkeit. Diese Zeugnisse formulieren überwiegend keine theologischen Aussagen. Deshalb können sich auch säkulare Quäker mit ihnen identifizieren.

Die geringe Ausprägung einer einheitlichen Dogmatik hängt mit der hohen Bedeutung persönlicher Erfahrung und Offenbarung zusammen. Die zentrale Frage lautet sinngemäß nicht nur, was Christus oder die Apostel gesagt haben, sondern auch, was der einzelne Mensch selbst aus dem „Licht“ heraus sagen kann und ob seine Worte innerlich von Gott kommen.

Bei frühen und konservativen Quäkern steht die Bibel nach der persönlichen Offenbarung an zweiter Stelle. Für liberale Quäker ist sie teilweise nur eine Möglichkeit neben der eigenen spirituellen Erfahrung. Evangelikale Quäker stellen Bibel und persönliche Erfahrung gleich. Die persönliche Erfahrung darf der Bibel in dieser Richtung nicht widersprechen.

Glaubenspraxis und Gottesdienst

Identitätsstiftend wirken außerdem „Ratschläge und Fragen“. Sie fordern Mitglieder und Versammlungen dazu auf, das eigene Handeln zu prüfen. Diese Texte sind zwischen den verschiedenen Richtungen nicht einheitlich und werden fortlaufend weiterentwickelt. Ursprünglich wurden sie während der Verfolgungszeit vom Meeting of Sufferings des London Yearly Meeting erstellt und landesweit verschickt. Gefragt wurde unter anderem, ob die Mitglieder trotz der Verfolgung an den Quäkerzeugnissen festhielten, wie viele in Gefängnissen saßen oder erschlagen worden waren, ob Güter beschlagnahmt wurden und ob Geld für Boykotte, Gerichtsverfahren oder Hinterbliebene benötigt wurde. Als die persönliche Verfolgung für die meisten Quäker an Bedeutung verlor, wurden die Fragen und Ratschläge angepasst.

Heute stehen sich vor allem programmierte und unprogrammierte Gottesdienste gegenüber. Der programmierte Gottesdienst der Evangelikalen hat einen geplanten Ablauf und ist häufig am protestantischen Gottesdienst orientiert. Der unprogrammierte Gottesdienst der konservativen und liberalen Quäker folgt der ursprünglichen Form: Er enthält lange Phasen des Schweigens, spontane Redebeiträge und keine geplanten musikalischen Elemente. Hauptamtliche Prediger oder Pastoren gibt es dort nicht.

Bräuche, Organisation und Verbreitung

Durch die Spaltungen der vergangenen anderthalb Jahrhunderte existieren zahlreiche Quäkerorganisationen, die jeweils unterschiedliche Strömungen vertreten. Daneben gibt es Organisationen mit Lobby-Charakter, die sich für gesellschaftliche oder politische Ziele einsetzen und über theologischen Differenzen stehen. Ein Beispiel ist das Quaker United Nations Office (QUNO).

Im Quäkertum wird grundsätzlich nicht zwischen profanen und heiligen Orten oder Zeiten unterschieden. Selbst die Wochentage werden traditionell als first day, second day und so weiter bezeichnet. Kennzeichnend ist eine vergleichsweise geringe Zahl von Riten. In der traditionellen Versammlung treffen sich die Mitglieder meist zu einer völlig stillen Andacht. Seit dem 19. Jahrhundert entstanden unter dem Einfluss zahlreicher Übertritte zu protestantischen Gemeinschaften zusätzlich Gottesdienste mit Lesung, Gesang und teilweise einer Phase des Schweigens. Die Mehrheit der Quäkergemeinschaften im Süden und Mittleren Westen der USA, in Afrika sowie in Lateinamerika hält heute solche programmierten Gottesdienste ab.

Weltweit gibt es etwa 380.000 Mitglieder. Davon leben 49 % in Afrika, 22 % in Nordamerika, 14 % in der Karibik und in Lateinamerika, 9 % in Europa und im mittleren Osten sowie 6 % in Asien.

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