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Schwarz-rot-gelbe Koalition
Schwarz-rot-gelbe Koalition. Bezeichnung in Deutschland für eine Regierungskoalition aus einer konservativen oder christdemokratischen (mit der Erkennungsfarbe …
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Begriff und Bedeutung
Eine schwarz-rot-gelbe Koalition, auch Deutschland-Koalition genannt, ist in Deutschland ein Regierungsbündnis aus drei politischen Lagern: einer konservativen und/oder christdemokratischen Partei mit der Parteifarbe Schwarz, einer sozialdemokratischen oder sozialistischen Partei mit der Parteifarbe Rot und einer liberalen Partei mit der Parteifarbe Gelb. In der heutigen Bundesrepublik meint der Begriff meist eine Koalition aus CDU/CSU, SPD und FDP.
Die Bezeichnung ist wichtig, weil sie eine bestimmte Form der Zusammenarbeit über mehrere politische Richtungen hinweg beschreibt. Auf Bundesebene hat es eine solche Koalition aus CDU/CSU, SPD und FDP bisher nicht gegeben; sie existierte bislang nur auf Landes- und Kommunalebene.
Bundesebene und historische Einordnung
Die erste Koalition dieser Art war die Weimarer Koalition, die 1919 in der Weimarer Nationalversammlung gebildet wurde. Sie bestand aus der Zentrumspartei als schwarzer Partei, der SPD als roter Partei und der DDP als gelber Partei. Später gab es diese Koalition mehrfach im Reichstag und in einigen Ländern, darunter Preußen mit den Kabinetten Hirsch, Braun I, Marx und Braun III.
Für die heutige Bundesrepublik Deutschland gilt: Eine schwarz-rot-gelbe Koalition aus CDU/CSU, SPD und FDP wird zwar so bezeichnet, kam auf Bundesebene aber bisher nicht zustande. Der Artikel nennt außerdem Österreich als politisch vergleichbaren Fall: Dort wird eine Koalition aus ÖVP, SPÖ und Neos wegen der dortigen Parteifarben Türkis, Rot und Pink auch „Zuckerlkoalition“ genannt. Seit März 2025 wird sie von der Bundesregierung unter Christian Stocker gebildet.
Beispiele in den Ländern
In Berlin entstand nach der ersten Wahl nach dem Zweiten Weltkrieg eine Koalition aus SPD, CDU und LDP. Die SPD hatte mit 48,7 Prozent der abgegebenen Stimmen die absolute Mehrheit knapp verfehlt. Vor dem Hintergrund der angespannten politischen Lage und des sich abzeichnenden Kalten Krieges bildeten die drei Parteien eine gemeinsame Regierung, während die SED in der Stadtverordnetenversammlung die Opposition stellte. Oberbürgermeister wurde zunächst Otto Ostrowski von der SPD, 1947 folgte Ernst Reuter. Die Koalition wurde nach den Wahlen 1948 und 1950 auf Westberliner Ebene fortgeführt. Weil die SPD stärkste Kraft war, spricht der Artikel hier genauer von einer „Rot-schwarz-gelben Koalition“. Nach Reuters Tod im September 1953 zerbrach das Bündnis; CDU und FDP bildeten eine schwarz-gelbe Koalition, die SPD ging in die Opposition.
In Bremen bildete Bürgermeister Wilhelm Kaisen von der SPD nach der Bürgerschaftswahl 1951 eine Koalition aus SPD, FDP und CDU, den Senat Kaisen IV. Nach der Wahl 1955 wurde diese Koalition trotz absoluter Mehrheit der SPD fortgesetzt. Nach der Wahl 1959 regierte die SPD dann mit der FDP in einer sozialliberalen Koalition weiter, während die CDU in die Opposition ging.
Im Saarland bildeten nach der Landtagswahl 1955 die Parteien des sogenannten Heimatbundes, also CDU, SPD und FDP/DPS, eine gemeinsame Landesregierung unter Hubert Ney von der CDU. Nach Neys Rücktritt 1957 wurde die Koalition unter Egon Reinert von der CDU bis 1959 fortgeführt. Danach bildete Reinert eine Regierung aus CDU, SPD und CVP.
In Sachsen-Anhalt nahmen CDU, SPD und FDP nach der Landtagswahl 2021 Koalitionsverhandlungen auf. Am 16. September 2021 unterstützten sie gemeinsam Reiner Haseloff bei seiner erneuten Wahl zum Ministerpräsidenten. Grundlage war ein Koalitionsvertrag der drei Parteien; die Regierung war das Kabinett Haseloff III. Nach Haseloffs Rücktritt im Januar 2026 wurde die Koalition unter Sven Schulze fortgesetzt.
Kommunale Beispiele
Auf kommunaler Ebene nennt der Artikel mehrere Deutschland-Koalitionen seit 2019. In Bremerhaven regiert seit 2019 eine solche Koalition. Im Saarbrücker Stadtbezirk Mitte arbeiten CDU und SPD seit 2019 mit der FDP zusammen. Auch im Kölner Stadtbezirk Mülheim gibt es seit 2019 eine entsprechende Koalition, dort unter Führung der SPD. Ebenfalls 2019 entstand im Bezirk Hamburg-Mitte eine Deutschland-Koalition unter SPD-Führung.
Ein weiteres Beispiel ist Bensheim in Südhessen. Dort bildet eine Deutschland-Koalition seit der hessischen Kommunalwahl 2021 die Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung.