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Schulsystem in Südkorea

Im Kindergarten bekommen Kinder bereits Grundlagen in Lesen und Schreiben, Mathematik und vereinzelt auch auf Englisch beigebracht. Durch ein …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundzüge des Systems
  2. 2. Historische Entwicklung bis 1945
  3. 3. Aufbau und Reformen nach 1945
  4. 4. Schulstufen und Hochschulzugang
  5. 5. Hagwons und Folgen

Grundzüge des Systems

Das südkoreanische Schulsystem hat Wurzeln im Konfuzianismus und wurde außerdem unter anderem durch den Buddhismus geprägt. Heute zählt es nach einschlägigen Testverfahren zu den erfolgreichsten Bildungssystemen der Welt. Es verbindet öffentliche und private Schulen, stark wettbewerbsorientierte Bildungswege und eine intensive Vorbereitung auf den Hochschulzugang.

Im Unterricht dominieren Frontalunterricht und Auswendiglernen. Klausuren und Prüfungen werden überwiegend als Multiple-Choice-Aufgaben gestellt. Wissenschaftler bewerten das System unterschiedlich: Einerseits gilt es als offen, leistungsfähig und als wichtiger Grund für Südkoreas rasantes Wirtschaftswachstum. Andererseits wird kritisiert, dass Kinder schon früh unter hohem Lern- und Leistungsdruck stehen und die Lernmethoden möglicherweise schädlich sind.

Historische Entwicklung bis 1945

Die koreanische Schulbildung lässt sich bis in die Zeit der Drei Königreiche zurückverfolgen. Goguryeo bestand von 37 v. Chr. bis 668 n. Chr., Baekje von 18 v. Chr. bis 660 n. Chr. und Silla von 57 v. Chr. bis 918 n. Chr. Die Bildungssysteme aller drei Reiche stützten sich auf Konfuzianismus, Buddhismus und Martial Arts.

In Goguryeo entstand 372 mit der Daehak die erste staatliche Bildungseinrichtung. Sie bildete männliche Angehörige der Yangban-Oberschicht in chinesischer Literatur, Geschichte und Bogenschießen aus. Ab 427 wurden private Gyeongdang-Schulen gegründet, die vor allem der Bildung der Unterschicht dienten. In Silla hatte die Ausbildung in den Martial Arts besondere Bedeutung; zusammen mit anderen Faktoren unterstützte sie die Vereinigung der Drei Reiche unter Silla.

Während der Goryeo-Dynastie (918–1392) wandelte sich das zunächst stark buddhistisch geprägte Reich zunehmend zum Konfuzianismus. König Gwangjong (949–979) führte 958 das nach dem Vorbild der chinesischen Tang-Dynastie gestaltete Beamtenprüfungssystem Gwageo ein. Theoretisch konnte jeder nach bestandener Prüfung Beamter werden, praktisch hatten vor allem Yangban-Mitglieder die Möglichkeit, weil die Vorbereitung mehrere Jahre dauerte. Die 992 gegründete Gukjagam war die erste Universität des Landes; später stieg die Zahl der Universitäten auf elf. König Injong (1123–1146) ließ 1127 im ganzen Land Schulen errichten. Die Bildung förderte Fortschritte in Druck, Philosophie, Literatur und Naturwissenschaften; um 1232 wurde in Korea der Druck mit Metalllettern entwickelt.

In der Joseon-Dynastie (1392–1910) wurde Korea vollständig konfuzianisch beziehungsweise neokonfuzianisch. Hohe Regierungsämter waren an das staatliche Prüfungssystem gebunden. Die von der staatlichen Ordnung unabhängigen, aber geförderten Seodang-Dorfschulen vermittelten der unteren Schicht Grundwissen in konfuzianischer Ethik. Darauf bauten die staatlichen Hanggyeo-Schulen auf, die auf die Staatsprüfungen vorbereiteten. Nach dem ersten Examen, Sama, konnten die Kandidaten eine zivile oder militärische Laufbahn einschlagen; beide Wege erforderten drei schwierige Prüfungen. In der Praxis erreichten die höchsten Ämter fast ausschließlich männliche Angehörige angesehener Yangban-Familien.

Im 15. und 16. Jahrhundert verbreiteten sich private Seoweon-Schulen, die teilweise von der traditionellen Lehre abwichen und die praktische Lehre Silhak vertraten. Der Regent Daewongun (1863–1873) ließ schließlich fast alle Schulen schließen, um die Macht des Königs zu stärken. Im 19. Jahrhundert gründeten christliche Missionare westlich geprägte Wonsanhaksa-Schulen, die Gleichberechtigung und Bildung für alle propagierten. Nach der gewaltsamen Öffnung Koreas durch Japan 1876 und den Gabo-Reformen wurde ein Bildungsministerium eingerichtet. Ein neues staatliches System mit einer fünf- bis sechsjährigen Grundschule und einer siebenjährigen Mittelschule ersetzte die alten Beamtenprüfungen, blieb aber zunächst vor allem in Seoul erfolgreich. 1909 gab es landesweit 1300 private Schulen.

Während der japanischen Kolonialzeit (1910–1945) sollte das Schulwesen die Koreaner japanisieren und in das japanische Kaiserreich integrieren. Der Joseon-Ausbildungserlass von 1911 setzte das alte System außer Kraft und erschwerte private Schulen. Zunächst waren vier Jahre Grundschule und vier Jahre Mittelschule vorgesehen. Viele Lehrer waren Japaner, der Unterricht fand auf Japanisch statt; koreanische Geschichte und Geographie waren verboten, höhere Bildung blieb Koreanern weitgehend versperrt. Nach der Unabhängigkeitsbewegung von 1919 wurden die Grundschule auf sechs und die Mittelschule auf fünf Jahre verlängert und öffentliche Schulen ausgebaut. 1936 gab es in jeder Ortschaft eine Schule. Ab 1941 wurde das System vollständig japanisch und kriegsorientiert, wodurch zu Kriegsende viele Schulen geschlossen wurden. Der Ausbau der Massenbildung diente zugleich der kolonialen Abhängigkeit.

Aufbau und Reformen nach 1945

Nach dem Zweiten Weltkrieg teilte sich das Bildungssystem mit Korea in Nord- und Südkorea. Unter amerikanischer Kontrolle wurde in Südkorea ein am US-amerikanischen Vorbild orientiertes System eingeführt. Nach der Staatsgründung 1948 folgten 1949 die allgemeine Grundschulpflicht und 1951 das 6-3-3-4-System: sechs Jahre Grundschule (Chohakgyo), drei Jahre Mittelschule (Junghakgyeo), drei Jahre Oberschule (Godeunghakgyo) und vier Jahre Universität (Daehakgyo).

Die Umsetzung litt zunächst unter fehlenden qualifizierten Lehrern und geeigneten Räumen. Ein Sechsjahresplan von 1954 erhöhte den Bildungsetat von 4,2 Prozent des Staatsbudgets im Jahr 1954 auf 14,9 Prozent im Jahr 1959. 1956 wurde eine Einschulungsquote von 95 Prozent erreicht. Der Ausbau der weiterführenden Bildung war für den wirtschaftlichen Aufschwung wichtig, weil Südkorea gut ausgebildete Nachwuchskräfte benötigte.

1968 wurde unter Park Chung-hee (1961–1979) die Aufnahmeprüfung für Mittelschulen abgeschafft und durch eine Lotterie ersetzt, nachdem die hohe Nachfrage zur Entstehung von Eliteschulen geführt hatte. 1974 wurde dasselbe Verfahren für Oberschulen eingeführt. Zunächst verschlechterten sich die Unterrichtsbedingungen wegen größerer Klassen; erst in den 1980er Jahren war der Ausbau des sekundären Bildungsbereichs weit genug fortgeschritten.

Die Zahl der Studierenden stieg von 105.000 im Jahr 1965 auf 208.000 im Jahr 1975 und 400.000 im Jahr 1980. Deshalb wurden Universitäten gegründet oder erweitert. Eine Bildungsreform unter Chun Doo-hwan (1980–1988) verbot 1980 privaten Nachhilfeunterricht und schränkte außercurriculare Aktivitäten stärker ein. Das Graduation Quota System erlaubte Hochschulen, 30 Prozent mehr Bewerber aufzunehmen, als in den Examina zugelassen wurden; der dadurch erhöhte Druck trug wahrscheinlich zu Studentenprotesten bei. 1987 wurde das System abgeschafft, 1990 privater Nachhilfeunterricht wieder zugelassen.

Ab den 1990er Jahren sollte die Bildungspolitik stärker auf Unterrichtsqualität setzen. Der 1995 unter Kim Young Sam (1993–1998) veröffentlichte Plan erleichterte die Gründung von Hochschulen und förderte eine stärkere Privatisierung. Dies trug zur sogenannten Bildungsschwemme bei: Viele Schüler erlangen einen Hochschulabschluss, wodurch dieser in der Berufswelt an Wert verlieren kann.

Schulstufen und Hochschulzugang

Für Kinder von 6 bis 15 Jahren gilt eine neunjährige Schulpflicht: sechs Jahre Grundschule und drei Jahre Mittelschule. Weitere drei Jahre Oberschule sind fakultativ, sodass insgesamt zwölf Schuljahre möglich sind. Schuluniformen sind an allen Schulen vorgeschrieben; Klassen können bis zu 40 Schüler umfassen.

Der Kindergarten ist nicht gesetzlich verpflichtend, wird außerhalb ländlicher Regionen aber gut besucht. Kinder lernen dort bereits Grundlagen in Lesen, Schreiben, Mathematik und teilweise Englisch. Ein fehlender Kindergartenbesuch kann zu Lernrückständen in der Grundschule führen. Die Grundschule beginnt im Alter von 6 oder 7 Jahren und dauert sechs Jahre. Neben Koreanisch gehören Rechnen, Wissenschaften und Gesellschaftskunde zu den wichtigen Bereichen. Von den Kindern wird früh Selbstständigkeit erwartet.

Die Mittelschule dauert drei Jahre und wird ungefähr im Alter von 12 bis 14 oder 15 Jahren besucht. Der Stundenplan umfasst insgesamt 13 Fächer und ist breiter als in der Grundschule. Dazu gehören unter anderem koreanische Geschichte, Mathematik, Englisch und Chinesisch sowie geschlechtsspezifischer Unterricht zu beruflichen Kompetenzen für Jungen und Hauswirtschaftslehre für Mädchen.

Die Oberschule umfasst die Klassen 10 bis 12; die Schüler sind in der Regel 15 bis 19 Jahre alt. Der Notendurchschnitt der Mittelschule ist für die Aufnahme an renommierten Oberschulen entscheidend. Es gibt Schulen mit unterschiedlichen Schwerpunkten, etwa Kunst, Wissenschaften oder Fremdsprachen. Ihre Qualität wird häufig danach beurteilt, wie viele Absolventen an eine der drei als SKY bezeichneten Eliteuniversitäten gelangen: Seoul National University, Korea University und Yonsei University.

Der zentrale Zugang zur Hochschule ist die einmal jährlich landesweit durchgeführte Universitätseintrittsprüfung Suneung, vollständig Daehak suhak neungnyeok siheom. In einem über acht Stunden dauernden Multiple-Choice-Test wird der Stoff der letzten drei Oberschuljahre geprüft. Ob dieses Verfahren Wissen und Qualifikation angemessen abbildet, ist umstritten. Der Test findet für alle Schüler zur gleichen Zeit statt. Am Prüfungstag öffnen viele Büros erst nach 10 Uhr, die Polizei eskortiert verspätungsgefährdete Schüler teilweise, und während des Hörtests wird der Flugverkehr ausgesetzt. Etwa 80 Prozent der Absolventen bewerben sich an einer Hochschule; von diesen wollen wiederum 80 Prozent an privaten Hochschulen studieren. Für die spätere Karriere ist die besuchte Universität häufig wichtiger als der erreichte Abschluss.

Daneben gibt es die frühzeitige Aufnahme Susi. Dabei können das Abschlusszeugnis, die gesamte Schulleistung oder ein Essay berücksichtigt werden. Zur gesamten Schulleistung zählen neben Noten außerschulische Aktivitäten, soziales Engagement, Anschreiben, Empfehlungsschreiben und Motivationsgespräch. Essays werden von der jeweiligen Universität bewertet und sind nicht standardisiert. Wegen der unterschiedlichen Leistungsniveaus der Oberschulen verlangen Hochschulen häufig zusätzlich eine Mindestpunktzahl im Suneung.

Jeonmundae sind Fachhochschulen mit einem zweijährigen, fachspezifischen Studium. Private und öffentliche Universitäten bieten ein vierjähriges Bachelorstudium sowie nach zwei weiteren Jahren einen Masterabschluss und eine Promotion an. Seit einem Vorschlag von MOEHRD können Hochschulen neben dem CSAT beziehungsweise Suneung eigene Kriterien verwenden, darunter schulische Aktivitäten, Universitätstests wie Aufsätze und Interviews, Empfehlungsschreiben, Eignungsprüfungen sowie Auszeichnungen und Preise.

Hagwons und Folgen

Hagwons sind private Lerninstitute, in denen meist kleinere Gruppen von etwa 10 Schülern den Schulstoff wiederholen und vertiefen. Sie bereiten besonders auf den Suneung vor, bieten aber auch Tanz, Schreiben, Malen und Rhetorik an, die bei Bewerbungen vorteilhaft sein können. Es gibt sogar Hagwons für Mütter, in denen sie lernen, wie sie ihre Kinder unterstützen können.

Familien zahlen pro Fach und Kind monatlich zwischen 233.000 und 269.000 Won. Ein Hagwonlehrer verdient durchschnittlich 2,2 bis 2,5 Mio. Won, ein Lehrer an einer öffentlichen Schule 2 bis 2,2 Mio. Won. In Südkorea gibt es knapp 100.000 Hagwons; etwa 75 Prozent aller Kinder besuchen eines. Nach einem normalen Schultag von bis zu 12 Stunden lernen Schüler abends weitere 2 bis 4 Stunden. Auch am Wochenende und in den Ferien werden Hagwons besucht, sodass ein täglicher Lernaufwand von 16 Stunden nicht ungewöhnlich ist. Insgesamt geben Koreaner im internationalen Vergleich besonders viel für Privatunterricht aus: 2,9 Trillionen Won.

Der Wettbewerb um angesehene Hagwons ist selbst groß; Bewerber müssen teilweise Eignungstests bestehen. Obwohl es gesetzlich verboten ist, vermitteln manche Institute Stoff höherer Klassen, teilweise bis zu drei Jahre im Voraus. Deshalb können manche Erstklässler bereits lesen, schreiben und rechnen.

Das Bildungssystem wird als wesentlicher Faktor des wirtschaftlichen Aufstiegs und nach Testleistungen als eines der besten der Welt betrachtet. Zugleich bestimmt ein seit dem Koreakrieg (1950–1953) anhaltendes „Lernfieber“ das Leben vieler Kinder. Die Eltern erwarten von ihnen möglichst gute Ergebnisse, damit sie an eine Eliteuniversität gelangen und später einen erfolgreichen Arbeitsplatz finden. Lange Schul- und Nachhilfetage lassen wenig Zeit für kreative Entfaltung; viele Kinder fürchten, ihre Eltern und das Ansehen der Familie zu enttäuschen.

In sogenannten Kirugi- oder „Wildgänse-Familien“ lebt die Mutter mit den Kindern im Ausland, während der Vater in Südkorea bleibt und Geld verdient. Eine Ausbildung im Ausland soll hohes Ansehen und besonders gute Englischkenntnisse ermöglichen. Der starke Leistungs- und Familiendruck kann bis zu schweren psychischen Belastungen führen; laut Artikel kommt es nicht selten zu Selbstmorden. Trotz der hohen Bildungsbeteiligung finden Hochschulabsolventen außerdem häufig keine oder keine angemessene Anstellung.

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