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Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage
Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage (SOR-SMC) ist ein bundesweites Schulnetzwerk in Deutschland. Schulen, die Mitglied im Netzwerk „Schule ohne …
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Netzwerk gegen Diskriminierung
Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage (SOR-SMC) ist ein bundesweites Schulnetzwerk in Deutschland. Mitgliedsschulen verpflichten sich mehrheitlich, aktiv gegen Diskriminierung, besonders gegen Rassismus, an ihrer Schule vorzugehen. Seit einer inhaltlichen Neuausrichtung ab 2000 bezieht der Ansatz neben Rassismus auch Diskriminierung wegen Religion, sozialer Herkunft, Geschlecht, körperlicher Merkmale, politischer Weltanschauung, sexueller Orientierung und weitere Formen ein.
Die Initiative orientiert sich an Artikel 21 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union. Dieser verbietet Diskriminierungen insbesondere wegen Geschlecht, Rasse, Hautfarbe, ethnischer oder sozialer Herkunft, genetischer Merkmale, Sprache, Religion oder Weltanschauung, politischer oder sonstiger Anschauung, Zugehörigkeit zu einer nationalen Minderheit, Vermögen, Geburt, Behinderung, Alter oder sexueller Ausrichtung.
Ziel ist Menschenrechtserziehung: Kinder und Jugendliche sollen gesellschaftspolitische Partizipation, also die Beteiligung an gesellschaftlichen und politischen Fragen, praktisch einüben. Schülerinnen und Schüler sowie Pädagoginnen und Pädagogen bestimmen gemeinsam die Inhalte ihrer Aktivitäten. Unterricht und Zusammenleben sollen so gestaltet werden, dass Gewalt und Angst weniger Raum haben, Vorurteile abgebaut und ethnische sowie religiöse Minderheiten respektiert und integriert werden.
Entwicklung und Aufbau
Die Idee „Schule ohne Rassismus“ entstand 1988 in Belgien und wurde 1992 in den Niederlanden als School Zonder Racisme übernommen. Das niederländische Projekt endete 2009 und wurde durch Gelijke behandeling voor iedereen ersetzt; in Österreich ruhen die Aktivitäten. In Deutschland initiierte Aktion Courage e. V. das Programm 1995. Die erste deutsche Schule wurde am 21. Juni 1995 aufgenommen; ihr Pate war der Fernsehjournalist Friedrich Küppersbusch. Bis 2000 traten 47 Schulen bei.
Sanem Kleff übernahm 2000 die Projektleitung und gestaltete das Projekt inhaltlich und organisatorisch neu; das Büro zog von Bonn nach Berlin. Eberhard Seidel wurde 2002 Geschäftsführer. Im April 2018 gehörten knapp 2.600 Schulen mit über 1,5 Millionen Schülerinnen und Schülern zum Netzwerk. Im Januar 2026 waren es nahezu 5.000 Schulen; 2026 gehören außerdem rund 370 außerschulische Kooperationspartner dazu. Damit ist SOR-SMC das größte Schulnetzwerk Deutschlands.
Die Bundeskoordination in Berlin koordiniert das Netzwerk bundesweit, organisiert Schulaufnahmen, verantwortet Publikationen und entwickelt die Inhalte weiter. In jedem Bundesland gibt es von ihr ernannte Landeskoordinationen. Seit 2014 bestehen in einigen Ländern zusätzlich Regionalkoordinationen. Diese Stellen unterstützen die selbstbestimmten Aktivitäten von Kindern und Jugendlichen.
Voraussetzungen für den Titel
Eine Schule kann Mitglied werden, wenn mindestens 70 Prozent aller Menschen, die dort lernen und arbeiten, in einer Abstimmung der Selbstverpflichtung zustimmen. Sie verpflichten sich damit, sich künftig gegen jede Form von Diskriminierung zu wenden und bei Diskriminierungen aktiv einzuschreiten.
Außerdem muss eine Courage-Schule mindestens einmal pro Jahr einen Projekttag zum Thema durchführen. Vor der Verleihung des Titels muss sie einen Paten finden, der die Schule unterstützt.
Unterstützung und Materialien
Bundesweit gibt es vielfältige Kooperationspartner, Förderer und mehr als 4.000 Paten. Zu den Partnern zählen etwa die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, das Jüdische Museum Berlin, das Anne Frank Zentrum, die Medienanstalt Berlin-Brandenburg und die Bundeszentrale für politische Bildung. Paten sind Persönlichkeiten aus Bereichen wie Sport, Kunst, Musik, Schauspiel und Politik; sie unterstützen jeweils eine oder mehrere Schulen.
Die Bundeskoordination veröffentlicht Materialien zu Themen der Menschenrechtserziehung und Diskriminierung, darunter Rassismus, Rechtsextremismus, Antisemitismus, Islam, soziale Herkunft, Mobbing, Kolonialismus und institutionellen Antisemitismus in der Schule. Beispiele sind „Rassismus. Erkennen & Bekämpfen“ (Berlin 2013), „Lernziel Gleichwertigkeit. Handbuch für die Sekundarstufe“ (Berlin 2015), „Mobbing in Schule und Jugendarbeit“ (Berlin 2021) und „Institutioneller Antisemitismus in der Schule“ (Berlin 2024).
Die von Schülerinnen und Schülern für Schülerinnen und Schüler gestaltete Zeitung Q-Rage! erschien von 2005 bis 2023, zuletzt zum Schuljahr 2023/24, mit einer Auflage von 500.000 Exemplaren. Sie wurde redaktionell von professionellen Journalistinnen und Journalisten unterstützt und war ab Mai 2017 online verfügbar. Von 2007 bis 2012 produzierte die Bundeskoordination außerdem das Internetradio Radio Q-rage.
Kritik und Auszeichnungen
2013 kritisierte der Journalist Alan Posener, ein Schulungsheft verschweige Antisemitismus unter arabischen und türkischen Zuwanderern. Die Initiative entgegnete, sie befasse sich seit 2004 in Publikationen und Fortbildungen mit diesem Antisemitismus sowie mit Islamismus als totalitärer politischer Ideologie.
An einem Q-Rage!-Artikel von 2008 über evangelikale Missionare entzündete sich weitere Kritik. Hartmut Steeb von der Deutschen Evangelischen Allianz sprach von einer verleumderischen und falschen Darstellung. Thomas Krüger von der Bundeszentrale für politische Bildung bewertete den Beitrag als einseitig und undifferenziert. Spiegel Online verteidigte die Autoren: Der Text sei eine Stellungnahme, aber keine Hetzschrift. 2015 wurde kritisiert, dass die Initiative mehrfach ein als Fanbuch kritisiertes Buch über die Band Frei.Wild beworben habe.
Im Fall eines jüdischen Schülers, der 2017 nach antisemitischen Beleidigungen und einem Angriff die Gemeinschaftsschule Berlin-Friedenau verließ, wurde kritisiert, Schule und Netzwerk hätten unzureichend reagiert. SOR-SMC schloss die seit 2016 beteiligte Schule nicht aus dem Netzwerk aus. Nach vielfältigen pädagogischen Aktivitäten erhielt die Schule 2024 den Deutschen Schulpreis.
Das Projekt wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit der Buber-Rosenzweig-Medaille (2001), dem Titel „Botschafter der Toleranz“ (2004), der Theodor-Heuss-Medaille (2012) und dem Alternativen Medienpreis für Q-rage (2012). Weitere genannte Preise sind der Bremer Solidaritätspreis (1998), der Aachener Friedenspreis (1997) sowie Förderpreise „Demokratie leben“ des Deutschen Bundestags 1997 und 1999.