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Schottland
Schottland besteht aus dem nördlichen Drittel der größten europäischen Insel Großbritannien sowie mehreren Inselgruppen und hat etwa 5,5 Millionen Einwohner.
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Land und Naturraum
Schottland ist ein weitgehend autonomer Landesteil des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland. Es umfasst das nördliche Drittel der Insel Großbritannien sowie die Hebriden, Orkney- und Shetland-Inseln. Die Hauptstadt ist seit 1437 Edinburgh; zuvor war es Perth. Die Fläche beträgt 77.910 km², die Einwohnerzahl 5.436.600 (2022) und die Bevölkerungsdichte 70 Einwohner pro km². Schottland grenzt im Süden auf 154 km an England.
Das Land gliedert sich in drei geografische Großräume: die gebirgigen Highlands, die dicht besiedelten Central Lowlands und die Southern Uplands. Der Bevölkerungsschwerpunkt liegt im Central Belt zwischen Edinburgh und Glasgow. Höchster Berg Schottlands und ganz Großbritanniens ist der 1345 m hohe Ben Nevis. Der Tay ist mit 193 km der längste Fluss. Seen und tief eingeschnittene Meeresarme heißen Loch; bekannte Beispiele sind Loch Ness und Loch Lomond.
Das Klima ist gemäßigt, aber sehr wechselhaft. Der Golfstrom erwärmt besonders die Atlantikregionen. Der Westen ist im Allgemeinen wärmer als der Osten; die Western Highlands erhalten bis zu 3000 mm Niederschlag jährlich. Sommertemperaturen liegen ungefähr bei 18 °C. Als Extremwerte wurden etwa −27,2 °C im Januar 1982 bei Braemar und 32,9 °C am 9. August 2003 in Greycrook gemessen. Regelmäßiger Schnee fällt im Winter hauptsächlich in höheren Lagen.
Die Tier- und Pflanzenwelt ist typisch für Nordwesteuropa. Robben, Seevögel und Steinadler besitzen besondere Bedeutung. Der schottische Kreuzschnabel gilt als einzige endemische, also nur dort heimische, Vogel- und Wirbeltierart Britanniens. Seeadler und Rotmilan wurden wieder angesiedelt. Von den einheimischen kaledonischen Wäldern bestehen nur Reste, vor allem im Cairngorms-Nationalpark. An der Westküste gibt es außerdem Überreste eines von Eichen geprägten gemäßigten Regenwaldes. Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Schafbeweidung und Sportjagd beeinflussen die Verbreitung einheimischer Arten stark.
Bevölkerung, Sprache und öffentliche Dienste
In Schottland werden Englisch, Lowland Scots und Schottisch-Gälisch gesprochen. Die meisten Einwohner verwenden Standardenglisch; schätzungsweise 30 % sprechen daneben fließend Scots. Etwas mehr als 1 % nennt Schottisch-Gälisch, eine mit dem Irischen verwandte keltische Sprache, als Muttersprache. Nur auf den Äußeren Hebriden besteht noch eine gälischsprachige Mehrheit. Englisch und Scots werden vom schottischen Parlament mit gleichem Respekt, aber nicht mit gleicher Wertigkeit anerkannt. Schottisch-Gälisch erhielt 2005 durch den Gaelic Language (Scotland) Act offizielle Anerkennung.
Die größten Städte waren laut Zensus 2022 Glasgow mit 632.350, Edinburgh mit 506.520, Aberdeen mit 198.590 und Dundee mit 148.210 Einwohnern.
Die Mehrheit der Bevölkerung ist konfessionslos. Im Zensus 2022 waren 51,12 % bekenntnislos, 20,36 % gehörten der Church of Scotland und 13,30 % der römisch-katholischen Kirche an; der Islam erreichte 2,20 %. Historisch ist das Land seit der Reformation von 1560 protestantisch geprägt. Nationalheiliger ist der Apostel Andreas; ihm ist der Nationalfeiertag St. Andrew’s Day am 30. November gewidmet.
Das Curriculum for Excellence bildet den Bildungsrahmen für das Alter von 3 bis 18 Jahren. Drei- und Vierjährige haben Anspruch auf einen kostenlosen Kindergartenplatz. Die Grundschule beginnt ungefähr mit fünf Jahren und umfasst sieben Jahre von P1 bis P7; das reguläre Schulabgangsalter beträgt 16 Jahre. Schottland besitzt 15 Universitäten, darunter die alten Universitäten St. Andrews, Glasgow, Aberdeen und Edinburgh, sowie 43 Colleges. Etwa 40 % der 16- bis 64-Jährigen waren laut einem 2014 veröffentlichten Bericht mindestens bis NVQ Level 4 qualifiziert.
Die öffentliche Gesundheitsversorgung übernimmt NHS Scotland. Sie wurde durch den National Health Service (Scotland) Act 1947 gegründet und nahm am 5. Juli 1948 ihre Arbeit auf. Gesundheitspolitik und Finanzierung liegen in der Verantwortung der schottischen Regierung. Rezepte sind kostenlos; Zahnärzte und Optiker können abhängig vom Haushaltseinkommen Gebühren verlangen.
Historische Entwicklung
Nach dem Rückzug der eiszeitlichen Vergletscherung begann vor rund 12.000 Jahren die Wiederbesiedlung. Die ältesten archäologischen Belege für Wohn- und Kultstätten stammen aus der Zeit um 6000 v. Chr.; ab etwa 4500 v. Chr. wanderten neolithische Bauern ein. Römische Truppen drangen ab ungefähr 80 n. Chr. mehrfach in das heutige Schottland vor, errichteten dort aber keine dauerhafte Herrschaft. Der Hadrianswall entstand von 122 bis 128; um 400 gaben die Römer Britannien auf.
503 landeten Skoten aus Irland an der Westküste. Kenneth MacAlpin vereinte 843 Skoten und Pikten; ihr Land hieß auf Gälisch Alba. Nach einer englischen Annexion errang William Wallace 1297 bei Stirling Bridge einen Sieg. 1314 besiegte Robert the Bruce die Engländer in der Schlacht von Bannockburn. Die Erklärung von Arbroath von 1320 sollte den Papst zur Anerkennung der schottischen Unabhängigkeit bewegen und wurde von Papst Johannes XXII. akzeptiert.
1603 wurde Jakob VI. von Schottland als Jakob I. auch englischer König. Beide Länder hatten damit denselben Monarchen, blieben zunächst jedoch getrennte Königreiche. Der Act of Union vereinigte sie 1707 zum Königreich Großbritannien; das schottische Parlament wurde aufgelöst. Der letzte größere Versuch der Stuarts, die Throne zurückzugewinnen, scheiterte 1746 bei Culloden.
Ab etwa 1780 wurden während der Highland Clearances zahlreiche Kleinbauern vertrieben, zunächst zugunsten der Schafzucht und später großer Jagdgüter. Um 1820 erreichte die industrielle Revolution Schottland; Schiffbau, Kohle sowie Eisen und Stahl wurden zu führenden Industrien. 1975 gelangte erstmals Nordseeöl an Land.
1997 stimmte die Bevölkerung mit großer Mehrheit für ein Parlament mit begrenzten Zuständigkeiten; 1999 wurde das neue schottische Parlament gewählt. Im Unabhängigkeitsreferendum vom 18. September 2014 entschieden sich bei rund 85 % Wahlbeteiligung 55 % gegen die Auflösung der Union.
Politik, Recht und Unabhängigkeitsfrage
Schottland ist Teil einer parlamentarischen Monarchie. Staatsoberhaupt ist König Charles III. als Monarch des Vereinigten Königreichs; ein eigenes schottisches Staatsoberhaupt gibt es nicht. Durch die Devolution, also die Übertragung politischer Zuständigkeiten vom britischen auf das schottische Parlament, besitzt das Land weitgehende innere Autonomie. Seit dem 8. Mai 2024 ist John Swinney von der Scottish National Party First Minister und damit Regierungschef.
Das Parlament in Edinburgh kann insbesondere über Bildung, Gesundheit, Lokalverwaltung, Wohnungswesen, Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei, Umwelt, Raumplanung, Tourismus, Sport, Wirtschaftsförderung und Verkehr entscheiden. Es darf Gesetze erlassen und Steuersätze in begrenztem Umfang festlegen. Außenpolitik, nationale Sicherheit, Migration, Kernenergie, Rundfunk und Arbeitsrecht bleiben beim britischen Parlament. Dieses kann schottische Entscheidungen grundsätzlich überstimmen. Die schottische Regierung ist dem schottischen Parlament verantwortlich.
Die seit 1707 garantierte eigenständige Rechtsordnung beruht teilweise auf römischem Recht und ähnelt stärker kontinentaleuropäischen Systemen als das englische Recht. Der Court of Session ist das höchste Zivilgericht, der High Court of Justiciary das höchste Strafgericht. Seit 1996 ist die Verwaltung einstufig in 32 Council Areas gegliedert. Police Scotland entstand 2013 aus acht regionalen Polizeikräften und mehreren Spezialdiensten.
Beim Referendum 2014 stimmten genau 55,3 % gegen und 44,7 % für die Unabhängigkeit; die Beteiligung betrug 84,6 %. Beim EU-Referendum vom 23. Juni 2016 votierte Schottland mehrheitlich für den Verbleib, während das Vereinigte Königreich insgesamt für den Austritt stimmte. Daraufhin wurde ein weiteres Unabhängigkeitsreferendum gefordert. Ein entsprechender Antrag wurde am 14. Januar 2020 zunächst von Premierminister Boris Johnson und später auch vom obersten Gericht Großbritanniens abgelehnt.
Wirtschaft und Verkehr
Wichtige Wirtschaftsbereiche sind Erdöl, Whisky, erneuerbare Energien, Kreativwirtschaft, Landwirtschaft und Tourismus. Aberdeen ist seit den 1970er Jahren das Zentrum der Nordseeölförderung. Die Öleinnahmen gehen an das gesamte Vereinigte Königreich, was auch die Unabhängigkeitsdebatte beeinflusst. Der Whiskyexport erreichte 2018 etwa 4,7 Milliarden Pfund; von 2016 bis 2018 wuchs die Branche um 10 % auf 5,5 Milliarden Pfund.
Erneuerbare Energien deckten 2015 bereits 57,4 % des schottischen Strombedarfs. Von insgesamt 21.673 GWh stammten 13.837 GWh aus Windenergie und 5780 GWh aus Wasserkraft. Im August 2016 erzeugten Windkraftanlagen erstmals über einen ganzen Tag mehr Strom, als Schottland an diesem Tag benötigte. Der Kreativsektor, unter anderem Literatur, Film, Mode, Software und Computerspiele, erzielte 2022 einen Umsatz von 10,4 Milliarden Pfund und beschäftigte rund 88.000 Menschen.
Mehr als drei Viertel der Landesfläche dienen Ackerbau oder Weidewirtschaft. Angebaut werden vor allem Gerste, Weizen, Hafer und Kartoffeln; in Highlands, Inselgebieten und Southern Uplands dominiert die Schafzucht. Der Landbesitz ist stark konzentriert: Die Hälfte des Bodens gehört 608 Eigentümern, die 18 größten besitzen zusammen 10 % Schottlands.
2015 kamen mehr als 14,6 Millionen Besucher. Der Tourismus erzeugt etwa 12 Milliarden Pfund wirtschaftliche Tätigkeit, trägt rund 6 Milliarden Pfund beziehungsweise etwa 5 % zum schottischen Bruttoinlandsprodukt bei und sichert ungefähr 200.000 Arbeitsplätze.
Gezahlt wird mit Pfund Sterling. Bank of Scotland, Royal Bank of Scotland und Clydesdale Bank dürfen eigene Banknoten herausgeben; diese werden außerhalb Schottlands nicht überall angenommen, können aber bei Banken gebührenfrei umgetauscht werden.
Das Verkehrsnetz verbindet dicht besiedelte Zentren und abgelegene Inselregionen. Im Norden sind einspurige Single track roads mit Ausweichstellen verbreitet. Internationale Flughäfen bestehen in Aberdeen, Edinburgh, Glasgow und Prestwick. Das Schienennetz ist im Central Belt dichter als in Highlands und Borders; ScotRail betreibt den größten Teil des Personenverkehrs. Glasgow besitzt Schottlands einzige U-Bahn, Edinburgh die einzige Straßenbahn. Zahlreiche Fähren verbinden das Festland mit Hebriden, Orkney- und Shetland-Inseln; wichtige Betreiber sind Caledonian MacBrayne, NorthLink Ferries und Pentland Ferries.
Kultur, Medien und Sport
Bekannte Symbole schottischer Kultur sind Dudelsack, Kilt, Whisky, Tartans und die Distel als Nationalpflanze. Harris Tweed darf nur so heißen, wenn er auf den Äußeren Hebriden hergestellt wurde. Zur traditionellen Küche gehören Shortbread, Haggis und Kidney pie. Das Clansystem ist besonders mit den Highlands verbunden; die heute bekannten Tartans entstanden allerdings erst ab dem späten 18. Jahrhundert. Von Mai bis Oktober finden an bis zu 100 Orten Highland Games und Highland Gatherings statt. Zu den typischen Wettbewerben zählt das Baumstammwerfen.
Schottland besitzt keine offizielle Nationalhymne. Traditionell wird Scotland the Brave verwendet, während bei Fußball-, Rugby- und Cricketspielen häufig Flower of Scotland erklingt. BBC Scotland ist der nationale öffentlich finanzierte Sender; BBC Alba sendet auf Gälisch. Bedeutende Zeitungen sind Daily Record, The Herald und The Scotsman.
Golf, Rugby und Fußball zählen zu den wichtigsten Sportarten. Das moderne Golfspiel entstand im 15. Jahrhundert in Schottland. In St Andrews wurde 1764 der Standardplatz von 22 auf 18 Löcher verkürzt. The Open Championship, das älteste Golfturnier und erste Major-Turnier, wurde erstmals am 17. Oktober 1860 in Prestwick gespielt.
Das erste internationale Rugbyspiel fand am 27. März 1871 in Edinburgh statt; Schottland besiegte England mit 4:1. Die Rugby-Union-Nationalmannschaft nimmt an den Six Nations und an Weltmeisterschaften teil. Im Fußball bestritten Schottland und England 1872 das erste Länderspiel. Der 1873 gegründete schottische Verband SFA ist der zweitälteste nationale Fußballverband der Welt. Die vier höchsten Männerligen sind Scottish Premiership, Scottish Championship, Scottish League One und Scottish League Two. Auch Eishockey besitzt eine lange Tradition; Cricket ist dagegen weniger verbreitet und gilt häufig als englische Sportart. Bei den Commonwealth Games ist Schottland seit 1930 vertreten und gewann bislang 541 Medaillen: 145 Gold, 152 Silber und 244 Bronze.