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Altenglisch

Altenglisch, auch Angelsächsisch (Eigenbezeichnung: Ænglisc /'æŋ.glɪʃ/, Englisc) oder altenglische Sprache, ist die älteste schriftlich bezeugte Sprachstufe …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Einordnung und Entwicklung
  2. 2. Dialekte und Grammatik
  3. 3. Laute
  4. 4. Wortschatz und Sprachkontakte
  5. 5. Schrift und Lesebeispiele
  6. 6. Literatur

Einordnung und Entwicklung

Altenglisch, auch Angelsächsisch (Eigenbezeichnung Ænglisc beziehungsweise Englisc), ist die älteste schriftlich bezeugte Sprachstufe des Englischen. Es wurde etwa von 450 bis 1100, bis zum 12. Jahrhundert, in Teilen des heutigen Englands und Südschottlands gesprochen und geschrieben. Es gehört zu den indogermanischen Sprachen, innerhalb dieser zu den germanischen, westgermanischen, nordseegermanischen und anglofriesischen Sprachen. Es ist eng mit Altsächsisch und Altfriesisch verwandt, für Sprecher des Neuenglischen aber ohne gezieltes Lernen nicht verständlich.

Die Sprache entstand, nachdem sich Sachsen, Friesen, Angeln und Jüten ab etwa 400 beziehungsweise ab dem 5. Jahrhundert in Britannien ansiedelten. Ihre Sprache verdrängte die keltischen Sprachen der einheimischen Bevölkerung und wurde zur Grundlage des Englischen. Vom 8. Jahrhundert an ist Altenglisch schriftlich belegt; um 1000 erreichte besonders das späte Westsächsisch der „Schule von Winchester“ ein gewisses Maß an Standardisierung.

Zur altenglischen Zeit bestand mit den westgermanischen Sprachen auf dem Festland ein Dialektkontinuum, also ein Übergangsraum benachbarter Dialekte, deren Sprecher sich verständigen konnten. Später entwickelten sich die Sprachen beiderseits des Ärmelkanals so weit auseinander, dass dieses Kontinuum nicht mehr besteht.

Die Christianisierung Britanniens ab dem 6. Jahrhundert brachte viele lateinische Lehnwörter, besonders aus dem religiösen Bereich. Wikingereinfälle begannen im 8. Jahrhundert; 793 wurde Lindisfarne verwüstet, 866 East Anglia geplündert und 867 York erobert. Der Vertrag von Wedmore von 878 legte nach den Kämpfen König Alfreds von Wessex eine Grenze zwischen Wessex und dem Danelag, dem Wikingerherrschaftsgebiet, fest. Mit der normannischen Eroberung Englands 1066 endete die altenglische Periode; der Einfluss des normannischen Französisch prägte anschließend das Mittelenglische.

Dialekte und Grammatik

Die vier Hauptdialekte waren Nordhumbrisch, Merzisch (Südhumbrisch), Kentisch und Westsächsisch. Sie waren ursprünglich jeweils einem unabhängigen Königreich zugeordnet. Im 9. Jahrhundert wurden Northumbria und der größte Teil Merciens von Wikingern überrannt; die übrigen Teile Merciens und ganz Kent wurden in Wessex eingegliedert. Alfred der Große erhob nach der Vereinigung mehrerer angelsächsischer Königreiche im Jahr 878 den Dialekt von Wessex zur Verwaltungssprache. Deshalb sind die meisten erhaltenen Texte westsächsisch geprägt. Das späte Westsächsisch gilt aufgrund seiner guten Überlieferung als eine Art Standard und wird häufig in Lehrbüchern zugrunde gelegt.

Altenglisch war eine flektierende Sprache: Die Form eines Wortes zeigte seine grammatische Funktion an. Es hatte fünf Kasus: Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ und Instrumental. Der Instrumental fiel allerdings meist mit dem Dativ zusammen. Neben Singular und Plural gab es bei Personalpronomen der 1. und 2. Person noch den Dual für genau zwei Personen. Wie im Deutschen besaß jedes Nomen ein grammatisches Geschlecht, zum Beispiel sēo sunne („die Sonne“) und se mōna („der Mond“).

Laute

Das Vokalsystem unterschied kurze und lange Vokale; grundsätzlich entsprach jedem Langvokal ein Kurzvokal, etwa /æː/ und /æ/. Manche Kurzvokale lagen jedoch etwas tiefer oder zentraler als ihre langen Gegenstücke, beispielsweise /uː/ und /ʊ/. Zu den langen Vokalen zählten /iː, yː, eː, øː, oː, æː, ɑː/, zu den kurzen unter anderem /ɪ, ʏ, ɛ, œ, ɔ, æ, ɑ, ʊ/. Im frühen westsächsischen Dialekt gab es kurze und lange Diphthonge: /ɪʏ/ und /iy/, /ɛɔ/ und /eo/ sowie /æɑ/ und /æɑ/.

Bei den Konsonanten sind Allophone wichtig: Das sind verschiedene lautliche Aussprachen desselben Phonems in bestimmter Umgebung. [v, ð, z] waren Varianten von /f, θ, s/ zwischen Vokalen und/oder stimmhaften Konsonanten. [ŋ] war eine Variante von /n/ vor /k/ und /g/. [ç] und [x] waren Varianten von /h/ im Silbenauslaut, [ç] nach Vorderzungenvokal und [x] nach Hinterzungenvokal. [ɣ] war eine Variante von /g/ zwischen Vokalen und/oder stimmhaften Konsonanten. [dʒ] trat als Variante von /j/ nach /n/ und bei Gemination, also bei Konsonantenverdopplung, auf. Die genaue Aussprache von altenglischem r ist unbekannt; möglich sind ein alveolarer Tap [ɾ] oder ein alveolarer Vibrant [r].

Wortschatz und Sprachkontakte

Der Wortschatz war überwiegend germanischen Ursprungs. Schätzungen zufolge waren nur etwa 3 % Lehnwörter. Diese kamen hauptsächlich aus dem Lateinischen, außerdem aus dem Altnordischen und Keltischen.

Keltische Lehnwörter waren trotz des Kontakts mit der britischen Urbevölkerung selten. Besonders häufig sind geografische Namen: Kent geht auf Canti oder Cantion zurück, dessen Bedeutung unbekannt ist; Deira und Bernicia gehen auf keltische Stammesnamen zurück, Themse und Avon sind keltische Flussnamen. Beispiele für Wortbestandteile in Ortsnamen sind cumb („tiefes Tal“) in Duncombe, Holcombe und Winchcombe. Als wahrscheinliche Einzelwörter gelten binn („Korb, Krippe“), bratt („Mantel“), brocc („Dachs“) sowie crag und luh („See“). Die Herleitung von carr („Felsen“) und dunn („dunkel“) ist umstritten. drȳ („Zauberer“) stammt aus dem Altirischen.

Lateinische Wörter gelangten teils schon vor der Einwanderung nach Britannien in die Sprache, etwa camp aus lat. campus und ċĕaster aus lat. castra. Mit der Christianisierung kamen religiöse Wörter wie abbot, hymn, organ, priest, psalm und temple hinzu; für diesen Bereich werden etwa 350–450 lateinische Lehnwörter geschätzt. Weitere Beispiele sind cap, chest, map, caul („Kohl“), lent („Linsen“), school, master und verse.

Skandinavischer Einfluss entstand durch die Invasoren und Siedler. Beispiele sind sky, skin, skill, reindeer und swain; Ortsnamen auf -by wie Grimsby, Whitby, Derby und Rugby enthalten das dänische Wort für „Ort oder Hof“. they/their/them ersetzten spätestens im Mittelenglischen die altenglischen Formen hīe, hiera und him. In altenglischen Texten sind skandinavische Wörter noch selten belegt, etwa cnīf („Messer“), hittan („treffen“) und hūsbonda („Hausherr“).

Schrift und Lesebeispiele

Altenglisch wurde zunächst mit Runen geschrieben. Nach der Bekehrung zum Christentum übernahm man das lateinische Alphabet und ergänzte es: Yogh wurde aus dem Irischen übernommen, ð (eth) entwickelte sich aus lateinischem d, þ (thorn) und ƿ (wynn) stammen aus dem Fuþorc, der anglo-friesischen Runenreihe. ƿ stand für /w/ und wird in moderner Schreibweise durch w ersetzt.

Die Zeichen ð und þ standen für /θ/ sowie dessen Variante [ð] und waren weitgehend austauschbar. c konnte /tʃ/ oder /k/ bezeichnen, g /g/, [ɣ], /j/ oder nach n [dʒ]; moderne Ausgaben schreiben zur Lesehilfe oft ċ und ġ. sc stand für /ʃ/ oder gelegentlich /sk/, cg für [ddʒ], gelegentlich für /gg/. Doppelkonsonanten wurden lang gesprochen; gelängte ðð/þþ, ff und ss waren stets stimmlos. Moderne Textausgaben markieren lange Vokale mit Zusatzzeichen wie ā, ī und ō sowie kurze Diphthonge wie ea, eo und ie. Diese Zeichen gehörten nicht zu den Originalschriften.

Als typischer Text ist das Vaterunser in westsächsischem Altenglisch überliefert, beginnend mit „Fæder ūre þū þe eart on heofonum“. Ein weiterer Beleg ist König Alfreds Übersetzung von Bedas Kirchengeschichte, Buch IV, Kapitel 23, um 895. Die Passage beschreibt den Dichtermönch Cædmon und die Themen seiner Gedichte.

Literatur

Zu den wichtigsten Quellen der altenglischen Literatur zählt das Beowulf-Epos. Es wurde um 1000 niedergeschrieben, ist vermutlich aber älter. Das Werk ist ein germanisches Heldenepos in stabreimenden Langzeilen. Auch die christlich-religiösen Gedichte Cynewulfs sind altenglisch.

Weitere wichtige Handschriften sind die Caedmon-Handschrift mit religiösen Dichtungen zu alttestamentlichen Themen, das Exeter-Buch mit religiösen und weltlichen Dichtungen sowie der Codex Vercellensis mit Predigten und kleineren Dichtungen. Außerdem sind Rechtstexte seit dem 7. Jahrhundert und Urkunden seit dem 8. Jahrhundert in altenglischer Sprache erhalten.

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