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Joseon
1897 wurde das Königreich in das Kaiserreich Korea umgewandelt, das weiter von derselben Dynastie regiert wurde. Der Begriff „Joseon“ als Bezeichnung des Landes …
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Überblick und Entstehung
Joseon war eine Erbmonarchie auf der Koreanischen Halbinsel und bestand von 1392 bis 1897. Der Staat folgte auf Goryeo und wurde anschließend in das Kaiserreich Korea umgewandelt. Gründer war General Yi Seong-gye, der spätere König Taejo; seine Dynastie regierte während des gesamten Bestehens Joseons und danach auch das Kaiserreich. Amtssprache war Mittelkoreanisch. Hauptstadt war zunächst Gaegyeong, das heutige Gaeseong, und überwiegend Hanseong, das heutige Seoul. Für 1400 werden 5.730.000 Einwohner angegeben; die Volkszählung von 1900 erfasste 17.082.000 Menschen.
Gegen Ende des 14. Jahrhunderts verlor die seit 918 bestehende Goryeo-Dynastie nach Kriegen und der Unterwerfung durch das zerfallende Mongolenreich an Ansehen. Der Hof zerfiel in Anhänger Yi Seong-gyes, darunter der konfuzianische Gelehrte Jeong Do-jeon, und Loyalisten unter General Choe Yeong. Gleichzeitig verschärften Landkonzentration, Abhängigkeit der Bauern und die Ermordung König Gongmins am 27. Oktober 1374 die Krise.
1388 sollte Yi Seong-gye auf Befehl Choe Yeongs die von der chinesischen Ming-Dynastie beanspruchte Halbinsel Liaodong erobern. Er kehrte mit seiner Armee um, besiegte Choe Yeong und setzte König U ab. 1389 erhob er Gongyang zum König, führte eine umfassende Landreform durch, entmachtete den alten Hochadel und zwang Gongyang 1392 zur Abdankung. Mit Unterstützung des Militärs und der Intellektuellen um Jeong Do-jeon gründete Yi Seong-gye am 17. Juli 1392 die neue Dynastie und wurde selbst König. Als staatlicher Errichtungstag gilt der 5. August 1392. Etwa sieben Monate nach dem Machtwechsel erhielt das Land in Anlehnung an das alte Go-Joseon den Namen Joseon.
Herrschaft, Verwaltung und Gesellschaft
An der Spitze des zentralisierten Staates stand der König, der seinen Nachfolger selbst bestimmte. Ihm unterstanden drei Premierminister ohne eigenes Ressort und sechs Fachministerien: Personal, Steuern beziehungsweise Finanzen, Zeremonien, Militär, Justiz und öffentliche Arbeiten. Gegen Ende Joseons kam ein Auswärtiges Amt hinzu. Die sechs Ministerien bestanden bereits seit 1298.
Mit Joseon verschob sich die Macht von einer aristokratischen Gesellschaft zu einer bürokratisch-intellektuellen Ordnung. Ämter sollten nicht mehr vererbt werden; Bildung und Beamtenprüfungen gewannen an Bedeutung. Großgrundbesitzer wurden zunächst entmachtet, der Status der Bauern gestärkt und die Verwaltung zentralisiert. In der Praxis monopolisierten Familien von Gelehrten und Beamten jedoch häufig den Zugang zu den Prüfungen. Hohe Beamte, Großgrundbesitzer und Angehörige des Adels waren vom Kriegsdienst befreit und genossen besonderen Schutz sowie häufig eine bevorzugte Behandlung.
Die Gesellschaft umfasste die königliche Familie, Beamte, Gelehrte, Großgrundbesitzer, freie Landwirte, eine freie bürokratische Mittelschicht sowie leibeigene Landbevölkerung. Standesunterschiede waren auch an der Kleidung sichtbar: Adelige trugen unter anderem hohe geflochtene Hüte und farbige Kleidung, während gewöhnliche Menschen nur ungefärbte oder weiße Kleidung tragen durften. Ab dem 17. Jahrhundert wurden Frauen stärker benachteiligt, weil sich nach den Verwüstungen des Imjin-Krieges patriarchalisch-neokonfuzianische Normen verstärkten. Schulen waren private, nach chinesischem Vorbild aufgebaute Einrichtungen; Prüfungen fanden in klassischer chinesischer Literatursprache statt. Dennoch konnte das niedere Volk vielfach Koreanisch lesen und schreiben.
1413 wurde das Land in acht Provinzen und insgesamt 332 Bezirke gegliedert; jede Provinz wurde von einem Statthalter verwaltet. 1895 ersetzte man diese Ordnung durch 23 nach ihren Hauptstädten benannte Bezirke. Bereits 1896 wurde das System wieder abgeschafft. Durch die Teilung von fünf älteren Provinzen entstanden nun 13 Provinzen. Diese Einteilung bestand bis zur Teilung Koreas 1945 fort und wirkt grundsätzlich in den heutigen Verwaltungsgliederungen Nord- und Südkoreas nach.
Frühe Machtkämpfe und Reformen
Taejo verlegte die Hauptstadt 1394 von Gaegyeong nach Hanyang, das heutige Seoul. Seine Söhne kämpften jedoch um die Nachfolge. Bei der ersten Rebellion der Prinzen von 1398 wurde Jeong Do-jeon von Anhängern des fünften Königssohns Yi Bang-won ermordet. Taejo zog sich enttäuscht zurück; seine genauen Absichten und die Beweggründe Yi Bang-wons gelten teilweise als unklar. Nach dem Tod des vorgesehenen Nachfolgers Yi Bang-seok wurde Taejos vierter Sohn als König Jeongjong eingesetzt.
Im Frühjahr 1400 löste General Pak Po die zweite Rebellion der Prinzen aus, nachdem er Jeongjong überzeugt hatte, Yi Bang-won plane seine Ermordung. In den Kämpfen in Gaegyeong siegte Yi Bang-won. Jeongjong ernannte ihn zum Kronprinzen und dankte im November 1400 ab. Als König Taejong zentralisierte Yi Bang-won die Herrschaft, beseitigte politische Gegner und regierte als absoluter Monarch. Er reformierte das Steuersystem und versuchte, die Lage der Leibeigenen und der übrigen Bevölkerung zu verbessern. Seit 1401 konnten Beschwerden bei der Regierung eingereicht und korrupte Beamte angeklagt werden. Zugleich bestanden widersprüchliche Regeln, die etwa die Freilassung von Leibeigenen erschwerten. Taejongs politische und finanzielle Stabilisierung schuf wichtige Grundlagen für seinen Nachfolger Sejong. 1418 bestimmte er Yi Do zum Nachfolger und dankte zwei Monate später ab.
Blütezeit, Kultur und Wissenschaft
König Sejong förderte Wissenschaft, Kunst, Bildung, Landwirtschaft, Medizin, Musik, Recht und Militärwesen. Seine bekannteste Leistung war die Schaffung des Hunminjeongeum, heute als Hangul bekannt. Dieses Alphabet sollte vor allem die schriftliche Wiedergabe der koreanischen Sprache vereinheitlichen. Ab seinem zehnten Regierungsjahr ließ Sejong Werke über Recht, Geschichte, Konfuzianismus, Literatur, Sprache, Astronomie, Geografie und Medizin zusammenstellen. Landwirtschaftliche und medizinische Handbücher wurden an die Bevölkerung verteilt.
Das königliche Observatorium wurde erweitert. Im August des 23. Regierungsjahres wurde ein Niederschlagsmessgerät erfunden, das der überwiegend landwirtschaftlichen Gesellschaft bei der Messung der Regenmenge und der Einschätzung von Regenperioden helfen sollte. Nach einer Befragung von etwa 170.000 Menschen beschloss man in Sejongs zwölftem Regierungsjahr eine Steuerreform. 1436 wurde ein Gremium für die rechtliche Ausarbeitung eingerichtet. Landwirtschaftliche Flächen wurden nach Bodenqualität, angebauten Pflanzen und Größe in sechs Qualitätsklassen eingeteilt, nicht mehr nach der Dauer der Brachzeit. Das im 26. Regierungsjahr vollendete Gesetz beruhte auf koreanischen Landvermessungsmethoden.
Die Staatsordnung orientierte sich seit der Gründung am Neokonfuzianismus, einer erneuerten Form konfuzianischer Lehren. Der zuvor bedeutende Buddhismus verlor seine politische Stellung und wurde aus Teilen des öffentlichen Lebens verdrängt, blieb für die gewöhnliche Bevölkerung aber ein wichtiger religiöser und spiritueller Wegweiser. Sejong änderte seine zunächst buddhismuskritische Haltung nach dem Tod seiner Frau und seines Vaters. Die neokonfuzianische Weltsicht stellte China in den Mittelpunkt des Universums. Im 17. und 18. Jahrhundert prägte der Neokonfuzianismus die koreanische Kultur immer stärker; zugleich gelangten mehr aus der Hanja-Schriftsprache stammende Wörter in den koreanischen Alltagswortschatz.
Am Ende Joseons hatten Drucktechnik, Astronomie und Agronomie, also die Wissenschaft vom Ackerbau, ein hohes Niveau erreicht. Fortschritte in Astronomie und Landwirtschaft erhöhten die Ernteerträge. Der bereits seit dem 12. Jahrhundert in Goryeo verbreitete Druck mit beweglichen Lettern ermöglichte seit dem 16. Jahrhundert die Verbreitung agronomischer Bücher.
Fraktionen, Kriege und Außenbeziehungen
Im 15. und 16. Jahrhundert bestimmten Hofintrigen und neokonfuzianische Fraktionen die Politik. Nach Sejos Thronbesteigung im Januar 1455 dominierte die Hungu-Fraktion: etablierte, pragmatische Beamte und Gelehrte, die wegen ihrer Verdienste Ämter erhalten hatten. Ihre Gegner waren die Sarim, konfuzianische Literaten, die sich zunächst in ländliche Gebiete zurückzogen, dort private Schulen, sogenannte Seowon, gründeten und unter König Seongjong politisch aktiv wurden. Sie kritisierten Korruption und Machtkonzentration, wurden unter Yeonsangun Mitte des 16. Jahrhunderts verfolgt und stiegen zu Beginn der Herrschaft Seonjos zur führenden Kraft auf. Später zerfielen sie in konkurrierende Lager, darunter Noron und Soron; die Darstellung der weiteren Aufspaltungen im Artikel ist nicht einheitlich.
Da Joseon von 1409 bis 1592 durchgehend Frieden hatte, wurde das Heer vernachlässigt. Im Imjin-Krieg versuchte Japan zwischen 1592 und 1598 zweimal, Korea zu erobern. Admiral Yi Sun-sin trug entscheidend zur Verteidigung bei. Das von ihm entwickelte Schildkrötenschiff war eine wendige Galeere mit gewölbtem, bronzebepanzertem Oberdeck und wird als erstes gepanzertes Kriegsschiff der Geschichte bezeichnet. Die Zerstörung japanischer Nachschubflotten und die Unterstützung durch Soldaten der chinesischen Ming-Dynastie zwangen Hideyoshi zum Rückzug. Ab 1607 entsandte Joseon insgesamt zwölf diplomatische Delegationen nach Japan; sie trugen bis 1811 zum Frieden bei.
1627 unterstützte Joseon die Ming als Gegenleistung für deren frühere Militärhilfe und wurde deshalb von den vereinigten südlichen Jurchen-Stämmen, den Mandschu, angegriffen. Nach einem weiteren Angriff 1636 wurde Joseon gegenüber dem neuen chinesischen Qing-Reich tributpflichtig. Die negativen Erfahrungen förderten seit dem 17. Jahrhundert eine weitgehende Abschottung, die Wirtschaft und Gesellschaft stagnieren ließ.
Der reguläre Landhandel mit China blieb gering, weil nur dreimal jährlich ein Grenzmarkt stattfand. Ende des 16. Jahrhunderts begann der Handel mit Japan über eine Niederlassung in Busan und Routen nach Tsushima und Nagasaki. Er blieb bis zum Japanisch-Koreanischen Freundschaftsvertrag unbedeutend und wuchs danach deutlich. Schmuggel spielte eine sehr wichtige Rolle.
Abschottung, Religion und Ende
Bis ins 19. Jahrhundert hielt Joseon seine Grenzen geschlossen und beschränkte Kontakte im Wesentlichen auf das chinesische Kaiserreich und das Tokugawa-Shogunat. Im englischen Sprachraum wurde Korea deshalb Hermit Kingdom, „Einsiedlerkönigreich“, genannt. 1866 drang das amerikanische Schiff General Sherman über den Taedong-Fluss ein und entführte den Gouverneur von Pjöngjang. Regent Heungseon Daewongun verlangte den sofortigen Abzug. Bei der anschließenden Eskalation wurde die Besatzung getötet und das Schiff von einer aufgebrachten Menschenmenge verbrannt. 1871 folgte der erste militärische Kontakt mit den Vereinigten Staaten, in Korea Shinmiyangyo genannt.
Seit 1876 zwang Japan Korea Handelsverträge auf. China unterstützte nun ebenfalls die Öffnung, um den japanischen Einfluss einzudämmen. Nach Japans Sieg im Ersten Japanisch-Chinesischen Krieg von 1895 nahm dieser Einfluss weiter zu. König Gojong rief am 13. Oktober 1897 das Kaiserreich Groß-Korea aus; damit endete das Königreich Joseon offiziell.
Religiös hatte Taejo den bereits vorhandenen Konfuzianismus zur offiziellen Lehre erhoben, während der Buddhismus politisch zurückgedrängt wurde. Katholische Missionare kamen erstmals 1837 aus China. Das Christentum wurde anfangs nicht geduldet und gewaltsam verfolgt. 1859 wurden 15.200 Christen gezählt; 1886 endeten die Verfolgungen. Die Religionsfreiheit wurde allerdings erst 1899, nach dem Ende des Königreichs, gewährt. Am Ende Joseons lebten neben der hauptsächlich buddhistischen Bevölkerung etwa 22.000 römisch-katholische und 330 protestantische Christen.