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Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft

Die GEW ist föderal organisiert und besteht aus 16 Landesverbänden. Sie ist Mitglied der Bildungsinternationale (BI) und des Europäischen Gewerkschaftskomitees …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Profil und Aufgaben
  2. 2. Mitglieder und Zeitschriften
  3. 3. Ziele und gewerkschaftliche Forderungen
  4. 4. Bildungs- und Beschäftigungsbereiche
  5. 5. Organisation, Tarifpolitik und Arbeitsgruppen
  6. 6. Geschichte, Kontroversen und Umfeld

Profil und Aufgaben

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ist eine Gewerkschaft im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Ihr vollständiger Name lautet „Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (Allgemeiner Deutscher Lehrer- und Lehrerinnen-Verband) – Gesamtverband der Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher“. Sie wurde 1948 gegründet, hat ihren Sitz in Frankfurt am Main und ein „Parlamentarisches Verbindungsbüro“ in Berlin. Die GEW ist föderal organisiert und besteht aus 16 selbstständigen Landesverbänden.

Die GEW ist Mitglied der Bildungsinternationale (BI) und des Europäischen Gewerkschaftskomitees für Bildung und Wissenschaft (EGBW). Sie vertritt Beschäftigte in Bildung, Erziehung, Sozialpädagogik und Wissenschaft – von Kindertagesstätten und Schulen über Jugendhilfe und Weiterbildung bis zu Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Deutschen Auslandsschulen. Bundesvorsitzende ist seit Juni 2021 Maike Finnern.

Mitglieder und Zeitschriften

Am 31. Dezember 2025 hatte die GEW 274.532 Mitglieder: 76.188 männliche, 197.041 weibliche und 1.303 diverse Mitglieder. Damit ist sie die größte Bildungsgewerkschaft Deutschlands. Die größten Landesverbände liegen in Baden-Württemberg mit etwa 51.000 und Nordrhein-Westfalen mit etwa 50.000 Mitgliedern; Niedersachsen folgt mit etwa 30.000. Laut Satzung regeln die Landesverbände ihre Angelegenheiten selbst, müssen sich aber an gemeinsam gefasste Beschlüsse halten.

Etwa 63 Prozent der Mitglieder arbeiten im Bereich Schule. Dazu gehören Lehrkräfte an Grund-, Haupt-, Real- und Gesamtschulen, Gymnasien, Internaten und Berufsschulen. Wachsende Mitgliedergruppen sind Erzieher, Früh- und Sozialpädagogen, Kinderpfleger, Sozialassistenten und Hilfskräfte in Kindertagesstätten und Jugendheimen. Etwa 40 Prozent der Mitglieder sind Angestellte und 60 Prozent Beamte; rund 70 Prozent sind Frauen.

Das monatliche Mitgliedermagazin „Erziehung & Wissenschaft“ hat eine Auflage von 250.000. Außerdem gibt die GEW die theoretische Vierteljahreszeitschrift „DDS – Die deutsche Schule“ sowie Zeitschriften der Landesverbände heraus.

Ziele und gewerkschaftliche Forderungen

Die GEW tritt für Chancengleichheit, Mitbestimmung, soziale Sicherheit und Demokratie ein. Bildung soll ein Menschenrecht sein und in einem inklusiven Bildungssystem stattfinden. Herkunft und sozialer Status der Eltern sollen nicht über Bildungs- und Zukunftschancen entscheiden. Die GEW lehnt Aussonderung nach Herkunft, sozialer Stellung, Konfession, Weltanschauung, Geschlecht oder Nationalität ab. Bildung soll die körperlichen und geistigen Fähigkeiten, Talente und sozialen Kompetenzen aller Menschen entwickeln.

Die GEW bevorzugt längeres gemeinsames Lernen über die Grundschule hinaus, orientiert am Vorbild Skandinaviens, und fordert die gleiche Bezahlung der Lehrkräfte aller Lehramtstypen. Sie setzt sich für eine „Eine Schule für alle“, Inklusion, kleinere Klassen, ausreichenden Förderunterricht und ein demokratisches öffentliches Bildungswesen ein. Gefordert werden außerdem eine bessere finanzielle Ausstattung des Bildungssystems, kostenlose Kindertagesstättenplätze für alle Kinder und ein Ausbau der Ganztagsangebote. Kürzungen zulasten der Jugend, größere Klassen und Einschränkungen des Förderunterrichts lehnt sie ab.

Zu den arbeitsrechtlichen Zielen gehören gute Arbeitsbedingungen, faire Bezahlung, unbefristete Verträge und sichere Arbeitsplätze. Die GEW kritisiert prekäre Beschäftigung, etwa Minijobs in Kindertagesstätten, befristete und schlecht bezahlte Lehrtätigkeiten in der Erwachsenenbildung und an Hochschulen sowie schlecht bezahlte Zeitverträge an Volkshochschulen und Schulen. Sie fordert volle Verhandlungs- und Mitbestimmungsrechte für alle Beschäftigten, einschließlich der Beamten, ein Streikrecht für Beamte sowie ein einheitliches Personalrecht und eine vollständige tarifvertragliche Absicherung im öffentlichen Dienst und an privaten Bildungseinrichtungen.

Seit 2009 verhandelte die GEW mit der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) über eine bundesweite Entgeltordnung für angestellte Lehrkräfte (L-EGO). Nach einer Tarifeinigung der TdL mit dem Deutschen Beamtenbund im Jahr 2015 schloss sich die GEW dem Tarifvertrag erst 2017 nach Verbesserungen an.

Bildungs- und Beschäftigungsbereiche

Die GEW arbeitet in den Bereichen Kindertagesstätten, Schule, Jugendhilfe, berufliche Bildung, Wissenschaft und Weiterbildung. In der Schule fordert sie ein demokratisches, chancengleiches und inklusives Schulwesen, längeres gemeinsames Lernen, kleinere Klassen und eine angemessene Bezahlung der Lehrkräfte. Flächendeckende Vergleichsarbeiten (VerA) für die 3. Klassen kritisiert sie als nicht lebensnah, nicht kindgemäß und nicht den Lehrplänen entsprechend. Die GEW wendet sich außerdem gegen eine zu frühe Auswahl und Trennung von Schülerinnen und Schülern, weil Bildungspotenziale dadurch nicht optimal genutzt würden.

Für die berufliche Bildung fordert die GEW ein Grundrecht auf Berufsausbildung und eine Ausbildungsgarantie für alle Jugendlichen. Ausbildung, Arbeit und ein auskömmliches Einkommen gelten ihr als Voraussetzungen für individuelle Entwicklung, eigenständige Existenzsicherung und gesellschaftliche Teilhabe. In der Weiterbildung kritisiert sie die Vergabe von Bildungsangeboten nach reinen Marktprinzipien, weil darunter Qualität und Bezahlung der Lehrkräfte leiden könnten.

Im Bereich Hochschule und Forschung verlangt die GEW unter anderem ein elternunabhängiges Studienhonorar als Weiterentwicklung des BAföG, paritätische Mitbestimmung in Hochschulgremien, familienfreundliche Bedingungen, aktive Gleichstellungspolitik, Veränderungen am Bologna-Prozess und eine einheitlich lange, hochwertige Lehramtsausbildung. Das „Templiner Manifest“ von 2011 fordert „Dauerstellen für Daueraufgaben“, berechenbare Karrierewege und tarifvertraglich ausgehandelte Beschäftigungsbedingungen. Der „Herrschinger Kodex“ von 2012 empfiehlt Hochschulen und Forschungseinrichtungen stabile Beschäftigungsbedingungen.

Für Kindertagesstätten fordert die GEW eine fachliche und finanzielle Aufwertung der pädagogischen Berufe und angesichts unterschiedlicher Bedingungen in den Bundesländern ein Bundesqualitätsgesetz für Kitas. Schulsozialarbeit, Ganztagsschule und die Zusammenarbeit von Jugendhilfe und Schule sollen zu einem zusammenhängenden System von Bildung, Erziehung und Betreuung beitragen.

Organisation, Tarifpolitik und Arbeitsgruppen

Das oberste Organ der GEW ist der Gewerkschaftstag. Etwa 400 Delegierte kommen alle vier Jahre zusammen, beschließen die grundlegenden Inhalte der Gewerkschaftsarbeit und wählen den Geschäftsführenden Vorstand. Zwischen den Gewerkschaftstagen ist der etwa 70-köpfige Hauptvorstand das höchste beschlussfassende Gremium. Er umfasst den Geschäftsführenden Vorstand, die Vorsitzenden der 16 Landesverbände sowie Vertreter der Fach-, Arbeits- und Personengruppen. Der Geschäftsführende Vorstand hat acht stimmberechtigte Mitglieder; seine Geschäftsstelle befindet sich in Frankfurt am Main.

Der Mitgliedsbeitrag richtet sich nach dem Einkommen. Für Beamte beträgt er 0,78 Prozent der Besoldungsgruppe und Stufe, für Angestellte 0,73 Prozent der Entgeltgruppe und Stufe. Für Angestellte ohne tarifliche Bezahlung gelten 0,7 Prozent des vereinbarten Bruttoverdienstes, für Freiberufler 0,55 Prozent des Honorars. Leistungszulagen, Weihnachts- und Urlaubsgeld werden nicht berücksichtigt. Teilzeitbeschäftigte sowie Rentner, Pensionäre, Studierende, Auszubildende und Arbeitslose zahlen reduzierte Beiträge.

Im öffentlichen Dienst arbeitet die GEW tarifpolitisch mit ver.di und den übrigen DGB-Gewerkschaften zusammen. Der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Länder (TV-L) gilt seit 2006, außer in Hessen, das seit 2009 einen eigenen Tarifvertrag hat. TV-L und TVöD lösten den seit 1961 geltenden Bundesangestelltentarifvertrag (BAT) ab. Für Lehrkräfte in der Weiterbildung gilt seit Sommer 2012 eine von der GEW mit ausgehandelte Lohnuntergrenze; sie lag 2021 bei 17,03 Euro für Beschäftigte mit Studienabschluss, Meisterprüfung oder ähnlicher Qualifikation.

Zu den Arbeitsgruppen gehören der Bundesausschuss Migration, Diversity, Antidiskriminierung (BAMA), die Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien (AJuM), die Junge GEW für junge Beschäftigte bis 35 Jahre und die GEW-Studis. BAMA setzt sich seit 1987 für interkulturelle Bildung, Mehrsprachigkeit und gleichberechtigte Teilhabe ein. AJuM rezensiert Kinder- und Jugendmedien, organisiert Fortbildungen und vergibt den Heinrich-Wolgast-Preis. Junge GEW und GEW-Studis gehören zur DGB-Jugend.

Geschichte, Kontroversen und Umfeld

Zu den Vorläufern der GEW zählen Lehrervereine des 19. Jahrhunderts, darunter der Allgemeine Deutsche Lehrerverein von 1848 und der Deutsche Lehrerverein von 1871. 1919 entstand die Freie Lehrergewerkschaft Deutschlands als sozialistische Alternative. 1933 wurden Gewerkschaften gleichgeschaltet und Verbände außerhalb des Nationalsozialistischen Lehrerbundes verboten.

Nach Ortsgründungen in Hamburg und Braunschweig entstand am 9. und 10. Januar 1947 in Detmold der Allgemeine Deutsche Lehrer- und Lehrerinnenverband für die Britische Besatzungszone. Er ging am 1. Oktober 1948 in der GEW auf. Die Lehrerverbände der amerikanischen und später der französischen Besatzungszone traten bis 1949 bei. Von 1949 bis 1971 erschien die „Allgemeine Deutsche Lehrerzeitung“, aus der „Erziehung & Wissenschaft“ hervorging. Gemeinsam mit dem BLV entstand 1960 der „Bremer Plan“ zur Entwicklung des Schulwesens, unter anderem mit einer zehnjährigen Schulpflicht in der Einheitsschule.

Der Radikalenerlass von 1972 bedrohte zahlreiche GEW-Mitglieder mit Berufsverboten. Grundsätzlich gewährte die GEW Betroffenen Rechtsschutz. Zugleich beschlossen die GEW oder einzelne Landesverbände Unvereinbarkeitsbeschlüsse gegen Mitglieder kommunistischer K-Gruppen. Betroffene erhielten dann keinen Rechtsschutz in Verfahren zum Radikalenerlass; ausgeschlossene Mitglieder wurden auch von anderen DGB-Gewerkschaften ausgeschlossen. Der Berliner Landesverband wurde 1976 aus der GEW ausgeschlossen. Zur Aufarbeitung gründete der Landesverband Berlin 2018 die „Arbeitsgemeinschaft Berufsverbote“.

Nach der deutschen Einheit wurden Mitglieder der DDR-Gewerkschaften „Unterricht und Erziehung“ sowie „Wissenschaft“ im FDGB weitgehend aufgenommen. Dadurch stieg die Mitgliederzahl kurzfristig stark an. 1997 wurde Eva-Maria Stange als erste Ostdeutsche an die Spitze einer DGB-Gewerkschaft gewählt. 2012 schloss sich die GEW dem Bündnis Umfairteilen an.

Die GEW gehört zum DGB und konkurriert besonders bei Lehrkräften mit konfessionellen, regionalen und schulartspezifischen Verbänden, von denen viele im Deutschen Beamtenbund organisiert sind. Unterschiede bestehen vor allem beim Streikrecht für Beamte, bei der Angleichung von Arbeitszeit und Besoldung sowie bei der Frage des längeren gemeinsamen Lernens und der Inklusion.

1960 gründete die GEW die Max-Traeger-Stiftung zur Förderung wissenschaftlicher Forschung über Erziehungs-, Schul- und Hochschulwirklichkeit. Nach Kritik an der Auseinandersetzung mit dem NS-Erbe des Namensgebers beauftragte die GEW eine historische Studie; 2022 beschloss der Gewerkschaftstag die Umbenennung der Stiftung. Daneben bestehen der Heinrich-Rodenstein-Fonds, das Bildungs- und Förderungswerk und die Initiative „Fair Childhood – GEW-Stiftung Bildung statt Kinderarbeit“.

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