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Septakkord

Ein Septakkord, auch Septimenakkord ist ein Vierklang. Zum Dreiklang aus Grundton, Terz- und Quintstufe der jeweiligen diatonischen Tonleiter tritt die …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Bedeutung
  2. 2. Arten und Aufbau
  3. 3. Grundstellung und Umkehrungen
  4. 4. Dominantseptakkord und Auflösung
  5. 5. Halbverminderte und verminderte Septakkorde

Grundidee und Bedeutung

Ein Septakkord oder Septimenakkord ist ein Vierklang. Zu einem Dreiklang aus Grundton, Terz und Quinte tritt die Septime hinzu. Er lässt sich deshalb auch als Schichtung von drei Terzintervallen beschreiben. Je nachdem, ob kleine oder große Terzen übereinandergeschichtet werden, entstehen verschiedene Arten von Septakkorden.

In der traditionellen Harmonik gelten Septakkorde als dissonant und auflösungsbedürftig: Ihre Spannung verlangt normalerweise die Weiterführung in einen anderen Akkord. Erst im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts wurden sie allmählich auch als selbstständige Klänge verwendet, die nicht unbedingt aufgelöst werden müssen. In der Jazzharmonik bilden Septakkorde in ihren verschiedenen Formen das harmonische Basismaterial und übernehmen damit die Rolle, die sonst Dreiklänge innehaben.

Dominantseptakkorde traten etwa ab 1600 in der Musik der späten Renaissance zunächst als Durchgänge und Vorhalte auf. Eine eigene harmonische Funktion erhielten sie erst bei Komponisten des Hochbarock.

Arten und Aufbau

Die wichtigsten Arten unterscheiden sich durch den zugrunde liegenden Dreiklang und die hinzugefügte Septime:

• Dominantseptakkord: Dur-Dreiklang mit kleiner Septime, zum Beispiel c–e–g–b; Akkordsymbol C⁷. Er liegt in Dur und harmonischem Moll auf der V. Stufe.

• Großer Septakkord: Dur-Dreiklang mit großer Septime, c–e–g–h; Symbole Cmaj7, CΔ oder C7+. In Dur erscheint er auf der I. und IV. Stufe.

• Mollseptakkord: Moll-Dreiklang mit kleiner Septime, c–es–g–b; Symbol Cm⁷. In Dur kommt er auf der II., III. und VI. Stufe vor, im natürlichen Moll auf der I., IV. und V. Stufe.

• Mollseptakkord mit großer Septime: Moll-Dreiklang mit großer Septime, c–es–g–h; Symbole Cmmaj7, CmΔ oder Cm7+. Er erscheint auf der I. Stufe des harmonischen und aufwärtsführenden melodischen Moll.

• Halbverminderter Septakkord: verminderter Dreiklang mit kleiner Septime, c–es–ges–b; Symbole Cmø, Cm7♭5 oder Cm5−/7. Er steht in Dur auf der VII. und im natürlichen sowie harmonischen Moll auf der II. Stufe.

• Verminderter, ganzverminderter oder vollverminderter Septakkord: verminderter Dreiklang mit verminderter Septime, c–es–ges–heses; Symbole C°7, Cdim7 oder Cv7. Er kommt auf der VII. Stufe des harmonischen Moll vor.

• Übermäßiger Septakkord: übermäßiger Dreiklang mit großer Septime, c–e–gis–h; Symbole C+7, Caug7 oder C5+/7+. Er erscheint auf der III. Stufe des harmonischen und des aufwärtsführenden melodischen Moll.

Grundstellung und Umkehrungen

Ein Septakkord kann in vier Lagen auftreten. In der Grundstellung liegt der Grundton im Bass; der Akkord besteht aus drei übereinandergeschichteten Terzen. Bei den drei Umkehrungen wird jeweils ein anderer Akkordton zum tiefsten Ton. Sie enthalten zwei Terzen und eine Sekunde:

• Grundstellung: Septakkord

• 1. Umkehrung: Quintsextakkord

• 2. Umkehrung: Terzquartakkord

• 3. Umkehrung: Sekundakkord

Diese Bezeichnungen stammen aus dem Generalbass. Sie beziehen sich auf die Intervalle, die über dem jeweils tiefsten Akkordton entstehen.

Dominantseptakkord und Auflösung

Der Dominantseptakkord wird meistens als Dominante gedeutet, also als spannungsreicher Akkord, der zur Tonika, dem Grundakkord der Tonart, führt. Ausnahmsweise kann er eine andere Funktion haben: Auf der IV. Stufe des aufwärtsführenden melodischen Moll kann er leitereigen sein und subdominantisch wirken.

Bei der Auflösung besitzen zwei Töne eine besonders klare Richtung. Der Terzton des Dominantseptakkords ist zugleich der Leitton, also die VII. Stufe der Tonleiter. Er steigt um eine kleine Sekunde beziehungsweise einen Halbton zum Grundton der Tonika. Der Septton wirkt als Gleitton und fällt zum Terzton der Tonika: in Dur um eine kleine, in Moll um eine große Sekunde.

Bewegt sich der Bassgrundton im vierstimmigen Satz eine Quarte aufwärts oder eine Quinte abwärts zum Grundton der Tonika, kann der Quintton des Dominantseptakkords zum Grundton der Tonika fallen oder zu deren Terzton steigen. Ein vollständiger Dominantseptakkord führt dadurch häufig zu einem unvollständigen Tonikadreiklang ohne Quinte. Dabei ist entweder der Grundton verdreifacht oder Grundton und Terz sind jeweils verdoppelt.

Beim unvollständigen Dominantseptakkord fehlt dagegen bereits die Quinte, während der Grundton verdoppelt ist. Terz und Septime bleiben erhalten, weil die Terz das Dur- oder Mollgeschlecht bestimmt und die Septime den Klang zum Septakkord macht. Dieser Akkord kann sich im vierstimmigen Satz in einen vollständigen Dreiklang mit verdoppeltem Grundton auflösen.

Beim sogenannten verkürzten Dominantseptakkord fehlt der Dominantgrundton; tatsächlich erklingt ein verminderter Dreiklang auf der VII. Stufe, beispielsweise h–d–f statt eines Akkords mit g. Wegen seiner Leittonspannung wirkt er dominantisch und steht typischerweise unmittelbar vor der Tonika. Die Bezeichnung ist historisch jedoch ein Anachronismus, weil dieser Klang schon verwendet wurde, bevor vollständige Septakkorde gebräuchlich waren. In Renaissance und späterer Musik erscheint er vorwiegend, aber nicht immer, als Sextakkord. Der Leitton darf in der beschriebenen Satzsituation nicht verdoppelt werden, weil seine Aufwärtsführung sonst Oktavparallelen erzeugen würde; außerdem sind Quintparallelen zu vermeiden.

Halbverminderte und verminderte Septakkorde

Der halbverminderte Septakkord steht leitereigen in Dur auf der VII. Stufe, im natürlichen und harmonischen Moll auf der II. Stufe sowie im aufwärtsführenden melodischen Moll auf der VI. und VII. Stufe. In Dur deutet ihn die Funktionstheorie als Dominantseptnonakkord der V. Stufe ohne Grundton; entsprechend besitzt er dominantische Funktion. Auf der II. Stufe in Moll wirkt er subdominantisch, weil sein Tonvorrat in anderer Reihenfolge dem Sixte-ajoutée-Akkord der Subdominante entspricht. Als Bestandteil der II–V–I-Verbindung in Moll ist er im Jazz häufig. Im aufwärtsführenden melodischen Moll hat der Akkord der VI. Stufe trotz seiner Struktur subdominantische Funktion, während derjenige der VII. Stufe tatsächlich dominantisch wirkt.

Der verminderte Septakkord besteht aus einem verminderten Dreiklang und einer verminderten Septime. Er kann ebenfalls als Dominantseptnonakkord ohne Grundton verstanden werden, wirkt dominantisch und steht leitereigen auf der VII. Stufe des harmonischen Moll. Im Sinne der Zwölftonmusik, die diatonische und chromatische Halbtöne nicht unterscheidet, ist er ein Isointervallakkord: Alle aufeinanderfolgenden Intervalle bestehen aus drei Halbtönen.

Seine verminderte Septime und seine beiden verminderten Quinten erzeugen starke Spannungen. Die beiden Töne des Rahmenintervalls streben nach innen. Werden bei der Auflösung alle diese Tendenzen berücksichtigt, entsteht im Zieldreiklang eine Verdoppelung des Terztons.

Der Akkord ist vollkommen symmetrisch. In gleichstufiger Stimmung unterscheiden sich seine Umkehrungen in Aufbau und Klang nicht von der Grundstellung; nur im Notenbild können kleine Terzen als übermäßige Sekunden geschrieben werden. Nach enharmonischer Verwechslung kann jeder der vier Töne als Leitton aufgefasst werden. Daher besitzt der verminderte Septakkord vier Auflösungsmöglichkeiten in verschiedene Tonarten und wurde von Rheinberger als „Chamäleon der Harmonielehre“ bezeichnet.

Im 18. und frühen 19. Jahrhundert finden sich charakteristische Verwendungen unter anderem beim „Barrabam!“ in Bachs Matthäus-Passion, beim Auftritt des Komturs im zweiten Finale von Mozarts Don Giovanni und im Samiel-Motiv aus Webers Freischütz. Im Impressionismus verlor der Akkord häufig seine funktionsharmonische Bedeutung und diente als Klangfarbenakkord oder für chromatische Parallelführungen. Solche chromatischen Rückungen gab es vereinzelt schon früher, etwa in Bachs Chromatischer Fantasie BWV 903. Die im Barock wichtige Tonsymbolik des verminderten Septakkords als Ausdruck des Schrecklichen, Teuflischen oder Dämonischen verblasste durch den häufigen Gebrauch und war seit der Spätromantik nahezu verschwunden.

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