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Freitagsgebet

Es ist für muslimische Männer und Jungen ab der Pubertät vorgeschrieben und für muslimische Frauen empfohlen. Gläubige beim Freitagsgebet in Bangladesch. Das …

Inhalt3 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Ablauf
  2. 2. Religiöse Bedeutung und Abgrenzung
  3. 3. Ursprung, Entwicklung und Überlieferung

Grundidee und Ablauf

Das Freitagsgebet (arabisch صلاة الجمعة, salāt al-dschumʿa; DMG ṣalāt al-ǧumʿa, „Gebet am Tag der Versammlung“) ist eine im Koran verankerte religiöse Verpflichtung. Es ist für muslimische Männer und Jungen ab der Pubertät vorgeschrieben, für muslimische Frauen empfohlen und gilt als wichtigstes Gebet der Woche. Es soll möglichst gemeinschaftlich in einer Moschee stattfinden.

Das Freitagsgebet ersetzt am Freitag das Mittagsgebet Zuhr. Es besteht aus zwei statt vier rakʿa (Gebetseinheiten beziehungsweise Verbeugungen). Außerdem werden die Koranverse vom Imam, dem Vorbeter, laut rezitiert. Die wichtigste Besonderheit ist jedoch die Freitagspredigt: Sie wird vor dem eigentlichen Gebet von einem Prediger, dem Chatīb, gehalten, in der Regel vom Imam der Moschee.

Der Koran fordert die Gläubigen auf, beim Ruf zum Freitagsgebet zum Gebet zu eilen und den Handel ruhen zu lassen (Sure 62:9). Nach dem Gebet dürfen sie sich wieder im Land zerstreuen und nach Reichtum aus der Gnade Allahs suchen, sollen dabei aber oft an Allah denken (Sure 62:10). Die Verse 62:9–11 stellen außerdem klar, dass Gottes Lohn besser ist als Handel und Unterhaltung. Als neuzeitlich säkularer Ruhetag hat der Sonntag auch die islamische Welt beeinflusst. Viele muslimische Staaten erklärten deshalb nach seinem Vorbild und in Abgrenzung zu ihm den Freitag zum gesetzlichen Ruhetag.

Religiöse Bedeutung und Abgrenzung

Der Freitag ist im Islam nicht aufgrund der Woche selbst heilig. Vielmehr wird der Wochentag durch die Tradition des Freitagsgebets besonders. Die Woche besitzt im Islam keine sakrale Bedeutung; Feiertage werden ausschließlich nach dem Mondkalender bestimmt.

Damit unterscheidet sich der Islam vom Judentum und Christentum, die sich auf das Sabbat-Gebot in Ex 20,8–11 LUT und Dtn 5,12–15 LUT beziehen. Im Christentum wurde der Feiertag später vom Samstag auf den Sonntag verlegt, um der Auferstehung Christi zu gedenken. Im Alten Testament wird der Sabbat mit dem Vorbild Gottes begründet, der am siebten Tag von seinem Schöpfungswerk ruhte und diesen Tag segnete (Ex 20,11 LUT). Nach Koranvers 50:38 musste Gott jedoch nicht ruhen. Er begann sofort mit dem Regieren (57:4 und 10:4) und wirkt in jedem Augenblick (55:29). Deshalb gilt das Sabbat-Gebot nicht für Muslime (16:124).

Der Freitag ist folglich kein Feiertag im eigentlichen Sinn. Die arabische Bezeichnung „Tag der Versammlung“ stammt aus vorislamischer Zeit und ist wahrscheinlich eine Lehnübersetzung aus dem Hebräischen. In der islamischen Deutung wurde später eine Verbindung zum „Tag der Versammlung“ des Jüngsten Tages hergestellt, der in Koranvers 64:9 als al-ğamʿ beziehungsweise al-ğumʿa bezeichnet wird. Da der Jüngste Tag in der Zukunft liegt, ist jedoch nicht eindeutig, ob er an einem Freitag stattfinden wird.

Ursprung, Entwicklung und Überlieferung

Das Freitagsgebet fand erstmals auf dem Wochenmarkt von Medina statt. Dort lebten zwei große jüdische Stämme. Nach jüdischer Sitte lag der Wochenmarkt am Tag vor dem Sabbat. Weil am Freitag viele Muslime aus der Umgebung auf dem Marktplatz versammelt waren, war auch das Mittagsgebet im Tempel am Marktplatz besonders gut besucht.

Der Prophet nutzte diese Zusammenkunft wahrscheinlich, um Fragen der Gläubigen zu klären, Streitigkeiten zu schlichten oder eine Ansprache zu halten. Danach wurde gebetet. Das Gebet wurde später verkürzt, damit Zeit für eine Predigt gewonnen wurde. Diese Traditionen gelten im Islam als heilig.

Eine von Koranauslegern erzählte Begebenheit erklärt den Bezug zu Sure 62:9–11: Während einer Predigt zog eine Karawane von Kaufleuten mit klingendem Spiel vorbei. Bis auf zwölf Personen verließ die ganze Versammlung den Tempel, um zuzusehen. Die Koranverse mahnen deshalb, beim Gebet zu bleiben und Handel oder Unterhaltung nicht vorzuziehen. Zugleich zeigt der Text, dass eine bereits bestehende Praxis kommentiert wird. Ein Koranvers setzt das Freitagsgebet nicht ausdrücklich ein und beschreibt seinen Ablauf nicht vollständig. Daher besitzt die Überlieferung der Muslime, die den Propheten noch persönlich kannten, neben dem Koran einen normativen Charakter; hierzu gehören die Hadithe.

Ursprünglich wurde das Gebet nicht in einer kleinen Nachbarschaftsmoschee oder in Privaträumen verrichtet, sondern in der zentralen Freitagsmoschee. Dort versammelten sich mindestens vierzig Personen. Die Predigt hielt ein Vertreter des Kalifen und behandelte Fragen von öffentlichem Interesse. Daraus erklärt sich die Pflicht zur Teilnahme für freie, männliche Erwachsene.

Nach einem Hadith, den Abu Huraira überliefert, gibt es am Freitag eine sehr kurze Stunde, in der Gott einem Muslim, der betet und ihn um etwas bittet, die Bitte gewährt. Der Prophet soll mit den Händen angedeutet haben, wie kurz diese Zeitspanne ist. Dennoch hat nach dieser Überlieferung der ganze Tag Anteil an ihrer verborgenen Größe.

Auch den Zeitgenossen des Propheten fiel die Ähnlichkeit des Freitags mit dem jüdischen Sabbat und dem christlichen Sonntag auf. In einer weiteren Überlieferung sagt Mohammed, die Muslime seien die letzten in der Folge prophetischer Offenbarungen, aber die ersten am Tag der Auferstehung. Der Freitag sei den früheren Gemeinschaften zum Gottesdienst auferlegt worden; weil sie sich darüber uneinig gewesen seien, habe Gott den Muslimen die Führung gegeben. Die Juden folgten am Sabbat, die Christen am Sonntag.

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